{"id":1920,"date":"2020-02-20T07:10:00","date_gmt":"2020-02-20T06:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test-bv.gambiocloud.com\/blog\/2020\/02\/20\/die-sieben-todsuenden-des-praesentierens\/"},"modified":"2021-07-17T22:00:52","modified_gmt":"2021-07-17T20:00:52","slug":"die-sieben-todsuenden-des-praesentierens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/die-sieben-todsuenden-des-praesentierens\/","title":{"rendered":"Die sieben Tods\u00fcnden des Pr\u00e4sentierens"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Mitarbeiter machen es, der Chef macht es &#8211; wer Vorankommen will muss pr\u00e4sentieren. Und die meisten dieser Pr\u00e4sentationen haben einiges gemeinsam: Sie sind mit PowerPoint erstellt und rechtfertigen weder den Aufwand des Erstellens noch die Zeit des Zuh\u00f6rens. Doch woran liegt es, dass viele Pr\u00e4sentationen so schlecht sind? Prof. Dr. Peter Daiser illustriert die sieben Tods\u00fcnden des Pr\u00e4sentierens &#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl ich schon unz\u00e4hlige Pr\u00e4sentationen begleiten, sehen und halten durfte, habe ich meine Begeisterung f\u00fcr diese Kommunikationsform nie verloren. Ich mag das Gef\u00fchl, dieses leichte Kribbeln, das man kurz vor Vortragsbeginn versp\u00fcrt, freue mich, meine Erkenntnisse mit dem Publikum zu teilen und nutze jede Gelegenheit, mir die Pr\u00e4sentationen von anderen anzusehen, um neue Einblicke und Erfahrungen zu gewinnen. Leider treffe ich allzu oft auf Pr\u00e4sentationen, die weder den Aufwand ihrer Erstellung noch die Zeit des Zuh\u00f6rens rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran liegt es, dass viele Pr\u00e4sentationen so schlecht sind? Ich glaube, dass es sich in erster Linie um eine Aneinanderreihung einiger grober Fehler handelt, die dazu f\u00fchrt, dass viele Pr\u00e4sentationen ihre Wirkung verfehlen. Wenn du diese elementaren Fehler vermeidest, kannst du gem\u00e4\u00df meiner Einsch\u00e4tzung bereits eine Pr\u00e4sentation gestalten, die auf eine sehr positive Resonanz beim Publikum st\u00f6\u00dft. Damit dir solche elementaren Pr\u00e4sentationsprobleme und Kommunikationskiller nicht unterkommen, schau dir die folgenden sieben Tods\u00fcnden des Pr\u00e4sentierens an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/lean-presentation\/eb-1065.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/1065.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Formmangel<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Formmangel liegt vor, wenn das Thema nicht zur Kommunikationsform der Pr\u00e4sentation passt. Damit ist gemeint, dass sich nicht jedes Thema f\u00fcr eine Pr\u00e4sentation eignet. Die Pr\u00e4sentation ist nicht immer das beste Mittel der Wahl. Manchmal ist es einfach effizienter und effektiver, eine andere Form der Kommunikation zu w\u00e4hlen. Beispielsweise kann ein kurzes formloses Treffen in der Kaffeek\u00fcche ausreichen, um ein Thema in einer kleinen Gruppe zu kl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Edward Tufte, einer der genialsten K\u00f6pfe unserer Zeit f\u00fcr die Aufbereitung und Vermittlung von Informationen, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er kritisiert, dass Slideware einen schrittweisen Denkstil f\u00f6rdere (Folie f\u00fcr Folie), der zu einem signifikanten Informationsverlust f\u00fchre (Tufte 2006). Mit seiner Analyse legt er den Finger in die Wunde: Slideware ist nicht dazu gedacht, Wissen und detaillierte Information zu