{"id":1686,"date":"2017-11-23T10:00:00","date_gmt":"2017-11-23T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test.businessvillage.de\/blog\/2017\/11\/23\/das-groesste-laengste-aller-zeiten-spiel-mit-superlativen\/"},"modified":"2021-07-18T21:11:54","modified_gmt":"2021-07-18T19:11:54","slug":"das-groesste-laengste-aller-zeiten-spiel-mit-superlativen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/das-groesste-laengste-aller-zeiten-spiel-mit-superlativen\/","title":{"rendered":"Das gr\u00f6\u00dfte, l\u00e4ngste aller Zeiten &#8211; spiel mit Superlativen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>&#8222;I&#8217;m the greatest&#8220; das wusste schon Muhammad Ali und br\u00fcllte es in die Mikrofone. Superlativieren ist die direkteste Entscheidungsabk\u00fcrzung. Nur was machen wir, wenn wir nicht die gr\u00f6\u00dften, besten, tollsten &#8230; sind? Dann ist Kreativit\u00e4t gefragt. Denn dem Spiel mit den Superlativen sind kaum Grenzen gesetzt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er war der Gr\u00f6\u00dfte. Riesenklappe, Riesenherz, flinke Beine und einen kr\u00e4ftigen Punch im Arm. Cassius Marcellus Clay, wie er b\u00fcrgerlich hie\u00df, begann mit zw\u00f6lf Jahren zu boxen, weil ihm ein Dieb das Fahrrad gestohlen hatte und er diesem eins auf die Nuss geben wollte, wenn er ihn erwischt h\u00e4tte. Den Dieb bekam er nicht zu fassen, doch er blieb beim Boxen. Mit sechzehn Jahren brach er die Schule ab und konzentrierte sich nur noch auf den Sport. Trotz zahlreicher Siege stellte er schnell fest, dass er in der \u00d6ffentlichkeit nicht sehr bekannt war. Ein Wrestler namens Gorgeous George stahl ihm dort die Show und f\u00fcllte die Spalten der Presse.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/scale-up\/eb-1010.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/1010.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Clay \u00fcbernahm den provozierenden Stil von George und baute ihn aus. Er machte sich in Versen \u00fcber seine Gegner lustig und wagte Voraussagen \u00fcber deren K.-o.-Runde: \u00bbArchie Moore will be on the floor in round four\u00ab. Sein neuer Stil fand schnell Beachtung, die beabsichtigte Provokation wirkte.<\/p>\n\n\n\n<p>So br\u00fcllte er nach jedem Sieg \u00bbI\u2018m the Greatest\u00ab ins Mikro. Ein Markenzeichen, das bald zu seinem offiziellen Kampfnamen wurde. Diesem Namen machte er alle Ehre: Er gewann sechsundf\u00fcnfzig seiner einundsechzig K\u00e4mpfe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Superlativ als Entscheidungsabk\u00fcrzung<\/h2>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur Muhammad Ali vertraute einem Superlativ. Auch so manches Unternehmen setzt sich die Kappe des \u00c4ltesten, Gr\u00f6\u00dften, L\u00e4ngsten, Sparsamsten, meist Gebuchten, \u2026 auf. Wenn das Unternehmen diesen Superlativ den Kunden plausibel machen kann, bringt seine Verwendung dem Unternehmen einen klaren Nutzen. Der Superlativ signalisiert: Das kann prinzipiell nicht schlecht sein, ein Mehr von allem schadet nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nobelpreistr\u00e4ger und Psychologe Daniel Kahneman w\u00fcrde sagen, dass ein Superlativ kein sachliches Argument ist, sondern eine Entscheidungsabk\u00fcrzung, die dem Menschen das Denken abnimmt. Dieser Effekt funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Superlative sind bei Sammlern beliebt<\/h2>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6chste Hotel, das gr\u00f6\u00dfte Riesenrad, das l\u00e4ngste Kreuzfahrtschiff, die schnellste Beschleunigung von 0 auf 100 km\/h, der tiefste Blick \u2013 