{"id":2905,"date":"2013-05-02T11:59:13","date_gmt":"2013-05-02T09:59:13","guid":{"rendered":"https:\/\/test-bv.gambiocloud.com\/blog\/2013\/05\/02\/quoten-gegen-zoten\/"},"modified":"2021-07-21T08:11:40","modified_gmt":"2021-07-21T06:11:40","slug":"quoten-gegen-zoten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/quoten-gegen-zoten\/","title":{"rendered":"Quoten gegen Zoten"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In den meisten F\u00fchrungsetagen sind weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte Mangelware. \u00dcber das warum und ob dieses Ungleichgewicht diskriminierend ist, l\u00e4sst sich trefflich streiten.<br>J\u00f6rg Steinfeld wirft einen kritischen Blick auf die deutsche Quotendebatte und geht der Frage nach: &#8222;Sind Frauen die besseren M\u00e4nner?&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Frauen als F\u00fchrungskr\u00e4fte zu thematisieren erscheint diskriminierend. Schauen wir allerdings in die deutschen Chefetagen, in denen nur auf gut zehn Prozent der St\u00fchle Frauen sitzen, wird klar, dass das Thema berechtigt, ja notwendig ist. Diskriminierend sind allein die M\u00e4nnergespr\u00e4che auf der Toilette. \u2013 \u201eDie Schlampe mach\u2019 ich fertig\u201c, \u201edie Tante hat wohl ihre Tage\u201c, \u201edie Alte ist so frigide, die muss mal richtig ran genommen werden\u201c, \u2013 und die heutige Glaubensfrage Quote. Diskriminieren kommt aus dem Lateinischen und hei\u00df \u00fcbersetzt trennen, absondern. Im Duden findet sich die weitere Definition: \u00f6ffentlich dem Ruf schaden, durch unterschiedliche Behandlung herabsetzen, benachteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quote beendet offene und freie Auswahlverfahren f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte. Sie trennt eine Bewerbergruppe, die Frauen, ab. Das kann nur deshalb geschehen, weil diese Gruppe aus Sicht der Quotenbef\u00fcrworter offensichtlich des Schutzes bedarf, sich also alleine nicht helfen kann. Das ist wie bei den Kontingenten der Wild- und Waljagd. W\u00fcrde man mir so helfen wollen, w\u00fcrde ich mich durch diese Behandlung und Einsch\u00e4tzung herabgesetzt f\u00fchlen. Das ist wie in der Fu\u00dfballbundesliga, da darf es auch nicht zum Schutze des deutschen Mannes eine Ausl\u00e4nderquote geben, da muss sich jeder mit seinen F\u00e4higkeiten hoch k\u00e4mpfen. Frauen, die seit der Quote <a class=\"wpil_keyword_link \" href=\"\/fuehrung-mit-pfiff\/eb-1121.html\"  title=\"F\u00fchrungskraft\" data-wpil-keyword-link=\"linked\">F\u00fchrungskraft<\/a> werden, werden sich immer nachsagen lassen m\u00fcssen, sie h\u00e4tten es nur wegen der Quote geschafft. Tats\u00e4chlich werden auch Sie nicht wenige Frauen kennen, die schon heute genau auf die Karte Quote setzen. Klar ist das Argument unfair, aber dem Gegner frei vor Tor so den Ball zu servieren hei\u00dft diese Diskriminierung selbst produziert zu haben. Die Quote ist keine Antwort auf M\u00e4nnerzoten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quotendiskussion ist eine typisch deutsche \u2013 unerbittlich, unendlich, unn\u00fctz. Hier das alte M\u00e4nnerlager. Die saturierten Wirtschaftskapit\u00e4ne haben sich wie immer freiwillig nicht bewegt, ob Entflechtung der Deutschland-AG, Internationalisierung der F\u00fchrungsgremien, die neue Welt des Internets oder Energiewende, ihr Beharrungsverm\u00f6gen in alten Strukturen ist legend\u00e4r. Ist die Quote da, werden sie alles tun, um sie ins Leere laufen zu lassen. Arbeitsrechtsanw\u00e4lte d\u00fcrfen sich schon freuen. Dort die Quotenfreundinnen, allen voran eine ehrgeizige Bundesministerin, die ihren hoffentlich vielen Enkelkindern ein Kapitel in den Geschichtsb\u00fcchern bieten m\u00f6chte. Auch sie sind stur: Was als richtig