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Vier Freunde: Lampenfieber, Pannen, Einwände, Angriffe

Anita Hermann-Ruess

18.05.2006 ·  In der Rhetorik gibt es ein Paradoxon: Der Präsentierende sollte rhetorisch gut sein, darf aber rhetorisch nicht zu gut sein! Sonst wirkt er zu glatt -aalglatt. Erfolgreiche Rhetorik ist immer unsichtbar und erscheint natürlich. Es gibt einen Punkt, an dem die Rhetorik kippt: wenn sie zu gut ist und sich zu weit vom normalen rhetorischen Niveau des Publikums entfernt. Heute kommt dieses Paradoxon vor allem in der Haltung der Wähler gegenüber den Politikern als Politikverdrossenheit zum Ausdruck. Ihr bester Freund, mit dem Sie sich das Wohlwollen Ihrer Zuhörer gleich am Anfang sichern, ist Ihr Lampenfieber! Treten Sie am Anfang einer Rede nie zu forsch, zu dynamisch auf. Erstens brauchen Sie Steigerungspotential zum Schluss hin, denn der ist der Höhepunkt Ihrer Präsentation. Und zweitens sichern Sie sich über einen leisen, nicht zu selbstsicheren Anfang die Sympathie der Zuhörer - denn die meisten sind keine begnadeten Redner und sind sehr froh, dass sie bequem sitzen und Sie dort vorne exponiert stehen. Trösten Sie sich: Nur wer wagt, dort vorn zu stehen, kann den Kraftort nutzen, um die Welt ein bisschen mehr nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Anita Hermann-Ruess

Also freuen Sie sich über Ihr Lampenfieber, begrüßen Sie es wie einen guten Freund und verbünden Sie sich mit ihm. Dann lässt es auch mit sich verhandeln. Vorteile des Lampenfiebers:

  • Es schafft eine positive Spannung.
  • Es aktiviert auch noch die letzten Ressourcen und den Willen zur Leistung.
  • Es schrumpft den Redner auf ein menschliches Maß (Sympathiebonus).
  • Es schafft die Möglichkeit des leisen Beginns und der Steigerung.
  • Es verhindert Schlaffheit und mangelnde Konzentration.

Die Spannung macht Ihre Präsentation erst kraft- und wirkungsvoll. Entspannung gehört nicht zur Rede, sie ist der wohlverdiente Preis nach einer gelungenen Präsentation. Nachteile des Lampenfiebers: Es kann zu lästigen inneren körperlichen Reaktionen führen, die äußerlich sichtbar werden wie Erröten, Zappeln, Nesteln, Stocken usw. Eine gute Vorbereitung, ein individuelles Manuskript und üben, üben, üben sind die hilfreichsten Mittel gegen Redeangst. Helfen können noch zwei weitere Strategien: >Die "Think-Positive"-Strategie und die "Worst-Case"- Strategie gegen Lampenfieber

Pannen - zeigen Sie sich als souveräner Krisenmanager

Pannen können deshalb Ihre Freunde sein, weil Sie zeigen können, was Sie für ein hervorragender Krisenmanager sind: Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, delegieren perfekt und lösen Probleme schnell und unkonventionell! Also freuen Sie sich über Pannen, sie sind ein guter Freund!

 

Hier eine "Erste Hilfe" um souverän, gelassen und lösungsorientiert zu agieren:

Der Erste-Hilfe-Koffer: Ähmmmm ... oder: Was tun bei Blackouts?

  • Bezug zur Gliederung wiederherstellen
  • Durchatmen, kleine Denkpause
  • Betont langsam weitersprechen
  • Zusammenfassung des bisher Gesagten
  • Letzte Folie nochmals auflegen und aufgreifen
  • Offen zugeben, dass Sie den Faden verloren haben
  • Eine Frage an die Zuhörer stellen
  • Zum nächsten Themenpunkt übergehen
  • Kaffeepause machen

Wie sag ich's nur oder: Was tun bei Versprechern?

  • Gar nichts; weiterreden - nicht entschuldigen
  • Wenn Ihnen ein Wort nicht einfällt: Fragen Sie das Publikum "Wie soll ich es sagen?"
  • Sie haben einen Satz angefangen und wissen nicht, wie Sie ihn zu Ende führen sollen? Formulieren Sie um: "Lassen Sie es mich mit anderen Worten sagen .."

Licht aus .. oder: Was tun bei technischen Pannen?

