{"id":1718,"date":"2018-03-01T07:20:00","date_gmt":"2018-03-01T06:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test-bv.gambiocloud.com\/blog\/2018\/03\/01\/hart-aber-herzlich\/"},"modified":"2021-07-18T21:03:51","modified_gmt":"2021-07-18T19:03:51","slug":"hart-aber-herzlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/hart-aber-herzlich\/","title":{"rendered":"Hart aber Herzlich"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Klar in der Sache und freundlich im Ton. Dies ist die nat\u00fcrlichste Art zu kommunzieren die es gibt. Doch sie ist uns abhanden gekommen. Stattdessen drehen wir kommunikative Schleifen und gehen Umwege, die weder freundlich noch zielf\u00fchrend sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klar in der Sache und freundlich im Ton: Dies ist die nat\u00fcrlichste Art zu kommunizieren, die es gibt. Doch sie ist uns abhandengekommen. Stattdessen drehen wir kommunikative Schleifen und gehen Umwege, die weder freundlich sind noch zum Ziel f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Umwege machen das gemeinschaftliche Handeln unm\u00f6glich und sind deshalb grobe Kommunikationsfehler. Und weil sie sich im Alltag in Form eines schlechten Schauspiels \u00e4u\u00dfern, m\u00f6chte ich Ihnen die verschiedenen Varianten nicht direkter Kommunikation anhand einiger typischer Szenen aufzeigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kommunikationsfehler Nr. 1: Um den hei\u00dfen Brei reden<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>Erste Szene: Absurdes Theater <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Uschi und Gerd haben gerade ihr Wohnmobil geparkt: an einer Oase in der W\u00fcste Gobi. Seit Jahren hat sich Uschi eine ausgedehnte Reise bis nach Peking und zur\u00fcck gew\u00fcnscht. Jetzt ist es endlich soweit: Zu ihrem vierzigsten Hochzeitstag hat Gerd eingewilligt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbKomm mal her, Uschi!\u00ab, sagt ihr Mann voller Begeisterung. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbSchau dir diesen Sonnenuntergang an! Hast du schon einmal so ein Rot gesehen?\u00ab Er legt seinen Arm auf ihre Schulter und schmiegt sich an sie wie eine Katze ans Stuhlbein. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Uschi starrt auf den Horizont. Ihr K\u00f6rper ist steif. Und ihre Antwort l\u00e4sst auf sich warten. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie denkt: \u00bbKann der nicht mal sein T-Shirt auswaschen? Er muffelt schon seit zwei Tagen! Und die Z\u00e4hne k\u00f6nnte er auch h\u00e4ufiger putzen \u2026 Aber wenn ich ihm das jetzt sage, flippt er aus. Ich kenn ihn ja.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbToll\u00ab, sagt sie trocken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbAlles gut, Schatz?\u00ab, fragt Gerd. Er sp\u00fcrt ihre Zur\u00fcckhaltung. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbJa sicher\u00ab, sagt sie mit betont weicher Stimme. Sie gibt ihm einen Kuss auf die Wange und verschwindet schnell wieder ins Wohnmobil. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbH\u00e4? Was hat sie denn jetzt schon wieder?\u00ab, denkt er. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ergebnis dieser gelungenen Kommunikation: Gerd ist die Freude an dem Sonnenuntergang vergangen \u2013 und Uschi bereitet das Abendbrot vor und \u00e4rgert sich dabei schwarz. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was zwischen diesen Ehepartnern kommunikativ abl\u00e4uft, geh\u00f6rt zum Alltag vieler Menschen so selbstverst\u00e4ndlich dazu wie die Milch zum Kaffee: Sie denken st\u00e4ndig dar\u00fcber nach, was sie wollen oder brauchen. Sie denken, dass der andere sich danebenbenimmt. Sie denken, dass es gut w\u00e4re, jetzt weiterzufahren. Sie denken, dass es inzwischen unm\u00f6glich geworden ist, p\u00fcnktlich anzukommen. Sie denken und denken und denken, doch sagen? Sagen tun sie nichts!