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Ein Schwamm für Ideen

Jens-Uwe Meyer, Henryk Mioskowski

18.03.2021 ·  »Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen.« soll Picasso einmal gesagt haben. Ein Aussage, die Steve Jobs so begeisterte, dass er sie zu seiner Lebensphilosophie erhob. Beide waren Ideenschwämme. Auf der Suche nach Inspiration wechselten sie von der konkreten Ebene in die Abstrakte, brachen aus dem eigenen Themenbereich aus und suchten in einem anderen. Mit Erfolg!

Jens-Uwe Meyer, Henryk Mioskowski

Jens-Uwe Meyer, MBA, ist einer der anerkanntesten Experten für Kreativität und Innovation. Er berät das Top Management zahlreicher namhafter Konzerne und ist Autor von sechs Büchern zum Thema. Als Gründer und Geschäftsführer der Ideeologen entwickelt er neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle für Unternehmen. Henryk Mioskowski leitet Kreativitäts- und Innovationsworkshops in verschiedensten Branchen, unter anderem Automobil, Energiewirtschaft, Gesundheit und Medien. Er ist Leiter der Ideeologen Academy und hat einen Lehrauftrag für unternehmerische Kreativität an der dualen Hochschule Baden-Württemberg. » http://www.innolytics.de/innovationsmanagement

»Ich bin ein guter Schwamm, denn ich sauge Ideen auf und mache sie dann nutzbar.«

Pablo Picasso hat einmal gesagt: »Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen.« Dieses Zitat hat den verstorbenen langjährigen Apple-Chef Steve Jobs so beeindruckt, dass er es zu einer Lebensphilosophie erhob: »Es geht darum, sich dem Besten auszusetzen, was Menschen geschaffen haben. Und dann zu versuchen, diese Dinge auf das zu übertragen, was du tust.« Beim »Stehlen« geht es darum, sich von großartigen Ideen inspirieren zu lassen. Edison verfolgte diese Philosophie ebenfalls. Er suchte ständig nach Inspirationen aus anderen Bereichen. Er sagte über sich selbst: »Eigentlich bin ich mehr ein Schwamm als ein Erfinder.«

Aber was macht ein Ideenschwamm genau? Sie suchen nach

  • cleveren Lösungen aus anderen Branchen,
  • Analogien aus ganz anderen Bereichen, die den Kopf anregen,
  • Lösungswege und Denkansätze, die Ihnen weiterhelfen.

Das Wichtigste bei der Suche nach Inspirationen ist der Wechsel von der konkreten auf die abstrakte Ebene. Mit diesem Wechsel schaffen Sie es, aus dem eigenen Themenbereich auszubrechen und in einem anderen zu suchen.

Funkenflug - Provozieren Sie Geistesblitze durch zufällige Bilder

Der Funkenflug beruht auf dem kreativen Prinzip der Ablenkung. Sie stellen eine Frage und irritieren Ihren Kopf durch ein zufälliges Bild oder einen Gegenstand. Diese Irritation führt zu einer Art kreativem Kurzschluss im Gehirn. Die Folge: Ungewöhnliche, mitunter auch verrückte Ideen.

Einsatzbeispiele

  • Schnell ausgefallene Ideen entwickeln, beispielsweise für Marketingaktionen oder Veranstaltungen
  • Kreativworkshops oder -meetings durch eine ungewöhnliche Technik auflockern
  • Denkblockaden in festgefahrenen Kreativprozessen auflösen

Sie stehen vor der Herausforderung, eine wirklich unkonventionelle Lösung für ein neues Lifestyle-Produkt, eine Kommunikationskampagne oder ein unkonventionelles Werbegeschenk zu entwickeln. Es fällt Ihnen schwer, in den Kreativprozess einzusteigen. Ihre Gedankenansätze führen Sie einfach nicht auf den richtigen Weg.

Greifen Sie zu einer extrem schnellen, ungewöhnlichen Methode. Nutzen Sie den Zufall! Konfrontieren Sie Ihr Unterbewusstsein mit zufälligen Inspirationen: Wenn Sie Hersteller von Energiesparleuchtmitteln sind, kann sie das Bild eines Röhrenfernsehers zur Entwicklung eines besonders energieeffizienten Monitors inspirieren.

