{"id":1421,"date":"2014-12-11T07:25:00","date_gmt":"2014-12-11T07:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/test.businessvillage.de\/blog\/2014\/12\/11\/kreativitaet-und-wahrnehmung\/"},"modified":"2023-02-21T16:16:31","modified_gmt":"2023-02-21T15:16:31","slug":"kreativitaet-und-wahrnehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.businessvillage.de\/blog\/kreativitaet-und-wahrnehmung\/","title":{"rendered":"Kreativit\u00e4t und Wahrnehmung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kreativ ist jeder Mensch &#8211; Kreativit\u00e4t ist uns quasi in die Wiege gelegt. Nur leider ist vielen von uns der Zugang zu seiner Kreativit\u00e4t abhandengekommen. Machen Sie Ihre Kreativit\u00e4t zu einem willigen und zuverl\u00e4ssigen Werkzeug. Der K\u00fcnstler Wolfgang Traub liefert Ihnen das Passwort zu Ihrer Kreativit\u00e4t!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen wir nun unsere Kreativit\u00e4t zu einem willigen und zuverl\u00e4ssigen Werkzeug machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen wir dieses Potenzial st\u00e4rken und es bewusst, willentlich und zielgerecht nutzen? Wie k\u00f6nnen wir unsere Kreativit\u00e4t in die Bew\u00e4ltigung au\u00dfergew\u00f6hnlicher oder allt\u00e4glicher Herausforderungen integrieren? Wie erlangen wir Zugang zu unserem ganzen kreativen Potenzial?<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte, wie lautet das Passwort?<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt ein Passwort und ich werde es Ihnen gleich mitteilen. Aber zuvor m\u00fcssen wir uns noch bewusst werden, dass das kreative Potenzial \u2013 wie jedes Potenzial \u2013 auch erkannt werden will. Wir m\u00fcssen es erkennen, wahrnehmen und uns die Vorteile, die es uns verschafft, bewusst machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen Sie Ihre Kreativit\u00e4t \u00fcberhaupt wahr?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein klassischer logischer Denkprozess braucht viel Konzentration und hinterl\u00e4sst bisweilen eine eindr\u00fcckliche Ersch\u00f6pfung. Eine Kette logischer Schlussfolgerungen aufzustellen ist Arbeit (kommt daher nicht vielleicht der Begriff knallharte Logik?).<\/p>\n\n\n\n<p>Der kreative Prozess dagegen beginnt mit einer Anfangsfrage und einigen anf\u00e4nglichen \u00dcberlegungen und verabschiedet sich dann aus unserer Aufmerksamkeit. Einmal in Gang gekommen, organisiert sich dieser selbst und bleibt unbewusst. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes \u2013 w\u00e4hrend der Prozess unbemerkt weiterl\u00e4uft \u2013 und wenn wir schlie\u00dflich zu einem Ergebnis kommen, halten wir das f\u00fcr eine urpl\u00f6tzliche Eingebung oder spontane Idee.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist es oft aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein Ph\u00e4nomen der Kreativit\u00e4t, dass ihre Ergebnisse uns entweder spontan oder erst nach geraumer Zeit bewusst werden \u2013 im letzten Fall immer, wenn wir uns einer Entspannung hingeben. Das hat jeder schon erlebt und die Geschichte der Erfindungen und der Wissenschaft ist voller Beispiele dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kreativit\u00e4t zu nutzen, bedeutet hin und wieder mal zu entspannen, spazieren zu gehen und sich etwas Zeit f\u00fcr ziellose Tagtr\u00e4ume einzur\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist leicht gesagt, aber wer will schon seine wertvolle Zeit mit irgendeiner Spinnerei vertr\u00f6deln?