vermitteln. Daf\u00fcr gibt es entsprechende Dokumente, wie zum Beispiel Berichte oder Lehrb\u00fccher. Sie erlauben es, dem Leser tiefer gehende und\/oder weiterreichende Gedankeng\u00e4nge in strukturierter Form zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos glaubt ebenfalls, dass Slideware in Summe keine effektive Methode zur Kommunikation von Inhalten ist. Er untersagt daher den Einsatz im Unternehmen und weist seine Mitarbeiter an, Memos zu verfassen, die zu Beginn eines Meetings von allen Teilnehmern konzentriert gelesen werden. Anschlie\u00dfend diskutieren sie die Inhalte und suchen gemeinsam nach L\u00f6sungen (Standard 2018).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn der Erfolg Amazon in vielen Dingen recht gibt, halte ich diese Vorgehensweise f\u00fcr zu drakonisch, da sich das Unternehmen mit dem generellen Verzicht auf Pr\u00e4sentationen eines in manchen F\u00e4llen hilfreichen Kommunikationsmittels beraubt. Doch Amazon macht deutlich, dass ein unreflektierter, \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Einsatz von Slideware, wie er in vielen Organisationen gepflegt wird, auch nicht der richtige Weg ist. Ich halte es f\u00fcr sinnvoller, die Menschen f\u00fcr den richtigen Einsatz von Slideware zu sensibilisieren und sie f\u00fcr die Anwendung von unterschiedlichen Kommunikationsmitteln zu qualifizieren, damit sie in der jeweiligen Situation das richtige Kommunikationsmedium bewusst ausw\u00e4hlen. Denn f\u00fcr jemanden, der nur einen Hammer hat, sieht letzten Endes alles aus wie ein Nagel (Maslow 1966).<\/p>\n\n\n\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr Abbildungen, Tabellen und Medieneinsatz in Pr\u00e4sentationen. Wenn die Darstellung nicht zu den Aussagen passt, die transportiert werden sollen, dann ist das f\u00fcr die Zuh\u00f6rer st\u00f6rend oder irref\u00fchrend. Mach es deinen Zuh\u00f6rern einfach, dir zu folgen. Setz die Mittel ein, die dich und deine Aussagen unterst\u00fctzen. Alles, das dazu keinen Beitrag leistet, st\u00f6rt und ist fehl am Platz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Defizite in der Empf\u00e4ngerorientierung<\/h2>\n\n\n\n<p>Viele Pr\u00e4sentationen leiden unter dem Problem, dass sie von jemandem ausgearbeitet wurden, der ein wahrer Kenner seines Faches ist, jedoch vergisst, dass seine Zuh\u00f6rer keine Experten in der vorgestellten Thematik sind. Solche Situationen erlebe ich h\u00e4ufig, wenn beispielsweise \u00c4rzte, Informatiker, Ingenieure oder Rechtsanw\u00e4lte vor fachfremdem Publikum sprechen. Wenn das Publikum das Vokabular nicht kennt und die Folien nur so vor Fachw\u00f6rter strotzen, ist der kommunikative Misserfolg vorprogrammiert. Gleiches gilt f\u00fcr Selbstdarsteller, die sich als Helden ihres Faches pr\u00e4sentieren m\u00f6chten. Es geht nicht um den Vortragenden, sondern um die Zuh\u00f6rer. Sie stehen im Fokus und an sie sind die Inhalte zu richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig von der fachlichen Expertise, sind Pr\u00e4sentationen auch auf pers\u00f6nliche Vorlieben zu hinterfragen. Lass mich das an einem kurzen Beispiel erkl\u00e4ren: Eine gute Bekannte von mir \u2013 es handelt sich um eine ausgesprochen attraktive Frau, die es wirklich versteht, sich in Szene zu setzen \u2013 ist der festen \u00dcberzeugung, sie w\u00fcsste ziemlich genau, was sch\u00f6n ist und was nicht. In Anbetracht des stets positiven Feedbacks, das sie aus ihrem Umfeld erh\u00e4lt, ist diese Einstellung wenig verwunderlich. Die