Die größte Lüge des Jahres!

Alle Jahre wieder habt ihr sie gefasst: Die guten Vorsätze. Meint ihr es aber wirklich ernst oder belügt ihr euch aus Tradition? Denn die Realtität beweist alle Jahre wieder: Der erste Vorsatz des Jahres ist auch die erste Enttäuschung des Jahres. Also alles wie gehabt? Nein, es geht auch anders. Und der Zeitpunkt könnte kaum besser sein.

Das schlechte Gewissen der Weihnachtsfeiertage bringt uns wieder einmal, spätestens am 31. Dezember, an unseren groß-angekündigten Wendepunkt des Lebens:
Nie wieder rauchen, weniger Alkohol, endlich abnehmen, Sport machen und sich Zeit für sich und für seine Gesundheit nehmen. Diese Illusion halten wir dann zumindest für wenige Stunden aufrecht. Und während wir diese Zeilen lesen, ist das Meiste schon wieder Schall und Rauch. Macht nix! Denn so funktioniert es sowieso nicht.

Das Buch zum Thema


» Mehr Infos

Fünf Gründe, warum Neujahrsvorsätze Bullshit sind!

#1 Silvester ist der schlechteste Zeitpunkt für neue Vorsätze!

„Wenn nicht jetzt, wann dann?”, sagt Udo, während er sein siebtes Glas Rotwein erhebt und ankündigt, im kommenden Jahr weniger Alkohol trinken zu wollen.
Ausgerechnet zu Weihnachten ist die Zeit, in der wir weitestgehend genussvoll schlemmen und uns all dem hingeben, was uns der reich gedeckte Tisch anbietet.
Glühwein, Kekse, Kakao, fettiges Essen und am besten Zuhause, wo es schön warm und gemütlich ist. Doch in dem Moment, in dem der Countdown der letzten zehn Sekunden des Jahres angeschlagen wird, schlummert eine kleine Stimme in unserem Kopf, die uns hemmungslos aufzählt, was wir in den letzten Tagen lieber nicht hätten tun sollen.
Gesättigt von Fressalien und Alkohol, fällt es uns dann sehr leicht, der Verführung auf ewig abzudanken. „Ab morje trink ik ni wida allohol“ ist eine Aussage, die Udo auch zu späterer Stunde, im besoffenen Kopf und mit voll geschlagenem Bauch, sehr leicht über die Lippen geht. Ob er es dieses Jahr wirklich ernst meint?

#2 Der Jojo-Effekt des Lebens

Der Abstand von zwölf Monaten scheint ausreichend lang zu sein, damit Udo sämtliche Misserfolge des Vorjahres verdrängt hat. Aus irgendeinem Grunde sind wir wirklich davon überzeugt, dass dieses Mal alles anders sein wird als im Vorjahr. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Umsetzung von Vorsätzen hat ähnlich hohe Erfolgschancen wie die nächste Diät: Meistens keine! Im Durchschnitt sind neun von zehn Vorsätzen hinfällig und so wird es auch für Udo in diesem Jahr ein Pokerspiel mit schlechten Karten.
Denn trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse rutschen wir früher oder später wieder in unsere alten Verhaltensmuster hinein. Wir disziplinieren uns mit viel Willenskraft über einen kurzen Zeitraum, in der Hoffnung, nie wieder rückfällig zu werden. Doch die Realität sieht anders aus. Die nächste Zigarette, der nächste Vollrausch und die nächste Völlerei kommen bestimmt. Insbesondere dann, wenn uns der Stress des Alltags einholt und wir bemerken, dass uns unsere Nervennahrung, unsere Stresszigarette oder unser Feierabendbier in stressigen Situationen heilig erscheint.

#3 Das Fleisch ist willig, doch der Geist ist schwach

Obwohl wir wissen, dass Süßigkeiten viel Zucker enthalten, Fernsehen gucken kein gutes Hobby ist und unsere Laufschuhe sehnsüchtig auf uns warten, so gibt es viele gute Gründe sich nicht entsprechend zu verhalten.
Während wir uns in der wilden Silvesternacht in unserem Kopf ausmalen, was in Zukunft alles anders laufen soll, vergessen wir ganz häufig, dass Verhaltensänderung nicht auf Knopfdruck funktioniert.
Udo hat ein neues Motto für das neue Jahr: Einfach machen! Ich gehe zum Sport, esse weniger und höre auf so viel zu saufen. So schwer kann das doch nicht sein.
Streng genommen weiß schon jedes Kind, dass Süßigkeiten zwar lecker, aber in Massen nicht sinnvoll sind. Während wir also davon ausgehen, dass sich Menschen wie Maschinen programmieren ließen, werden wir jedes Jahr eines besseren belehrt. Denn auch das Leben von Udo geht weiter wie bisher. Er bekommt Einladungen von Freunden, feiert seine beruflichen Erfolge, geht auf Geburtstagspartys, rutscht in Krisen und manchmal ist er einfach erschöpft.

