Zukunft ist wie Blindflug mit offenen Augen

Wer möchte nicht wissen, was die Zukunft bringt? Wer träumt nicht von einer guten Zukunft für sich und seine Kinder, für die Firma oder die ganze Welt? Wir machen andauernd Pläne für die Zukunft, für die unmittelbar bevorstehende – den nächsten Urlaub – und für die fernere – für den Berufsweg der Kinder oder unser Leben als Rentner. Aber oft genug werden diese Pläne von der Zukunft über den Haufen geworfen. Dann sind wir enttäuscht.

Und trotzdem werden wir nicht schlau. Wir glauben daran, dass wir die Zukunft gestalten können. Das ist Illusion! Offensichtlich brauchen wir diese Illusion, um Mut und Motivation für die Zukunft zu haben. Aber Illusion ist auf Dauer nur hilfreich, wenn wir uns ihrer gewärtig sind.

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Also, lasst uns das Ding mit der Zukunft mal näher anschauen …

Zukunft kann man nicht gestalten, weil sie noch nicht da ist. Zwar beginnt sie in der Gegenwart, sozusagen eine Sekunde nach JETZT, aber von diesem ersten Moment an ist sie unzähligen Fremdeinflüssen ausgesetzt. Und deswegen entwickelt sie sich eben genau so, wie sie sich entwickelt, und nicht, wie wir es geplant haben. Nach der Allgemeinen Relativitätstheorie gibt es nicht nur eine Welt mit einer Zukunft, sondern viele Zukünfte und diese wiederum gebären – so lehrt uns die moderne Thermodynamik, noch schneller noch mehr Zukünfte. Mit größerer Entfernung vom Jetzt weitet sich das Feld möglicher Varianten von Zukunft. Sie entfernt sich immer weiter von unseren Vorstellungen und Plänen.

Zukunft kann man nicht gestalten.

Paradoxerweise geht es bei allem, was wir tun, um Zukunft. Ich esse, um Kraft für die nächsten Stunden zu haben. Ich gehe in die Schule, um für die Zukunft zu lernen. Ich verdiene heute Geld, um mir morgen mehr leisten zu können. Wir diskutieren über Klimaschutz und konzentrieren möglichst viele Ressourcen darauf, weil wir befürchten, dass in der Zukunft ein Klimakollaps kommt.

Was aber sind unsere heutigen Aktivitäten wert, wenn die Zukunft sich auf ihre ganz eigene Weise entwickeln wird? Vielleicht kann ich mit dem heutigen Schulstoff in meinem zukünftigen Beruf gar nichts anfangen? Vielleicht treten Umstände ein, in denen mir mein ganzes Geld in der Zukunft nichts nützt? Vielleicht gewinne ich aber auch im Lotto und hätte heute gar nicht so viel arbeiten müssen? Vielleicht entwickelt sich das Klima ganz anders, als wir heute annehmen und unsere Anstrengungen sind für die Katz?

Sollen wir alles laufen lassen?

Das könnte man machen, denn die Zukunft kommt schließlich ganz von allein. Aber irgendwie passt eine solche Haltung nicht so richtig zu uns, denn schließlich tragen wir ja Verantwortung. Wenn schon nicht für die Zukunft, denn die macht, was sie will, so doch aber für unser heutiges Handeln. Und das sollten wir darauf ausrichten, dass nach unserem besten Wissen und Gewissen die Zukunft gut wird. 

  • Wir sollen planen und gestalten, aber nicht daran glauben, dass es in der Zukunft die gewünschte Wirkung hat. Das ist die Grundlage für die nötige Offenheit in unseren Handlungen – technologieoffen und ergebnisoffen!
  • Wir sollen immer verschiedene mögliche Szenarien von Zukunft in Betracht ziehen und uns nicht nur auf eine Richtung versteifen. Wenn wir uns ums Klima bemühen, müssen wir auch an Bildung, Welternährung, Mobilität und vieles mehr denken.
  • Wir sollen mit unserem Tun nicht zu weit in die Zukunft greifen. Kurze Schritte sind sicherer und können im Bedarfsfall leichter korrigiert werden.
  • Wir sollen niemals alternativlos denken, denn das hindert uns daran, weitere Möglichkeiten zu entdecken, die uns vielleicht besser in die Zukunft bringen. Wir müssen unser Tun und dessen Auswirkungen immer wieder hinterfragen, um uns dem optimalen Gestaltungsweg möglichst anzunähern.

Der schlaue Ansatz

Wir sollten nicht zu viel Energie verwenden, die Zukunft zu gestalten, wenn sie sich am Ende doch nach ihren eigenen Gesetzen entwickelt. Es geht vielmehr darum, uns selbst so zu entwickeln, dass wir fit für eine, für jede Zukunft werden. Und da liegen ein paar Dinge wirklich auf der Hand: Lernen und sich qualifizieren, unnötigen Ballast und unproduktive Verhaltensweisen ablegen, Verbündete gewinnen, Bedingungen für günstige Entwicklung schaffen.

Es gibt viele Möglichkeiten, uns auf eine Zukunft vorzubereiten, von der wir nicht wissen können, wie sie konkret aussehen wird. Es bedeutet Arbeit an uns selbst. Wenn wir das tun, werden wir auch den richtigen Mut für die Zukunft entwickeln. Einen Mut, der aus eigener Stärke kommt und nicht aus der Illusion, die Zukunft beherrschen zu können.

Weitere Gedanken des Autors zum Thema finden Sie hier.

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