{"id":924,"date":"2011-03-03T10:15:51","date_gmt":"2011-03-03T10:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/test.businessvillage.de\/blog\/2011\/03\/03\/humor-ist-keine-ernste-sache\/"},"modified":"2022-03-10T09:04:52","modified_gmt":"2022-03-10T08:04:52","slug":"humor-ist-keine-ernste-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/humor-ist-keine-ernste-sache\/","title":{"rendered":"Humor ist (k)eine ernste Sache"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Humor ist individuell und kulturell verschieden, er besitzt eine gro\u00dfe Bandbreite und wird oft missverstanden. Trotzdem ist er immens wichtig, gerade in Redesituationen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst, was in den K\u00f6rpern geschieht. Wenn Menschen lachen, dann hat dies positive Folgen. Sie atmen intensiver. Zugleich erh\u00f6ht sich der Pulsschlag, die Muskeln entspannen sich und das Herz schl\u00e4gt schneller. Im Endeffekt f\u00fchren Lachende ihrem K\u00f6rper also mehr Sauerstoff zu. Lachen st\u00e4rkt zudem das Immunsystem und sch\u00fctzt dadurch langfristig vor Krankheiten, weshalb in der Regel Pessimisten leichter erkranken als Optimisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Lachen werden k\u00f6rpereigene Opioide (Endorphine) ausgesch\u00fcttet, die wiederum f\u00fcr Gl\u00fcckszust\u00e4nde und leichte Euphorie sorgen und die Stimmung generell positiv beeinflussen. Parallel nimmt die Zahl der Stresshormone im Blut ab, Spannungszust\u00e4nde l\u00f6sen sich auf, Entspannung setzt ein. Dies bezieht sich sowohl auf den K\u00f6rper als auch \u2013 im \u00fcbertragenen Sinne \u2013 auf die Psyche. Bereits hier ist zu erkennen, wie bedeutsam Humor in einer Redesituation ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterschiede gibt es \u2013 wie bei anderen Kommunikations-Situationen auch \u2013 zwischen M\u00e4nnern und Frauen. W\u00e4hrend M\u00e4nner gem\u00e4\u00df ihrer Denkweise eher \u00fcber Sachverhalte lachen, welche die rechte Hirnhemisph\u00e4re betreffen, lachen Frauen eher \u00fcber solche der linken. M\u00e4nner lachen \u00fcber Dinge, welche auf Fakten, Daten, Schlussfolgerungen beruhen, Frauen eher \u00fcber Beziehungen und Menschliches.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/selbstvermarktung-freihaendig\/eb-769.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/769.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Experiment, welches mit Studenten durchgef\u00fchrt wurde, zeigt, dass Humor noch weit mehr kann, als uns zu entspannen und f\u00fcr gute Laune zu sorgen. Studenten bekamen Streichh\u00f6lzer, eine Kerze und eine Schachtel Rei\u00dfzwecken. Mit diesen Utensilien sollten sie die Kerze so an einer Korkwand befestigen, dass kein Wachs heruntertropft. Eine Gruppe l\u00f6ste die Aufgabe dreimal h\u00e4ufiger erfolgreich und kreativer als eine andere. Warum? Sie hatte zuvor einen Comic-Film gesehen, die andere Studenten-Gruppe einen Film \u00fcber Erziehung. Wer also besserer Laune ist, kann kreativer denken und darum auch handeln. Mit anderen, metaphorischen Worten: Der Geist lockert sich auf und wird durchl\u00e4ssig f\u00fcr ungew\u00f6hnliche Ideen (vgl. Rost 2001: S. 429).