erkannt worden ist, muss sein, ist mit Macht, also per Gesetz und ohne R\u00fccksicht auf Verluste durchzudr\u00fccken. An beide Seiten: f\u00fcr eine Konsensgesellschaft verantwortlich handeln sieht anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines macht die oberfl\u00e4chliche Quotendiskussion zur Freude der M\u00e4nner aber sehr gut: sie blockiert den Blick auf die eigentliche Thematik. Wahr ist, die Vorbehalte gegen Frauen halten sich so wacker wie die alten Kampftrinker unten an der Hotelbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen werden wesentlich st\u00e4rker nach ihrem Aussehen beurteilt als M\u00e4nner, und zwar tendenziell zu ihrem Nachteil. Sieht eine Frau gut aus, wird ihr das geneidet und ihr wird weniger Kompetenz zugetraut. Blond gleich bl\u00f6d. Sieht sie nicht gut aus, gilt sie auf dem Markt der erfolgreichen Eitlen als Verliererin und weniger sympathisch. H\u00e4sslich gleich dumm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die alten Vorurteile wie Frauen seien weniger intelligent, zu weich f\u00fcr einen harten Job und sie h\u00e4tten eine andere Bestimmung, n\u00e4mlich K\u00fcche und Kinder, wabern bis heute teils als gezieltes Gesellschaftsbild, teils unbewusst in vielen m\u00e4nnlichen, aber auch in konservativen weiblichen K\u00f6pfen wie der Duft von Sonntagsbraten und gebrauchten Windeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Frau sei eine potenzielle Mutter und M\u00fctter k\u00f6nnten sich wegen ihrer st\u00e4ndigen Sorgen um die Kinder nicht voll auf die Arbeit konzentrieren. Sie seien unzuverl\u00e4ssig, weil mit Ausf\u00e4llen wegen der Kinder, die st\u00e4ndig Krankheiten, Schulausf\u00e4lle und Geburtstage haben, zu rechnen sei. Richtig ist, dass die Betreuung der Kinder regelm\u00e4\u00dfig von den M\u00fcttern organisiert wird. Aber das Angebot f\u00fcr die Betreuung von Kindern im Kindergarten- und Schulalter ist in den letzten zehn Jahren erheblich besser geworden (wenn es auch immer noch viel schlechter ist als in anderen entwickelten Staaten). Au\u00dferdem m\u00fcssen wir \u2013 leider \u2013 feststellen, dass fast 50 Prozent aller Akademikerinnen in Deutschland kinderlos sind. Das Thema Kinder hat insoweit drastisch an Bedeutung verloren. Schlie\u00dflich nennt kaum eine F\u00fchrungskraft in der Praxis Kinder als Kritikpunkt an Mitarbeiterinnen, die F\u00fchrungskr\u00e4fte sind. Diese Frauen scheinen zu wissen, was von Ihnen erwartet wird, sie haben sich entsprechend organisiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/was-sie-schon-immer-ueber-fuehrung-wissen-wollten-...\/eb-874.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/874.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner erschweren Frauen die Karriere, weil sie lieber unter ihresgleichen \u201espielen\u201c. Sie schotten sich gegen Frauen ab und binden sie nicht ein in ihr Netzwerk, das sie gew\u00f6hnlich unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frau als F\u00fchrungskraft zu haben ist also immer noch die Ausnahme. Diese Frauen werden von den Mitarbeitern oft anders wahrgenommen als ihre m\u00e4nnliche Kollegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Frauen neigen zu einem autorit\u00e4ren F\u00fchrungsverhalten. Sie mussten sich durchsetzen, um ihre Position zu erreichen. Sie m\u00fcssen mehr leisten als M\u00e4nner, um darin anerkannt zu werden. Aus dieser Erfahrung heraus geben sie sich m\u00e4nnlicher als M\u00e4nner. Der Mitarbeiter zu seiner Bereichsleiterin: \u201eSie sehen mich an, als ob Sie mich auffressen wollen, so empfinde ich das.\u201c Ihre Antwort: \u201eWas Sie empfinden, ist Ihre Sache, das ist nicht mein Thema, das ist Ihres.