  • Gut vorbereitet sein: Ihre Rede sollte immer auch "unplugged" funktionieren
  • Wenn Panne eingetreten ist: Ruhe bewahren
  • Wenn möglich: Kaffeepause für Teilnehmer ankündigen
  • Delegieren: Freund/Bezugsperson unter den Teilnehmern bitten, das Problem zu lösen
  • Souverän weitermachen

Gemurmel, Zu-spät-Kommer, Zu-früh-Geher … oder: Was tun bei Störungen?

  • Unruhe: Verbalisieren: "Ich sehe, Sie haben Diskussionsbedarf. Welche Fragen beschäftigen Sie?", "Es ist ziemlich unruhig. Brauchen Sie eine Pause, oder gibt es Ideen Ihrerseits?"
  • Zwei führen Nebengespräche: "Ich sehe, es gibt Diskussionsbedarf. Was beschäftigt Sie gerade?", "Welche Dinge sind noch unklar?"
  • Zu-spät-Kommer: kurz zunicken, ihnen einen Platz zuweisen, weitersprechen
  • Zu-früh-Geher: souverän bleiben, weitermachen

Einwände sind Werte und somit verdeckte Wünsche!

Die allerbesten Freunde des Redners sind Einwände! Denn wenn Sie bisher das limbische Profil Ihrer Zuhörer nur über Hypothesen bestimmt und angesprochen haben, dann kommt jetzt der Beweis, ob Ihre These stimmt.

  • Je weniger Einwände - umso präziser haben Sie die Werte, Denkstile und Probleme Ihrer Zuhörer recherchiert.
  • Je mehr Einwände - umso weiter sind Sie von der Lebenswelt Ihrer Zuhörer entfernt.

Die gute Nachricht: Die Einwände sind wie ein Richtungsweiser in die Wertewelt, zum Denkstil und zu den Problemen Ihrer Teilnehmer. Einwände sind verdeckte Wünsche! Es gibt ganze Bücher, die sich mit Einwandbehandlung beschäftigen. Ich gebe Ihnen hierzu nur drei Anregungen, wie Sie wertschätzend Einwände beantworten können. Damit kommen Sie in allen rhetorischen Situationen sehr weit:

Limbische Einwandtechnik:

  • Würdigen Sie Einwände und freuen Sie sich!
  • Formulieren Sie Einwände in Werte und Wünsche um.
  • Präsentieren Sie nicht stur weiter - suchen Sie gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen.

Unfaire Angriffsmethoden energiesparend abwehren

Auch unfaire Angriffe können Ihre Freunde werden. Wenn Sie geschickt mit ihnen umgehen, isolieren Sie den Angreifer, wirken souverän und sympathisch und bauen Gefolgschaften aus.

Es ist wichtig, unfaire Gesprächsbeiträge zu erkennen und konsequent und souverän zu unterbinden. Sonst wird man im schlimmsten Fall zum Opfer.

Wer sich schnell emotionalisieren lässt, läuft Gefahr, taktisch in die Defensive zu geraten, in ein Streitgespräch verwickelt zu werden und das eigentliche Sachziel aus den Augen zu verlieren. Das wusste schon die antike Rhetorik, die dem Redner die Anweisung gab: "Triffst du die Sache nicht, triff die Person!"

Unfaire Angriffe haben folgende Ziele:

  • Sie sollen tief treffen, so dass wir mit unseren Emotionen (Wut, Rache, Fluchtgedanken …) beschäftigt sind und nicht mit der Sache - nämlich unserem Redeziel.
  • Sie weisen automatisch in eine unterlegene Situation, denn egal, wie wir reagieren, ob aggressiv, unterwürfig oder souverän - wir bleiben Reagierende.
  • Der Angegriffene wird müde und angeschlagen und kann dadurch seine Sache nicht mehr so konsequent und selbstbewusst vertreten.

Die Kunst ist es, dem Angreifer freundlich, aber bestimmt Grenzen zu setzen, ohne großes Aufhebens ihn darauf hinzuweisen, dass er die Regeln der Fairness verletzt, dadurch das Publikum auf Ihre Seite zu ziehen - und gelassen weiterzumachen. Nie das Ziel aus den Augen verlieren! Denn genau das bezweckt der Angreifer. Außerdem dürfen Sie mit überpointierter Schlagfertigkeit keine Mauern zwischen sich und Ihren Teilnehmern errichten - schließlich steht ja der Abschluss noch aus.

Spielen Sie den Advocatus diaboli für Ihre Präsentation:

  • Mit welchen Einwänden könnten Sie konfrontiert werden?
  • Mit welchen, auch unfairen, Angriffen könnten Sie rechnen?
  • Wie können Sie Ihre Schlagfertigkeit steigern? Suchen Sie sich im Vorfeld passende Möglichkeiten zu antworten.

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