<\/p>\n\n\n\n<p>Erst wenn sie es gar nicht mehr aushalten, \u00e4u\u00dfern sie ihre Gedanken \u2013 aber in ganz anderer Form als sie gedacht haben. Das klingt bei Uschi dann ungef\u00e4hr so:<\/p>\n\n\n\n<p>Sie denkt: \u00bbPutz dir mal die Z\u00e4hne!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sagt: \u00bbMagst du ein Kaugummi?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der dringende Wunsch, ja das regelrechte Bed\u00fcrfnis nach einem ertr\u00e4glichen Geruch wird so gr\u00fcndlich in Watte verpackt, bis es nicht mehr erkennbar ist. Zum Beispiel eben in eine Alternativfrage, die der Gespr\u00e4chspartner ganz nach Lust und Laune mit \u00bbJa\u00ab oder \u00bbNein\u00ab beantworten kann. Wie hoch ist die Chance, dass der Mann \u00bbJa\u00ab sagt? Genau 50 Prozent. Nicht weil er seine Frau \u00e4rgern will, sondern weil er schlicht vor eine Wahl gestellt wird, deren wahre Bedeutung er nicht erkennen kann. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Uschi ihr Ziel erreicht? Null! Denn ihr Mann wei\u00df ja nicht einmal, dass es ihr um den Mundgeruch geht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/direkt-mit-respekt\/eb-1030.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/1030.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine absurde Art zu kommunizieren! Wir sprechen die Dinge, die uns besch\u00e4ftigen, nicht aus, und erwarten gleichzeitig, dass der andere sie err\u00e4t. Wir erwarten nichts weniger, als dass der andere Gedanken liest! Das ist ein verdammt hoher Anspruch an den Gespr\u00e4chspartner. Und die Wahrscheinlichkeit, dass wir in unserer Erwartung entt\u00e4uscht werden, ist sehr sehr hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen Sie sich folgende Situation vor: Uschi merkt schon auf der Hinfahrt nach Peking, dass sie keine Lust mehr auf die Reise hat. Sie und ihr Mann sitzen in diesem Wohnmobil doch zu eng aufeinander. Und was sagt sie zu ihrem Mann? \u00bbDu, wenn ich ehrlich bin, habe ich mir diese Reise anders vorgestellt. Jetzt reicht es mir und ich w\u00fcrde am liebsten umdrehen und zur\u00fcckfahren. Vielleicht k\u00f6nnen wir einfach ans Meer fahren. Oder in die Berge.\u00ab Nein, das tut sie nicht! Stattdessen sagt sie:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbHoffentlich wird es noch sch\u00f6ner. Bis jetzt ist das nicht so spektakul\u00e4r, wie ich es mir vorgestellt hatte.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Was denkt der Gerd? Er hat tausend M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas gef\u00e4llt ihr denn nicht?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMuss es unbedingt spektakul\u00e4r sein?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAlso mir gef\u00e4llt es hier besser als erwartet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und so weiter und so fort. Nur das, was Uschi sich w\u00fcnscht, dass Gerd denken soll, denkt er nicht. Das ist n\u00e4mlich:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAha, sie m\u00f6chte umdrehen. Ich sollte ihr den Vorschlag machen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrde er das sagen, dann m\u00fcsste sie sich nicht eingestehen, dass sie eine Fehlentscheidung getroffen hat. Aber das f\u00e4llt ihr schwer. Also sagt sie vieles, nur nicht das, was sie wirklich will.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Mensch will es, und trotzdem passiert es immer wieder: Statt zu sagen, was wir denken, reden wir um den hei\u00dfen Brei herum. Was dabei eigentlich vor sich geht, ist Folgendes: Die eigenen Absichten werden nicht benannt, W\u00fcnsche werden nur durch die Blume ge\u00e4u\u00dfert, und der andere kann die Botschaft nur verstehen, wenn er die Aussage interpretiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/direkt-mit-respekt\/eb-1030.