Bist du noch Mensch oder funktionierst du nur noch?

Die heutige Gesellschaft ist von zunehmender Komplexität und beschleunigten Lebensverhältnissen geprägt. Es fühlen sich immer mehr Menschen gezwungen, nur noch zu funktionieren. Sei es im Berufsleben, im Privatleben oder in Beziehungen, die Anforderungen scheinen ständig zu steigen.
Doch was bedeutet es eigentlich, nur zu funktionieren? Es bedeutet, dass wir uns selbst und unsere Bedürfnisse oft zugunsten äußerer Erwartungen, Verpflichtungen oder Pflichten vernachlässigen. Wir handeln nach festgelegten Mustern, ohne Raum für eigene Entfaltung oder die Berücksichtigung unserer individuellen Bedürfnisse und Potenziale. Die Humanistische Psychologie, vertreten durch Persönlichkeiten wie Carl Rogers und Abraham Maslow, betont die Bedeutung der Selbstverwirklichung und die Notwendigkeit, ein authentisches Leben zu führen.

Die Humanistische Psychologie, vertreten durch Persönlichkeiten wie Carl Rogers und Abraham Maslow, betont die Bedeutung der Selbstverwirklichung und die Notwendigkeit, ein authentisches Leben zu führen. Maslows Bedürfnispyramide zeigt deutlich, dass die Selbstverwirklichung, also die Entfaltung des eigenen Potenzials, das höchste menschliche Bedürfnis ist. Wenn wir uns jedoch nur noch auf das Funktionieren konzentrieren, vernachlässigen wir diesen zentralen Aspekt unseres Lebens.

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Bewsusstseinsintelligenz
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Ein weiterer relevanter Aspekt ist der Reziproke Determinismus von Albert Bandura, ein Schlüsselkonzept der Sozialkognitiven Theorie. Dieses Prinzip besagt, dass das Verhalten eines Menschen, seine persönlichen Faktoren (wie Gedanken, Gefühle und biologische Ereignisse) und seine Umwelt in einem wechselseitigen Einflussverhältnis stehen. Wenn Menschen in einem Umfeld leben, das sie ständig dazu zwingt, nur zu funktionieren, ohne Raum für Kreativität oder persönliche Entwicklung, dann verstärken sie durch ihr Verhalten diese Umweltbedingungen, was zu einem Teufelskreis führt. Sie fühlen sich gefangen in einem System, das sie selbst mitgestalten, aber nicht kontrollieren können.

Der Reziproke Determinismus beschreibt, wie unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen in einem fortlaufenden Kreislauf miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen. Dieser Prozess lässt sich gut mit Beispielen aus dem Alltag verdeutlichen:

Reziproker Determinismus: Ein konkretes Beispiel aus dem Alltag

Stell Dir vor, Du arbeitest in einem Büro, in dem der Arbeitsdruck und die Erwartungen sehr hoch sind. Diese Umgebung (Umweltfaktor) führt dazu, dass Du Dich ständig gestresst fühlst (persönlicher Faktor). Um mit diesem Stress umzugehen, beginnst Du, Überstunden zu machen und weniger Pausen einzulegen (Verhalten). Dieses Verhalten führt jedoch nicht zur Verbesserung der Situation. Stattdessen verstärkt es das Gefühl des Ausgebranntseins und erhöht den Stress weiter. Deine Kollegen bemerken Deine Veränderung, was zu einer allgemeinen Anspannung im Büro beiträgt, wodurch sich die gesamte Arbeitsumgebung noch belastender anfühlt. In diesem Beispiel verstärken sich die Umweltbedingungen und Dein Verhalten gegenseitig und schaffen einen Teufelskreis, aus dem es schwer ist, auszubrechen.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, könntest Du bewusst beginnen, Deine Pausen zu nutzen, um Dich zu erholen und aktiv Stressabbau zu betreiben, wie zum Beispiel durch kurze Meditation oder einen Spaziergang. Dadurch änderst Du Dein Verhalten, was wiederum Deine Stresswahrnehmung positiv beeinflusst und schließlich auch die Atmosphäre im Büro verbessern kann.

Dieses Beispiel zeigt, wie die Prinzipien des Reziproken Determinismus in unserem täglichen Leben wirken und wie kleine Änderungen im Verhalten einen großen Einfluss auf unsere persönliche Zufriedenheit und die Umwelt haben können. Indem Du Dir dieser Dynamik bewusst wirst und bewusst eingreifst, kannst Du Dein eigenes Wohlbefinden und das Deiner Umgebung positiv beeinflussen.

Aus dem Bewusstseinslabor

Stell Dir vor, eine Führungskraft hat die Überzeugung, dass ihre Mitarbeitenden nicht engagiert und möglicherweise illoyal sind. Diese Erwartungshaltung führt dazu, dass die Führungskraft distanziert, vielleicht sogar misstrauisch und kontrollierend auftritt. Die Mitarbeitenden spüren diese Haltung und fühlen sich unverstanden oder ungerecht behandelt, was tatsächlich ihr Engagement und ihre Loyalität schwächt. Dies bestätigt wiederum die ursprüngliche Überzeugung der Führungskraft, die nun noch strenger und skeptischer agiert, was die negative Spirale weiter verstärkt. Dieser Kreislauf zeigt, wie stark unsere Überzeugungen und Verhaltensweisen das Verhalten anderer beeinflussen und letztlich die Realität formen, in der wir uns befinden.

