Brain-Tuning – Macht das Leben leichter

Wie lässt sich das Leben leichter und erfolgreicher gestalten? Viele von uns versuchen mit Quälerei zum Ziel zu kommen. Dieser Weg ist steinig und mindert unsere Lebensqualität. Doch wenn Sie verstehen, wie Sie selbst funktionieren, wie die Informations- und Wissensgesellschaft tickt und dieses beides in in Übereinstimmung bringen, werden Sie gelassen und mit einer hohen Lebensqualität erfolgreich sein.

Viele quälen sich, ›um es zu etwas zu bringen‹ oder ›zu mehr zu bringen‹. Und sie senken durch die Quälerei ihre Lebensqualität. Das wäre bei den meisten nicht nötig, wenn sie genauer wüssten, wie erstens Sie selbst funktionieren und wie zweitens die moderne Informations- und Wissenschaftsgesellschaft tickt. Um in ihr mit Gelassenheit und einer hohen Lebensqualität erfolgreich zu sein, ist nur beides in Übereinstimmung zu bringen.
Zu zeigen, wie man das macht, ist das Anliegen von ›Brain-Tuning‹. Es wird sicherlich auch denen Anregungen geben, die bereits in der Lage sind, mit relativ geringem Aufwand viel zu erreichen. Sie werden noch effizienter werden.
Dieses Buch soll die Kompetenz erhöhen, durch Brain-Tuning das Leben leichter und erfolgreicher zu gestalten. Um dies nachzuvollziehen oder gar als selbstverständlich zu begreifen, sollten Sie möglichst das Gleiche unter Brain-Tuning verstehen wie wir.

Das Gehirn auf das Wichtige im Leben einstellen

Wir orientieren uns an der englischen Herkunftsbedeutung von ›to tune‹: abstimmen, harmonisieren, einstellen. Diese Tätigkeit bezieht sich auf Musikinstrumente, Radios, Kraftfahrzeuge, Computer, aber auch auf Nervenzellen. Mit dem Tuning verbindet sich jeweils die Absicht, eine Leistung zu verbessern.

›Brain‹ davor, ebenfalls aus dem Englischen, steht für das Gehirn. Mit Brain-Tuning wollen wir die Gehirnleistung verbessern. Und dies nicht nur ein bisschen, sondern beträchtlich. Vor allem in den Bereichen, die für ein qualitativ hochwertiges und erfolgreiches Leben in der Informations- und Wissensgesellschaft wichtig sind und nicht für die Anforderungen von Muskelgesellschaften, wie sie die Agrargesellschaft und seit zwei Jahrhunderten die Industriegesellschaften waren.

Nun stehen Gesellschaften wie die unsrige schon mit einem Bein in der Informations- und Wissensgesellschaft. Diese fordert nicht mehr den vollen körperlich-muskulären Einsatz, sondern die Leistung des Gehirns.

Das Interesse der Informations- und Wissensgesellschaft liegt weniger am Wissen ihrer individuellen Bürger, denn das lagert und vermehrt sich inzwischen in großer Fülle in den Bibliotheken und dem weltweiten Internet. Eine gesuchtere Kompetenz ist der gekonnte Umgang mit Wissen: Welches Wissen braucht man, wo erhält man es, wie gelangt man daran und wie setzt man es zur Erfüllung bestehender Wünsche effizient ein? – Es geht demnach um die geistige Aktivität beziehungsweise Kopf- oder besser Hirnarbeit und nicht um das im Grunde passive Festhalten von Wissen.

Warum ersetzen wir das Brain-Tuning nicht durch Mental-Tuning? Weil man dabei oft ausschließlich an die geistige Seite denkt und außer Acht lässt, dass sich das körperliche Organ Gehirn sowohl durch geistige Interventionen als auch körperliche Einflussgrößen wie Essen, Trinken oder Schlaf beeinflussen lässt. Auf letztere Maßnahmen sollte nicht verzichtet werden, weil sie erhebliche, manchmal sogar mehr Wirkungen als mentale Interventionen haben, Letztere hin und wieder überhaupt erst möglich machen und zudem häufig mit Lustgefühlen einhergehen.

Sich das Leben erleichtern

Welche Verbesserung unseres Lebens ist mithilfe von Brain-Tuning zu erwarten? Einige der Aspekte, die eine erhöhte Lebensqualität ausmachen, haben ihre Ursachen in uns selbst. So die Freude, die wir bei geistigen Beschäftigungen erleben können, … aber nicht müssen. Oder der Zugewinn an Selbstvertrauen, psychischer Ausgeglichenheit, Gelassenheit und Gesundheit. Und schließlich ein längeres Leben, dies zudem bei hoher Lebensqualität.