#4 Drama Baby! Emotion geht vor!

Wenn ich verstanden habe, wie etwas funktioniert, dann setze ich es auch um. Ich bin ein sehr rationaler Mensch, versichtert Udo.

Doch kaum hat er einen anstrengenden Tag, kommt er nach Hause und ist plötzlich gar nicht mehr so klar und diszipliniert, wie er angekündigt hatte. Beleidigt, überfordert und gestresst greift er impulsiv in den Kühlschrank und lässt sich im Anschluss genervt auf die Coach fallen. So rational ist er also?

Glaubst auch du ein rationaler Mensch zu sein? Vergiss es! Menschen sind emotionale Wesen, ob wir wollen oder nicht. Wir essen aus Frust, Langeweile, Lust, Zugehörigkeit, Belohnung und mehr. Wenn wir über schlechte Gewohnheiten sprechen, dann dürfen wir uns eingestehen, dass wir von emotionalen Abhängigkeiten sprechen.

Jeder Mensch hat seine kleinen Marotten, Muster und Strategien um zum Beispiel Stress zu regulieren. Wir kompensieren mit Zigaretten, Alkohol und Nervennahrung unsere schlechte Laune und kämpfen uns mal wieder durch den Alltag.

Geblendet von Diätprogrammen und Zehn-Wochen-Kursen, vergessen wir häufig, das unsere verteufelten Gewohnheiten, die wir an den Tag legen, auch immer eine wertvolle Funktion haben. Sie geben uns Struktur und Sicherheit. So befinden wir uns also immer in einem Spannungsfeld von Bedürfnissen und Emotionen, die uns so verhalten lassen, wie wir es eben tun.

#5 Alles oder nichts-Prinzip

Das Problem liegt also nicht am fehlenden Wissen oder an der fehlenden Willenskraft. Es ist unserer ist unsere Herangehensweise. Wir unterliegen der Überzeugung unser Leben von heute auf morgen auf links krempeln zu können. Das hat noch nie funktioniert. Udo empfindet sich als starker, rationaler Mensch und würde gerne nach dem Prinzip „Ich mache keine Halben Sachen“ leben. Diese Aussage zeugt von Stärke, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Eine Rolle mit der er sich sehr gerne identifiziert und welche er auch versucht nach außen zu kommunizieren. Der Haken an dieser Denkweise ist:

In Kategorien wie „Ganz oder gar nicht“ zu Denken ist häufig der Grund, warum wir dazu tendieren lieber gar nichts zu machen.

Die nächste Diät, die Anmeldung im Fitnessstudio, der nächste Online-Kurs. Und jedes Mal machen wir den gleiche Fehler und überfordern uns selbst: Zu viel, zu schnell, zu hoch, zu weit!

So kommt es, dass sich alle Jahre wieder, tausende Menschen, höchst motiviert in Fitnessstudios anmelden und nach wenigen Wochen bemerken, das drei Mal die Woche zu Trainieren für einen Anfänger sehr anstrengend sein kann. Da sich weniger aber nicht lohnt, kann man es ja auch direkt bleiben lassen. Wer Verhaltensänderung verstanden hat weiß, dass es nur in kleinen Schritten funktioniert und ein lebenslanger Prozess ist. Wer ungeduldig ist und versucht seine Gewohnheiten mit der Brechstande anzugehen, der wird vermutlich wieder einmal scheitern – so wie jedes Jahr.

Und nun?

Schon wenige Tage nach seiner großen Ankündigung sitzt Udo wieder an seinem Schreibtisch und klemmt seine Ohren zwischen Bildschirm und Telefon. Und während das nächste Meeting ansteht, das an seinen Energiereserven nagt, bietet ein bisschen Nervennahrung oder der Gedanke an ein kühles Feierabendbier ein bisschen Entspannung an einem harten Arbeitstag. Das habe ich mir heute verdient.

Vielleicht ist Ende Januar ein besserer Zeitpunkt, um sich mit etwas Abstand mit seinen Gewohnheiten auseinanderzusetzen. Wir dürfen diese beobachten und Schritt für Schritt angehen. Tatsächlich wäre es einfacher, wenn Udo weniger ambitioniert wäre und sich dieses Jahr kleinere Ziele setzen würde, die realistisch sind.
Mal ein kleiner Spaziergang am Nachmittag, ein kleineres Glas Bier am Abend und ein neues Hobby, was ihm gut tut und entspannt. Diese kleinen, unspektakulären Hürden lassen sich jedoch nicht mit großen Ankündigungen und unter Beifall verkünden.

Vielleicht ist es langfristig-zielführender, sich dieses Jahr ehrlich mit seinen Bedürfnissen zu befassen, diese zu beobachten und wahrzunehmen, anstatt große Reden zu schwingen.

Share

Dieser Artikel kann nicht kommentiert werden.