Microlearning – Das diaktische Reduktionskonzept

Wenig Zeit, maximale Wirkung: Microlearning revolutioniert die Weiterbildung, indem es komplexe Inhalte radikal auf das Wesentliche reduziert. Statt Informationsüberflutung setzen diese kompakten Einheiten auf gezielte Kompetenzvermittlung, die sich flexibel in jeden stressigen Alltag integrieren lässt. Die Vorteile: Effizienz, Flexibilität, Fokus. So wird aus „Wissen müssen“ ein schnelles „Können“.

Dieses Konzept begegnet den aktuellen Herausforderungen im Lernalltag. Zeitmangel wird dadurch adressiert, dass Lernende die Inhalte flexibel und individuell in ihren Alltag integrieren können. Durch die kurzen Lerneinheiten wird Überforderung vermieden, die Fokussierung wird erleichtert und effektives Lernen bleibt auch bei einer verkürzten Aufmerksamkeitsspanne möglich.

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Im Vergleich zu traditionellen Lernmethoden zeigt sich, dass Microlearning flexiblere, effizientere und zeitgemäßere Möglichkeiten der Wissensvermittlung bietet. Lernen ist jederzeit und überall möglich, denn die kurzen Einheiten lassen sich problemlos in den Alltag integrieren und sind mobil abrufbar. Diese fokussierten Lerneinheiten sparen Zeit, unterbrechen den Arbeitsfluss kaum und ermöglichen eine schnelle Erstellung und Aktualisierung der Inhalte. Das Wissen kann unmittelbar angewendet werden, da die Inhalte gezielt auf konkrete Fragestellungen und Bedarfe zugeschnitten sind (»Moment of Need«). Schnelle Erfolgserlebnisse, Gamification-Elemente sowie multimediale und interaktive Formate steigern die Motivation und Aufmerksamkeit. Zudem lassen sich Lernpfade leicht an individuelle Bedürfnisse und Wissensstände anpassen.

Microlearning in der Lehrer(innen)bildung

An der Virtuellen Pädagogischen Hochschule in Österreich wurde mit dem Format CoffeeCupLearning ein Microlearning-Ansatz entwickelt, der sich auf kurze, klar abgegrenzte Lerneinheiten von zehn bis dreißig Minuten konzentriert. Diese Einheiten kombinieren Mini-Inputs mit Reflexionsaufgaben und Micro-Assessments. Ziel ist es, alltagsnahe Kompetenzen (zum Beispiel Gesprächsführung, Feedback, Diagnoseinstrumente) praxisnah und zeiteffizient zu fördern. In einer empirischen Untersuchung berichten Lehrpersonen, dass sie den wahrgenommenen Lernerfolg und die Passung zur eigenen Berufspraxis als hoch einschätzen. Als zentrale Gelingensfaktoren nennen sie die zeitliche Flexibilität, die klare Fokussierung der Inhalte und die unmittelbare Anwendbarkeit im Alltag (Miglbauer/Schallert 2020).

Fazit: Microlearning zeigt empirisch hohe Wirksamkeit, wenn es präzise, arbeitsnah und nach den Prinzipien der didaktischen Reduktion gestaltet wird.

Microlearning zur Prüfungsvorbereitung

Die Universität Zürich setzt Microlearning gezielt ein, um Studierende beim individuellen Lernen und in der Prüfungsvorbereitung effektiv zu unterstützen. Gerade in der Phase zwischen den Lehrveranstaltungen und der Prüfungsvorbereitung stehen viele Studierende unter Zeitdruck oder lernen unterwegs – klassische Wiederholungsformate sind dann häufig zu umfangreich oder zu wenig flexibel einsetzbar.

Im Zuge der Digitalisierung der Hochschullehre wurde an der Universität Zürich die Plattform KlickerUZH entwickelt. Sie ermöglicht Lehrpersonen, kleine, mobil nutzbare Lernimpulse zu erstellen. Diese Microlearning-Einheiten sind so konzipiert, dass sie kompakt, interaktiv und wiederholbar sind. Ihre Inhalte bestehen aus kurzen Videosequenzen, Flashcards, Multiple-Choice-Fragen oder Mini-Quizzes. Sie lassen sich sowohl im Hörsaal als auch unterwegs oder zu Hause nutzen – sogar offline, wenn nötig.

Über die Klicker-App erhalten Studierende kurze, gezielt aufbereitete Lerneinheiten zu Themen wie Definitionen, Formeln, Konzepten oder typischen Prüfungsfragen. Dieses Microlearning zielt darauf ab, die Effekte der Vergessenskurve (Kapitel 4.2, Seite <?> ff.) durch mobiles Lernen zu minimieren. Dies wird erreicht, indem außerhalb des Seminars in kürzeren Abständen mit der App gelernt wird (Klicker-UZH 2025).

Microlearning in Präsenzveranstaltungen

Microlearning ist heute ein fest etabliertes Konzept in der Erwachsenen- und betrieblichen Weiterbildung. Es wird als ganzheitlicher Ansatz verstanden, bei dem kleine, in sich geschlossene Lerneinheiten mit digitalen Technologien kombiniert werden. Microlearning eignet sich besonders für skillbasierte und praxisnahe Lernziele.