Einige andere Bedingungen zur Erhöhung unserer Lebensqualität gehen von der gesellschaftlichen Umgebung, letztlich auch vom Staat und den in ihm etablierten Institutionen aus. Im Rahmen der vorherrschenden gesellschaftlichen Einstellung wird versucht, geistig leistungsfähige Bürger besonders zu belohnen: Durch Gewährung langer Ausbildungen sowie die Aufnahme beziehungsweise Unterbringung in interessanten, sicheren, angesehenen und gut bezahlten Berufen beziehungsweise gesellschaftlichen Positionen.

Die wissenschaftlichen Studien belegen die aufgezeigten Trends. Sie weisen nach, dass diese Zusammenhänge für Mehrheiten gelten. In Einzelfällen können hingegen gravierende Abweichungen vorkommen. Beispielsweise gibt es geistig sehr Leistungsfähige und gleichzeitig psychisch sehr stabile Menschen, die im mittleren Erwachsenenalter ein geringes Einkommen haben oder im frühen Seniorenalter eine Altersdemenz bekommen. Aber sie sind nicht die Regel, sondern die Ausnahmen. Wir gehen auf die Vorzüge ein, die sich beim Brain-Tuning bei der Mehrheit der Nutzer einstellen werden.

Mehr Lebensqualität: Spaß, Intelligenz, Gesundheit und ein langes Leben

Wenn Brain-Tuning die Lebensqualität fördern soll, was können wir im Einzelnen davon erwarten?

  • Mehr beziehungsweise häufiger Spaß bei geistigen Aktivitäten
  • Erhöhung des Intelligenzniveaus
  • Stärkung des Selbstvertrauens, der psychischen Stabilität und der Gelassenheit
  • Förderung der Gesundheit
  • Verlängerung der Lebensdauer … bei hoher Lebensqualität

Jeder der angeführten Punkte kann für das individuelle Leben von großer Relevanz sein

Die Erhöhung des Intelligenzniveaus

Dass geistig vernachlässigte Kinder und Erwachsene ihre genetisch vorgegebenen Potenziale an Intelligenz nicht voll entwickeln, wiesen bereits alte Studien aus der Pädagogischen Psychologie und Intelligenzpsychologie nach. Diese Erkenntnisse dürften schon zum allgemeinen Wissensgut gehören. Hingegen scheint es vielen nicht selbstverständlich zu sein, dass unter den heutigen Lebensverhältnissen noch Erhebliches aus den meisten von uns herauszuholen ist. Dabei sollte der bereits seit 1984 von dem Politologen Prof. Dr. James R. Flynn aus Neuseeland nachgewiesene Trend der Intelligenzentwicklung ganzer Länder zu denken geben (Näheres im Kasten Der Flynn-Effekt auf Seite 85). Demnach hatten nicht nur der Lebensstandard, sondern auch die Intelligenzleistungen in den Industrieländern in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gewaltig zugenommen. Die Hälfte, also 50 Prozent der Erwachsenen der Neunzigerjahre wäre nach den Maßstäben von 1950 geistig hochbegabt gewesen. Sie hätte damals zu den im Intelligenzniveau führenden 2,5 Prozent der Bevölkerung gehört. Obwohl wir heute mental viel leistungsfähiger als unsere Generationen zuvor sind, können wir unseren Intelligenzquotienten in wenigen Tagen noch um etliche Punkte steigern.
Viele mehr oder weniger umfangreiche Experimente mit geistigen Leistungstrainings, geeignetem Essen und Trinken, bestimmten Bewegungen, Schlafänderungen, Lese- oder Hörhilfen und so weiter weisen beträchtliche Intelligenzsteigerungen innerhalb weniger Tage nach. Sie bestätigen also, dass die genetisch vorgegebenen Grenzen mit Abstand noch nicht erreicht sein können.

Welche sind die Gründe dafür, intelligenter werden zu wollen?

