Design by Accident

“Strukturiert, geplant und durchdacht”, so werden die großen Dinge erdacht. Doch das ist mehr ein Mythos. Viele nützliche und großartige Dinge wurden aus dem “Abfall” erschaffen. Denn es kam anders als geplant.

Viele Dinge gehen schief, vielleicht sogar das meiste im Leben. Dabei sind nicht immer die Katastrophen oder die schwarzen Schwäne gemeint. Nein, vielmehr sind es die kleinen Dinge, die uns scheitern lassen. Oft so klein, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Wir müssen sie sogar unterdrücken, damit wir nicht an unseren Fehleinschätzungen und Fehlversuchen zugrundegehen. »Was ist denn das da für ein wundervoller Hintern, der da vor mir an der Theke steht?«16 Vorausgesetzt, Sie sind ein Mann, kennen Sie die Situation. Wenn dieser Hintern, mit dem Rest, der dazugehört, sich jetzt umdreht und Sie feststellen, dass es sich um einen Mann handelt, wird die Welt nicht untergehen. Sie verbuchen es auf Ihrem Fehleinschätzungskonto und geben sich das nächste Mal mehr Mühe.

Design by Accident gehört zu dieser Kategorie. Sie versuchen etwas und es geht schief. Oder noch besser, Sie versuchen nicht einmal was, aber entdecken dabei die Lösung für ein Problem, das Sie haben oder das sich dadurch erst entwickelt.

Die Entwicklung des Post-it war eine solche »Design by Accident«-Geschichte. Spencer Silver, der Produktentwickler bei 3M war, hatte den Auftrag, einen besonders haltbaren und zuverlässigen Klebstoff zu entwickeln. Wenn Sie die Haltekraft von Post-its kennen, ahnen Sie schon, dass das nicht wirklich funktioniert hat. Zahlreiche Fehlschläge führten schließlich dazu, dass 3M die Entwicklung abbrach. Einige Jahre später beklagte sich ein Freund Silvers darüber, dass es keine Möglichkeit gäbe, Notizzettel in seinen Noten zu befestigen, ohne dass sie herausfielen oder sich auf immer unlösbar mit dem Notenmaterial verbänden. Spencer Silver erinnerte sich an seine Fehlversuche mit dem Superkleber und entwickelte damit das Post-it in der Form, wie wir es heute kennen. Die gelbe Farbe war auch wieder ein Design by Accident. Die Druckerei in der Nachbarschaft, von der Silver Papierreste zu Versuchszwecken organisierte, hatte gerade gelbes Papier übrig, das er kostenfrei verwenden konnte. Alles Zufall? Ja, aber Sie müssen die Zusammenhänge erkennen.

Bei einem renommierten Designwettbewerb hat vor einigen Jahren die Zeichnung eines Zweijährigen den ersten Platz gewonnen. Warum? Weil das Kind so begabt ist? Ein Genie? Nein, weil der Vater, ein bekannter Grafiker, das Potenzial dieser einen Zeichnung erkannt hat. Solche Zeichnungen habe ich auch von meinen Kindern. Ein Zufallstreffer, der im richtigen Kontext genial ist.

Manche Dinge laufen Ihnen einfach über den Weg. Heute, gestern, jetzt, hier und überall. Die Kunst ist, sie zu erkennen, den Zusammenhang herzustellen und adäquat zu übertragen.

Design by Accident hört sich toll und leicht an. Wenn Sie das geübt haben, ist es das auch. Am Anfang leider nicht. Sie werden sich fragen »Wie sehen die das nur?« Na ja, keine Technik; Augen und Geist offen halten. Wichtig ist wieder die Blickwinkeländerung, meist in Kombination mit der »Reiz«-Frage. Diese Methode lässt sich auch provozieren.

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