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit einer Redesituation ist nicht zu untersch\u00e4tzen, dass eine unsichtbare Barriere zwischen der Gruppe der Zuh\u00f6rer und dem Redner als Einzelk\u00e4mpfer besteht (vgl. Kapitel 2). Wenn Menschen gemeinsam lachen, bildet sich jedoch ein positives Gruppengef\u00fchl heraus, das den Redner mit einschlie\u00dft. Mit den Worten der Soziologen: Der Redner wird Teil der in-group der Zuh\u00f6rer, was eine nicht zu untersch\u00e4tzende Basis f\u00fcr gelingende Argumentation ist. In Gruppen gewinnt Lachen dar\u00fcber hinaus eine gewisse Eigendynamik, es pflanzt sich also fast von allein fort, was unter anderem dazu f\u00fchrt, dass rationale \u00dcberlegungen (und damit auch Gegenreaktionen) abgeschw\u00e4cht werden. Dies wiederum kann der Redner nutzen. Vor allem US-Amerikaner wissen dies. Vor ihrer eigentlichen Rede oder am Beginn machen Sie einen Scherz, um Spannungen abzubauen, ein Wir-Gef\u00fchl und insgesamt eine positive Stimmung zu erzeugen. Barack Obama hat sich in seiner Berlin-Rede am 24. Juli 2008 gleich im zweiten Satz selbst leicht ironisiert:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch spreche zu Ihnen nicht als Kandidat, sondern als B\u00fcrger \u2013 ein stolzer B\u00fcrger der USA, und ein br\u00fcderlicher Weltb\u00fcrger. Mir ist klar, dass ich nicht so aussehe wie die Amerikaner, die vor mir in dieser Stadt gesprochen haben. [\u2026]\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Obama reagiert mit diesem einen Satz auf mehrere Sachverhalte gleichzeitig, die auch noch miteinander verbunden sind: Im Gegensatz zu Kennedy (sprach 1963 vor dem Sch\u00f6neberger Rathaus) und Reagan (sprach 1987 vor dem Brandenburger Tor) ist er nicht wei\u00df und (noch) kein Pr\u00e4sident. Im Vorfeld gab es in diesem Kontext heftige Auseinandersetzungen um den Ort der Rede. Ein schwarzer Pr\u00e4sidentschafts-Kandidat inszeniert sich also als Pop-Star vor der \u201eSiegess\u00e4ule\u201c, die sowohl positiv (Sieg) als auch negativ (es geht um mehrere Kriege im 18. Jahrhundert) gesehen wird. Verst\u00e4rkt wird die scherzhafte Bemerkung durch die \u201eFallh\u00f6he\u201c zum ersten Satz, weil jener weltm\u00e4nnisch daherkommt und ein gewichtigeres Vokabular als der zweite verwendet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/selbstvermarktung-freihaendig\/eb-769.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/769.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>L\u00e4cheln, Schmunzeln oder Lachen k\u00f6nnen noch mehr. Wenn die Zuh\u00f6rer gute Laune haben, nehmen sie Informationen leichter, schneller und insgesamt positiver auf. Im Normalfall bedeutet das: Die Botschaft des Redners ist eing\u00e4ngiger, wird schneller und vor allem dauerhafter verarbeitet. Im besonderen Fall hei\u00dft das aber auch: Der Redner kann Wahrheiten sagen, die er ansonsten den H\u00f6rern nicht zumuten w\u00fcrde (der Hofnarr besa\u00df dieses Privileg) oder die er einfach verschweigen m\u00fcsste: \u201eAls Vorteile von Humor werden intellektuelle Stimulation und soziale Anerkennung genannt [\u2026] und da\u00df er sich dazu eignet, Dinge zu sagen, d<em>ie man nicht direkt aussprechen kann, ohne das Risiko einzugehen, als geschmacklos oder taktlos zu erscheinen [\u2026]. Dies gilt besonders f\u00fcr Tabubereiche wie gesetzliche Verbote und soziale Sanktionen\u201c<\/em> (Koeppler 2000: 467).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Volksweisheit \u201eMit Humor ist alles leichter zu ertragen\u201c trifft also voll und ganz zu. Die Frage ist nur, wie?<\/p>\n\n\n\n<p>Humor, egal in welcher Facette, funktioniert nach einem grundlegenden Prinzip. Am Anfang steht eine Situation, ein Fakt, eine Behauptung. Die Comedy-Industrie arbeitet hier bewusst mit Klischees, um eine Vielzahl von Assoziationen aufzurufen und m\u00f6glichst alle H\u00f6rer auf eine F\u00e4hrte zu locken. Anfangs werden die Erwartungen der H\u00f6rer auch best\u00e4tigt, im letzten Moment jedoch gebrochen. Dies kann dadurch geschehen, dass ein Nebenaspekt ins Zentrum ger\u00fcckt oder eine unvermutete L\u00f6sung pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehen wir uns zwei Witze an:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eStolz sitzt der frisch ernannte Abteilungsleiter in seinem neu eingerichteten B\u00fcro. Als ein junger Mann sein B\u00fcro betritt, greift er zum Telefon: \u201aAber ja, Herr Direktor, wirklich ein reizender Abend gestern bei Ihnen, Herr Direktor, aber ja, bis dann.