Einige begnügen sich mit dem Wissen, über einen möglichst hohen IQ zu verfügen. Wenn sie ihren IQ durch ein Programm noch steigern können, ist ihnen das den Aufwand wert. Andere fragen sich, was ein hoher IQ zusätzlich bringt. Unsere Antwort ist: Eine ganze Menge, weit mehr als es Laien einschätzen. Die Ausprägung des Intelligenzniveaus hängt, wie umfangreiche wissenschaftliche Studien nachweisen, mit vielen Vorzügen für Angehörige unserer Informations- und Wissensgesellschaft zusammen. Auf diese gehen wir später ein. Der Intelligenz kommt aber eine Schlüsselposition zu. Da wir nicht umhin können, uns immer wieder darauf zu beziehen, befassen wir uns damit, was die Mehrheit der Intelligenzpsychologen heute unter Intelligenz versteht.

Obwohl der Intelligenzbegriff unscharf ist, wissen wir doch grob, worum es geht. Nämlich, die Fähigkeit zu denken, schnell, umsichtig und auch ausdauernd. Diese Fähigkeit schlägt sich in Wissen nieder, weniger dem von Ereignissen, Namen und ähnlichen isolierten Sachverhalten als von Zusammenhängen.

Die ersten Entwickler von Intelligenztests orientierten sich an Lebenssituationen: Wo und wie wurde das Denken gebraucht? Im Gespräch mit anderen, bei der Kassenabrechnung im Milchladen, bei der Zusammenstellung des Mittagessens für eine Familie, beim Suchen des Bürgermeisters in einer fremden Kleinstadt, bei der Beschäftigung von vier Kindern, beim Wandern in einer nicht vertrauten Gegend und so weiter. Als Stichproben derartiger Situationen wurden für Intelligenztests zig, manchmal Hunderte Aufgaben zusammengestellt, dann bei vielen Personen abgenommen und statistisch analysiert. Nach den Analyseergebnissen wurden die Aufgaben verschiedenen geistigen Leistungsgebieten zugeordnet wie Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Sprachvermögen, Merkfähigkeit, technisches Verständnis/räumliche Vorstellung und Fähigkeiten für Logik und Rechnen.

Muss, wer sich mit Intelligenz befasst, alle diese Intelligenzaspekte berücksichtigen?

Nein. Nicht wenn es um eine rasche Orientierung und eine effiziente Einflussnahme geht. Das ist anders als bei differenzierten Anwendungen wie sie der Berufsberater oder neuropsychologische Diagnostiker durchführt. Nicht einmal Wissenschaftler untereinander reden so differenziert wie: ›Frau Müller ist sprachlich mittelmäßig intelligent, mathematisch sogar überdurchschnittlich, in der räumlichen Vorstellung allerdings unterdurchschnittlich‹ und so weiter. Für viele Zwecke genügen Vereinfachungen wie ›Frau Müller ist etwa durchschnittlich intelligent‹.
Man spricht öfter pauschal von der Intelligenz und nicht von der sprachlichen und der räumlichen und der logischen und so weiter Intelligenz.

Diese Vereinfachung erhält auch ihre Stützen durch aufwendige Untersuchungen. So hatte der US-amerikanische Intelligenzforscher Prof. Dr. John Bissel Carroll nach dem Studium aller 477 ihm zugänglichen weltweit veröffentlichten Intelligenzstudien, die über 135.000 Personen einschlossen, herausgefunden, dass es gerechtfertigt ist, in einer ersten Annäherung von der Intelligenz zu sprechen. Diesen Aspekt bezeichnen Psychologen als ›Generalfaktor der Intelligenz‹ (= g-Faktor). Erst wer sich näher mit der Intelligenz als Thema oder der Intelligenz einer konkreten Person, Personengruppe oder gar aller Menschen befasst, wird differenzieren.

Um beispielsweise Erfolge in der Informations- und Wissensgesellschaft vorherzusagen, die soziale Vernachlässigung oder Ausprägung einer Demenz im Alter zu bestimmen oder wirksame Maßnahmen zur Intelligenzsteigerung zu entwickeln, empfiehlt sich eine Zweiteilung: flüssige und kristallisierte Intelligenz. – Auch Carroll hatte diese als wichtigste Vertreter des g-Faktors erkannt.

Flüssige (= fluide) Intelligenz

Sie entspricht der aktuellen geistigen Leistungsfähigkeit ohne Rückgriff auf Erfahrung [13]. Fluide Intelligenz gilt als Fähigkeit, neue Probleme geistig zu lösen. Sie steht im engen Zusammenhang mit der Funktionsfähigkeit des Gehirns und ist sehr anfällig. Sie wird beeinträchtigt durch geistige Über- oder Unterforderungen, zu geringe oder zu starke Anspannung, Affekte, Fehlernährung, körperliche Ruhelosigkeit oder mangelnde Bewegung und so weiter.

