Überall werden wir angetriggert, mitzumachen. Gestern vegetarisch, heute vegan, morgen High-Protein. Gestern Joggen, dann Pilates, jetzt Hyrox. Gestern Klima, heute Demokratie, morgen …
Dahinter steckt eine Strategie, die uns in Dauerbewegung halten will: organisierte Dauerbeschäftigung. Wer ständig beschäftigt ist, hat keine Zeit, innezuhalten. Gehalten im künstlichen Aktivismus merken wir nicht, was wirklich um uns herum passiert: Den Blick starr auf die nächste Sprosse gerichtet – das Hamsterrad als Fortschritt.
Da klingeln die höflichen Worte des Philosophen Slavoj Žižek »I would prefer not to« wie Musik in den Ohren. »Ich würde es vorziehen, nicht…« Eine Konsequenz, die uns guttun würde. Liegen bleiben, nichts machen. Den nächsten Hoax aussitzen.
Žižeks Worte sind keine aggressive Verweigerung, kein Nein. Es ist eine passive Entziehung. Und der Effekt ist grandios: Mit einem aggressiven »Nein« würden wir Teil des Systems bleiben – dagegen kämpfen. Wenn wir aber sagen: »Ich würde es vorziehen, nicht…«, entziehen wir dem System die Grundlage. Wir werden ungreifbar für Trends, sozialen Druck.
Während die Welt von Mindfulness spricht, was meist in mentale Arbeit ausartet, beschreibt der niederländische Lebensstil Niksen einen charmanten Ausweg. Nichts tun. Aus dem Fenster starren, herumsitzen, den Gedanken beim Wandern zusehen. Erst in diesem Leerlauf schaltet unser Gehirn in den »Default Mode« und wird wirklich frei.
Vergessen wir die Angst, etwas zu verpassen, und genießen wir den Joy of Missing Out. Die wahre Freude daran, etwas nicht mitzubekommen, nicht dabei zu sein, nicht zu allem eine Meinung haben zu müssen oder jedem Trend folgen zu wollen. Genießen wir diese neue Souveränität.
Liegen bleiben ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine notwendige Notbremse. Es ist der Moment, in dem wir vom »Objekt«, wieder zum »Subjekt« werden – und einfach nur existieren.
