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Wie groß ist Ihr In-sich-selbst-vertrauen?

Diana T. Roth

03.06.2021 ·  Was passiert, wenn ich Sie just in diesem Moment frage: »Warum sollten Sie sich selbst vertrauen?« Sie werden vermutlich kurz verharren, leicht irritiert schauen und bestenfalls drei Gründe herauswürgen, warum Sie sich vertrauen. Sie werden es irgendwie begründen, sich verteidigen, denn die Warum-Frage treibt Sie sofort in eine gedankliche Ecke. Also stellen wir die Frage nocheinmal anders ...

Diana T. Roth

Diana Roth ist die HerzBlutPersonalerin. Sie arbeitet seit über dreißig Jahren als KMU-Personalerin, ist HR-Dozentin, Podcasterin, Trainerin/Coach, Rednerin und HR-Fachbuchautorin. Die Fachhochschuldozentin beleuchtet vor allem die beliebten Business-Spiele des Arbeitslebens. Ihr schonungsloser Blick hinter die Kulissen der Arbeitswelt verhilft dazu, sich ein eigenes Bild zu erschaffen, welches wiederum dabei unterstützt, das Arbeitsleben richtungsweisend zu gestalten. » http://www.dianarothcoaching.com

Was passDieses Mal lautet die Frage: »Warum sollte ich mir misstrauen?«´
Jetzt passiert oftmals Folgendes: Sie sind einen Moment komplett perplex; das lineare Denken ist unterbrochen, ein innerer Dialog nicht möglich. Und trotzdem: Seit Simon Sineks Buch »Start with why« sind alle Trainer, Persönlichkeitsentwickler und Unternehmensberater begeistert von der Warum-Frage.

  • Warum bloß?
  • Warum-Fragen provozieren die Weg-davon-Antwort.
  • Warum ist von Kausalität geprägt.
  • Mein Tipp: Das Wort »Wozu« dient dem Zukunftsdenken. Also stellen Sie sich die Fragen:
  • Wozu sollten Sie sich vertrauen oder misstrauen?
  • Wozu dient mir die Zukunft?
  • Wozu soll ich gedanklich immer wieder in der Vergangenheit leben?
  • Wozu zeigt einen Weg. Den Weg hin und zu etwas. Wozu findet ein Ziel. Warum sucht Gründe.

Ihre persönliche Geschichte ist relevant

… und Ihr Weg und Ihre Bereitschaft zur Veränderung sind es auch. Ob Sie mit Warum in die Vergangenheit katapultiert werden oder mit Wozu in die Zukunft, Vertrauen und Misstrauen können nur geklärt werden, wenn Sie bereit sind, einen Blick auf sich selbst zu werfen.

Am Anfang ist das unerschütterliche Urvertrauen. Allen Babys ist es erst einmal in die Wiege gelegt. Im Laufe des Lebens wird es jedoch immer wieder auf die Probe gestellt, nicht selten auch bis ins Mark erschüttert. Dazu kommt die Prägung durch Eltern, die oft selbst ein ambivalentes Verhältnis zum Vertrauen haben. Das gilt auch für das Vertrauen, das jeder in die eigene Person hat.

Sie schütteln heftig den Kopf? Ah ja, Sie vertrauen sich selbst vollkommen. Sie haben sich persönlich noch nie enttäuscht oder überrascht.

Wirklich jetzt? Noch nie waren Sie so richtig sauer auf sich selbst? Noch nie haben Sie Ihre eigenen Moralvorstellungen übersprungen? Sie machen echt nur das, was Sie sich fest vorgenommen haben? Ich bin ein wenig neidisch. Denn genau so etwas passiert mir immer wieder. Und vielen meiner Kunden und Kundinnen auch, Freunden, Verwandten …

Wir haben eine klare Meinung, wir wissen genau, was wir zu etwas tun oder sagen wollen und erleben im entscheidenden Moment etwas völlig anderes. Aus unserem Mund krabbeln Worte, die weder zu uns gehören noch unserer Gesinnung entsprechen. Statt Brust raus ziehen wir den Kopf ein, nicken, wo wir eigentlich heftig den Kopf schütteln wollten.