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie m\u00fcssen lernen, den Wert und die Notwendigkeit dieser scheinbar sinnlosen Zeitvergeudung zu erkennen und zu akzeptieren. Nur dieser Weg f\u00fchrt zu komplexen kreativen Ergebnissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der erste Schritt hin zu einem bewussten Zugang zur Kreativit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher lautet das Passwort zur Kreativit\u00e4t: dezentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dezentrieren als Gegenteil von konzentrieren (bekannter ist das etwas altmodische Wort zerstreuen, auch Zerstreuung suchen, noch heute in Gebrauch beim zerstreuten Professor).<\/p>\n\n\n\n<p>Oder anders gesagt \u2013 auch hier passt ein altes Sprichwort \u2013 wenn man den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht mehr sieht, vor lauter konzentriertem Nachdenken das Ziel aus den Augen verliert, dann ist es Zeit zu entspannen. Zeit, die Gedanken sich sortieren zu lassen, wieder den \u00dcberblick zu gewinnen. H\u00f6chste Zeit, um die Kreativit\u00e4t walten zu lassen, bis die n\u00f6tige Klarheit wiedergewonnen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das will ge\u00fcbt sein. Aus diesem Grund finden Sie in diesem Buch etliche \u00dcbungen zu kreativem Denken wie auch zu Wahrnehmungen, Assoziationen und bildhaftem Denken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tipp: <\/strong>Altbew\u00e4hrte Gewohnheiten sind der gr\u00f6\u00dfte Hemmschuh der Kreativit\u00e4t \u2013 die Zeiten \u00e4ndern sich und was lange funktioniert hat, muss nicht zwangsl\u00e4ufig weiterhin die beste Option sein. Daher lohnt es sich, Gewohnheiten oder reine Routine zu hinterfragen und nach sinnvollen Verbesserungen zu suchen. Damit erreichen Sie nicht nur eine h\u00f6here Effizienz, sondern trainieren auch Ihre Kreativit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine kleine Kreativit\u00e4ts-\u00dcbung gef\u00e4llig? Bitte sehr:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Name Ihrer Firma eine Abk\u00fcrzung w\u00e4re, f\u00fcr was w\u00fcrde diese Abk\u00fcrzung stehen? Das geht ebenso mit Vornamen oder St\u00e4dtenamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel: <strong>S<\/strong>ollten <strong>I<\/strong>ngenieure <strong>e<\/strong>lektrischer <strong>M<\/strong>aschinen <strong>e<\/strong>igentlich <strong>n<\/strong>icht <strong>s<\/strong>chweigen?<\/p>\n\n\n\n<p>Um uns verl\u00e4sslichen Zugang zu unserer Kreativit\u00e4t zu verschaffen, m\u00fcssen wir dieser vertrauen, mit ihr vertraut sein. Daher wollen noch drei grundlegende Begriffe gekl\u00e4rt werden, die jeweils ein wichtiges Charakteristikum der Kreativit\u00e4t beschreiben und gewisserma\u00dfen die drei S\u00e4ulen darstellen, auf denen die Kreativit\u00e4t beruht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kreativit\u00e4t und Wahrnehmung<\/h2>\n\n\n\n<p>Unsere Wahrnehmung ist die erste der drei S\u00e4ulen, auf die sich unsere Kreativit\u00e4t st\u00fctzt. Nur durch unsere Wahrnehmung k\u00f6nnen wir Informationen sammeln, um diese dann bei Bedarf rational analysieren zu k\u00f6nnen. Unsere Wahrnehmung arbeitet aber nicht nur zielgerichtet, sondern f\u00fcllt st\u00e4ndig eine gigantische \u201eDatenbank\u201c mit Beobachtungen, Anregungen, Erinnerungen und Erfahrungen aller Art, auf die wir uns beziehen k\u00f6nnen, sobald unsere gewohnten Strategien nicht mehr greifen. Doch bevor wir uns das genauer anschauen, wollen wir an dieser Stelle einmal innehalten und einander gratulieren. Unsere Ausstattung zur Wahrnehmung ist n\u00e4mlich wirklich einzigartig. Da ist zun\u00e4chst unser Hirn, dessen Leistungsf\u00e4higkeit noch immer die Wissenschaft