Frage ist jedoch, ob dies au\u00dferhalb ihres pers\u00f6nlichen Bezugssystems gleicherma\u00dfen der Fall ist. Stell dir vor, dass sich diese durchgestylte, luxuri\u00f6s gekleidete Dame, mit ihrem von Schlammpackungen, Fitnessstudioqualen und Dauerdi\u00e4t gezeichneten makellosen K\u00f6rper, mit einem von oben bis unten t\u00e4towierten Musiker zum Thema \u00bbSch\u00f6nheit\u00ab unterh\u00e4lt. Ich denke, dass sich die beiden in zahlreichen Punkten uneinig w\u00e4ren. Daher ist es unerl\u00e4sslich, sich ein Bild vom Publikum zu machen: Du musst dir klar dar\u00fcber sein, wer dort sitzt und was diese Menschen bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem meiner Vortr\u00e4ge wurde ich an dieser Stelle darauf angesprochen, dass es sich um ein doch sehr konstruiertes Beispiel handele. Den gravierenden Unterschied zwischen den beiden Personen habe ich bewusst \u00fcberzeichnet, um die m\u00f6gliche Diskrepanz zwischen der Vorstellungswelt des Pr\u00e4sentierenden und der Vorstellungswelt des Publikums aufzuzeigen. Die Quintessenz ist: schlie\u00dfe niemals von dir auf andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Du glaubst, du kennst den Geschmack der anderen? Dann mach bitte beim n\u00e4chsten Stadtbesuch folgendes Experiment: Gehe bewusst mit offenen Augen durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, indem du versuchst, deine selektive Wahrnehmung auszuschalten. Zwinge dich dazu, dir alle Teile anzusehen, die im Schaufenster stehen. Frag dich bei jedem Fenster, wie viele Teile dir gefallen, welche dir nicht gefallen und welche du scheu\u00dflich findest \u2013 du wirst feststellen, dass dir meist nur ein kleiner Teil der ausgestellten Waren gef\u00e4llt. Dennoch verkaufen sich auch die Teile, die dir nicht zusagen. Falls du dieses Experiment auf die Spitze treiben willst, wiederhole es auf einen Flohmarkt. Und ja, die Sachen, die dort liegen, haben Menschen einmal gekauft, weil sie sie gut fanden. Zusammenfassend: Nie von sich auf andere schlie\u00dfen \u2013 der K\u00f6lner w\u00fcrde sagen: \u00bbJede Jeck is anders\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Einsiedlersyndrom<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein weiteres typisches Pr\u00e4sentationsproblem, auf das ich h\u00e4ufig sto\u00dfe, ist das Einsiedlersyndrom. Der Vortragende schafft es einfach nicht, das Publikum abzuholen und seine Botschaften erreichen die Adressaten nicht. Entweder verlieren Vortragende ihr Publikum bereits zu Beginn, bei der Erl\u00e4uterung der Ausgangssituation und der Problemstellung, oder der Zuh\u00f6rer wird im Hauptteil der Pr\u00e4sentation abgeh\u00e4ngt, weil die Vortragenden beispielsweise unzureichend oder zu kompliziert argumentieren \u2013 oder sie entledigen sich des Zuh\u00f6rers gar am Schluss des Vortrags, weil essenzielle Kernbotschaften fehlen. Das Publikum verl\u00e4sst den Raum und denkt sich: \u00bbSo what?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mit den Vortragenden anschlie\u00dfend ins Gespr\u00e4ch gehe, sind die Betroffenen meistens ratlos. Sie haben sehr viel Zeit in die Pr\u00e4sentation investiert, tolle Bilder und Beispiele herausgesucht und ansprechende Folien designt. Dennoch haben sie es nicht geschafft, ihre Inhalte dem Publikum zu vermitteln. Danach frage ich sie, wie sie bei der Vorbereitung und Erstellung der Pr\u00e4sentation vorgegangen sind. In der Regel erhalte ich dann als Antwort: \u00bbIch habe mich sofort an die Pr\u00e4sentation gemacht und mich gut auf meinen Auftritt vorbereitet. Zuerst habe ich viele Informationen zum Thema gesucht und diese systematisch in meine Folien kopiert. Als ich der Meinung war, dass ich einen guten \u00dcberblick \u00fcber das Thema hatte, habe ich die Informationen sortiert und die Story jeden Tag ein bisschen verbessert \u2013 so lange, bis ich damit voll und ganz zufrieden war. Zwei Wochen lang habe ich jetzt jeden Tag mehrere Stunden in meine Unterlagen gesteckt; und was ist dabei rausgekommen? Viel Arbeit f\u00fcr nichts.