Schütteln unser Haupt nur innerlich – und wundern uns über uns selber; schämen uns ein wenig und machen dann weiter. Wir meiden den Blickkontakt mit uns selber, wenn wir vor dem Spiegel stehen. Murmeln vielleicht versöhnlich: »Das kann doch mal passieren …« und versuchen das Misstrauen, das unser Verhalten in uns geweckt hat, in einer Nacht zu überschlafen. Irgendwann haben Sie das blinde Vertrauen ganz abgelegt und Sie gestehen sich ein: »Nicht nur mein Gegenüber ist ein Risiko. Ich selbst bin es auch!« Das ist der Moment, da wissen wir, dass wir prinzipiell unberechenbar sind.

Schließlich kennen wir uns am besten. Wir haben uns immer dabei. Vierundzwanzig Stunden am Tag. In jeder einzelnen Situation. Wir können uns nicht aus dem Weg gehen.

Wenn Misstrauen und Vertrauen miteinander und mit Ihnen ringen

Wir können Vertrauen nicht wirklich leben, wenn wir dem gesunden Misstrauen keinen Raum geben. Das ist wie Tag und Nacht. Wie Ebbe und Flut. Vertrauen und Misstrauen – zwei ungleiche Schwestern. Einander sehr ähnlich und doch so verschieden. Gemeinsam sind sie unschlagbar.

Darum frage ich noch einmal: »Vertrauen Sie sich selbst vollkommen? Immer? Jederzeit?«

Ich unterstütze Sie mal mit einem Beispiel aus dem wahren Arbeitsleben:

Sie stehen kurz davor, einen Arbeitsvertrag direkt bei Ihrem zukünftigen Arbeitgeber zu unterschreiben. Sie haben alles gelesen. So, wie es da steht, klingt es wirklich gut. Eigentlich perfekt.

Ein aufmunternder Blick des Personalers. Ein unruhiges Räuspern des Vorgesetzten. Das Ticken der Uhr in diesem schicken Besprechungszimmer. Sie alle fordern Ihr Vertrauen. Jetzt. Sofort.

Sie setzen den schwarzen Füllfederhalter aufs Papier.

Während Sie die ersten Buchstaben schreiben, ist plötzlich das ungute Bauchgefühl aus dem ersten Bewerbungsgespräch wieder da. Und das Misstrauen in Ihnen schreit auf: »Mach es nicht! Überlege noch mal. Kannst du dieser Firma wirklich vertrauen? Was ist mit den Ungereimtheiten? Und wenn sie dir die versprochene Lohnerhöhung nach der Probezeit doch nicht geben? Du ziehst für diesen Job weit weg von zu Hause. Wäre es nicht besser, noch einmal alles genau zu prüfen?«

Just in diesem Moment meldet sich das Vertrauen zu Wort. Beruhigend, einlullend, beinahe einem Mantra vergleichbar: »Alles ist gut. Du kannst ihnen blind vertrauen! Sei unbesorgt! Deine Rechtsschutzversicherung hast du ja auch noch. Schon vergessen? Du bist Anwalts Liebling. Der kümmert sich im Falle eines Falles schon um alles. Und jetzt unterschreibe. Etwas Besseres kann dir gar nicht passieren!«

In solchen Momenten sind Sie immer alleine. Ganz alleine! Weder ist Ihr bester Freund vor Ort, noch Ihre Eltern oder der Motivationstrainer, mit dessen Hilfe Sie sich vorbereitet hatten.

Sie sind alleine mit der Diskussion von Vertrauen und Misstrauen. Sie müssen entscheiden und dann die Konsequenzen dieser Entscheidung annehmen.

Ob Sie das voller Vertrauen tun oder voller Misstrauen, ist auch einzig Ihre Entscheidung.

Blindes Vertrauen oder generelles Misstrauen – finden Sie die goldene Mitte!