pausenlos wird mit Superlativen geworben. Da sich viele Unternehmen bem\u00fchen, einen Superlativ zu erf\u00fcllen, ist davon auszugehen, dass sein verkaufsf\u00f6rdernder Nutzen durchaus bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunden sch\u00e4tzen ihn, weil der Prozess, der mit dem Superlativ verbunden ist, spannend ist und sich nach einer Sensation anh\u00f6rt. Da M\u00e4nner bekanntlich seit Urzeiten J\u00e4ger sind, ist ein Superlativ ein begehrtes Objekt f\u00fcr die Troph\u00e4ensammlung. St\u00e4ndig gilt es Grenzen zu erweitern, unbekanntes Terrain zu entdecken und mit m\u00f6glichst einfachen Mitteln beherrschbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Superlative schinden Eindruck<\/h2>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig macht sich der Superlativ gut vor den Nachbarn und im Bekanntenkreis: \u00bbStell dir vor, wir waren jetzt mit der Harmony of the Seas, dem gr\u00f6\u00dften Kreuzfahrtschiff, das jemals gebaut wurde, in der Karibik. Das stellt alles, was wir bislang kannten, in den Schatten.\u00ab Das sitzt. Eine leise Anmerkung als Antwort, dass das Schiff sicher un\u00fcbersichtlich ist, klingt kleingeistig und l\u00e4sst einen Hauch von Neid erkennen. Also h\u00f6ren die Gespr\u00e4chspartner zu, nicken und bewundern. \u2013 Mit Superlativen macht der Kunde nichts verkehrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Superlative ver\u00e4ndern die Nachfrage per se<\/h2>\n\n\n\n<p>Hamburg ohne die Elbphilharmonie? So stand Hamburg bisher da. Doch nun gibt es das neue Bauwerk mit seinem einzigartigen Konzertsaal, dem leisesten der Welt. Pl\u00f6tzlich will jedes Orchester mit Weltruf hier unbedingt spielen. Der Superlativ schafft sich seine eigene Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bringen L\u00e4nge und Gr\u00f6\u00dfe im B2B? \u00bbWir haben den gr\u00f6\u00dften Containerbahnhof am Atlantik!\u00ab Diese Aussage f\u00fchrt dazu, dass die Containerunternehmen ihre Container hier verladen wollen, eben weil hier der gr\u00f6\u00dfte Containerbahnhof am Atlantik ist. Gr\u00f6\u00dfe ver\u00e4ndert die Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00e4hnliches Beispiel bietet der Gotthard-Basistunnel. Mit 57 Kilometern ist er der l\u00e4ngste Eisenbahntunnel der Welt. Die Z\u00fcge k\u00f6nnen mit einer Spitzengeschwindigkeit von \u00fcber 200 Kilometern in der Stunde durch den Tunnel fahren. Dieser Tunnel der Superlative f\u00fchrt dazu, dass pl\u00f6tzlich der Seeweg von Genua nach Nordeuropa eine neue Konkurrenz bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der traditionsbewussten Bankbranche macht sich ein Superlativ gut. Vor allem zur Ansprache der j\u00fcngeren Generation.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gilt wie auch bei den vorhergehenden Alphatrends: Alles war bereits vorhanden, nur der Kontext ist komplett neu.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunden, denen George zu modern ist, bleiben bei der alten Anwendung. So vergrault die Bank die \u00e4ltere Kundschaft nicht, sondern schafft den generationen\u00fcbergreifenden Spagat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer es sich leisten kann, auf das modernste Banking \u00d6sterreichs zu verzichten, der bleibt auch weiterhin bei der Konkurrenz mit dem Gef\u00fchl, nicht zu wissen, was er gerade alles vers\u00e4umt. Ein unangenehmes Gef\u00fchl, das einzig auf den Superlativ zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bringt Gr\u00f6\u00dfe?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Superlativ bringt das Mobile durcheinander. Er sorgt f\u00fcr ein Umlenken der Nachfrage und eine neue Fokussierung. Denken Sie nur an die Marktdominanz von Google oder Amazon.