erstaunt. Ein absolutes High-End-Produkt und beispiellos auf diesem Planeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Darin enthalten ist ein Ged\u00e4chtnis, welches (trotz chronischer Unzufriedenheit seiner Besitzer) ein vielleicht ausbauf\u00e4higes, aber jedenfalls konkurrenzlos leistungsf\u00e4higes Produkt ist. Digitale Speichermedien m\u00f6gen zwar quantitativ weit \u00fcberlegen sein, organisatorisch sind sie aber unserem Ged\u00e4chtnis weit unterlegen. Und dann nat\u00fcrlich unsere Wahrnehmungsorgane selbst, die f\u00fcnf Sinnesorgane, die daf\u00fcr sorgen, dass wir \u00fcberhaupt in Kontakt mit unserer Umwelt sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Unsere Wahrnehmung sammelt immens viele Daten:<\/strong> Die Wahrnehmungsorgane versorgen uns sek\u00fcndlich mit einer riesigen Datenmenge an Informationen. Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht, man geht aber von einer Kapazit\u00e4t von mindestens eine Million bit\/s aus. Diese Flut an Informationen wird durch unser Hirn \u2013 wie in einem guten Chefsekretariat \u2013 auf Dringlichkeit gepr\u00fcft und vielseitig gefiltert, gegebenenfalls weitergegeben oder sinnvoll archiviert. Einzelne Wahrnehmungen m\u00f6gen unsere Aufmerksamkeit erreichen, die Masse aber bleibt unbewusst und wird sofort in unser Ged\u00e4chtnis verschoben oder einfach gel\u00f6scht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Wir k\u00f6nnen unsere Wahrnehmung regeln:<\/strong> Wir k\u00f6nnen uns voll auf einen Gegenstand konzentrieren (zum Beispiel wenn wir etwas suchen), auf anderes richten wir eine vor\u00fcbergehende Aufmerksamkeit oder bringen ihm ein allgemeines Interesse entgegen, etwa bei einem Hobby, unbewusst und trotzdem gezielt, beispielsweise bei Dingen, die mit einem besonderen Interesse oder wichtigen individuellen Erfahrungen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Unsere Wahrnehmung passt sich situativ an:<\/strong> Die Dringlichkeit dieser Informationen wird dabei laufend neu definiert \u2013 ein Parkverbot-Schild, das wir im Vorbeifahren kaum wahrgenommen h\u00e4tten, bekommt beim Abstellen unseres Autos deutlich mehr Beachtung. Oder sollte es zumindest.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder andere Wahrnehmungen laufen g\u00e4nzlich unbewusst ab, dringen aber durchaus in den Hintergrund unseres Bewusstseins ein. Sie kennen das von dem ber\u00fchmten \u201eersten Eindruck\u201c bei der ersten Begegnung mit einem Menschen. Ohne dies bewusst zu registrieren, reagieren wir auf dessen K\u00f6rpersprache und andere Beobachtungen, die uns genauso wenig bewusst sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Teile unserer Wahrnehmung sind genetisch programmiert:<\/strong> Auf bestimmte Wahrnehmungen werden wir automatisch aufmerksam gemacht, durch Vorgaben, die noch aus den Zeiten stammen, als uns S\u00e4belzahntiger und H\u00f6hlenb\u00e4ren vor dem B\u00fcro auflauerten. Zu unserer Sicherheit und dem Selbsterhalt nehmen wir Bewegungen gegen\u00fcber Unbewegtem bevorzugt wahr, genauso wie starke Kontraste uns ebenfalls in einer h\u00f6heren Dringlichkeitsstufe bewusst gemacht werden. Daher werden Sie beispielsweise den J\u00e4gersmann in seinem gr\u00fcnen Loden am Waldrand leicht \u00fcbersehen, w\u00e4hrend Ihnen der Stra\u00dfenarbeiter in seiner orangenen Sicherheitsweste eben umso fr\u00fcher auff\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Auch unbewusste Wahrnehmungen werden gespeichert:<\/strong> Manche Wahrnehmungen bleiben zwar unbewusst, werden aber vom Ged\u00e4chtnis trotzdem bereitwillig