{"id":1506,"date":"2015-12-03T08:30:00","date_gmt":"2015-12-03T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test-bv.gambiocloud.com\/blog\/2015\/12\/03\/etwas-weniger-sachlichkeit-bitte\/"},"modified":"2023-02-21T16:00:39","modified_gmt":"2023-02-21T15:00:39","slug":"etwas-weniger-sachlichkeit-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/etwas-weniger-sachlichkeit-bitte\/","title":{"rendered":"Etwas weniger Sachlichkeit bitte!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sachlichkeit ist das Credo unserer Zeit. Das Gegenteil \u0096 Emotionen \u0096 hat in unserer n\u00fcchtern-rationalen Welt keinen Platz. Kulturelle Leitfiguren wie Politiker, Vorst\u00e4nde, Journalisten .. brillieren durch Sachlichkeit. Denn Sachlichkeit wirkt souver\u00e4n, Emotionen wirken kopflos. Weniger Sachlichkeit zu fordern wirkt vor diesem Hintergrund schon befremdlich. \u0084Doch wenn wir Menschen aktivieren, motivieren und begeistern wollen, helfen nur echte Emotionen und keine staubtrockene Sachlichkeit\u0093, sagt Markus Hornung. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr weniger Sachlichkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Warum weniger Sachlichkeit? Ist es nicht vielmehr so, dass wir im Gegenteil mehr Sachlichkeit brauchen? Schlie\u00dflich werden kulturelle Leitfiguren wie Politiker, Unternehmensbosse, Journalisten und sogar Manager gro\u00dfer Fu\u00dfballclubs nicht m\u00fcde, in emotional aufgeladenen Situationen zu mehr Sachlichkeit aufzufordern. Mehr Sachlichkeit in Diskussionen anzumahnen und eine Versachlichung der laufenden Debatten zu aktuellen Themen zu verlangen, wirkt souver\u00e4n. \u201eLassen Sie uns bitte sachlich bleiben\u201c ist geradezu ein Klassiker der deutschsprachigen Meeting- und Diskussionskultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum eigentlich? Schaut man genauer hin, w\u00fcnschen sich die oben genannten Protagonisten von denjenigen, die eben noch moderiert \u2013 also im wahrsten Wortsinn gem\u00e4\u00dfigt \u2013 werden sollten, bei allen m\u00f6glichen Gelegenheiten mehr Engagement, mehr Beteiligung, ja sogar mehr Leidenschaft. Liegt hier nicht ein grandioser Widerspruch vor?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich intensiv mit Emotionen und Emotionalisierung besch\u00e4ftigt, stellt man fest, dass vier Wissenschaftsgebiete, die sich diesen Themen widmen \u2013die Psychologie, die kognitiven Neurowissenschaften, die Soziologie und die Philosophie \u2013 in gro\u00dfer und ungewohnter \u00dcbereinstimmung zu folgendem Schluss gelangen: Emotionen sind Kommunikations-Signale und Entscheidungsfaktoren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit anderen Worten: Wir k\u00f6nnennicht wirkungsvoll und glaubhaft kommunizieren, ohne Emotionen als Signale einzusetzen und unser Gehirn ist ohne massive Unterst\u00fctzung seiner emotionalen Zentren \u2013 insbesondere des limbischen Systems \u2013 nicht in der Lage, \u201evern\u00fcnftige\u201c Entscheidungen zu treffen. Da diese beiden Erkenntnisse in der Zwischenzeit in allen Teilgebieten der vier genannten Disziplinen als gesichert gelten, erspare ich Ihnen die Details der entsprechenden Untersuchungen und widme mich den Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/der-abschied-von-der-sachlichkeit\/eb-974.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/974.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die folgenden 8 Gr\u00fcnde sprechen massiv gegen eine Kultur der Sachlichkeit und ebenso nachdr\u00fccklich daf\u00fcr, dass Sie sich intensiv mit Ihren Emotionen und den Emotionen anderer besch\u00e4ftigen sollten!