Moderation: Die unterschätzte Kunst

Es ist eine Aufgabe, die wir häufig wahrnehmen, aber selten trainieren: Die Moderation. Sowohl in Video- als auch in Präsenzkonferenzen lässt man die Moderation meist einfach passieren. Die Probleme liegen auf der Hand: unklar definierte Ziele, überschrittene Zeitrahmen, ungleiche Redeanteile und der Verlust wertvoller Inputs jener, die nicht zu Wort kommen. Einige Tipps zur Abhilfe.

Gute Moderation hält Redeanteile im Gleichgewicht?

Stellen wir uns eine typische Teams-Videokonferenz von einer Stunde vor. Alle Teilnehmenden schalten sich zu, am Anfang gibt es das übliche technische Geplänkel. Die Konferenzleiterin begrüßt und sagt, worum es geht. Dann bittet sie die erste Person: „Michael, vielleicht möchtest du mit deinen Punkten anfangen?“ Michael, Verhaltenstyp super-gesprächig, nimmt die Aufforderung gerne an, legt los und kommt so richtig in Fahrt. Die Konferenzleiterin kann ihn nicht bremsen, auch die anderen Teilnehmer sind verstummt.

Schließlich sind 20 Minuten vorbei, doch fünf Personen sollten noch ihre Punkte einbringen und anschließend eine Lösung diskutiert werden. Das kann sich nicht ausgehen und wird zu keinem befriedigenden Ergebnis führen. Selbst wenn noch Zeit für eine kurze Diskussion bleibt, werden sich auch hier dominante Redner durchsetzen und die ruhigen nicht mehr zu Wort kommen.

Vorbereiten und aktiv steuern sind die Voraussetzung für gute Modration

Hier lohnt es sich, die Moderation bewusst vorzubereiten. Der Einstieg nach der Begrüßung könnte so aussehen: „Unser Ziel ist heute, uns für einen Paketdienstanbieter zu entscheiden. Wir haben drei Angebote vorliegen, die ihr im Vorfeld erhalten habt. Ich bitte euch, dass jeder seine Meinung abgibt – bitte beschränkt euch auf eine Redezeit von drei Minuten pro Person. Danach haben wir 20 Minuten Zeit zu diskutieren und am Ende stimmen wir das Ergebnis ab. Einverstanden?“

So gibt die Moderatorin Ziel, Struktur und Zeitrahmen vor. Die Teilnehmenden haben die Sicherheit, sich ganz auf das Thema konzentrieren zu können und nach dem Meeting einen Punkt auf ihrer Arbeitsagenda erledigt zu haben. Das ist motivierend und fördert die Aufmerksamkeit. Denn – Hand aufs Herz – wer schaltet nicht gerne bei endlosen Debatten das Handy oder den zweiten Bildschirm ein, um nebenbei Wichtigeres zu erledigen?

Gute, effiziente Moderation ist eine Kompetenz, die man lernen kann. Während sich viele Unternehmen bei der Fortbildung ihres Personals auf Führung und Präsentation konzentrieren, wird der Stellenwert der Moderation häufig unterschätzt. Dabei vereint sie einige wichtige Management Skills wie Körpersprache, Gestenführung, Verhaltenstypologie und pointierte Statements.

Dieser Beitrag ist auf https://www.sekundeeins.at erschienen.
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