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Flei\u00df ist nicht das Problem: Das Problem steckt im Arbeitsprozess. Die Vortragenden eignen sich im Rahmen der Informationsrecherche ein fundiertes Wissen \u00fcber das Thema an und strukturieren die Informationen unterbewusst zu ihren Zwecken. Dabei gehen jedoch Ziel und Zweck der Pr\u00e4sentation unter und die Vortragenden verlieren die Informationsbed\u00fcrfnisse der Zuh\u00f6rer aus den Augen. Sie waren daher \u00fcberzeugt, eine gro\u00dfartige Pr\u00e4sentation zu kreieren; f\u00fcr ihre pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse war sie das auch, jedoch haben sie de facto an den tats\u00e4chlichen Informationsbed\u00fcrfnissen ihrer Zuh\u00f6rer vorbeigearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Aktivit\u00e4tsfalle<\/h2>\n\n\n\n<p>Immer wieder h\u00f6re ich die Aussage, dass die Pr\u00e4sentation doch nicht so schlecht gewesen sein kann; man h\u00e4tte so viel Arbeit in den Vortrag investiert. Hierbei handelt es sich um die Aktivit\u00e4tsf\u00e4lle. Mit anderen Worten: Die Vortragenden bewerten die Qualit\u00e4t ihres Vortrags nach dem Umfang der in die Pr\u00e4sentation investierten Arbeit. Sie sind aufgrund des enormen von ihnen betriebenen Aufwands davon \u00fcberzeugt, eine gro\u00dfartige Unterlage erstellt zu haben. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um den sogenannten Trugschluss der versenkten Kosten, der uns Menschen dazu verleitet, die Kosten und M\u00fchen der Vergangenheit als Ma\u00dfstab f\u00fcr eine Leistung in der Gegenwart heranzuziehen. Anstatt unsere Leistung rational zu hinterfragen, rechtfertigen wir das Ergebnis unterbewusst mit dem bereits investierten Aufwand. Wenn beispielsweise eine Person wochenlang intensiv an einer Pr\u00e4sentation arbeitet, f\u00e4llt es ihr in der Regel mit jedem investierten Tag schwerer, Kritik daran zuzulassen, da sie sich eingestehen m\u00fcsste, viel Arbeit umsonst investiert zu haben. So hilfreich diese unterbewusste Funktion unserer Psyche f\u00fcr unser t\u00e4gliches Leben ist, so sch\u00e4dlich kann sie leider bei der Pr\u00e4sentationsvorbereitung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es unerl\u00e4sslich, den Denkprozess vom Arbeitsschritt der Folienerstellung zu trennen (Hackenberg, Leminsky &amp; Schulz-Wolfgramm 2017). Beim Denkprozess geht es darum, sich intensiv in das Thema einzuarbeiten und es zun\u00e4chst selbst sachlogisch zu durchdringen, ohne in Pr\u00e4sentationsstrukturen zu denken. Wie bei einer Hausarbeit in der Schule oder im Studium werden die relevanten Informationen gesucht, gefiltert und sortiert. Auf dieser Grundlage werden die wesentlichen Argumente, Botschaften und Erkenntnisse abgeleitet und in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Denkprozesses solltest du dich von jeglicher Slideware fernhalten. Ich durfte in den letzten Jahren mit vielen herausragenden Vortragsrednern zusammenarbeiten und sie alle hatten eines gemeinsam: Sie benutzten f\u00fcr den Denkprozess die Hilfsmittel der alten Schule (zum Beispiel Bleistift, Papier, Buntstifte, Highlighter, K\u00e4rtchen, Pinnwand, Haftnotizen, Tafel, Whiteboard). Auf diese Weise stellten sie sicher, dass ihr Denk- vom Folienerstellungsprozess getrennt war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Informations\u00fcberfluss<\/h2>\n\n\n\n<p>Kennst du die Volksweisheit \u00bbDie Menge macht das Gift\u00ab? Zahlreiche Pr\u00e4sentationen leiden an einem \u00dcberfluss an Information. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr andere Kommunikationsmittel wie Reden, Berichte oder Studien. Es ist typisch f\u00fcr unsere Zeit, dass wir als Empf\u00e4nger von Informationen in Inhalten ertrinken. Relevantes geht in der Masse unter und die Zuh\u00f6rer erliegen einem Information Overkill.<\/p>\n\n\n\n<p>Im schlimmsten Fall sind die Folien im Medikamenten-Beipackzettel-Stil verfasst, sodass selbst bei den Strebern aus der ersten Reihe der Tilt-Mechanismus einsetzt, weil sie der Versuchung nicht widerstehen k\u00f6nnen, s\u00e4mtliche Inhalte aufzunehmen und zu verarbeiten. Der Rest des Publikums hat schon lange abgeschaltet und wartet sehnlichst auf die Abschlussfolie \u00bbVielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit\u00ab sowie den mehrseitigen Haftungsausschluss, der ein f\u00fcr alle Mal das Ende der Chartokalypse einl\u00e4utet. Ein echtes Worst-Case-Szenario.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich schon oft gefragt, wie es zu diesen tragischen Situationen kommt. Wie meist in der Soziologie handelt es sich wahrscheinlich um mehrere Faktoren, die dazu beitragen. Ein Faktor kann das Streben nach vollst\u00e4ndiger Information sein. In Schule und Studium wird die Mantra gelebt, dass gute Entscheidungen nur unter vollst\u00e4ndiger Information getroffen werden k\u00f6nnen. Das ist eine Illusion: Es gibt keine vollst\u00e4ndigen Informationen. Was dadurch ins Hintertreffen ger\u00e4t ist die Gewichtung und Bewertung verf\u00fcgbarer Informationen. Es wird viel zu wenig und viel zu selten hinterfragt, welches Wissen f\u00fcr die anstehende Aufgabe tats\u00e4chlich relevant ist. Die Folge ist ein Information Overkill, bei dem die Zuh\u00f6rer den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht mehr sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein guter Indikator f\u00fcr solche Situationen sind Pr\u00e4sentationen, die nicht mehr zu \u00fcberblickende Anh\u00e4nge und\/oder mehrseitige Haftungsausschl\u00fcsse aufweisen. Dann liegt der Schluss nahe, dass es sich um eine Absicherungsstrategie handelt. Der Vortragende m\u00f6chte auf jeden erdenklichen Fall vorbereitet sein und eine \u00bbbesch\u00fctzende Folie\u00ab an die Wand werfen, die einer mentalen Geh-aus-dem-Gef\u00e4ngnis-Karte beim Monopolyspiel gleichkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, die ich mir bei dieser Strategie stelle: \u00bbWelche Wirkung soll damit beim Publikum erzeugt werden?\u00ab Ein Vortragender, der sich hinter seinen Folien verstecken muss, kann keine Wirkung erzielen. Schlimmer noch: Die informations\u00fcberladenen Folien zwingen die Zuh\u00f6rer zum Lesen und lenken damit die Aufmerksamkeit \u2013 weg vom Vortragenden \u2013 auf die hell erleuchtete Leinwand. Vermutlich machen sich die Ersteller solcher Pr\u00e4sentationen einfach wenig Gedanken zur Wirkung ihrer Pr\u00e4sentationen, da das subjektive Angstempfinden, irgendetwas k\u00f6nnte in der Unterlage fehlen, alles \u00fcberschattet.