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Emotionen sind Kommunikations-Signale<\/h2>\n\n\n\n<p>Sie k\u00f6nnen ohne Emotionen nicht glaubhaft und wirkungsvoll kommunizieren. Der Satz \u201eSchatz, ich liebe dich\u201c wird ebenso wie die Aussage \u201eFeuer im Treppenhaus\u201c vollkommen sachlich dargeboten keinerlei Wirkung erzeugen \u2013 von einem nachhaltigen Misstrauen im ersten Fall einmal abgesehen. Sicher k\u00f6nnten Sie sich einer ausgefeilten bildhaften Sprache bedienen. Aber diese alleine reicht nicht aus, um Sie glaubw\u00fcrdig zu machen und daf\u00fcr zu sorgen, dass man zum Beispiel Ihren Worten Taten folgen l\u00e4sst. Egal ob Sie Verk\u00e4ufer, Lehrer, <a class=\"wpil_keyword_link \" href=\"\/fuehrung-mit-pfiff\/eb-1121.html\"  title=\"F\u00fchrungskraft\" data-wpil-keyword-link=\"linked\">F\u00fchrungskraft<\/a>, Vater oder Mutter sind: Um die Menschen zu bewegen, M\u00dcSSEN Sie das, WAS Sie sagen, emotional so markieren, dass Ihr Gegen\u00fcber etwas SP\u00dcRT. Damit kein Missverst\u00e4ndnis entsteht: Dies bedeutet nicht, dass Sie alles, was Sie sagen, vollkommen \u00fcbertrieben dramatisieren und damit wirken wie ein amerikanischer Verk\u00e4ufer von K\u00fcchenger\u00e4ten in einem Werbespot eines Home-Shopping-Kanals. Es geht um Dosierung und Wahl des richtigen emotionalen Ausdrucks. Und da wir dies in unseren Elternh\u00e4usern nur selten und in der Schule \u00fcberhaupt nicht gelernt haben, ist es eine gute Idee, sich damit intensiv zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Emotionen sind Entscheidungsfaktoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn Sie \u2013 und insbesondere die kognitiven Neurowissenschaften haben dies in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren wieder und wieder nachgewiesen \u2013 sich klarmachen, dass alle Ihre Entscheidungen in letzter Konsequenz NICHT von Ihrem Verstand, sondern von einer Instanz getroffen werden, die alle gesammelten Zahlen, Daten und Fakten emotional bewertet, bekommen Sie einen anderen Zugang zu diesen Entscheidungen. Wenn Sie dar\u00fcber hinaus wissen, dass diese Emotionen auf das Engste mit Ihrem Wertesystem, also dem Sinn daf\u00fcr, was Ihnen im Leben wichtig ist, verkn\u00fcpft sind, dann liegt auf der Hand, dass Sie sich, um letztendlich bewusste Entscheidungen zu treffen, intensiv mit diesem Wertesystem und den Zusammenh\u00e4ngen mit meinen Emotionen besch\u00e4ftigen sollten. Eng hiermit verkn\u00fcpft ist der n\u00e4chste Punkt:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Motivation ist IMMER emotional<\/h2>\n\n\n\n<p>Wann waren Sie das letzte Mal motiviert? Hat diese Motivation nur in Ihrem Kopf stattgefunden? Mit anderen Worten: Haben Sie dabei NUR gedacht? Oder war es nicht eher so, dass Sie etwas GEF\u00dcHLT haben, ja dass Ihr K\u00f6rper sich bewegen wollte?<br>Wer von uns kann stillsitzen oder liegenbleiben, wenn er hoch motiviert ist? Wenn wir hoch motiviert sind, treibt uns irgendetwas sp\u00fcrbar an, unser K\u00f6rper will sich bewegen, wir werden ungeduldig, zappelig, aktiv. Wir wollen etwas TUN.<br>Motivation ist immer mit Bewegung, mit einem Antrieb verbunden und dieser Antrieb ist nicht sachlich, sondern er ist immer emotional und damit k\u00f6rperlich. Wenn wir motiviert sind, vor etwas davonzulaufen, dann sind in den meisten F\u00e4llen die Emotionen Angst oder Ekel im Spiel. Wenn wir \u201ehin-zu\u201c-motiviert sind, dann sind immer die Emotionen Freude oder Zuneigung im Spiel. Wir k\u00f6nnen weder uns selbst noch andere ohne Emotionen motivieren. So etwas wie eine sachliche Motivation gibt es nicht.<br>Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass eine Versachlichung die Motivation vernichtet!<br>Wer dies wei\u00df, der sollte sich gut \u00fcberlegen, ob er nach Sachlichkeit schreit. Eine bessere Idee w\u00e4re es, zu erkennen, dass es keine Motivation ohne Emotion geben kann und sich intensiv mit dem Thema Motivation zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.businessvillage.de\/der-abschied-von-der-sachlichkeit\/eb-940.html\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/product_images\/info_images\/940.