Kristallisierte (= kristalline) Intelligenz: Sie entspricht dem verfügbaren Wissen und den Fertigkeiten [13]. Der Level wird oft stichprobenhaft durch den Wortschatz einer Person geprüft (siehe Übung 4 auf Seite 29). Die kristallisierten Leistungen sind gegen Störungen wie Befindlichkeitsminderungen, leichte oder mittelschwere Depressionen und Demenzen stabil. Sie sinken also dabei nicht oder kaum. Im Wesentlichen beruht kristallisierte Intelligenz auf den Erfahrungen, die unter der Auseinandersetzung der flüssigen Intelligenz mit inhaltlichen Problemen beziehungsweise Fragen gewonnen wurden. Das Niveau der kristallisierten Intelligenz erreicht bei etwa Zwanzigjährigen das Maximum und bleibt bis kurz vor dem natürlichen Tod auf diesem Stand.

Die Leistungen für fluide Intelligenz sind oft schon bei ungefähr Sechzehnjährigen am höchsten, bleiben bis zum Lebensalter von fünfundzwanzig Jahren auf diesem Niveau und nehmen dann – erst langsam, dann rasch – wieder ab. Das sind Durchschnittsergebnisse über viele Personen, die in Prüfsituationen untersucht wurden. Im Einzelfall weisen die fluiden Intelligenzleistungen auf den momentanen Gesamtzustand hin. Bei unterschiedlichen Ursachen wie Unterzuckerung, Sauerstoffmangel, Bluthochdruck, Hirnvergiftungen, aber auch längerfristig verringerten Sinnesanregungen bleibt die flüssige Intelligenz unter dem erreichbaren Maximalniveau. Im engen Zusammenhang mit derartigen Ursachen stehen Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit im Alltag, beispielsweise der Lern- und Gedächtnisleistungen sowie der Übersicht im Straßenverkehr und bei Gesprächen oder in der Organisation von beruflichen und sonstigen Tagestätigkeiten.

Die Stärkung des Selbstvertrauens, der psychischen Stabilität und der Gelassenheit

Die Versuchspersonen der zuvor dargestellten Studie erhöhten nicht nur ihren IQ. Sie waren nach den vierzehn Übungstagen auch psychisch ausgeglichener, gelassener, wenn man so will, weniger gestresst. Es kann daraus geschlossen werden, dass sich begleitend das Selbstvertrauen erhöhte. Denn Ausgeglichenheit beziehungsweise Gelassenheit setzt ein Vertrauen auf sich selbst voraus.

Andere Studien wiesen diese Kopplung von mentaler Leistungssteigerung und Erhöhung des Selbstvertrauens direkt über Messungen nach. Dabei wurde eine Skala für Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung abgenommen [81], die das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit prüft. In der Skala soll angegeben werden, inwieweit Aussagen wie die folgenden auf den Studienteilnehmer zutreffen.

Drei Beispiele:

  • Wenn sich Widerstände auftun, finde ich Mittel und Wege, mich durchzusetzen.
  • Was auch immer passiert, ich werde schon klarkommen.
  • Schwierigkeiten sehe ich gelassen entgegen, weil ich meinen Fähigkeiten immer vertrauen kann.

Mehrere einschlägige Untersuchungen liefen auf Initiative des Diplom-Ökotrophologen Günter Wagner, dem Leiter des Institut für Sporternährung e.V. in Bad Nauheim. In einer Serie von Studien prüfte er die Annahme, dass die Zufuhr von kohlenhydrathaltigen gegenüber kohlenhydratfreien Getränken bei Nichtfrühstückern einen geistigen Leistungsschub bewirkt und das Selbstvertrauen stärkt. Tatsächlich stiegen bei den Versuchspersonen der (flüssige) IQ und das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit .

Für optimale Mengen der Getränkeaufnahme fand Wagner gleiche Zusammenhänge. Erwachsene, die an normalen, also nicht sehr heißen Tagen, ein und anderthalb Liter an Getränken (Mineralwasser) zu sich nahmen, trauten sich weniger zu und waren geistig nicht so fit wie die Personen, die zwei oder gar zweieinhalb Liter tranken. Bei drei und mehr Litern nahmen Selbstvertrauen und Leistungsfähigkeit aber wieder ab.

Neben mentalen Übungen, Essen und Trinken können Bewegung, Schlaf, Sinnestüchtigkeit und Vermeidung von Schadstoffen Erhebliches dazu beitragen, sowohl den IQ als auch das Selbstvertrauen und die psychische Ausgeglichenheit zu fördern.

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