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/1030.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Was dabei ebenfalls passieren kann, ist: Wir nehmen Dinge an, die der andere nicht gesagt hat und auch nicht so meint. Das, was der andere gesagt hat, hinterfragen wir nicht, sondern nehmen es f\u00fcr bare M\u00fcnze, selbst wenn wir ein komisches Gef\u00fchl dabei haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wozu f\u00fchrt das alles? Stellen Sie sich vor, wie es w\u00e4re, wenn Sie jeden Tag in solche Gespr\u00e4che verwickelt w\u00e4ren. Ob in der Partnerschaft, im Job oder im Freundeskreis. Sie m\u00fcssten erst einen Gedankenlesen-Kurs belegen, um eventuell zu verstehen, was gemeint ist. Und dann m\u00fcssen Sie das, was Sie sagen wollen, in so viel Watte packen, dass Sie Ihren Wattebedarf nicht mehr in der Drogerie decken k\u00f6nnen, sondern beim Gro\u00dfh\u00e4ndler bestellen m\u00fcssen. Die Gefahr der Missverst\u00e4ndnisse w\u00e4chst mit jeder \u00c4u\u00dferung. Und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter baut sich so viel Spannung auf, dass Sie explodieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNie nimmst du R\u00fccksicht auf mich!\u00ab, platzt es dann aus Ihnen heraus, und das Hochzeitsgeschirr von der Uroma, das mehr als ein Jahrhundert schadlos \u00fcberstanden hat, geht in einer Sekunde zu Bruch. Interessant! Wenn wir mal ausflippen, k\u00f6nnen wir sehr wohl unsere Bed\u00fcrfnisse benennen. Die Botschaft wird sogar unmissverst\u00e4ndlich. Nur wird sie auch alles andere als herzlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr noch: Mit dieser Janus-Art zu kommunizieren k\u00f6nnen Sie nur scheitern! Wenn Sie r\u00fccksichtsvoll sind, dr\u00fccken Sie sich unklar aus \u2013 wenn es Ihnen reicht, finden Sie \u00fcberklare Worte, mit denen Sie Ihren Gespr\u00e4chspartner gegen sich aufbringen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kommunikationsfehler Nr. 2: Selbstprofilierung auf Kosten anderer<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>Zweite Szene: Profilierungsspiele<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Den hei\u00dfen Brei zu umkreisen ist nur eine von verschiedensten Varianten der Umwege in der Kommunikation. Eine weniger r\u00fchmliche Form ist die des Kalk\u00fcls. Und auch die gibt es in unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein gr\u00f6\u00dferes Unternehmen hat mich mit der Durchf\u00fchrung eines Seminars f\u00fcr seine Mitarbeiter beauftragt. Als ich f\u00fcr ein vorbereitendes Meeting dort eintreffe, kommt mir eine Dame entgegen, betrachtet mich streng \u00fcber den Rand ihrer Brille und sagt: \u00bbIch bin Frau M\u00fcller und ich bin hier f\u00fcr die Personalentwicklung verantwortlich. So wie Sie das Seminar da vorhaben, geht das ja gar nicht. Das habe ich unserem Chef auch gesagt. Sie machen das wohl zum ersten Mal.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin erstaunt, bleibe aber h\u00f6flich: \u00bbDas ist ein bew\u00e4hrtes Konzept. Ihre Gesch\u00e4ftsleitung hat genau danach gefragt.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Frau M\u00fcller entgegnet spitz: \u00bbDa m\u00fcssen sich die Herren geirrt haben. Ich lasse Ihnen meine \u00c4nderungen per Mail zukommen.\u00ab Macht auf dem Absatz kehrt und rauscht davon. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Erst einmal bin ich sprachlos. Dann aber z\u00fccke ich mein Handy und rufe den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer an. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der sagt: \u00bbFrau M\u00fcller? Die ist doch frisch von der Uni und auch nur als Schwangerschaftsvertretung einer Personalsachbearbeiterin eingestellt.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was hat Frau M\u00fcller wohl gedacht, als sie sich mir als Personalentwicklungsverantwortliche vorgestellt hat? Wahrscheinlich so etwas: \u00bbWenn ich dem sage, dass ich nur Sachbearbeiterin bin, nimmt er meine Vorschl\u00e4ge eh nicht ernst. Ich will aber der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung beweisen, dass ich es drauf habe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganz sch\u00f6ner Umweg, den die Dame da geht: Eine Situation zu inszenieren, in der sie sich als jemand ausgibt, der sie nicht ist. Die Verantwortung daf\u00fcr zu tragen, dass ein Trainer, der einen ordentlichen Job macht, wom\u00f6glich einen wichtigen Kunden verliert. Und vor allem die Gefahr in Kauf zu nehmen, dass der Komplott auffliegen kann und sie ihren Job komplett los ist! Dabei w\u00e4re es so einfach, der Gesch\u00e4ftsleitung zu zeigen, was sie kann, indem sie schlicht ihre Leistungen zur Sprache bringt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kommunikationsfehler Nr. 3: Sein F\u00e4hnchen nach dem Wind h\u00e4ngen<\/h2>\n\n\n\n<p>Sich auf Kosten anderer profilieren wollen ist ein gro\u00dfer und h\u00e4ufig sehr teurer Umweg. Selbstprofilierung erfolgt aber nicht immer aus Kalk\u00fcl, sondern manchmal auch unbewusst. Lassen Sie uns in ein typisches Konzernmeeting hineinschauen:<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dritte Szene: Opportunisten<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Runde sitzt um den gro\u00dfen Tisch. Einer stellt ein neues Projekt vor und endet mit den Satz: \u00bbWas haltet ihr davon?\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es herrscht Stille, alle K\u00f6pfe drehen sich zu einer Person hin. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Mann \u00fcberlegt einen Moment und sagt dann: \u00bbKeine gute Idee. Zu viele Risiken.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofort setzt eine Kakofonie ein, denn jetzt sind sich alle einig. Es t\u00f6nt durcheinander: \u00bbGenau. Die Marktanalyse hat etliche Schwachpunkte.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbIn dieses Gebiet sollten wir zur Zeit sowieso nicht investieren.\u00ab \u00bbDas Projekt passt ja auch gar nicht in die aktuelle Strategie.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der, der das Projekt vorgestellt hat, nickt niedergeschlagen und sagt: \u00bbDanke f\u00fcr eure Zeit.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was denken die Mitarbeiter? \u00bbDa waren schon gute Ideen dabei. Aber wenn der Chef es nicht gut findet, dann ist eh nichts zu machen. Und er hat es nicht so gern, wenn man ihm widerspricht.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und der Projektverantwortliche denkt: \u00bbIhr Feiglinge. Na, ihr k\u00f6nnt was erleben, wenn ihr das n\u00e4chste Mal einen Vorschlag bringt. Da werde ich den Chef vorher impfen und euch eure Pr\u00e4sentation nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen herrscht ein psychologischer Druck: Keiner will etwas Falsches sagen. Deshalb sagen viele nur das, von dem sie glauben, dass der Chef es auch h\u00f6ren m\u00f6chte. Dabei muss das dem Chef gar nicht recht sein: Stellen Sie sich vor, der Chef hat den Hosenstall offen und kein einziger traut sich, ihm das zu sagen. So begr\u00fc\u00dft er dann eine wichtige Kundin. Wie zielf\u00fchrend ist das wirklich?