gespeichert und auf Abruf zur Verf\u00fcgung gestellt. Sie erleben das immer wieder, wenn Sie etwas suchen und Ihnen pl\u00f6tzlich einf\u00e4llt, wo Sie es zuletzt gesehen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar scheint unser Ged\u00e4chtnis nach Lust und Laune abzuspeichern \u2013 besonders Vokabeln geh\u00f6ren wohl nicht zu dessen Favoriten \u2013, aber es schluckt hei\u00dfhungrig unvorstellbar viele Informationen. Es grenzt an ein Wunder, was an Erinnerungen, Wahrnehmungen und Informationen aus allen denkbaren Wissensgebieten in unserem Ged\u00e4chtnis verwahrt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Hochleistungshirn sammelt also immens viele Informationen und stellt uns damit ein gigantisches und wirklich unermessliches Archiv zur Verf\u00fcgung. Dieses Archiv enth\u00e4lt unser erlerntes Wissen, unsere Erfahrungen, alle verf\u00fcgbaren Erinnerungen und was auch immer \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 seinen Platz in unserem Ged\u00e4chtnis gefunden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses innere Archiv liefert Informationen zum Aufstellen logischer Paradigmen, jener Bausteine, aus denen logische Schlussfolgerungen und Erfolg versprechende Strategien aufgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber ist dieses Archiv die Quelle aller unserer Kreativit\u00e4t. Aus diesem Archiv stammen s\u00e4mtliche Informationen, Ideen und Anregungen, die unsere Kreativit\u00e4t uns gibt \u2013 auch und vor allem diejenigen, die sich unserem bewussten Ged\u00e4chtnis entziehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Assoziationen \u2013 die Suchmaschine der Kreativit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit den Assoziationen haben wir die zweite S\u00e4ule der Kreativit\u00e4t erreicht. Mittels Assoziationen stellen wir Verbindungen innerhalb der \u201eDatenbank\u201c unserer Wahrnehmungen her. Und zwar keine rationalen, logisch zwingenden \u2013 daf\u00fcr ist unser logisches Denken verantwortlich \u2013, sondern Verbindungen, die nicht auf Wertung, sondern auf Vergleichen und \u00c4hnlichkeiten beruhen. Damit k\u00f6nnen wir Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen miteinander abgleichen und unter Umst\u00e4nden \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWenn ich an eine Kuh denke, dann denke ich an Milch.<br>Ist die Kuh lila, dann denke ich an Schokolade.<br>Und ist die Kuh ein Stier, dann denke ich an eine Wiese im S\u00fcden Englands, auf der ich staunend entdeckte, wie schnell meine Mutter rennen kann.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise stelle ich individuelle, nach au\u00dfen willk\u00fcrlich erscheinende Verbindungen zwischen Informationen beziehungsweise Begriffen her. Spontane Verbindungen, die ohne jeglichen logischen Zusammenhang von mir \u2013 und erst einmal nur von mir \u2013 in Verbindung gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Derartige nicht-logische subjektive Verbindungen bezeichnet man als Assoziationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun geh\u00f6ren diese drei Assoziationen jeweils einem anderen Typus an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste ist zwar nicht gerade logisch, aber auch nicht ganz unlogisch, und wird vermutlich von vielen Menschen geteilt. Die zweite ist dagegen v\u00f6llig unlogisch, aber immer noch f\u00fcr viele Menschen nachvollziehbar, daf\u00fcr hat ein Schweizer Schokoladen-Hersteller schlie\u00dflich mit gro\u00dfem Werbeaufwand gesorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte ist hoffnungslos unlogisch, rein situativ und so subjektiv, dass nur in mir allein diese Assoziation existieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDenke ich an Milch, dann denke ich an einen Cappuccino.