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Man kann es doch: Nicht kommunizieren!

Dr. Stefan Fourier

29.10.2020 ·  Das Sinnbild der Kommunikation ist das Sender/Empfänger-Modell. Der eine übermittelt, der andere versteht - so die Theorie. Doch in der Praxis sieht es oft anders aus. Die aufwendig produzierten und gesendeten Botschaften verpuffen wirkungslos. Und das hat einen einfachen Grund wie Dr. Stefan Fourier anschaulich zeigt: Oftmals werden Information und Kommunikation verwechselt.

Dr. Stefan Fourier

Dr. Stefan Fourier ist ein erfolgreicher Business Consultant, Manager und Unternehmer. Aus seinen Erfahrungen entwickelte er praxistaugliche Modelle zum Umgang mit Komplexität, die Organisationen und Menschen erfolgreich und das (Arbeits-)Leben entspannter machen – Humanagement. Als Berater unterstützt Fourier auf dieser Grundlage viele Unternehmen und als Mentor begleitet er zahlreiche Menschen auf ihren Wegen zum Erfolg. Mit seinem lockeren, pointierten Erzählstil hat er sich einen Namen als Autor, Vortragsredner und Aphoristiker gemacht. Sein letztes Buch „Schlau statt perfekt“ ist 2015 erschienen, wurde in der Fachpresse gelobt und hat viele Leser inspiriert. » http://www.fourier.de

Beim Thema Kommunikation denken die meisten Leute sofort an das anschauliche Sender/Empfänger-Modell, welches auf Schulz von Thun zurückgeht. Der Sender übermittelt eine Botschaft, der Empfänger versteht sie, die Kommunikation funktioniert. In Wirklichkeit ist es allerdings nicht ganz so einfach, wie viele Führungskräfte immer wieder erfahren müssen. Sie stecken viel Aufwand in ihre Botschaften und deren Übermittlung, sind dann allerdings häufig enttäuscht über die Wirkung, die sie bei ihren Mitarbeitern oder in der Öffentlichkeit erzielen. Der Grund ist ganz einfach: Sie verwechseln Information und Kommunikation.

Informationen sind Sachverhalte, die in einem Informationsprozess, verbal oder schriftlich oder digital, verbreitet werden. Und damit beschäftigen sich „Sender“, also in unserem Zusammenhang Führungskräfte, primär und mitunter ausschließlich. Allerdings fehlt hier noch Wesentliches, damit die Information auch tatsächlich ankommt. Jetzt muss nämlich erst noch die Gegenseite, der Empfänger, aktiv werden. Er muss zunächst das, was da ankommt als Information erkennen und deren Sinn verstehen. Das ist ein komplexer Prozess, der ganz wesentlich von der Verfasstheit des Empfängers abhängt. In seinem Gehirn läuft dabei ein Vergleich ab, ob das Ankommende zu irgendeiner Erinnerungsstruktur passt, zumindest ein bisschen, so dass eine Art Resonanz entsteht. Diese Resonanz ist notwendige Voraussetzung für das Erkennen einer Information als Information und deren Verstehen. Das Resonanzvermögen des Empfängers hängt von seinem Bildungsstand, von seinen Vorerfahrungen mit dem Sender, von seiner aktuellen Stimmung, aber auch in besonderem Maße von seinem kulturellen Hintergrund und seiner Sozialisation ab. Hier befinden wir uns längst nicht mehr auf rationalem Terrain, sondern die Sinnselektion des Empfängers wird ganz stark von Vorerfahrungen und Emotionen beeinflusst, kurz vom Unbewussten.

Ohne die Analyse dieser hochkomplexen Vorgänge jetzt weiter verkomplizieren zu wollen, bleibt unter dem Strich das Fazit:

Kommunikation ist weit mehr als die Versendung von Informationen. Das ist nur der geringste und eigentlich triviale Teil. Der für Kommunikationsverlauf und -ergebnis wesentlich gravierendere Teil spielt sich auf der Empfängerseite ab.

Wenn also Führungskräfte – was sie oft tun – sich ausschließlich auf das Senden konzentrieren, dann ist das noch längst keine Kommunikation, weil nämlich der entscheidende Teil fehlt. Sie kommunizieren nicht, sondern sie informieren nur. Damit erreichen sie niemals die Gegenseite, sondern verlieren sie sogar. Wir können das jeden Tag beobachten, nicht nur in Unternehmen sondern auch in der Politik.

Es gibt ein Gegenmittel

Sender, egal wer sich in dieser Rolle befindet, müssen sich mit der Gegenseite beschäftigen. Nur wenn sie die Empfänger kennen, werden sie die Chancen für Resonanz auf ihre Informationen erhöhen. Und um das zu schaffen, darf der Sender nicht nur seine Informationen in Richtung des Empfängers schieben, sondern er muss einen echten Austausch herbeiführen, idealerweise bereits bevor er seine Informationen losschickt. Also Führungskräfte: Lasst uns mehr reden!

Lebendige Gespräche sind die wahre Kommunikation, deren Sinn in der Entwicklung von Beziehungen besteht und sich im Austausch verwirklicht. Solange Führungskräfte nur Ansagen machen, kommunizieren sie nicht. Kommunikation erfordert lebendigen Dialog. Wer das beherrscht und pflegt, gewinnt seine Leute und sie werden ihm folgen. Das ist Führung!

Das unten stehende Bild zeigt das Resonanzmodell, mit dessen Hilfe wir bei Humanagement den grundlegenden Kommunikationsmechanismus verdeutlichen:

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