Was weiß das Web eigentlich schon von Ihnen?

Die Personensuchmaschinen 123people und yasni sammeln diverse Daten zu Personen im Web. Geben Sie einfach einmal Ihren Namen ein und Sie werden erstaunt sein, wie viele oder wie wenige Informationen zu Ihnen im WWW vorhanden sind. Dabei werden Websites, Bilder, Videos, Blogs, Telefonbucheinträge und einiges mehr angezeigt. Um jederzeit auf dem Laufenden zu bleiben, falls neue Informationen hinzukommen, können Sie sich per E-Mail darüber benachrichtigen lassen.

Um über sich, Ihre Marke, Ihr Thema (oder jedes beliebige andere Thema), die Konkurrenz oder bestimmte Entwicklungen up to date zu bleiben, ohne Tag für Tag stundenlang das Web nach den entsprechenden Hinweisen und Informationen abgrasen zu müssen, sollten Sie hier verschiedene Watchlists anlegen.

Technorati bietet beispielsweise eine Watchlist an, bei der Sie die gesamte Blogosphäre nach bestimmten Schlüsselbegriffen durchsuchen lassen können. Entdeckt Technorati einen neuen Eintrag, finden Sie das Ergebnis auf Ihrer Watchlist. Dazu müssen Sie sich übrigens nicht jedes Mal aufs Neue bei Technorati einloggen; Sie können die Ergebnisse auch als RSS-Feed abonnieren und bekommen so jeden neuen Fund frei Haus in Ihren Feedreader geliefert.

Google Alerts ist einer von zahllosen Diensten des Suchmaschinen-Riesen. Auch hier geben Sie einen Schlüsselbegriff ein und lassen sich von Stund‘ an täglich mit frischen Suchergebnissen per E-Mail beliefern. Ohne Anmeldung oder Login und jederzeit abbestellbar.

ThunderThimble geht noch einen Schritt weiter. Der kostenpflichtige Dienst durchsucht das Web in Echtzeit. Sie erhalten umgehend eine Meldung, sobald Ihr eingetragener Suchbegriff (vorzugsweise Ihre Marke oder Ihr Unternehmen) an irgendeiner Stelle im Social Web auftaucht und können so innerhalb kürzester Zeit an der Diskussion teilnehmen, einen Blogbeitrag kommentieren oder auf einen Tweet reagieren. Um die Funktionen von ThunderThimble auszuprobieren, können Sie einen registrierten Account 30 Tage lang kostenlos nutzen. Ich finde diesen Dienst außerordentlich hilfreich, zumal die überwachten Diskussionen gespeichert werden. Dadurch lassen sich gut Analysen und Trends entwickeln, die für die laufende Pflege und eventuelle Anpassung Ihrer Social Media-Strategie wichtig sind.

blogpulse ist ein Online-Analyse-Tool, mit dem Sie nicht nur die Relevanz Ihrer eigenen Marke oder Online-Aktivität überprüfen und verfolgen können. Durch verschiedene Tools von blogpulse lassen sich sogar Trends in Social Web erkennen. Über welches Thema wird in den letzten Monaten zunehmend gesprochen, diskutiert und gehandelt? Eine sehr hilfreiche Angelegenheit, wenn Sie zeitnah mit Produkt- oder Dienstleistungsentwicklungen reagieren können.

Mit backtweets finden Sie heraus, aus welchen Tweets auf eine bestimmte Web-Adresse verlinkt wird. Auch bei diesem kostenlosen Dienst können Sie sich per E-Mail benachrichtigen lassen, sobald die von Ihnen angegebene URL in einem Tweet auftaucht.

Falls Sie bewegtes Bildmaterial in Form von Videos veröffentlichen und zum Beispiel bei YouTube präsentieren, interessiert es Sie vielleicht, mehr über die Klickraten, Benutzer etc. zu erfahren. Dann bietet sich ein Tool wie tubemogul an. Zum einen können Sie über tubemogul genaue Statistiken und Analysen zu Ihren Clips erstellen lassen. Zum anderen distribuiert tubemogul Ihre Clips auch an diverse Anbieter weltweit.

Crowdsourcing – Die Quelle des Guten

Erinnern Sie sich noch an das Problem von Max, meinem Freund aus Schulzeiten? Okay, er hatte ja mehrere Probleme auf einmal. Das gravierendste war für ihn, dass das neue Modell eines seiner Autos in der oberen Mittelklasse bei den Kunden durchzufallen drohte.