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben meiner wissenschaftlichen T\u00e4tigkeit berate ich seit vielen Jahren auch private und \u00f6ffentliche Organisationen. Einer meiner Mandanten hatte einmal ein derartiges Problem. Im Laufe der Zeit hatte sich in seinem Unternehmen die Angst breitgemacht, dass ein Kunde Informationen aus der Verkaufspr\u00e4sentation missverstehen und daraus Anspr\u00fcche geltend machen k\u00f6nnte. Diese Situation f\u00fchrte dazu, dass der Umfang des in der Pr\u00e4sentation enthaltenen Haftungsausschlusses von Woche zu Woche zunahm. Zwischenzeitlich beschwerten sich die Kunden meines Mandanten, da sie keine Lust hatten, seitenlange Haftungsausschl\u00fcsse in Schriftgr\u00f6\u00dfe acht durchzuarbeiten. Gleichzeitig litt die Glaubw\u00fcrdigkeit des Unternehmens, da sie in der Branche schon als \u00bbAngsthasen\u00ab wahrgenommen wurden. Spr\u00fcche wie \u00bbDiese Kaulquappennummerierer brauchst du nur zu fragen, falls du mal wissen m\u00f6chtest, wie etwas nicht geht\u00ab machten die Runde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie du dir sicherlich vorstellen kannst, hatte dieses Image eine gesch\u00e4ftssch\u00e4digende Wirkung auf das Unternehmen, die mit Werbung und PR allein nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung entschied sich zu einem umfassenden Transformationsprojekt, um die \u00fcber Jahre gewachsene Angstkultur von innen heraus zu wandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Baustein dieses Projektes war die Neukonzeption des Haftungsausschlusses. An diesem Punkt beschritten wir ganz neue Wege und haben die bisherige Vorgehensweise auf den Kopf gestellt. Anstelle eines Haftungsausschlusses, der Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erhebt und jeden erdenklichen missverst\u00e4ndlichen Fall abdeckt, wurden die Folienvorlagen auf die wesentlichen Kernbotschaften reduziert und das Statement \u00bbDiese Unterlage ist ohne unsere m\u00fcndlichen Erl\u00e4uterungen nicht vollst\u00e4ndig\u00ab ersetzte fortan den Haftungsausschluss in der Pr\u00e4sentation. Die Details erhielten die Kunden mit dem dazugeh\u00f6rigen schriftlichen Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich gibt es zahlreiche weitere Gr\u00fcnde, die ihren Beitrag zu informations\u00fcberladenen Pr\u00e4sentationen leisten. Aber ich denke, dass an dieser Stelle klar sein d\u00fcrfte, auf was ich hinaus m\u00f6chte: Eine Pr\u00e4sentation, die zu lang, zu detailliert, zu kompliziert und\/oder zu umfassend ist, kann keine Wirkung beim Publikum entfalten. Das betrifft insbesondere textlastige und kleinteilige Pr\u00e4sentationen. Denke immer daran: Du h\u00e4ltst eine Pr\u00e4sentation und keine Vor- oder Buchlesung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. \u00dcberzeugungsschw\u00e4che<\/h2>\n\n\n\n<p>Vortragende, die es nicht schaffen, die Inhalte einer Pr\u00e4sentation \u00fcberzeugend darzustellen, sind ein weiteres fundamentales Hindernis auf dem Weg zu einem wirkungsvollen Vortrag. Bitte versteh mich nicht falsch. Ich stelle nicht den Anspruch, dass alle Vortragenden geborene Redner sein m\u00fcssen, die es schaffen, die Massen zu begeistern. Du musst kein John F. Kennedy, Martin Luther King oder Steve Jobs sein, um dein Publikum abzuholen und zu begeistern. Eine gute Vorbereitung, ein professioneller Auftritt und das Umschiffen der gr\u00f6bsten Fehler reichen in der Regel v\u00f6llig aus, um die gew\u00fcnschte Wirkung bei den Zuh\u00f6rern