Ein weiteres Beispiel könnte eine Führungskraft sein, die davon ausgeht, dass ihre Mitarbeitenden sie nicht respektieren. Diese Annahme führt dazu, dass sie selbstbewusst und vielleicht autoritär auftritt, um den Respekt »einzufordern«. Die Mitarbeitenden könnten dieses Verhalten jedoch als Überheblichkeit empfinden und beginnen, sich tatsächlich weniger respektvoll zu verhalten. Dies bestätigt die ursprüngliche Annahme der Führungskraft, die dann noch härter durchgreift, was die Situation weiter verschärft.

Solche Szenarien verdeutlichen, wie wichtig es ist, die eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen zu reflektieren, um einen konstruktiven und positiven Arbeitsalltag zu gestalten. Ein hohes Maß an Bewusstseinsintelligenz hilft dabei, solche negativen Spiralen zu erkennen und zu durchbrechen.

Die zunehmende Komplexität der modernen Welt führt auch dazu, dass viele Menschen ihre Konfliktfähigkeit verlieren. Sie neigen dazu, Konflikte zu vermeiden, anstatt sie zu lösen, weil sie die zusätzliche Belastung nicht ertragen können. Hier setzt das Harvard-Prinzip der Mediation an, welches  darauf basiert, Konflikte offen und auf der Grundlage von Interessen statt Positionen zu lösen. Wenn Menschen lernen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen, anstatt sie zu vermeiden, gewinnen sie nicht nur an innerer Stabilität, sondern fördern auch ihre persönliche Entwicklung und das soziale Miteinander.

Wenn Du einen Konflikt vermeidest, um den Frieden zu wahren, fängst Du einen Krieg mit Dir selbst an.

Ein paar Fragen an dich selbst

Wie oft empfindest Du in Deinem täglichen Leben das Gefühl, nur noch zu funktionieren? Welche Aufgaben oder Verpflichtungen rauben Dir die meiste Energie?

Welche Situationen oder Personen in Deinem Leben führen dazu, dass Du Deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche unterdrückst?

Wann hast Du das letzte Mal bewusst innegehalten, um Deine eigenen Ziele und Träume zu reflektieren? Was hat Dich daran gehindert, sie zu verfolgen?

Wie oft vermeidest Du Konflikte, weil Du Dich emotional oder mental nicht stark genug fühlst, ihnen zu begegnen?

In welchen Bereichen Deines Lebens fühlst Du Dich durch äußere Erwartungen gefangen? Wie könntest Du diese Situation ändern?

Wie könntest Du Banduras Prinzip des Reziproken Determinismus nutzen, um Deine Umwelt aktiv zu beeinflussen und so mehr Raum für Deine persönliche Entwicklung zu schaffen?

Welche kleinen Schritte könntest Du unternehmen, um mehr Balance zwischen »Funktionieren« und authentischer Selbstverwirklichung zu finden?

Diese Fragen sollen Dir helfen, Deine Lebenssituation aus einer neuen Perspektive zu betrachten und Wege zu finden, um mehr Kontrolle über Dein Leben zu gewinnen. Denn es geht nicht darum, das Funktionieren gänzlich abzulehnen, sondern vielmehr darum, einen bewussten Ausgleich zu schaffen, der Raum für Deine eigene Entwicklung und Zufriedenheit lässt.

Der Bewusstseinsintelligenz-Ansatz

Durch die Integration von Bewusstseinsintelligenz kannst Du lernen, Deine eigene Realität aktiv zu gestalten und Dich von der bloßen Notwendigkeit des Funktionierens zu befreien. Bewusstseinsintelligenz ermöglicht es Dir, Dich von den Fesseln des reinen Funktionierens zu lösen und ein Leben zu führen, das sowohl auf äußeren Erfolg als auch auf innerer Erfüllung basiert. Indem Du Dein Bewusstsein schulst, lernst Du, Deine Umwelt, Deine Beziehungen und Dich selbst besser zu verstehen und gezielt zu steuern. So kannst Du den Teufelskreis des Funktionierens durchbrechen und ein Leben voller Selbstbestimmung und Erfüllung führen.

Wenn Du diese Prinzipien anwendest, kannst Du nicht nur Dein eigenes Leben verbessern, sondern auch einen positiven Einfluss auf Deine Umgebung ausüben. Denn wenn immer mehr Menschen anfangen, bewusst zu leben und zu handeln, wird dies einen kollektiven Wandel hin zu einer Gesellschaft auslösen, in der nicht das Funktionieren, sondern das erfüllte Leben im Mittelpunkt steht.

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