Das lässt sich leider nicht mehr ungeschehen machen, sobald die Entwicklung abgeschlossen ist und die Fertigung begonnen hat. Unlucky him …

Genau wie Max‘ Unternehmen scheuen sich viele Firmen davor, sich im Entstehungsprozess in die Karten schauen zu lassen. Zwar werden im Vorfeld Befragungen durchgeführt und frühere Rückmeldungen und Reklamationen von Kunden ausgewertet. Nur sind das alles Beziehungen in die Vergangenheit. Auf der Grundlage dieser Informationen machen sich die Designer und Entwickler ans Werk und kreieren das neue Produkt. Im laufenden Prozess ist es für die künftigen Käufer nicht möglich, sich zu beteiligen. Dabei sind es doch genau diese Menschen, die das Produkt später kaufen wollen oder sollen.

Warum binden die Unternehmen ihre Kunden nicht stärker in die Entwicklung ein? Ich halte das für einen elementaren Grund für viele Flops. Hätten die Unternehmen mehr direkten Kontakt zu ihren Kunden gesucht und diese gefragt und involviert, wäre manch einem Unternehmen sicher eine Krise oder gar vielleicht sogar die Pleite erspart geblieben.

Sicher, der Automobilbau ist ein ebenso kostspieliges wie sensibles Feld, denkt man nur an Dinge wie Produktpiraterie und Plagiatismus. Es gibt unwidersprochen diverse Risiken, gegen die ich gar nicht argumentieren möchte. Es sind die Chancen, und vor allem die bislang ungenutzten Möglichkeiten, die ich für wertvoll halte.

Vielleicht sind Sie ja auch gar kein Automobilbauer. Wahrscheinlich sogar.

Deswegen lautet mein Appell an Sie: Binden Sie Ihre (künftigen) Kunden ein, noch bevor Sie eine Idee für ein neues (oder erneuertes) Produkt oder eine Dienstleistung haben!

Geben Sie den Menschen, die sich für Ihre Produkte interessieren, die Möglichkeit, mitzumachen, mitzugestalten, mitzuentwickeln. Glauben Sie ernsthaft, jemand würde nicht ein Produkt bevorzugen, an dessen Entwicklung und Entstehung er selber in gewisser Form beteiligt war?

Wie das aussehen soll, möchten Sie wissen?

Geben Sie diesen unglaublich wertvollen Menschen eine Stimme und machen Sie sie zum öffentlichen Teil Ihres Entwicklungslabors. Dafür gibt es bereits einige interessante Tools und Dienste.

Eines dieser Tools ist UserVoice (www.uservoice.com).

Sie integrieren einen UserVoice-Widget in Ihre Website und müssen nur noch entscheiden, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette Sie beginnen möchten. Haben Sie bereits einige grundlegende Ideen, ein Konzept oder schon einen Entwurf? Dann stellen Sie diese Dinge zur (öffentlichen) Diskussion. Regen Sie zur Begutachtung an, bitten um Bewertungen und detaillierte Kommentare sowie Verbesserungs- oder Veränderungsvorschläge.

Über diese Feedbacks können Ihre User wiederum abstimmen, sie weiter verfeinern oder verändern, wieder bewerten und abstimmen und so weiter. Im Grunde genommen arbeiten die späteren Kunden an Ihrem nun gemeinsamen Produkt weiter und verbessern es gemeinsam.

Sie sind natürlich im ständigen Kontakt mit den Beteiligten, hinterfragen die Vorschläge und zeichnen Ihr eigenes Bild von Ihrem neuen Produkt somit immer feiner.

Schließlich geben Sie eine Handvoll Finalisten zur Bewertung und Abstimmung frei. Und haben am Ende eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie das Produkt aussieht, das Ihre Kunden gerne kaufen werden. Die einzigen, die sich darüber ein wenig ärgern werden, sind wahrscheinlich die Berater in den dunklen Anzügen, die deutlich weniger Tagessätze bei Ihnen abrechnen können. Denn ein Großteil der Beratungsarbeit hat Sie bis jetzt nichts gekostet.