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kritische Punkt bei der Gr\u00f6\u00dfe ist die Dauer, f\u00fcr die der Superlativ gilt. Sobald die n\u00e4chste Gr\u00f6\u00dfenrunde eingeleitet wird, ist der bisher Gr\u00f6\u00dfte nur noch der Zweitgr\u00f6\u00dfte. Auch wenn Megabauten wie Tunnel nicht zum Standard geh\u00f6ren, kann in zehn bis zwanzig Jahren der n\u00e4chste noch gr\u00f6\u00dfere gebaut werden. Zeitlich noch schneller geht es bei Schiffen, Geb\u00e4uden oder Maschinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sind auch die kleinsten L\u00f6sungen die gr\u00f6\u00dften, wie etwa in der Medizintechnik. Das Prinzip bleibt das gleiche. Sobald der Superlativ getoppt wird, ist er schon wieder zweite Wahl und muss nachlegen. \u2013 Aber der Superlativ erzielt auch hier in jedem Fall Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Irgendeiner ist immer l\u00e4nger<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Nachrichtensender n-tv berichtete k\u00fcrzlich \u00fcber einen Makler der Firma Engel &amp; V\u00f6lkers auf Mallorca, der sein Leid dar\u00fcber klagte, wie schwierig es sei, gro\u00dfe Motorjachten zu vermitteln. Denn sobald auf der Probefahrt eine gr\u00f6\u00dfere Jacht kreuze, w\u00fcrden die meisten m\u00e4nnlichen Interessenten einen R\u00fcckzieher machen. Die einen stellen den Kauf der Jacht zur\u00fcck, die anderen interessieren sich f\u00fcr eine noch gr\u00f6\u00dfere Jacht, die jedoch nicht unbedingt von Engel &amp; V\u00f6lkers vermittelt werden muss. \u2013 Gr\u00f6\u00dfe ist also ein schwieriges Thema, speziell bei M\u00e4nnern, bei denen der symbolische Phallus immer noch die entscheidende Rolle spielt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die quantitativen Superlative<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Gr\u00f6\u00dfte, der L\u00e4ngste, der Sparsamste, der meist gelesene Bestseller, neunfach ausgezeichnet, der meist Verkaufte und so fort. Diese Eigenschaften signalisieren, dass das Objekt etwas Besonderes ist. Dass es mehr bietet als das Konkurrenzmodell. Dieser Vergleich f\u00fchrt automatisch zu dem Schluss, dass es auch besser sein muss. Da dieses Urteil in \u00fcber der H\u00e4lfte der F\u00e4lle stimmt, verlassen sich die Menschen blind auf diese Begriffe und hinterfragen sie nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie subtil und effizient Gr\u00f6\u00dfe wirkt, zeigt auch ein anderes Beispiel: Die Medien gaukeln der Allgemeinheit vor, dass die deutsche Wirtschaft nur aus gro\u00dfen Aktiengesellschaften und vielleicht noch aus Unternehmen wie Lidl und Aldi besteht. Die Tatsache, dass diese im Vergleich zu den 3,6 Millionen mittelst\u00e4ndischen Unternehmen nur einen Bruchteil der deutschen Unternehmenslandschaft ausmachen, f\u00e4llt dabei komplett unter den Tisch. F\u00fcr die Allgemeinheit ist der deutsche Mittelstand ein Begriff, mit dem sie wenig anfangen kann, obwohl der Wohlstand in Deutschland haupts\u00e4chlich dem Mittelstand zu verdanken ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Gesetz der Masse<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei quantitativen Superlativen gilt das Gesetz der Masse: Wenn viele Menschen etwas guthei\u00dfen, dann muss es wirklich gut sein. Die Nachfrage steigt durch diese \u00dcberzeugung. Wenn also j\u00e4hrlich 6 Millionen Menschen das gr\u00f6\u00dfte Volksfest der Welt, das M\u00fcnchener Oktoberfest, besuchen, dann f\u00fchlt sich eine Person, die diese \u00dcberlegung anstellt, dazu veranlasst, das Fest ebenfalls zu besuchen. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung erachtet sie dabei als eher gering, weil eine gro\u00dfe Menge an Menschen dieses positive Urteil bereits best\u00e4tigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fchltisch-Prinzip oder Kassenschlange: Die Leute gehen dorthin, wo die h\u00f6chste Frequenz zu beobachten ist. Selbst beim Samstagsstau im Reiseverkehr gilt das Gesetz schon seit Jahrzehnten. \u00bbDa musst du samstags fahren, wenn alle fahren\u00ab, sang Mike Kr\u00fcger schon 1978.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der qualitative Superlativ<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn keine metrischen Ma\u00dfe zur Beschreibung eines Superlativs vorliegen, bedient sich die Unternehmenswelt mittlerweile einiger anderer Begriffe: \u00bbInnovationsf\u00fchrer\u00ab, \u00bbQualit\u00e4tsf\u00fchrer\u00ab, \u00bbKostenf\u00fchrer\u00ab oder \u00bbF\u00fchrungsrolle im Markt\u00ab. Der Zweck ist derselbe wie beim quantitativen Superlativ: Es wird ausgedr\u00fcckt, dass das Unternehmen auf diesem Gebiet das beste seiner Zunft ist. Das Signal kommt an und der Kunde wei\u00df, wenn er mit den Besten zusammenarbeiten will, kommt er an diesem Unternehmen nicht vorbei.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Faszination Superlativ<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Superlativ ist etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches und Besonderes, verbunden mit gro\u00dfen Anstrengungen, Gefahren und Leistungen. Daher sind die Menschen bereit, einem Superlativ ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Einige TV-Kan\u00e4le haben ganze Programmserien um den Superlativ herum gebaut:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die gr\u00f6\u00dften Schiffe, Flugzeuge oder Br\u00fccken,<\/li><li>die gef\u00e4hrlichsten Stra\u00dfen,<\/li><li>die t\u00f6dlichsten Tiere,<\/li><li>die spektakul\u00e4rsten Start- und Landebahnen,<\/li><li>die schlimmsten Flugzeugunf\u00e4lle,<\/li><li>die ungel\u00f6sten R\u00e4tsel der Geschichte,<\/li><li>die besten Hits.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Preiskarte beim Superlativ richtig einsetzen<\/h2>\n\n\n\n<p>Egal wie teuer etwas sein sollte: Falls Sie \u00fcberhaupt ein Wort dar\u00fcber verlieren m\u00fcssen, bleiben Sie emotional. Appellieren Sie an <a class=\"wpil_keyword_link \" href=\"\/gefuehle\/eb-1084.html\"  title=\"Gef\u00fchle\" data-wpil-keyword-link=\"linked\">Gef\u00fchle<\/a> und Werte. Vermeiden Sie rationale Argumente. Auch die Elbphilharmonie hat schlie\u00dflich eine epochale Kraft, egal was sie im Moment gerade gekostet hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;I&#8217;m the greatest&#8220; das wusste schon Muhammad Ali und br\u00fcllte es in die Mikrofone. Superlativieren ist die direkteste Entscheidungsabk\u00fcrzung. Nur was machen wir, wenn wir nicht die gr\u00f6\u00dften, besten, tollsten &#8230; sind? Dann ist Kreativit\u00e4t gefragt. Denn dem Spiel mit den Superlativen sind kaum Grenzen gesetzt. Er war der Gr\u00f6\u00dfte. 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Roland Alter sammelte umfangreiche Konzernerfahrungen in F&uuml;hrungsfunktionen, unter anderem international in den USA und China. Seit Herbst 2008 hat er die Professur f&uuml;r Organisation und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Heilbronn inne. Dipl.-Kfm. (univ.) Christian Kalkbrenner hat sich darauf spezialisiert, Unternehmen in Wachstumsfragen zu beraten und die gemeinsam entwickelten Konzepte umzusetzen. 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