zu entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Wirkung ist die Erkenntnis, dass Inhalt alleine nicht ausreicht: Stimme, K\u00f6rpersprache, Haltung und \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild verkaufen unsere Gedanken mit. Mit anderen Worten: Sprich so, dass du verstanden wirst. Steh auf, zeig Haltung, lies deine Rede nicht ab und versteck dich nicht hinter einem Rednerpult. Stell dich dorthin, wo das Publikum dich sieht, du deine Folien nicht verdeckst und achte auf ad\u00e4quate Kleidung. Last but not least, bleib ungek\u00fcnstelt: Die Zuh\u00f6rer merken es sofort, wenn du anf\u00e4ngst zu schauspielern und vorgeben willst, jemand zu sein, der du nicht bist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Mangelnde Einbindung von Entscheidern<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn Pr\u00e4sentationen Entscheidungen herbeif\u00fchren sollen, steigt das Risiko des Vortragenden. Das ergibt sich aus der besonderen Situation. Denn wenn du mit deinen Argumenten einen Entscheider vor dem versammelten Publikum in Zugzwang bringst, kann dies zu unsch\u00f6nen Reaktionen f\u00fchren. Ein Fehler, den ich bei Pr\u00e4sentationen h\u00e4ufig beobachte, ist, dass die oder der Vortragende die Entscheidungstr\u00e4ger im Vorfeld der Pr\u00e4sentation nicht ausreichend einbinden. Die Vortragenden sind offensichtlich so mit der Vorbereitung ihrer Pr\u00e4sentation besch\u00e4ftigt, dass sie nicht daran denken, die f\u00fcr die Entscheidung verantwortliche Person fr\u00fchzeitig mit an Bord zu nehmen. Das kann zu b\u00f6sen \u00dcberraschungen f\u00fchren. Professionelle Presenter werden keine Pr\u00e4sentation halten, die eine Aktion oder Entscheidung von einem der Empf\u00e4nger einfordert, ohne dass dieses im Vorfeld abgestimmt ist. Das Credo der Pr\u00e4sentationsprofis lautet: \u00bbDesign to Result\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht fragst du dich jetzt, welchen Sinn eine Pr\u00e4sentation \u00fcberhaupt noch hat, wenn die Inhalte bereits im Vorfeld abgestimmt sind? Die Pr\u00e4sentation ist ein Hilfsmittel, das dir oder den Entscheidern dabei hilft, eine Entscheidung offiziell in die Organisation zu tragen. Wenn du daher mit deiner Pr\u00e4sentation eine oder mehrere Entscheidungen herbeif\u00fchren m\u00f6chtest, ist es sehr empfehlenswert, die Entscheider fr\u00fchzeitig einzubinden, um negativen Reaktionen vorzubeugen. Die Konsequenz, dass deine Pr\u00e4sentation f\u00fcr einige der Teilnehmer in diesem Fall nur noch Makulatur ist, sollte dich nicht weiter st\u00f6ren. Es geht darum, dein Ziel zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Falls du keine M\u00f6glichkeit hast, Schl\u00fcsselpersonen und Entscheider vorab in die Pr\u00e4sentation einzubinden, dann versuch zumindest, so viel Information wie m\u00f6glich \u00fcber diese Personen in Erfahrung zu bringen. Auf diese Weise kannst du in der Regel viel \u00fcber deren Interessen und Befindlichkeiten lernen und deine Ausf\u00fchrungen nach bestem Wissen und Gewissen darauf ausrichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mitarbeiter machen es, der Chef macht es &#8211; wer Vorankommen will muss pr\u00e4sentieren. Und die meisten dieser Pr\u00e4sentationen haben einiges gemeinsam: Sie sind mit PowerPoint erstellt und rechtfertigen weder den Aufwand des Erstellens noch die Zeit des Zuh\u00f6rens. Doch woran liegt es, dass viele Pr\u00e4sentationen so schlecht sind? 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