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Wie wir Menschen befähigen

Dr. Stefan Fourier

03.06.2021 ·  Im klassischen Management werden Menschen qualifiziert. Das übernimmt dort das Personalmanagement (oder Human Resources Management). Damit werden Menschen degradiert, ohne dass es jemand merkt. Sie werden zu einem Objekt gemacht, das es zu verbessern gilt. Es ist Zeit umzudenken.

Dr. Stefan Fourier

Dr. Stefan Fourier ist ein erfolgreicher Business Consultant, Manager und Unternehmer. Aus seinen Erfahrungen entwickelte er praxistaugliche Modelle zum Umgang mit Komplexität, die Organisationen und Menschen erfolgreich und das (Arbeits-)Leben entspannter machen – Humanagement. Als Berater unterstützt Fourier auf dieser Grundlage viele Unternehmen und als Mentor begleitet er zahlreiche Menschen auf ihren Wegen zum Erfolg. Mit seinem lockeren, pointierten Erzählstil hat er sich einen Namen als Autor, Vortragsredner und Aphoristiker gemacht. Sein letztes Buch „Schlau statt perfekt“ ist 2015 erschienen, wurde in der Fachpresse gelobt und hat viele Leser inspiriert.  » http://https://www.fourier.de

Mal ganz abgesehen davon, dass das eine teure Angelegenheit für das Unternehmen ist, denn es werden jede Menge Administratoren für die Qualifizierung der Menschobjekte beschäftigt – genannt Personalentwickler –, entwickeln sich dadurch Qualifizierungskonsumenten, die alles mitnehmen und die Verantwortung für ihr eigenes Fortkommen nicht übernehmen. Ausnahmen davon gibt es jede Menge, trotzdem können sich Unternehmen in heißer Umgebung weder das teure und oft starre und behäbige Personalmanagement leisten noch einen hohen Anteil von Qualifizierungspassivität. Wir müssen hier umdenken.

Talente sind Menschen, die für eine besondere Tätigkeit, für die Lösung bestimmter Herausforderungen, befähigt sind. Es fällt ihnen leicht, sie tun es gern (Wollen-Modus), sind mehr dafür veranlagt als andere. Für jede Aufgabe im Unternehmen gibt es ein oder mehrere Talente. Unternehmen, die diese Talente intern oder extern finden, sie entwickeln und dauerhaft an sich binden können, sind im Wettbewerb überlegen.

Könner sind Talente, deren besonderen Veranlagungen und Fähigkeiten für die Bewältigung der Herausforderungen entwickelt sind. Sie sind für ihre Aufgabe nicht nur befähigt, sondern qualifiziert. Unternehmen benötigen diese Art Könner, die aus Talenten hervorgegangen sind.

Mentoren sind Könner, die in der Lage sind, Talente zu Könnern zu entwickeln. Nicht jeder Könner eignet sich als Mentor – auch als Mentor benötigt man Talent, nämlich die Fähigkeit, ein Talent sich selbst entwickeln zu lassen, seine eigenen Fehler zu machen, zu üben und zu lernen. Der Mentor agiert mit Geduld aus dem Fundus eigener Erfahrungen.   

Wir unterscheiden zwischen »befähigt« und »qualifiziert«.

Jeder Mensch ist für etwas befähigt. Dafür hat er Talent. Es gilt herauszufinden, für welche Aufgabe, für welche Rolle ein Mitarbeiter befähigt ist. Talent erkennt man daran, dass die Erfüllung der Aufgabe, der Rolle, leichtfällt und der betreffende Mensch sie sich bei Freiheit der Wahl selbst aussucht. Das Talent entfaltet sein gesamtes Potenzial.

Qualifiziert für eine Aufgabe, für eine Rolle, ist jemand, der das nötige Wissen, die erforderlichen Fertigkeiten und Erfahrungen erworben hat.

Talent hat man, qualifizieren muss man sich. Qualifizierung ist ein aktiver Prozess. Man wird nicht qualifiziert, sondern man qualifiziert sich selbst, indem man sich Wissen und Erfahrungen aneignet. Erst wenn beides zusammenkommt, Talent und Qualifizierung, entsteht ein Könner. Wir kennen Qualifizierte ohne oder mit nur wenig Talent und Talente ohne Qualifizierung. Die Leistung eines qualifizierten Talents, also eines Könners, wird immer höher sein, als die eines zwar qualifizierten, aber für die Aufgabe oder Rolle nicht talentierten Menschen.

Könner erkennen Talente. Wenn Könner Talente fördern, wird ein Könner zum Mentor. Der Mentor wirkt vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die er oder sie auf dem eigenen Weg vom Talent zum Könner gesammelt hat. Der Mentor folgt den Fragen des Talents.

Zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen, zumal in heißer Umgebung, müssen vom Unternehmen zwei Leistungen gebracht werden, die Talentsuche intern und extern sowie die Schaffung von Möglichkeiten für Qualifizierung. Das Talent muss die Leistung des sich Qualifizierens beisteuern.

Talentsuche kann ein langwieriger Prozess sein. Dazu muss einerseits Klarheit über die Anforderungen bestehen, andererseits müssen die Fähigkeiten des Kandidaten deutlich werden. Das gelingt durch die Beobachtung des Kandidaten in herausfordernden Situationen durch Könner/Mentoren. In Ausnahmefällen können das Assessments sein, wirkungsvoller sind praktische Einsätze und echte Herausforderungen. Dabei und durch begleitende Unterstützung durch Mentoren wird Talent entdeckt und zum Könner entwickelt. Hilfreich für die Suche, Auswahl und Entwicklung von Talenten ist das Modell Mensch.

 

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