Wir sind die Disruption

Hand aufs Herz. Nicht alle unterstützen Digitalisierung in ihrer Arbeit, ihrem Geschäftsfeld. Nicht, weil digital so schlimm ist – sondern weil sie nicht von der nächsten Disruption betroffen sein wollen. Das eine muss aber nicht zum anderen führen! Und das andere kommt – so oder so.

Wenn sich Arbeiten und Geschäftsfelder „digitalisieren“, heißt das erstmal nicht viel. Nach dem Modell von Lankshear und Knobel hat der digitale Wandel drei Ebenen. Auf der untersten Ebene erwirbt man zunächst digitale Kompetenz. Was ist durch Digitalisierung möglich? Wie lassen sich entsprechende digitale Tools nutzen? Menschen müssen hier Neues lernen, nicht mehr und nicht weniger.

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Auf der zweiten Ebene steht dann die Nutzung digitaler Tools. Menschen müssen sich hier daran gewöhnen, dass Arbeitsprozesse etwas anders gestaltet sind. Weniger Papier, mehr PC. Weniger Wege und Orte um etwas zu erhalten oder zu erledigen, mehr online Aktivitäten. Schlimm? Umfragen der letzten Jahre zeigen recht kohärent, dass Mitarbeiter/innen dadurch eine Entlastung in der Arbeit empfinden.

Jetzt, auf der dritten Stufe des Modells, wird es interessant: digitale Transformation. Hier wird Arbeit nicht nur digitaler, sondern transformiert. Sie wird neuartig. Ganz neue Ideen kommen auf. Neue Aufgabenfelder, Geschäftsfelder und Perspektiven entwickeln sich aus den Möglichkeiten, die die Digitalisierung bringt. Auch das ist nicht schlimm. Es ist für die meisten Mitarbeiter/innen eher spannend, wie Umfragen der letzten Jahre zeigen.

Und dann kann eintreten was viele befürchten – digitale Disruption. Neue Möglichkeiten durch die Digitalisierung führen dazu, dass alte Systeme oder Prozesse, alte Produkte oder Services, ganze Geschäftsfelder, auf einmal weniger oder nichts mehr Wert sind. Die Folge ist, sie werden eingestellt oder ersetzt. Hier ist die Fähigkeit gefragt, Abschied zu nehmen und sich umzuorientieren. Und das fällt schwer.

Wie eingangs beschrieben, die Digitalisierung der eigenen Arbeit oder des eigenen Geschäftes führt nicht automatisch zur Disruption desselben. Sie kann diese vielmehr verhindern, indem die Arbeit sich entwickelt, zukunftstauglich wird – auch der Arbeitsplatz.

Und wie ebenfalls eingangs beschrieben, manchmal hilft die Erkenntnis, dass Disruption immer ein reales Szenario ist. Selbst wenn wir versuchen, die fortschreitende Digitalisierung in unserem Bereich zu bremsen – woanders wird sie beschleunigt. Aggressiver, unabhängiger und mit voller Absicht. Viele Unternehmen entscheiden sich daher ganz bewusst, in dafür geschaffenen Abteilungen zu versuchen, ganz gezielt die eigene Arbeit und das eigene Geschäftsfeld zu ersetzen. Bevor es andere tun. So bleibt es quasi in der Familie, die Mitarbeiter/innen sind noch Teil davon.

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Zusammenfassend, die Digitalisierung kann drei Folgen haben für das, womit wir unser Geld verdienen. (1) Sie kann das Produkt, den Service, den Prozess oder das System mit digitalen Angeboten oder Komponenten ergänzen. Man bietet etwas Zusätzliches online an oder kann Maschinen über Sensoren präventiv warten. (2) Sie kann etwas erneuern, z. B. selbstfahrende Autos ermöglichen. (3) Sie kann etwas ersetzen. Einen Laden mit einem Online Shop zum Beispiel, oder die Herstellung einer einfachen Kamera unnötig machen, wenn jeder ein Smartphone hat.

Alle drei Entwicklungen bedeuten Veränderung. Hinzu- oder umlernen, verändern und verbessern; entwickeln, und vielleicht etwas ganz Neues tun. Je mehr wir lernen und uns entwickeln, desto weniger anfällig sind wir für eine Disruption. Und vielleicht lernen wir so viel und verändern uns so stark, dass wir selbst die Disruption sind. 

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