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zufriedenheit, Freude und Gl\u00fcck sind Emotionen<\/h2>\n\n\n\n<p>&nbsp;Sind Sie bisweilen unzufrieden? Mit Ihrem Job, Ihrem Partner, Ihrem Leben?<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tten Sie gerne mehr Zufriedenheit in Ihrem Leben? Wollen Sie zufrieden und vielleicht sogar gl\u00fccklich sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sollten Sie wissen, dass Zufriedenheit eine Emotion ist, deren etwas h\u00f6here Intensit\u00e4t Freude hei\u00dft und die in der h\u00f6chsten Intensit\u00e4t als Gl\u00fcck bezeichnet wird. Und Sie m\u00fcssen, um diese drei Emotionen in Ihrem Leben kultivieren zu k\u00f6nnen, wissen, wo sie herkommen, wie sie entstehen. Denn dann k\u00f6nnen Sie auf genau diese Faktoren leichter Einfluss nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Idee, die ich Ihnen anbieten m\u00f6chte lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>Zufriedenheit ist die Emotion, die entsteht, wenn Ihre Werte, also das, was Ihnen wichtig ist, erf\u00fcllt werden. Und je h\u00e4ufiger dies passiert, umso intensiver wird diese Emotion. Die Freude ist die Emotion der Werte-Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<p>Um dies f\u00fcr sich nutzen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen Sie sich intensiv mit Ihren Werten besch\u00e4ftigen, also sich die Frage stellen und beantworten, worauf in Ihrem Leben Sie besonders Wert legen, was Ihnen in ihrem Leben besonders wichtig ist. Dies ist keine ganz einfache Aufgabe und sie erfordert eine intensive Besch\u00e4ftigung mit sich selbst, denn Soziologen haben herausgefunden, dass 97 Prozent aller Menschen \u2013 so absurd es klingt \u2013 keine Ahnung davon haben, was ihnen in ihrem Leben tats\u00e4chlich wichtig ist. Etwas genauer ausgedr\u00fcckt: Diesen 97 Prozent sind ihre Werte nicht bewusst. Eine kurze oberfl\u00e4chliche Besch\u00e4ftigung von wenigen Minuten reicht nicht aus, um diese Frage nach den Werten zu beantworten. Wenn man sich aber die M\u00fche macht, sich selbst zu erforschen \u2013 und daf\u00fcr gibt es entsprechende Instrumente \u2013 dann wird man belohnt mit einem gro\u00dfen Bewusstsein seiner selbst und seiner tats\u00e4chlichen Werte. Mit diesem jetzt w\u00f6rtlich zu verstehenden Selbstbewusstsein haben wir die M\u00f6glichkeit, \u00fcber die geplante Erf\u00fcllung dieser Werte die Zufriedenheit in unserem Leben zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alle Ihre Beziehungen beruhen auf Emotionen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ungeachtet aller erotischer und chemischer Faktoren (Sex und Geruch) \u2013 die in privaten Beziehungen zweifellos eine bedeutende wenn nicht unverzichtbare Rolle spielen \u2013 finden Beziehungen auf der Werte-Ebene und damit emotional statt. Diejenigen von Ihnen, die Freunde oder Lebenspartner haben, werden feststellen, dass diese \u00e4hnliche Werte haben wie Sie und dass diese \u00dcbereinstimmung, dieses \u201eder tickt so \u00e4hnlich wie ich\u201c, die Grundlage Ihrer Freundschaft oder Beziehung ist. Und diese emotionale F\u00e4rbung, die entsteht, wenn der Sinn f\u00fcr Werte, f\u00fcr Wichtiges, \u00fcbereinstimmt und die man Zuneigung nennt, ist selbstverst\u00e4ndlich auch die Basis von Gesch\u00e4ftsbeziehungen. Denjenigen unter Ihnen, die diesen Gedanken etwas merkw\u00fcrdig finden, sei gesagt, dass die Psychologen den Begriff des Vertrauens \u2013 und wer w\u00fcrde abstreiten, dass Vertrauen eine unverzichtbare Basis von Gesch\u00e4ftsbeziehungen ist \u2013 eng mit der Emotion Zuneigung in Verbindung bringen. Nach deren Lesart ist n\u00e4mlich Vertrauen das Produkt aus Zuneigung