Fein gemacht

»Eine moderne Management Kultur muss Lob und Wertschätzung operationalisieren – zur systemimmanenten Komponente machen

Das klingt erst einmal super. Doch diese Idee sprengt die Grenze zwischen empathischer Führung und manipulativer Verhaltenssteuerung.

Denn wenn Lob und Wertschätzung »operationalisiert« werden, mutiert sie vom zwischenmenschlichen Geschenk zum Werkzeug der Profitmaximierung.
Sobald Anerkennung zum Bestandteil eines standardisierten Prozesses wird, verliert Anerkennung ihren emotionalen Gehalt. Lob und Wertschätzung werden zur Commodity – zur billigen austauschbaren Ware.

Und Mitarbeiter sind nicht blöd. Sie können sehr wohl zwischen echter Begeisterung, Lob, Wertschätzung und Floskeln aus dem Gesprächsleitfaden für Führungskräfte unterscheiden.

Lob als Lohnersatz führt zu Mangelernährung

Werden Lob und Wertschätzung zudem als taktische Instrumente eingesetzt, um bspw. Mehrleistung ohne Lohnausgleich zu generieren, entsteht ein massives Ungleichgewicht im »Tauschgeschäft«. Denn früher oder später korrumpiert kalkulierte Anerkennung die intrinsische Motivation – spätestens dann, wenn die Anerkennung als unauthentisch, rein transaktional und manipulativ entlarvt wird, bricht die Leistungsbereitschaft ein, das Vertrauensverhältnis leidet massiv.

Menschen hassen es, das Gefühl zu haben, erzogen oder konditioniert zu werden. Wenn ein Mitarbeiter merkt: »Mein Chef lobt mich gerade nur, damit ich am Wochenende die Überstunden mache«, löst das Reaktanz aus. Das Lob wirkt dann nicht motivierend, sondern herablassend.

Wenn das „Tauschgeschäft“ massiv gestört ist, wird früher oder später Lob zum blanken Hohn. Ein Lob ist wie ein Dessert. Es rundet ein gutes Hauptgericht ab, aber man kann niemanden davon ernähren, ohne dass er verhungert oder sich veralbert vorkommt.

Authentizität lässt sich nicht skalieren

Es grenzt schon an menschlicher, sozialer Entrücktheit, zu versuchen, Emotionen, menschliche Wärme und Nähe zu skalieren. Echte Wertschätzung ist ein Unikat. Sie erfordert Zeit, Auf

Teilen

Dieser Artikel kann nicht kommentiert werden.