Unser Gefühlsleben ist ein Spiegelbild unserer äußeren Welt. Umgekehrt haben aber auch unsere Emotionen und Befindlichkeiten einen Einfluss auf unser Außen. Damit es uns gut geht, muss alles im Gleichgewicht sein – und das wiederum bedingt unser aktives tägliches Balancieren und die Suche nach der sprichwörtlich goldenen Mitte.

Je mehr Sie sich selbst vertrauen, desto mehr können Sie auch anderen vertrauen. Eine Prise gesundes Misstrauen verhindert dabei ungesundes blindes Vertrauen, das bekanntermaßen selten auf den richtigen Weg führt.

Ein weiterer Irrweg ist die uneingeschränkte Orientierung an den Ratschlägen anderer. Jeder Ratschlag birgt in sich das Potenzial, ein Schlag zu sein. Einer, der Sie aus der Balance bringen kann, vom Weg ab oder Sie sogar stürzen lässt.

Zudem kommt jeder Rat aus einer individuell erlebten und persönlichen Situation. Er ist die Lösung des Ratenden und daher für ihn wohl passend, kann für Sie aber völlig unpassend sein.

Nehmen Sie Ihr Leben selbst in die Hände. Entscheiden Sie!

Das Urvertrauen aus unseren frühen Kindertagen lässt ein gesundes Maß an Misstrauen ganz selbstverständlich zu. Der natürliche und einzige Prozess, um Vertrauen zu gewinnen, bedingt geradezu ein Zusammenspiel mit dem Misstrauen und unsere Fähigkeit, uns darauf einzulassen.

Psychologen sprechen vom Gesetz der Gegenseitigkeit:

Ich schenke mir Vertrauen – ich schenke dir Vertrauen – du schenkst mir Vertrauen.

Wenn Sie mit voller Inbrunst und Überzeugung »Ja« zu einem Projekt sagen, merkt ihr Gegenüber sofort, ob das aufgesetzt ist oder Sie sich selbst das Projekt auch zutrauen. Er spürt, dass Sie sich selbst vertrauen! Und wie überall im Arbeitsleben wird Ihnen genau deswegen auch zukünftig mehr vertraut und zugetraut.

Leider erlebe ich oft eine ganz andere Reaktionskette:

Ich misstraue mir – ich misstraue dir – vertraust du mir jetzt trotzdem?

Krisen, magische Momente und erstes Fazit

Sie haben sicherlich schon mehrere Krisen in Ihrem Arbeitsleben durchlebt. Anfangs ist es so, dass Sie spüren: Das fühlt sich nicht gut an. Monate später, nachdem Sie durch die Krise gekommen sind und sie erfolgreich gemeistert haben, kommt vielleicht dieser Gedanke auf: Die Krise hat mich weitergebracht.

Ein magischer Moment! Der magische Moment! Frieren Sie ihn ein! In diesem Moment entsteht in Ihnen das Selbstvertrauen und das Vertrauen in Ihre Stärken. Weil Sie sich selbst bewiesen haben, dass Sie mit kritischen Situationen umgehen können.

Seien Sie jetzt bitte ehrlich stolz auf sich. Winken Sie nicht ab, spielen Sie es nicht im Nachgang herunter. Jetzt gerade brauchen Sie auch nicht die kleinste Prise Selbstmisstrauen.

Stehen Sie dazu: Sie haben gezeigt, dass Sie Krisen bewältigen können. Sie sind nicht daran zerbrochen, sind wie Phönix aus der Asche emporgestiegen. Mehren Sie Ihr Urvertrauen.

Vertrauen kommt von trauen. Trauen Sie sich jetzt – an die Abschlussaufgabe?

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und beantworten Sie folgende Fragen:

  • Wann haben Sie sich zuletzt grenzenlos vertraut? An welche eine Situation können Sie sich genau erinnern?
  • Wie haben Sie sich dabei verhalten? Was war das Ergebnis? Was haben Sie daraus gelernt?
  • Wann haben Sie sich zum letzten Mal misstraut? In welcher konkreten Situation war das?
  • Wie haben Sie das Ergebnis wahrgenommen? Wie wurde es von außen wahrgenommen?
  • Welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus?

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