und Zeit. Sie merken, ohne eine emotionale Betrachtung k\u00f6nnen Sie die Beziehungen in Ihrem Leben, sei es privat oder gesch\u00e4ftlich, nicht verstehen und gestalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Emotionale Verst\u00e4ndnislosigkeit zerst\u00f6rt die Beziehung<\/h2>\n\n\n\n<p>Eng an den vorherigen Punkt kn\u00fcpft folgende Fragestellung an:<br>Woran scheitern Beziehungen? Gesch\u00e4ftlich und privat. Es sind doch nicht die sachlichen Gegebenheiten, die uns auseinanderbringen. Wer von Ihnen hat sich von einem Dienstleister, einem Kunden, einem Chef oder einem Lebenspartner schon einmal aus sachlichen \u00dcberlegungen heraus getrennt? Die Grundlage einer jeden Beziehung ist die Kompatibilit\u00e4t oder gar \u00dcbereinstimmung von Werten und Voraussetzung f\u00fcr eine aktive Gestaltung der Beziehung ist, dass wir diese Werte des anderen kennen und verstehen.<br>Liebesbeziehungen gehen auseinander, weil man sich nichts mehr zu sagen hat, weil man sich nicht mehr versteht. Weil man das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr verloren hat, was dem anderen wichtig ist \u2013 sofern dies im \u00dcberschwang hormoneller Turbulenzen \u00fcberhaupt jemals geschehen geschweige denn aktiv kommuniziert worden ist.<br>\u201eIch verstehe Dich nicht (mehr)!\u201c ist die klassische Bankrotterkl\u00e4rung an jede Beziehung und \u201eIch verstehe nicht, wie Dir so etwas wichtig sein kann!\u201c ist deren dramatische Steigerung. Paradoxerweise gibt es bei Werten auch gar nicht viel zu erkl\u00e4ren, was dann \u201everstanden\u201c werden kann.<br>Der Sinn daf\u00fcr, was uns im Leben wichtig ist, wird uns von den Hauptbezugspersonen im wichtigsten pr\u00e4genden Teil unseres Lebens im Alter zwischen etwa drei und sieben Jahren mitgegeben beziehungsweise vorgelebt. Hier wird \u2013 gr\u00f6\u00dftenteils vollkommen unbewusst \u2013 unser Wertesystem gebildet. Die sp\u00e4ter je nach H\u00f6he des Konfliktpotentials neugierige bis konfrontative Frage \u201eWarum ist Dir das wichtig?\u201c l\u00e4sst in den allermeisten F\u00e4llen schlicht und einfach nicht beantworten. Warum? Weil man selbst nicht weiss, WARUM einem etwas wichtig ist, aber weil man sehr genau sp\u00fcrt (!), DASS es einem wichtig ist.<br>Wenn wir mit emotionalen Killerphrasen \u00e1 la \u201eWas regst Du dich denn jetzt so auf?\u201c oder \u201eDas ist doch jetzt kein Grund, Angst zu haben!\u201c agieren, dann vermitteln wir dem Gegen\u00fcber nicht nur den Eindruck, dass wir ihn emotional nicht verstehen, sondern auch, dass wir die Ursache seiner Emotionen, also seine Werte, nicht nachvollziehen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Beziehung, die (siehe oben) auf einem gemeinsamen Sinn f\u00fcr Werte begr\u00fcndet ist, muss das das Ende bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ihre Emotionen schlagen Ihre Vernunft<\/h2>\n\n\n\n<p>Nennen Sie mir ein einziges Beispiel, ein einziges Ereignis in der gesamten menschlichen Geschichte, egal ob mit positiven oder negativen Folgen, in dem die Vernunft, die klassische rationale Vernunft, der Logos, der Verstand \u00fcber die Emotionen gesiegt hat.<br>Ich bin bereit, eine Wette einzugehen, dass Sie dieses bei genauer Analyse nicht finden. Der Mensch ist nicht sachlich! Jedenfalls nicht, solange die Emotionen als da anerkannt wurden, was sie sind, n\u00e4mlich als Kommunikations-Signale oder Entscheidungsfaktoren. Bei genauer Selbstreflektion findet jeder von uns hunderte von Beispielen, in denen Kommunikation erst \u201esachlich\u201c wurde, nachdem die anwesenden Emotionen gew\u00fcrdigt wurden. Ebenso findet jeder von uns hunderte wenn nicht tausende von Beispielen, in denen das Ignorieren von Emotionen dazu gef\u00fchrt hat, dass diese eskalierten.