\u2019 Er h\u00e4ngt wieder ein, wendet sich an den Besucher: \u201aWas kann ich f\u00fcr Sie tun?\u2019 \u201aNichts, ich will nur das Telefon anschlie\u00dfen!\u2019\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEin Mann kommt in die Apotheke und fragt: \u201aHaben Sie etwas Zucker?\u2019 Der Apotheker geht nach hinten und kommt mit einem Beutel Zucker wieder. \u201aHaben Sie vielleicht auch einen L\u00f6ffel?\u2019, fragt der Mann. Der Apotheker langt unter die Theke und holt einen L\u00f6ffel hervor. Der Mann holt einen L\u00f6ffel voll Zucker aus dem Beutel, zieht ein kleines Fl\u00e4schchen aus der Tasche und tr\u00e4ufelt vorsichtig zwanzig Tropfen auf den Zucker. \u201aProbieren Sie doch mal\u2019, sagt er zum Apotheker. Der probiert den betr\u00e4ufelten Zucker und fragt: \u201aUnd was soll das jetzt bedeuten?\u2019 \u201aAch, nichts weiter, mein Arzt hat zu mir gesagt: Gehen Sie in die Apotheke und lassen Sie Ihren Urin auf Zucker testen.\u2019\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In beiden Witzen wird gleich im ersten Satz eine typische Situation (script), die handelnden Personen und der Rahmen genannt (B\u00fcro, Abteilungsleiter bzw. Apotheke, Kunde). Bis zum letzten Satz wird die Handlung so beschrieben, dass der H\u00f6rer gedanklich auf dem \u00fcblichen Gleis der erwartbaren Handlungen bleibt. Erst im letzten Moment wird die Erwartung rapide und unerwartet gebrochen. Um im Bild zu bleiben: Kurz vor dem Prellbock wird der Redner auf ein anderes Gleis geleitet. Entscheidend ist, dass dies auch wirklich im letztm\u00f6glichen Moment geschieht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/selbstvermarktung-freihaendig\/eb-769.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/769.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Vorgehensweise k\u00f6nnen Redner nutzen, auch wenn nicht immer der Schenkelklopfer dabei herauskommt. In den meisten F\u00e4llen ist es sogar ratsam, wenn die Zuh\u00f6rer lediglich schmunzeln oder l\u00e4cheln, denn das Auditorium ist zumeist sehr inhomogen zusammengesetzt. Und manch einer versteht halt keinen Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Roman Herzog, 08.07.1997: <em>\u201e[\u2026] Einerseits kann der Bundespr\u00e4sident, so wie unsere Verfassung sein Amt nun einmal ausgestaltet hat, wenn \u00fcberhaupt, nur durch Reden politisch wirken. Andererseits m\u00fc\u00dfte er aber, ebenfalls streng nach dem Grundgesetz, \u00fcberhaupt keine einzige Rede halten, um seine verfassungsm\u00e4\u00dfigen Aufgaben zu erf\u00fcllen. Ich \u2013 um es nun in der ersten Person zu sagen \u2013 m\u00fc\u00dfte weder hier, zum Jubil\u00e4um der Rhetorik in T\u00fcbingen, reden noch \u00fcberhaupt irgendwo, und w\u00e4re trotzdem meinen Pflichten nicht untreu. Ich k\u00f6nnte \u2013 jetzt ganz extrem gesprochen \u2013 f\u00fcnf Jahre im Schlo\u00df Bellevue oder in der Villa Hammerschmidt sitzen, Bundeskanzler, Minister und h\u00f6here Beamte ernennen, Botschafter empfangen, Gesetze unterzeichnen, Ordensverleihungen aussprechen, mich durch meinen Staatssekret\u00e4r \u00fcber die Kabinettsitzungen unterrichten lassen und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. [\u2026]\u201c<\/em> (www.bundespraesident.de)<\/p>\n\n\n\n<p>Rede