Bis jetzt heißt, dass Sie natürlich einen Anreiz zur Mitarbeit Ihrer Kunden schaffen müssen. Ohne Preis kein Fleiß, ist doch klar. Und je attraktiver der Preis ist, umso größer werden das Engagement sein und die Kreise, die Ihr R&D-Projekt ziehen wird.

Wichtig ist vor allem, dass sie fair gegenüber den Mitwirkenden sind und bleiben. Loben sie einen Preis aus für denjenigen, der die beste Idee hatte aus. Die beste Idee hatte natürlich derjenige, der von den Teilnehmern die meisten und besten Bewertungen bekommen hat. Danach sollten Sie die Idee kaufen, der sie selbst die besten Chancen einräumen.

Wenn Ihnen das irgendwie zu unsicher, zu aufwändig oder zu öffentlich ist, können Sie den gesamten Prozess auch an einen spezialisierten und professionellen Dienstleister übergeben.

Jovoto (www.jovoto.com) ist in diesem Bereich bereits seit geraumer Zeit erfolgreich tätig und hat schon diverse Werbe-Contests für führende Unternehmen wie die Deutsche Bahn, easyJet oder Greenpeace durchgeführt. Wobei die eigentlichen Gewinner nicht nur die Unternehmen sind, die den Mut haben, Crowdsourcing ernst zu nehmen, sondern auch die Kreativen, mit deren Ideen fair umgegangen wird und die nach einem ausgeklügelten und bewährten System auch entsprechend vergütet werden. Gewinner sind natürlich auch die Kunden, die endlich einmal an der Entwicklung eines „ihrer“ Produkte beteiligt waren. Ein echtes Win-win-win-Projekt!

Aus dem Nähkästchen

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Übrigens arbeitet Jovoto nicht nur für externe Kunden, sondern betreibt auch intern laufendes Crowdsourcing. Auf der Suche nach dem ultimativen Salatrezept kreiert einmal in der Woche ein Jovoto-Mitarbeiter seinen Lieblingssalat für die Jovoto-Community und stellt sich dem kritischen Urteil der Kollegen. Abschließend wird der Gewinner gekürt und erhält natürlich einen Preis. Wo der Win-Win-Faktor ist? Ist doch klar: Preis für den Salat-König, Bikini-Figur für alle!

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Der Kaffeeröster (und nebenbei einer der größten Einzelhändler in Deutschland) Tchibo hat das Thema Crowdsourcing recht früh für sich erkannt.

Sicher steht auch in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus irgendwo ein Gegenstand mit dem TCM-Logo. Und bestimmt haben Sie beim Blick ins Schaufenster einer Tchibo-Filiale oder in deren Shop-Regale im Supermarkt beim Anblick eines interessanten Artikels schon mal gedacht: „Das ist ja eine pfiffige Idee!“ Und da Tchibo eben pfiffig ist (auch wenn sie Starbucks anscheinend tatenlos den deutschen Markt für Edel-Coffee-Shops überlassen haben, aber das ist ein anderes Thema …), hat es seine Kunden mit in die Entwicklung neuer Artikel einbezogen.

Auf der Website www.tchibo-ideas.de können Menschen Aufgaben einreichen. Sei es, dass sie ein Haushaltsgerät haben, mit dessen Funktionen sie nicht zufrieden sind, oder nach einer Lösung für ein bestimmtes Problem suchen. Andere Menschen machen dazu dann Lösungsvorschläge. Sowohl für die eingereichten Lösungen als auch für die Aufgaben gibt es einen dreistufigen Abstimmungsprozess. Dabei können registrierte Mitglieder für jede Einreichung in den folgenden Abstimmungsphasen jeweils eine Stimme abgeben. Am Ende gewinnt die am besten bewertete Lösung und der Gewinner erhält einen von Tchibo ausgelobten Preis.

Falls Tchibo die Lösung gefällt, kann es zu einer Kooperation und zur Produktion des entsprechenden Artikels oder Helferleins kommen. Mein persönlicher Favorit ist das Schneidebrett mit Auffangschale – sensationell!

Fazit

Verglasen Sie nicht nur Ihre Manufaktur, sondern auch Ihr Labor! Am besten ist, Sie lassen die Wände gleich weg und entwickeln gemeinsam in und mit der Community. Aber seien Sie sich bewusst, dass Sie damit erfolgreich werden könnten …

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