Die Ritter der Schwafelrunde

Selbstdarstellung ist unser gutes Recht. Ein Großteil unserer Kommunikation dient ausschließlich diesem Zweck. Doch es gibt auch diese Helden, Poser, Karrieristen die alles können, jeden kennen und fast alles erlebt haben … Da ist es verständlich, dass wir mit dem Begriff Selbstdarstellung so unsere Probleme haben. Doch wo hört positive
Selbstdarstellung auf, wo fängt die nervige Inszenierung an? Antworten darauf liefert Markus Hornung.

Jeder von uns hat das Bedürfnis, wahrgenommen und anerkannt zu werden. Einen großen Teil unserer Kommunikation bestreiten wir auch aus diesem Grund. Anerkennung ist ein wichtiges menschliches Grundbedürfnis. Ich habe daher überhaupt kein Problem mit Selbstdarstellung, meinetwegen kann sich mir jeder präsentieren. Das tun wir alle von dem Augenblick an, in dem andere Menschen um uns herum sind, sowieso. Allerdings wählt nicht jeder dazu die für andere Menschen erträgliche Vorgehensweise oder das richtige Thema. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich mich relativ viel im Business-Bereich herumtreibe, vielleicht liegt es ja auch an den Hormonen; an den Hormonen der anderen! Jedenfalls begegnen mir in meiner Tätigkeit als Berater, Trainer und Vortragsredner immer wieder Menschen, insbesondere Männer, die eine aus meiner Sicht fatale Form der Selbstdarstellung wählen. Jeder von uns kennt diesen Typus. Ich meine den Helden, Karrieristen und Poser, der alles schon erlebt hat, alles kann, alles weiß und jeden kennt. Der uns das Ohr abkaut mit seinen Geschichten von gewonnenen Schlachten, eroberten Frauen, grandiosen Erfolgen und legendären Siegen und der jedem von uns mit seiner Art der Selbstdarstellung unsagbar auf die Nerven geht! Da ist es schon verständlich, wenn einige Menschen mit dem Begriff Selbstdarstellung ein kleines Problem haben. Wir werben in einigen unserer Seminare, die sinnvollerweise mit dem Titel Meine Wirkung auf andere überschrieben sind, durchaus für einen starken individuellen Auftritt, überzeugende Präsentationen und generell eine deutlich wahrnehmbare persönliche Note. All dies lässt sich eben auch unter dem Begriff »wirksame Selbstdarstellung« zusammenfassen. Die Frage ist daher, wann bewirkt Selbstdarstellung etwas Positives und wann werden Sie als plaudernder Poser wahrgenommen, der anderen auf die Nerven geht?

In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, wenn wir uns vor Augen führen, dass es mehrere Ebenen der Selbstdarstellung gibt und es ist ausgesprochen interessant, dass die soziale Akzeptanz dieser Darstellungsebenen durchaus unterschiedlich ist.

Wann also genau nervt Selbstdarstellung und wann ist sie angemessen und akzeptabel? Selbstdarstellung nervt ungemein, wenn sie nach folgendem Schema abläuft:

»Ich bin ein Held! Ich habe Folgendes schon erlebt! Ich habe Folgendes schon getan! Ich kenne folgende Persönlichkeiten!«

Was uns nervt und was wir nicht so gut ertragen können, sind Versuche der Selbstdarstellung auf den Ebenen des Seins, des Verhaltens, des Könnens und des Wissens. Besonders peinlich empfinde ich es dann noch, wenn die Ebene des Besitzes hinzukommt und Bilder von Häusern, Jachten und vor allem von Autos herumgereicht werden. Spätestens wenn Frauen als vorzeigbare Objekte ins Spiel kommen, steige ich normalerweise aus.

Was wir alle aber ausgesprochen wohlwollend zur Kenntnis nehmen, ist – vermutlich einerseits, weil es selten passiert und andererseits, weil es uns einen Blick in die persönliche Tiefe desjenigen erlaubt, der sich uns so darbietet – die Selbstdarstellung auf der Werteebene. Diese funktioniert grob gesagt nach dem folgenden Schema und ist – kleiner Tipp für diejenigen unter Ihnen, die so wie ich ein wenig Schwierigkeiten mit Small Talk haben – ein toller Einstieg für Gesprächsrunden:

»Hallo, ich bin der Markus … Folgendes finde ich toll … Ich freue mich über … Ich ärgere mich über … Folgendes ist mir in meinem Leben wichtig … geht es Ihnen auch so?«

Diese Betonung Ihrer Werte- und Emotionsebene macht Sie für andere als Person wahrnehmbar und einschätzbar. Sie präsentieren so in wenigen Worten weit mehr von sich, als es eine oberflächliche Darstellung Ihrer Erfolge und Errungenschaften je vermag. Wie Sie Ihre Werte sprachlich am Besten transportieren können, schauen wir uns jetzt an.

Darauf kommt es mir an – Anmoderation meiner Werte

Erinnern Sie sich an Gerhard Schröder? Der ehemalige Bundeskanzler war nicht gerade als Leisetreter bekannt. Dabei hat ihm seine spezielle Art, Klartext zu reden, nicht nur Lob und Anerkennung eingebracht. Eines allerdings kann man ihm sicher nicht vorwerfen. Nämlich, dass er es nicht verstanden hat, sich und seine Politik zu vertreten. Wenn Sie sich heute zum Beispiel auf Youtube Videos von Schröder-Auftritten ansehen, dann fällt Ihnen sofort auf, dass er wie wohl kaum ein anderer Politiker der jüngeren deutschen Geschichte seine Haltungen und Vorstellungen auf der Werteebene dargestellt und mit ihnen argumentiert hat. Dies hat ihn natürlich ebenso angreifbar gemacht wie auch sein Profil geschärft. Meine These ist, dass viele Menschen auch deshalb gerne oberflächlich posen, weil sie sich so sicherer fühlen. Denn wenn ich Werte zeige, werde ich immer angreifbarer. Das eine ist – wie wir später noch einmal genauer sehen werden – nicht ohne das andere zu haben. Sofern Sie also deutlich wahrgenommen werden wollen, können Sie sich einer Rhetorik bedienen, die Ihrem Gegenüber klarmacht, worauf es Ihnen ankommt. Dies gelingt besonders gut mit Formulierungen wie

»Mir kommt es auf Folgendes an: …«
»Mir ist es wichtig, …«
»Ich finde es entscheidend, dass …«
»Für mich ist dabei ein ganz wichtiger Punkt …«
»Mir liegt besonders am Herzen …«
»Ich lege großen Wert auf …«
»Mir ist folgender Punkt dabei wichtig …«
»Für mich ist bedeutend …«
»Entscheidend ist für mich …«

Wichtig ist natürlich, dass danach kein leeres Geschwafel kommt, sondern greifbare Dinge und wenn möglich noch konkrete Beispiele, die ihren Mitmenschen demonstrieren, was genau Sie darunter verstehen. Ein guter Präsentator wird sich immer bemühen, verstanden zu werden und (wir hatten es schon) nicht wie selbstverständlich davon ausgehen, dass die anderen schon erkennen, was er meint. Ein guter Präsentator wird auch nicht unterstellen, dass die anderen immer genauso denken wie er. Er weiß um die Vielfalt des menschlichen Denkens und trägt selbst Sorge dafür, die richtigen Leitplanken für die Wahrnehmung seiner Person zu vermitteln. Diese Leitplanken sind seine Werte.

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