\u201c Ein weiblicher Macho. Sie imitieren m\u00e4nnliche Kleidung und m\u00e4nnliches Verhalten, \u00fcbertreiben dabei bisweilen. Blo\u00df nicht weich wirken! Aber Frauen, die nur in Hosenanz\u00fcgen mit heller Bluse und Schleife durch das B\u00fcro laufen und den m\u00e4nnlichen Macher geben, sieht jeder an, dass sie versuchen, etwas zu sein, was sie nicht sind. Eine Frau ist kein Mann, sie kann deshalb kein besserer Mann werden. Sie wirken unglaubw\u00fcrdig, l\u00e4cherlich, traurig, eben nicht authentisch. Solche Frauen, die mit viel Kraft und wom\u00f6glich unter vielen Verbiegungen und viel Verzicht (auf eine Familie) ihre Position erreicht haben, zeigen oft besonders wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Mitarbeiter und deren famili\u00e4re Notwendigkeiten oder besondere Situationen. Sie unterdr\u00fccken, was allein Frauen als St\u00e4rken einzubringen haben, ihre weiblichen F\u00e4higkeiten wie Sensibilit\u00e4t, Empathie und Verst\u00e4ndnis. Da bringt es auch nichts, wenn die ehemals harte, 40-j\u00e4hrige Vorgesetzte von dem Moment an, in dem sie von ihrer Schwangerschaft erf\u00e4hrt, pl\u00f6tzlich die Mutterversteherin in Person ist. So unglaubw\u00fcrdig sie vorher war, so unglaubw\u00fcrdig ist sie auch nachher.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner f\u00fchlen sich unwohl, wenn sie von einer Frau gef\u00fchrt werden. Sei es, sie f\u00fchlen sich in die alte Sohn\/Mutter Rolle zur\u00fcckversetzt, sei es, sie als Mann sollten nach ihrem Verst\u00e4ndnis die st\u00e4rkere Rolle gegen\u00fcber einer Frau haben. Immer ist die weibliche F\u00fchrungskraft Ausdruck des eigenen Versagens, und wenn M\u00e4nner etwas gelernt haben, dann das eigene Versagen zu hassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise haben Spitzenmanager in einer Umfrage fast unisono angegeben, in sogenannten weiblichen Eigenschaften keinen Mehrwert f\u00fcr das Unternehmen zu sehen. Und das entgegen allen Erkenntnissen aus der Praxis, stur und beharrend blo\u00df alle Ver\u00e4nderungen der Strukturen abwehren, sich blo\u00df nicht selbst infrage stellen, stattdessen Selbstbewusstsein und Selbst\u00fcberzeugung demonstrieren. Tr\u00f6stlich ist: Anachronisten sind erst \u00e4rgerlich, werden aber schnell l\u00e4cherlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Frauen m\u00f6gen weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte nicht gerne. Sie wissen um das starke Rivalit\u00e4tsdenken von Frauen. Eine Frau in einer st\u00e4rkeren Position wird eine andere starke Frau unter oder neben sich nicht zulassen. Eine weibliche Mitarbeiterin f\u00fcrchtet, keine Aussicht zu haben, sich selbst weiterentwickeln zu k\u00f6nnen. Die Folge sind oft Aggressivit\u00e4t und ungel\u00f6ste Dauerkonflikte. Kinderlose weibliche Vorgesetzte sagen M\u00fcttern nach, sie seien nicht so belastbar. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die psychische und physische Belastbarkeit von M\u00fcttern ist unvorstellbar, auch f\u00fcr M\u00e4nner. In Wirklichkeit sind kinderlose Vorgesetzte meist nur neidisch, weil M\u00fctter etwas haben, was sie selbst auch gerne h\u00e4tten, n\u00e4mlich Kinder, Liebe, einen Partner, und weil sie, weibliche Intuition, sp\u00fcren, welche Last M\u00fctter tragen und bew\u00e4ltigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den meisten F\u00fchrungsetagen sind weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte Mangelware. \u00dcber das warum und ob dieses Ungleichgewicht diskriminierend ist, l\u00e4sst sich trefflich streiten.J\u00f6rg Steinfeld wirft einen kritischen Blick auf die deutsche Quotendebatte und geht der Frage nach: &#8222;Sind Frauen die besseren M\u00e4nner?&#8220; Frauen als F\u00fchrungskr\u00e4fte zu thematisieren erscheint diskriminierend. 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