<br>Der Anteil der Situationen, in denen Emotionen im Spiel waren und es trotz ihrer Vernachl\u00e4ssigung zu einem ordentlichen und f\u00fcr alle Seiten gewinnbringenden Ablauf kam, l\u00e4sst sich bei Licht betrachtet im Mikropromillebereich verorten.<br>Nochmals: Solange Emotionen nicht als Kommunikationssignale und Entscheidungsfaktoren erkannt und gew\u00fcrdigt werden, verschwinden sie nicht und Sachlichkeit bleibt eine Illusion. Mehr noch: Emotionen, die nicht anerkannt werden, tendieren dazu, sich zu verst\u00e4rken! Und das Diktat der Sachlichkeit, der Versuch, unsere Emotionen zu unterdr\u00fccken und nach hinten zu schieben, hat Auswirkungen auf unsere k\u00f6rperliche und geistige Gesundheit. Zur Erinnerung: Emotionen sind Kommunikationssignale und Entscheidungsfaktoren. Sie entstehen weitestgehend unbewusst und sind elementare Bestandteile unseres Geistes und unseres K\u00f6rpers. Als solche erf\u00fcllen sie eine Funktion, haben einen Sinn und dienen einem Zweck. Und wenn sie unterdr\u00fcckt werden, muss dies negative Auswirkungen auf das System haben. Das Ergebnis unterdr\u00fcckter Emotionen, die Vernachl\u00e4ssigung von Emotionen als \u2013 auch innere \u2013 Kommunikationssignale, l\u00e4sst sich tagt\u00e4glich in den diversen Praxen der Psychotherapeuten und wenn man einem ganzheitlichen Ansatz folgt auch in denen der Allgemeinmediziner beobachten. Burnout und Depression nehmen seit Jahren ebenso dramatisch zu, wie die generelle Unzufriedenheit mit Arbeitsplatz, Lebensumst\u00e4nden oder Partnerschaft. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich klarzumachen, dass die Ursachen all dessen in einer Hilflosigkeit um nicht zu sagen Inkompetenz im Umgang mit eigenen Emotionen und den Emotionen anderer zu suchen sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sie werden st\u00e4ndig emotional manipuliert<\/h2>\n\n\n\n<p>Neuesten Untersuchungen zufolge wird jeder von uns pro Tag mit etwa 3.000 Werbebotschaften konfrontiert. Manche davon erscheinen ganz offensiv in den Werbepausen im Fernsehen, andere weitaus subtiler als Einblendungen auf mittlerweile fast jeder kommerziellen Homepage im Internet. Ganz zu schweigen von den f\u00fcr den User kostenlosen sogenannten sozialen Netzwerken, die sich genau hier\u00fcber finanzieren. In jeder dieser Werbebotschaften, die perfiderweise in der Zwischenzeit als \u201eVerbraucherinformationen\u201c&nbsp; bezeichnet werden, wird die Suggestion vermittelt, dass genau das, was gezeigt wird, Ihnen wichtig zu sein hat. Die psychologische Wirkung dieser Botschaften auf das Unterbewusstsein ist mittlerweile hinreichend nachgewiesen. Und wenn Sie dieser geballten manipulativen Macht fremder Einfl\u00fcsse nicht ein starkes Werte- und Selbstbewusstsein sowie ein ausgepr\u00e4gtes Wissen um Ihre eigenen Emotionen entgegensetzen, dann werden Sie zum Spielball der Interessen anderer.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sind nicht sachlich! Reine Sachlichkeit l\u00e4sst unser Gehirn nicht zu.<br>Unsere gesamte Kommunikation und die Entscheidungen, die wir treffen, werden massiv emotional beeinflusst, ja durch Emotionen \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich.<br>Wer selbstbestimmt kommunizieren, entscheiden und leben will, wer seine Beziehungen aktiv und im gegenseitigen Nutzen gestalten will, der kommt um einen Abschied von der Sachlichkeit und eine intensive Besch\u00e4ftigung mit seinen Emotionen und den Emotionen anderer nicht herum!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sachlichkeit ist das Credo unserer Zeit. Das Gegenteil \u0096 Emotionen \u0096 hat in unserer n\u00fcchtern-rationalen Welt keinen Platz. Kulturelle Leitfiguren wie Politiker, Vorst\u00e4nde, Journalisten .. brillieren durch Sachlichkeit. Denn Sachlichkeit wirkt souver\u00e4n, Emotionen wirken kopflos. 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