»Give me convenience or give me death« brüllte Jello Biafra von den Dead Kennedys 1987 ins Mikro. Es war es eine zynische Warnung vor dem blinden Konsumismus. Heute, fast 40 Jahre später, wirkt es wie die inoffizielle Nationalhymne unserer Gesellschaft. Wir haben uns für die Bequemlichkeit entschieden – und dafür zahlen wir einen hohen Preis: den Verlust von Leistungsbereitschaft und Resilienz.
Die »Wohlfühl-Falle« beginnt im Klassenzimmer
Der Trend zur maximalen Annehmlichkeit hat längst die Schulen erreicht – oder ist sie der Ausgangspunkt? Anstrengung wird dort oft nicht mehr als Weg zum Wachstum gesehen, sondern als unzumutbare Belastung. Wir diskutieren über die Abschaffung von Noten und Bundesjugendspielen, weil der direkte Vergleich »verletzend« sein könnte.
»Strebertum stirbt aus – Leistung wird nicht mehr gewürdigt« ist das alarmierende Urteil des Lehrers Johannes Schreiber im FOCUS-Online vom 23.01.2026. (https://lnkd.in/dJ7QNzY5)
Immer wenn das Ergebnis nicht reicht, greift eine ausgeklügelte Exkulpations-Maschinerie, in der das Wort »Eigenverantwortung« als Tabu gilt. Stattdessen lösen wir individuelle Verantwortung in einem Netz aus externen Faktoren auf. Diese »wohlklingenden Rechtfertigungen« fungieren wie ein gesellschaftlicher Stoßdämpfer. Sie haben einen psychologischen Nutzen, aber einen fatalen systemischen Effekt.
Doch was passiert, wenn wir schon jungen Menschen beibringen, dass Leistung etwas »asoziales« ist?
Wir nehmen ihnen die Chance, an Widerständen zu wachsen. Wir suggerieren, dass Erfolg ein Grundrecht ist, das ohne Schweiß geliefert wird. Wir verwechseln Chancengleichheit mit Ergebnisgleichheit.
Anstrengung ist ein doppeltes Schwert – sie kostet Energie, belohnt aber mit Sinn, Stärke und Wohlbefinden. Psychologisch gesehen motiviert sie uns, weil sie unser Potenzial entfaltet, solange sie nicht übertrieben wird.
In der modernen Gesellschaft wird das Streben nach Exzellenz zunehmend durch eine Harmonie-Kultur ersetzt, in der Leistungskritik als „Bashing“ und Ehrgeiz als »verbissen« stigmatisiert werden. Dieser Trend wertet Komfort und das bloße »Dabeisein« – nicht einmal »Mitmachen« – zum neuen Standard auf, während produktiver Druck als toxisch verteufelt wird.
Anstrengung?
Wie asozial ist das denn? Wer seine Grenzen pusht, stört das kollektive Wohlgefühl derer, die sich für die Bequemlichkeit entschieden haben. Disziplin wird hier zum Vorwurf an die Trägheit der anderen.
Bequemlichkeit ist ein bequemes Kissen, aber ein schlechter Motor.