<br>Denke ich an Schokolade, dann denke ich an meine Figur, und denke ich an besagte Wiese, dann fallen mir Fischreiher im Abendlicht ein (denn diese habe ich als Kind dort oft beobachtet, der missmutige Stier war nur ein einmaliger Gast).\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sie sehen, einmal in Gang gesetzt, lassen sich Assoziationen fortsetzen. Sie k\u00f6nnen Ketten bilden wie eine logische Schlussfolgerung, wenn auch weder linear noch objektiv nachvollziehbar. Sie f\u00fchren weder zu einem vorgegebenen Ziel noch sind sie steuerbar \u2013 und gerade deshalb sind sie so wertvoll, da sie \u00fcber das Gewohnte und \u201edas Denkbare\u201c hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Assoziationen sind Verbindungen von Informationen, die weder zwingend noch logisch sind, aber irgendwo in unserer Erinnerung oder Erfahrung bereitstehen. Sie katalogisieren gewisserma\u00dfen unsere Erfahrungen. Diese k\u00f6nnen bei vielen Menschen identisch sein \u2013 wie etwa das Paar \u201eSchl\u00fcssel \u2013 Schloss\u201c, das ist ja einfach naheliegend. Assoziationen k\u00f6nnen aber genauso nur f\u00fcr einen einzigen Menschen G\u00fcltigkeit haben. Sie stammen aus unseren individuellen Erfahrungen oder unserem Erleben und sind daher meist f\u00fcr andere Menschen nicht nachvollziehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz: Sie sind chaotisch. Trotzdem sind sie ein Ordnungssystem \u2013 nur eben ein chaotisches. Denken Sie nur an die <em>Eselsbr\u00fccke<\/em> \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag erst einmal nicht sehr \u00fcberzeugend klingen und eher zu den Risiken und Nebenwirkungen des Denkens zu geh\u00f6ren. Es ist aber eine Kern-Ressource des Denkens.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgangssprachlich als <em>Querdenken<\/em> bekannt, wird dieses wissenschaftlich als <em>laterales Denken<\/em> bezeichnet. Dieser Begriff stammt von dem 1933 auf Malta geborenen britischen Mediziner und Schriftsteller Edward de Bono, der als einer der f\u00fchrenden Experten f\u00fcr die Entwicklung der Kreativit\u00e4t und Kreativit\u00e4tstechniken gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses \u201elaterale Denken\u201c ist der Schl\u00fcssel zur Kreativit\u00e4t und der Funktionsweise Ihrer \u201einneren Suchmaschine\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Was m\u00fcssen Sie nun tun, um ins Assoziieren zu kommen? Sehr einfach: nichts! Konzentrieren Sie sich einfach auf nichts, dezentrieren Sie sich \u2013 und schon sind Sie im Assoziations-Modus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser ist gewisserma\u00dfen unser Standard-Modus, und wir verlassen ihn nur, um uns auf etwas zu konzentrieren. In diesem Standard-Modus verarbeiten wir unsere \u00e4u\u00dferen und inneren Wahrnehmungen. Wir setzen uns mit allem m\u00f6glichen auseinander, was uns gerade in den Sinn kommt, und in den Sinn kommt uns, was wir gerade assoziieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Assoziationen stellen sich also fortw\u00e4hrend ein, solange wir sie nicht zur\u00fcckdr\u00e4ngen, um uns ganz auf etwas zu konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen diese Assoziationen nicht lenken, aber wir k\u00f6nnen ihnen Themen und eine Richtung vorgeben. (Dem werden wir sp\u00e4ter noch genauer nachgehen.) Das k\u00f6nnen Sie selbst erreichen, aber auch Andere k\u00f6nnen in