zum Ruhestand: <em>\u201eMeine Frau hat zu mir gesagt: Heute ist dein gro\u00dfer Tag, bind dir eine Krawatte um. Hab ich dann auch gemacht. (zeigt die Krawatte am Knie.) [\u2026]\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hochzeitsrede: <em>\u201eWas kommt dabei raus, wenn sich Gegens\u00e4tze anziehen? Zuerst einmal m\u00fcssen sie sich ausziehen. Und dann kommt Marie. [\u2026]\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das n\u00e4chste Beispiel stammt aus der Rede von Guido Westerwelle zur \u201eVerleihung des Ordens wider den tierischen Ernst\u201c vom 19.01.2008. Es ist nur eines von vielen aus der Rede, die alle \u2013 gekonnt und sehr gut gemacht \u2013 aktuelle Politik zu Witzen verwursten. Auch hier wird deutlich, dass der Bruch des Erwartbaren erst im letztm\u00f6glichen Moment erfolgt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Angela Merkel wollte eigentlich die Regierungsarbeit transparenter machen. Ihr Plan war: Die Koalitionsrunde wird ins Internet \u00fcbertragen. Das hat Ursula von der Leyen nicht mitgemacht. Als Jugendministerin war sie entschieden gegen noch mehr Gewalt im Internet. [\u2026]\u201c<\/em> (www.guido-westerwelle.de)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ironie unter Vorbehalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Entsprechend allgemein anerkannter Definition ist Ironie dann gegeben, wenn das Gegenteil vom Gemeinten gesagt wird. Im Grunde wendet sich der Redner damit bewusst gegen die Forderung der Rhetorik nach Klarheit der Aussage (perspicuitas). Er widerspricht aber auch einer der von Grice aufgestellten Konversationsmaximen, welche dieser als Basis f\u00fcr kooperatives (sprachliches) Handeln postuliert hat. Sprecher sollen demnach ihre Inhalte in angemessener Art und Weise und m\u00f6glichst klar und eindeutig ausdr\u00fccken (vgl. Linke\/Nussbaumer\/Portmann 1996: 199).<\/p>\n\n\n\n<p>Warum also sollten Redner dann \u00fcberhaupt ironisch reden, wenn sie damit gegen zwei Grunds\u00e4tze f\u00fcr angemessenes und erfolgreiches Sprechen versto\u00dfen? Weil ironisches Sprechen die Zuh\u00f6rer aufgrund seines Wesens zum Mitdenken animiert, ja geradezu zwingt. Um dies zu garantieren, muss mindestens eins, besser, m\u00fcssen mehrere Ironie-Signale vorhanden sein, damit die Zuh\u00f6rer die \u00c4u\u00dferung auch wirklich im gegenteiligen Sinne verstehen. Anders als bei Texten, die gelesen werden, gibt uns allein die Rede-Situation schon mehrere M\u00f6glichkeiten an die Hand, die das Verstehen des gegenteilig Gemeinten erleichtern. Ironie wird aus dem Kontext der \u00c4u\u00dferung ersichtlich, aus der Diskrepanz zwischen dem Sprecher und dem Gesagten, aus dem Wissen der Zuh\u00f6rer \u00fcber die Hintergr\u00fcnde. Zugleich hat der Sprecher mehrere phonetische M\u00f6glichkeiten, Ironie als solche zu kennzeichnen: Tonh\u00f6henverlauf, Tempo, Akzentuierung, Sprachf\u00e4rbung, Lautst\u00e4rke \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alltag ist Ironie meist dann anzutreffen, wenn drastischere Ausdrucksmittel oder Reaktionen vermieden werden sollen. Der Sohn kommt mit schmutziger Hose nach Hause. Die Reaktion der Mutter: \u201eDu siehst ja wieder toll aus!\u201c. In der Firma hat der Mitarbeiter vergessen, den Beamer zu besorgen. Die Reaktion des Chefs: \u201eNa, daf\u00fcr wird uns der Kunde aber lieben.\u201c Allein an diesen zwei Beispielen wird deutlich, wie wichtig die sogenannten Partikeln sind. Es handelt sich dabei um kleine W\u00f6rter, von denen der \u201eStil-Papst\u201c Ludwig Reiners behauptet, sie wimmeln wie \u201eL\u00e4use in dem Pelz unserer Sprache\u201c (Reiners 1991: 241 f.). Das Gegenteil ist richtig, denn Partikeln sind wichtig. Und was sich reimt, ist gut.