Wer erschöpft ist, hat wenig Mut.

Klingt hart. Ist aber Biologie. Wenn dein innerer Akku im roten Bereich blinkt, schaltet dein Nervensystem in den Sicherheitsmodus. Und Sicherheit heißt für dein Gehirn vor allem eins: bloß nichts Neues. Deshalb scheitern die meisten guten Vorsätze nicht an fehlender Willenskraft, sondern an fehlender Energie. Mehr Sport, pünktlich Feierabend machen, mehr Zeit für Freunde – alles sinnvolle Ideen, dafür braucht es nicht mal Mut. Aber jede von ihnen bricht mit einer Gewohnheit. Und jede Veränderung von Routinen kostet Energie, die ein erschöpftes System schlicht nicht übrig hat.

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Wenn dein innerer Akku im roten Bereich blinkt, macht dein System etwas sehr Menschliches: Es geht in den Sicherheitsmodus. Und Sicherheit heißt aus Sicht deines Gehirns vor allem eins: Bloß nichts Neues! Daher ist auch der von Führungskräften oft beklagte Widerstand der Mitarbeitenden gegenüber Ver­änderungen in Unternehmen nur Erschöpfung. Und deshalb scheitern auch die meisten guten Vorsätze, selbst wenn du davon überzeugt bist, wie sinnvoll es wäre, mehr Sport zu treiben, öfter mal pünktlich deinen Arbeitstag zu be­enden oder mehr Zeit mit Freunden zu verbringen. Das sind prima Ideen! Für die brauchst du höchstwahrscheinlich noch nicht mal Mut. Aber sie haben alle etwas gemeinsam: Du musst deine Gewohnheiten und Muster durchbrechen, etwas anders machen. Und sobald du etwas anders machst als sonst, braucht dein Gehirn mehr Energie.

Dein Gehirn will dich stets schützen und Schutz braucht Stabilität, Routinen und Kontrolle. Mut dagegen braucht Weite, Neugier und Offenheit. Wenn du müde und mental erschöpft bist, gewinnt stets die Sicherheit.

Wenn unser Nervensystem auf Sparflamme läuft, werden wir vorsichtiger, reiz­barer, misstrauischer, weniger empathisch, neigen zu stereotypem Denken und Handeln, können uns weniger an neue Situationen anpassen, sind weniger motiviert und kreativ. Wir haben weniger Selbstwertgefühl, Impulskontrolle, Willenskraft und Vorstellungskraft. Wir sind weniger belastbar, widerstands­fähig und sozial. Narzisstische Verhaltensweisen können zunehmen und wir empfinden weniger Lebensfreude. Häufig leiden wir unter Schlaf- und Konzen­trationsstörungen und unser Immunsystem wird schwächer, was zu häufigen Infekten bis zu chronischen Entzündungen (beispielsweise Reizdarm), Hor­mondisbalancen und Autoimmunkrankheiten führen kann (Nehls 2022).

Wie soll da mutiges Handeln entstehen, wenn schon das Aufstehen von der Couch eine kleine Expedition ist?

Vielleicht fühlst du dich gerade selbst ein wenig so: ausgelaugt von ständigen Veränderungen, Entscheidungen und Sorgen. Der permanente Strom aus Nach­richten über Konflikte, Kriege und Krisen nagt an unseren Ressourcen. Viele von uns bewegen sich längst in einem Zustand zwischen »Ich funktioniere nur noch« und »Ich kann nicht mehr«.

Wenn du deinem Nervensystem Ruhe schenkst, passiert etwas Magisches: Dein Blick öffnet sich wieder. Deine Kreativität kehrt zurück. Deine Entscheidungen werden klarer und leichter. Du fühlst dich wieder verbunden – mit dir und mit anderen. Und genau aus dieser Verbundenheit kann wieder Mut entstehen.

Das Wichtigste zuerst: Lade deinen Akku auf

Wer von uns verlässt sein Haus morgens mit einem Smartphone in der Tasche, das nur noch vier Prozent geladen ist? Na ja, im Notfall schon, aber dann mit einer Powerbank in der anderen Tasche. Und wer von uns checkt morgens sei­nen eigenen inneren Akku und packt gegebenenfalls noch eine Powerbank für sich selbst ein? Bestenfalls vielleicht einen Powerriegel. Das wäre ja leicht, wenn es damit getan wäre.

Um deinen Akku aufzuladen, musst du natürlich erst mal hinschauen, was die Akkuanzeige anzeigt, also wahrnehmen, wie es dir geht. Am besten, indem du nicht auf deine Smartwatch schaust (falls du eine hast), sondern indem du mit deinem Körper und Geist Kontakt aufnimmst.

Kennst du dein Frühwarnsystem? Wie erkennst du rechtzeitig, dass du an die Grenzen des Nervensystems kommst? Denke dazu mal über folgende drei Fra­gen nach:

  • Wie zeigt sich Stress bei mir körperlich?
  • Welche mentalen Anzeichen ignoriere ich?
  • Was sehen andere an mir, bevor ich es selbst merke?

Ich bin mir sicher, dass du genau weißt, was du tun kannst, um deinen Akku aufzuladen. Ich brauche dir sicher nicht zu sagen, wie wichtig Schlaf, Atmung, Bewegung, Ernährung, soziale Kontakte und regelmäßige Pausen sind. In meinen Coachings erarbeite ich mit meinen Kunden gerne zwei Kraft-Quellen-Listen. Die Antworten darauf niederzuschreiben, bewirkt oft schon eine Ver­änderung, darüber zu sprechen tut gut. Und sich die Listen manchmal wieder durchzulesen, wenn der Sturm um einen tobt, ist auch sehr wohltuend.

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