Ihnen bestimmte Assoziationen ausl\u00f6sen, zielgerichtet und mit voller Absicht. Werfen wir mal eben einen Blick auf eine Branche, die sich mit nichts anderem befasst, denn dort wird das Wesen der Assoziation deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erzeugung gezielter Assoziationen ist das t\u00e4gliche Brot jeder Werbeagentur und die so erzeugten Assoziationen sind der Stoff, aus dem erfolgreiche Werbema\u00dfnahmen gestrickt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bekanntlich ist eine rein sachliche Produktwerbung, die sich auf die nachweisbaren Vorz\u00fcge eines Produktes beschr\u00e4nkt, eine seltene Erscheinung. Es wird vielmehr daf\u00fcr gesorgt, dass der potenzielle K\u00e4ufer das Produkt mit seinen W\u00fcnschen und Idealen, begehrenswerten Eigenschaften oder sozialem Status verbindet \u2013 also assoziiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Da verspricht ein amerikanischer Treibstoffhersteller seinen Kunden den \u201eTiger im Tank\u201c \u2013 w\u00f6rtlich genommen bestimmt keine sehr verlockende Vorstellung. Produkte eines amerikanischen Tabakkonzerns sollen vorzugsweise von Cowboys geraucht werden, und ein franz\u00f6sisches Kraftfahrzeug zeichnet sich dadurch aus, dass man durch dessen ge\u00f6ffnete Schiebet\u00fcren eine H\u00e4ngematte spannen kann \u2013 savoir vivre, ja, aber gewiss kein Kriterium beim Autokauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Logisch betrachtet war das alles blanker Unsinn, unter kreativen Gesichtspunkten aber gute Arbeit. Und \u2013 bezogen auf den Umsatz \u2013 erfolgreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Beispiele f\u00fchren uns zu dem zweiten wesentlichen Faktor des assoziativen Denkens: dem Symbol.<\/p>\n\n\n\n<p>Symbole sind gewisserma\u00dfen feste Verkn\u00fcpfungen von Assoziationen, ganze Pakete, die wachgerufen werden, wenn wir dem Symbol begegnen. Sie sind wie Ordner, in denen sich eine Unmenge von assoziierten Informationen b\u00fcndeln lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder hat seine kleinen, privaten Symbole, aber richtige Symbole sind kollektiv verst\u00e4ndlich. Diese und die in ihnen geb\u00fcndelten Assoziationen sind nicht mehr an eine Person gebunden, sondern sind weitl\u00e4ufig entschl\u00fcsselbar und wirksam, wie eben zum Beispiel ein Tiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer den Tiger im Tank hat, hat kein S\u00e4ugetier der Gattung Panthera tigris im Kraftstoffspeicher, sondern verf\u00fcgt \u00fcber reichlich Kraft, Dominanz und \u00dcberlegenheit \u2013 Assoziationen, die weltweit vorausgesetzt werden k\u00f6nnen. Sie begegnen dem Tiger ja auch in den \u201eTigerstaaten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Symbolen begegnen Sie jeden Tag \u2013 und wenn es ein Firmenlogo ist. Ein bestimmtes Zeichen, eine bestimmte Farbe, eine eigene Typografie. Man spricht von Wiedererkennungswert, aber in Wirklichkeit geht es weit dar\u00fcber hinaus. Wenn ich hier \u201edie Marke mit dem Stern\u201c erw\u00e4hne, wissen Sie nicht nur sofort, wer gemeint ist, sondern es meldet sich auch eine Menge an Assoziationen bei Ihnen zu Diensten. Sie k\u00f6nnen ja einmal den Versuch machen und alles, was Ihnen zu dieser Marke einf\u00e4llt, aufschreiben. Sie werden \u00fcberrascht sein, wie lang diese Liste ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Symbole dienen also dazu, schnell und \u00fcbersichtlich auch sehr komplexe Inhalte wachzurufen, sie sind bequeme und funktionale Stellvertreter langgezogener und erm\u00fcdender Erl\u00e4uterungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist Ihnen in diesem Kapitel etwas aufgefallen? In diesem Kapitel hatten wir sehr viel mit Bildern zu tun: Tiger, Cowboys und H\u00e4ngematten l\u00f6sen zwangsl\u00e4ufig innere Bilder aus. Und h\u00e4tte ich einen \u201eStern\u201c erw\u00e4hnt und nicht \u201edie Marke mit dem Stern\u201c, w\u00e4re bei Ihnen ein anderes inneres Bild ausgel\u00f6st worden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kein Wunder: Viele Assoziationen zeigen sich uns in bildlicher Form, und ein Symbol ist immer auch eine Art Bild. Mit dem Sinn und Zweck des bildhaften Denkens werden wir uns deshalb im n\u00e4chsten Kapitel auseinandersetzen, vorher aber noch ein paar \u00dcbungen zur Assoziation.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kreativit\u00e4t und Bildsprache<\/h2>\n\n\n\n<p>Bilder, sichtbare wie auch innere Bilder, stellen die dritte S\u00e4ule der Kreativit\u00e4t dar und sind mit Ordnern zu vergleichen, die die \u00fcber Assoziationen gesammelten Informationen b\u00fcndeln und zusammenfassen. Ein Bild kann sehr viele Informationen enthalten und diese zeitgleich, also nicht Schritt f\u00fcr Schritt, vermitteln. Ein bekanntes Beispiel daf\u00fcr ist ein Firmenlogo.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Assoziieren der Schl\u00fcssel zur Kreativit\u00e4t ist, dann ist das Bildhaft-Symbolische so etwas wie die Sprache der Kreativit\u00e4t. Ein Bild soll ja mehr als 1.000 Worte sagen \u2013 nicht, dass 1.000 Worte unbedingt viel sagen m\u00fcssen, aber in einem Bild k\u00f6nnen tats\u00e4chlich eine Menge an Informationen zusammengefasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Illustration konzipierte der Autor im Auftrag eines s\u00fcddeutschen IT-Ausstatters. Dieser w\u00fcnschte eine Sympathiefigur, die dem Kunden auf einen Blick vermittelt, dass die Dienstleistungen der Firma schnell, kompetent und freundlich sind, vor allem aber exakt den Kundenw\u00fcnschen angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vogel steht hier f\u00fcr Schnelligkeit und Flexibilit\u00e4t, der Werkzeugkoffer und der \u201eblaue Anton\u201c f\u00fcr die technische Kompetenz, Kragen und Krawatte in Firmenfarben f\u00fcr korrekte Dienstleistung und die Brille f\u00fcr Intelligenz, Aufmerksamkeit und Sachkompetenz. Nat\u00fcrlich sagt eine Brille nichts \u00fcber die Bildung Ihres Tr\u00e4gers aus, aber in der visuellen Kommunikation funktioniert dieses Symbol bestens. Die Fl\u00fcgelchen an den Schuhen (eine Anleihe bei dem antiken Gott Hermes) stehen f\u00fcr eifrige Beeilung. Das Bemerkenswerte ist, dass diese Assoziationen gleichzeitig ausgel\u00f6st werden \u2013 Bilder und Symbole sind auch da sehr eng verwandt. Dass beide im kreativen Denken eine gro\u00dfe Rolle spielen, verwundert nicht, wenn man einmal verbale mit visueller Kommunikation vergleicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleich: verbale und visuelle Kommunikation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>verbal<\/strong><\/td><td><strong>visuell<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>logisch<\/td><td>assoziativ<\/td><\/tr><tr><td>Worte\/Begriffe<\/td><td>Bilder\/Symbole<\/td><\/tr><tr><td>pr\u00e4zise<\/td><td>umfassend<\/td><\/tr><tr><td>linear<\/td><td>vernetzt<\/td><\/tr><tr><td>Schritt f\u00fcr Schritt<\/td><td>simultan<\/td><\/tr><tr><td>einspurig<\/td><td>mehrspurig<\/td><\/tr><tr><td>an Sprache gebunden<\/td><td>von Sprache unabh\u00e4ngig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Kommt Ihnen das bekannt vor? Wie bei der Logik und der Kreativit\u00e4t zwei unterschiedliche