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/selbstvermarktung-freihaendig\/eb-769.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/769.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>W\u00f6rtchen wie ja, halt, eben, doch, freilich, schon \u2026 haben eine ganz besondere Aufgabe. Sie zeigen dem H\u00f6rer, welche Einstellung der Sprecher zum Satz hat. Im Fall des ironischen Sprechens stellen sie also ein wichtiges textinternes Mittel dar, damit der H\u00f6rer Ironie sicher als solche erkennt. Es macht eben (dieser Satz hat tendenziell ohne \u201eeben\u201c auch eine andere Bedeutung) einen Unterschied, ob ich sage: \u201eDann mach ich es halt allein\u201c. oder \u201eDann mach ich es allein\u201c. Die Bedeutung f\u00fcr den H\u00f6rer ist eine andere, wenn der Satz lautet: \u201eGeh zu deiner Mutter\u201c Oder \u201eGeh doch zu deiner Mutter\u201c. Bei der zweiten Variante sind Wut, Trauer und vielleicht verletzte <a class=\"wpil_keyword_link \" href=\"\/gefuehle\/eb-1084.html\"  title=\"Gef\u00fchle\" data-wpil-keyword-link=\"linked\">Gef\u00fchle<\/a> im Spiel, der erste ist neutral.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fall ironischen Sprechens denken Sie bitte an die vielen Partikeln. Auch sonst d\u00fcrfen und sollten sie die kleinen W\u00f6rtchen immer verwenden, denn sie geben dem Text nicht nur zus\u00e4tzliche Inhalte, sie offenbaren nicht nur die Einstellung des Sprechers zum Gesagten, sie verleihen unserem Text auch umgangssprachliche Z\u00fcge. Und das ist es ja eben halt doch auch, was wir wollen: N\u00e4he zur Umgangssprache, Positionierung des Sprechers, unterschwellige Inhalte.<\/p>\n\n\n\n<p>Guido Westerwelle, 24.11.2004: <em>\u201e[\u2026] Sie (Bundeskanzler) offenbaren an dieser Stelle ein bemerkenswertes Selbstverst\u00e4ndnis. Es erinnert ein wenig an den Absolutismus. Ludwig XIV. hat gerufen: \u201aL\u2019\u00e9tat c\u2019est moi.\u2019 Das bedeutet: Der Staat bin ich. Ich warte darauf, dass Sie sich jetzt eine gepuderte Per\u00fccke aufsetzen. [\u2026]\u201c<\/em> (www.guido-westerwelle.de)<\/p>\n\n\n\n<p>Vorstand in seiner letzten Rede: <em>\u201eIch hasse es, morgens liegen zu bleiben. Die sch\u00f6nen Dinge des Alltags werden mir fehlen: Handy, Computer, Termine, Meetings. Ja, auch die Nachtschichten. Ich werde sie schmerzlich vermissen, die Augenringe und Magenschmerzen, die Tage, an denen aber auch alles schief geht. Mit Steinen werde ich sie bewerfen, die zwitschernden V\u00f6gel in meinem Garten [\u2026].\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein letzter, aber wichtiger Hinweis noch zur Ironie. Unter Journalisten kursiert ein Satz, der Beachtung verdient: \u201eIronie verstehen Leser nie.\u201c Dieses Pauschal-Verdikt trifft f\u00fcr diese spezielle Kommunikations-Situation zu, weil die Journalisten a) ihre Leser nicht kennen, b) die Rezeptions-Situation nicht voraussehen und c) keine zus\u00e4tzlichen para- und nonverbalen Ironiesignale senden k\u00f6nnen. Bei einer Rede ist die Situation anders. Der Redner wei\u00df, wer vor ihm sitzt, er kennt die Situation und kann zus\u00e4tzliche Signale senden, damit auch der letzte Zuh\u00f6rer versteht: \u201aEs ist das Gegenteil vom Gesagten gemeint.