<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig sieht es so aus, als sei es nicht wichtig, R\u00fcckgrat zu haben und zu zeigen. Langfristig ist die Strategie, das F\u00e4hnchen nach dem Wind zu h\u00e4ngen und sich der Meinung des H\u00f6chstrangigen anzuschlie\u00dfen, aber der sichere Weg in den Misserfolg. Denn als Mensch, der selbstst\u00e4ndig denkt, werden Sie so nicht wahrgenommen. Ein weiterer Umweg in der Kommunikation, der Sie nicht n\u00e4her an Ihr Ziel bringt, sondern eher weiter weg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kommunikationsfehler Nr. 4: Die Verantwortung abw\u00e4lzen<\/h2>\n\n\n\n<p><em><strong>Vierte Szene: Das Schuldverschiebespiel <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbJa, Ihr Seminar ist toll, Herr Hoyer. Aber das wird den Laden hier auch nicht weiterbringen\u00ab, sagt mir ein Teilnehmer beim Mittagessen. Und senkt verschw\u00f6rerisch die Stimme, als er hinzuf\u00fcgt: \u00bbDer Fisch stinkt n\u00e4mlich vom Kopf her. Unsere Gesch\u00e4ftsleitung ist ein aufgebl\u00e4hter Wasserkopf. Die haben keine Ahnung, wie man ein Unternehmen f\u00fchrt und was wir armen Mitarbeiter hier durchleiden m\u00fcssen.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin \u00fcberrascht, denn die Firma ist mir als guter Arbeitgeber bekannt. Ich wei\u00df nur, dass der Mann, mit dem ich gerade spreche, noch nicht lange da ist. Er hatte sich zuvor selbstst\u00e4ndig gemacht und war mit Pauken und Trompeten gescheitert. Deshalb frage ich vorsichtig nach: \u00bbWas ist es denn, was die Mitarbeiter in dieser Firma erleiden m\u00fcssen?\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbNa ja,\u00ab stottert der Mann. \u00bbSo allgemein halt der Druck. Es wird ja so viel verlangt heutzutage.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbAha. Und haben Sie Vorschl\u00e4ge, wie es besser laufen k\u00f6nnte?\u00ab, bohre ich nach. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbDas ist doch nicht mein Job!\u00ab, sagt er entr\u00fcstet. \u00bbZu was ist denn die Gesch\u00e4ftsleitung da?\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was denkt er sich bei seinen Aussagen? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbIch fasse hier nicht so richtig Fu\u00df. Aber an mir kann das nicht liegen. Schlie\u00dflich habe ich mich hier anstellen lassen, damit ich nicht mehr f\u00fcr alles verantwortlich bin. Jetzt sollen die mal liefern.\u00ab <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht leicht, Niederlagen auf die eigene Kappe zu nehmen. Es ist scheinbar leichter, eine vermeintliche Schuld in der \u00d6ffentlichkeit auf andere abzuw\u00e4lzen. Das Problem f\u00fcr diesen Mitarbeiter ist jedoch: Auf diese Art wird er das Unternehmen auf jeden Fall verlassen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schuld f\u00fcr die eigene Unzufriedenheit beim anderen zu suchen, ist ein riesengro\u00dfer Umweg. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen Sie den anderen nicht \u00e4ndern. Sie k\u00f6nnen nur sich \u00e4ndern. Aber den eigenen Chef als Person zu kritisieren, statt sich Gedanken zu machen, welchen \u00c4nderungsvorschlag Sie ihm machen k\u00f6nnen \u2013 und diese Kritik nicht einmal an ihn pers\u00f6nlich heranzutragen, sondern an Dritte, von denen Sie nicht einmal erwarten, dass sie Stille Post spielen und die Kritik an Ihren Chef weiterreichen, ist mindestens so kompliziert, wie dieser f\u00fcrchterlich verschachtelte Satz. Oder haben Sie ihn gleich auf Anhieb verstanden?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klar in der Sache und freundlich im Ton. Dies ist die nat\u00fcrlichste Art zu kommunzieren die es gibt. Doch sie ist uns abhanden gekommen. Stattdessen drehen wir kommunikative Schleifen und gehen Umwege, die weder freundlich noch zielf\u00fchrend sind. 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