Denkverfahren vorliegen, so haben wir es auch hier mit zwei sich erg\u00e4nzenden Kommunikationsverfahren zu tun. Die \u00c4hnlichkeiten sind deutlich. Und genauso wie bei der Logik und der Kreativit\u00e4t sind die beiden Verfahren f\u00fcr unterschiedliche Zwecke geeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf visuelle, nicht-verbale Kommunikation sind wir beispielsweise angewiesen, um Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeiten \u00fcbersichtlich (!) oder \u00fcberhaupt nachvollziehbar darzustellen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Diagramme, ob Balken- oder Kuchendiagramm, zeigen auf einen Blick Relationen auf,<\/li><li>Karten stellen r\u00e4umliche Positionen anschaulich dar (stellen Sie sich bitte einmal einen Stadtplan in reiner Textform vor \u2026),<\/li><li>Baupl\u00e4ne erm\u00f6glichen erst Konstruktionen.<\/li><li>Piktogramme vermitteln einfache Informationen, unabh\u00e4ngig von Sprache und Schrift.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bei anderen Gelegenheiten ziehen wir Bilder oder Symbole heran, um Inhalte anschaulich (!) zu machen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Metaphern, zum Beispiel: \u201eJetzt sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt!\u201c<\/li><li>Charakterisierungen, zum Beispiel: \u201eDer Vorsitzende, dieser Fuchs, wusste das schon vorher\u201c<\/li><li>Visualisierungen, die bildhaft Ziele, Visionen oder Vorgehensweisen beschreiben<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Oder wir \u00fcbertragen verbale Inhalte in eine bildhafte Form, um sie \u00fcberschaubar (!) zu machen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Bei einer Mindmap legen wir eine \u00dcbersichtskarte unserer Gedanken an.<\/li><li>Auf einem Flipchart ordnen wir Stichworte \u00fcbersichtlich an.<\/li><li>Wir verwenden Titelillustrationen, um den Inhalt eines Print-Produkts, wie eines Buchs, zu symbolisieren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Auf all diese Mittel greifen wir zur\u00fcck, um uns besser verst\u00e4ndlich zu machen. Damit wir uns ein Bild (!) machen k\u00f6nnen, den \u00dcberblick (!) erlangen, um im Bilde (!) zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In anderen F\u00e4llen ist nat\u00fcrlich der verbale Weg vorzuziehen \u2013 versuchen Sie einmal eine logische Argumentation, eine Analyse oder nur eine simple Multiplikation wie 7\u2009\u00d7\u20098 bildlich darzustellen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei dem vorausgegangenen Vergleich zwischen Logik und Kreativit\u00e4t ist es meistens notwendig, beide Kommunikationsformen zusammenwirken zu lassen. Ein \u00fcbersichtlicher Bauplan ist wertlos ohne Ma\u00dfstab und exakte Ma\u00dfe, ferner m\u00fcssen Materialien definiert und Abl\u00e4ufe pr\u00e4zisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu unserem Thema, der Kreativit\u00e4t und ihrer \u201eSprache\u201c zur\u00fcckzukehren: Gemeinsam ist allen Beispielen, dass auf diese Art komplexe Inhalte so einfach und \u00fcberschaubar wie m\u00f6glich dargestellt werden, beziehungsweise dass ein komplexes Ganzes schnell erfasst werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kreativ ist jeder Mensch &#8211; Kreativit\u00e4t ist uns quasi in die Wiege gelegt. Nur leider ist vielen von uns der Zugang zu seiner Kreativit\u00e4t abhandengekommen. Machen Sie Ihre Kreativit\u00e4t zu einem willigen und zuverl\u00e4ssigen Werkzeug. Der K\u00fcnstler Wolfgang Traub liefert Ihnen das Passwort zu Ihrer Kreativit\u00e4t! 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