\u2019 Wenn jedoch Zweifel daran aufkommen, dass Ironie von allen verstanden werden kann, oder der Anlass zu gewichtig ist, um ein Risiko einzugehen, sollte ironisches Sprechen sicherheitshalber unterbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum hoffentlich glorreichen Abschluss eine komplette Rede Loriots aus dem Jahr 2000. Ihm wurde der \u201eDeutsche Videopreis\u201c verliehen, worauf er in seiner ihm eigenen Art und Weise reagiert. Einige Kommentare in Klammern:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eMoooment \u2026 Meine sehr verehrten Damen und Herren! <\/em>(Das Lachen im Hintergrund beweist, dass der Kontext, das Image des Redners und die Erwartungen der Zuh\u00f6rer von gro\u00dfer Bedeutung sind. Die Zuh\u00f6rer wissen: Hier kann nur etwas Lustiges kommen. Demnach betrachten einige Zuh\u00f6rer bereits die v\u00f6llig \u00fcbliche Anrede ironisch und lachen.)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Unser erster Dank gilt Herrn Dr. Karasek f\u00fcr seine Worte, die so angenehm zutreffend waren.<\/em> (Ironie durch indirektes Eigen-Lob, was bei einem solchen Anlass nicht opportun erscheint) <em>Dank auch der Jury des Deutschen Videopreises und allen, die aus Bescheidenheit nicht genannt sein m\u00f6chten. Die Warner Home Video, unseren Produzenten, und vor allem: Unseren Eltern und Gro\u00dfeltern.<\/em> (witzig einerseits, weil Loriot selbst jenseits der 70 ist, andererseits, weil das Nennen der nahen Verwandten Praxis bei Verleihung von Medienpreisen in den USA ist)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Werfen wir einen Blick zur\u00fcck und halten wir uns vor Augen, wie hilflos der Mensch noch bis vor wenigen Jahren vor einem Problem kapitulierte, das ihm teils das Gesetz, teils b\u00fcrgerliches Brauchtum aufgeb\u00fcrdet hatte \u2013 die t\u00e4gliche abendliche Freizeit.<\/em> (Aufl\u00f6sung des Spannungsbogens am Ende des Satzes) <em>Diese, nach getaner Arbeit einsetzende h\u00e4usliche Haftstrafe erlaubte wahlweise zwei Blickrichtungen: auf das eingeschaltete Fernsehger\u00e4t oder auf den Lebensgef\u00e4hrten. Da beim Anblick des letzteren auf die Dauer eine gewisse Eint\u00f6nigkeit nicht zu leugnen war, blieb nur das Fernsehprogramm, dessen zunehmender Qualit\u00e4tsabfall die ratlosen Menschen scharenweise aus ihrer h\u00e4uslichen Geborgenheit in die Kinos trieb.<\/em> (Humor resultiert \u2013 wie so oft bei Loriot \u2013 aus der \u201eFallh\u00f6he\u201c zwischen Inhalt und b\u00fcrokratisch anmutendem Sprachstil) <em>So werden wir denn heute belohnt mit einem nackten Mann, der ohne erkennbare Einnahme von Potenz steigernden Drogen immerhin eine VHS-Kassette zur Hochstrecke bringt.<\/em> (Witz resultiert aus der nicht erwartbaren Beschreibung der Preis-Figur) <em>Das wird uns Ansporn sein, uns nun dem neuesten Medium nicht l\u00e4nger zu verschlie\u00dfen, der DVD. Denn die DVD oder kurz, die Digital Versatile Disc, wie sich die Scheibe scherzhaft nennt, hat im Bereich von MPEG 1 und MPEG 2 Audio eine Sample-Frequenz von 48 KHz. Und die minimale Bitrate beider Systeme liegt bei 32 Kilobit pro Sekunde. Das Maximum betr\u00e4gt bei MPEG 1 384 KBit pro Sekunde, bei MPEG 2 sogar 912.<\/em> (Humor durch deplatziertes Nennen der technischen Daten, sowohl kontextuell als auch inhaltlich und in Bezug auf den Sprecher, zugleich \u00dcbertreibung) <em>Wen das nicht \u00fcberzeugt, dem ist einfach nicht zu helfen. Jedenfalls hat mir das mein Enkel gesagt. Guten Abend.\u201c<\/em> (Loriot: 2005)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Humor ist individuell und kulturell verschieden, er besitzt eine gro\u00dfe Bandbreite und wird oft missverstanden. Trotzdem ist er immens wichtig, gerade in Redesituationen. Betrachten wir zun\u00e4chst, was in den K\u00f6rpern geschieht. Wenn Menschen lachen, dann hat dies positive Folgen. Sie atmen intensiver. 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