Die Entwicklung didaktischer Konzepte erfolgt in enger Verbindung mit technischen Innovationen. Das Spek-trum der angebotenen Lernformate umfasst klassische E-Learning-Module, mobile Applikationen sowie Lernplattformen, die durch den Einsatz künstlicher Intelligenz unterstützt werden. Im Rahmen dessen werden Micro-Credentials als Zertifikate für den erfolgreichen Abschluss kurzer Lerneinheiten ausgegeben (zum Beispiel von Coursera).

Die historische Entwicklung des Microlearning spiegelt den Wandel von der klassischen Wissensvermittlung zu flexiblen, digital gestützten Lernformaten wider.

Getrieben von wissenschaftlichen Erkenntnissen (zum Beispiel Cognitive-Load-Theorie, Vergessenskurve), technischen Innovationen und gesellschaftlichen Veränderungen hat sich Microlearning von einer theoretischen Idee zu einem nachhaltigen Lehr- und Lernkonzept entwickelt (Klinger et al. 2025).

Das Konzept des Microlearning wird durch grundlegende Lerntheorien innerhalb der Erwachsenenbildung gestützt. Der Behaviorismus unterstützt Wiederholung und positive Verstärkung (Übungen, Fragen und Antworten, Lernkarten), der Kognitivismus befasst sich damit, wie interne Gedanken und externe Einflüsse das Lernen prägen, und der Konstruktivismus betont, dass Lernende aktiv Wissen auf der Grundlage früherer Erfahrungen und sozialer Interaktionen konstruieren.

So weit zur Theorie – aber wie genau hilft Microlearning, die Herausforderungen der heutigen Bildungswelt praktisch zu lösen?

Im nächsten Abschnitt zeige ich dir, wie du Microlearning als praktisch einsetzbares Reduktionskonzept für die Aufbereitung komplexer Lerninhalte nutzen kannst. Im praktischen Alltag geht es nicht nur darum, Lerninhalte zu kürzen. Es geht darum, sie gezielt zu verdichten, zu strukturieren und lernwirksam aufzubereiten.

Microlearning im HR-Bereich

Stell dir vor, Jonas arbeitet als Personalreferent in einem internationalen Unternehmen (Abbildung 12). Er jongliert täglich mit Bewerbungsgesprächen, Onboarding-Prozessen und der Begleitung von Führungskräften. Die HR-Welt verändert sich rasant: Neue Arbeitsgesetze, digitale Tools und innovative Recruiting-Methoden stellen Jonas immer wieder vor neue Herausforderungen. Doch wie kann er in diesem dynamischen Umfeld auf dem neuesten Stand bleiben, ohne dass sein Arbeitsalltag da-runter leidet?

Flexibilität: Lernen, wann und wo es passt

Zwischen zwei Vorstellungsgesprächen hat Jonas ein paar Minuten Zeit. Über sein Tablet ruft er eine Microlearning-Plattform auf und absolviert ein fünfminütiges Modul zu den neuesten Datenschutzbestimmungen im Recruiting. Er muss dafür weder einen ganzen Tag für ein Seminar blocken noch das Büro verlassen. Microlearning gibt ihm die Flexibilität, Wissen genau dann aufzunehmen, wenn es in seinen Zeitplan passt – sei es am Arbeitsplatz, im Home-office oder unterwegs.

Motivation: Kleine Schritte, große Wirkung

Nach Abschluss des Moduls erhält Jonas direkt eine Rückmeldung und ein digitales Zertifikat. Dieses kleine Erfolgserlebnis motiviert ihn, auch die nächsten Microlearning-Einheiten anzugehen. Die kurzen, klar abgegrenzten Lerneinheiten kann er leicht in seinen Arbeitsalltag integrieren. Sie sorgen dafür, dass Jonas kontinuierlich am Ball bleibt, ohne sich überfordert zu fühlen.

Nachhaltigkeit: Wissen, das bleibt

Jonas merkt, dass er sich die Inhalte besser merkt als nach langen Workshops. Die regelmäßigen kleinen Lerneinheiten helfen ihm, das Gelernte immer wieder aufzufrischen und zu festigen. So ist er auch Wochen später noch sicher im Umgang mit neuen HR-Tools oder gesetzlichen Vorgaben und kann dieses Wissen direkt anwenden, wenn es darauf ankommt.

Personalisierung: Adaptives Lernen nach Maß

Die Microlearning-Plattform schlägt ihm gezielt Module vor, die zu seinen aktuellen Aufgaben und Interessen passen. Möchte er sich auf Employer Branding spezialisieren? Oder benötigt er ein Update zu Diversity und Inklusion? Jonas kann seinen Lernweg individuell gestalten und genau die Kompetenzen ausbauen, die für seine Arbeit und Karriere wichtig sind.

Fazit

Microlearning bietet HR-Profis wie Jonas große Chancen: Es ermöglicht flexibles, motivierendes und nachhaltiges Lernen, das sich individuell anpassen lässt. Gerade im schnelllebigen Personalwesen sorgt Microlearning dafür, dass Wissen kontinuierlich wächst und direkt im Arbeitsalltag nutzbar bleibt – ein echter Mehrwert für die moderne HR-Arbeit.

Damit hast du nun einen Überblick darüber, wie Microlearning praktisch funktioniert. Löse am besten folgende Aufgabe, bevor wir im letzten Abschnitt das Kapitel reflektieren und auf die wichtigsten Punkte zurückschauen.

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