Der Funkenflug beruht auf dem kreativen Prinzip der Ablenkung. Die Quellen der Zufallsinspirationen sind unerschöpflich. Manchmal liegt solch eine Inspiration sogar auf dem Frühstückstisch! Außergewöhnliche Produkt- oder Kommunikationsideen können Sie auf diese Weise blitzartig entwickeln. Die ersten Ergebnisse des Funkenflugs sind allerdings das, was viele als »verrückt« bezeichnen. Manchmal benötigen Sie eine zweite Runde, um die ausgefallenen Ideen in die Realität zurückzubringen.

So gehen Sie vor:

  • Gehen Sie auf die Suche nach beliebigen Bildern und Begriffen. Schärfen Sie Ihren Blick für Zufallsinspirationen in Ihrer Umwelt.
  • Verbinden Sie die Bilder und Begriffe miteinander und/oder mit Ihrer Fragestellung.
  • Provozieren Sie Geistesblitze.
  • Dokumentieren Sie Ihre Geistesblitze sofort! Sie entfallen Ihnen sonst schnell wieder.
  • Entwickeln Sie Ihre Geistesblitze zu ausgereiften Ideen weiter.

Praxisbeispiel: Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen suchte in einem Workshop nach neuen Dienstleistungen für langjährig treue Kunden. Die Teilnehmer bekamen Karten mit jeweils einem Bild, zum Beispiel mit einer Bahnhofsuhr, und einem beschreibenden Begriff. Sie hatten nun die Aufgabe, in sechzig Sekunden die Zufallsinspiration mit ihrer Aufgabenstellung zu verbinden und eine Idee zu entwickeln. Ein neuer Ideenansatz aus dieser Inspiration war ein Beratungsmodell für treue Kunden mit honorarfreier Beratungszeit. Diese Idee wurde dann später mit anderen Tools weiterentwickelt. Der Ursprung war der Geistesblitz, erzeugt durch eine Bahnhofsuhr.

Tipp: Machen Sie den Zufall zu einem Ihrer kreativsten Mitarbeiter. Nutzen Sie die Inspirationen, die Sie in Hülle und Fülle in Ihrer Umwelt finden, und entwickeln Sie kindliche Neugier. Werden Sie zum Jäger und Sammler von Bildern und Begriffen und legen Sie sich einen Pool mit Zufallsinspirationen an, die Sie dann auf beliebige Aufgabenstellungen übertragen können! Gehen Sie bei der Suche nach Zufallsinspirationen nicht zu systematisch vor. Die Technik beruht darauf, dass Sie Ihren Kopf ablenken und dadurch Funken im Kopf erzeugen. Im Gegensatz zur Technik des Ideenschwamms, die sehr systematisch ist. Beide Techniken scheinen zwar nah beieinander zu liegen, beruhen aber auf unterschiedlichen kreativen Prinzipien: Der Funkenflug beruht auf dem Prinzip der Ablenkung, der Ideenschwamm auf dem Prinzip des Analogiedenkens.

Ideenschwamm

Saugen Sie Inspirationen systematisch auf Mit dem Ideenschwamm »stehlen« Sie Inspirationen – allerdings ganz legal. Die Technik ist eine systematische Inspirationsrecherche. Sie dringen vom Bekannten ins Unbekannte vor: Suchen Sie zunächst nach Lösungen, die Sie kopieren. Dann nach Lösungen, die Sie umfunktionieren. Und schließlich in ganz anderen Bereichen.

Einsatzbeispiele

  • Suche nach qualitativ hochwertigen Inspirationen für fokussierte Fragestellungen
  • Lösungssuche in Bereichen wie zum Beispiel der Natur (Bionik)
  • Knacken von wirklich harten Kopfnüssen

Sie sitzen vor einem weißen Blatt Papier und es kommen einfach keine Ideen. Heißt das, dass Sie nicht kreativ sind? Nein, Sie haben das gleiche Problem, das fast alle großen Künstler und Erfinder hatten beziehungsweise haben: Ein weißes Blatt Papier ist für den Kopf so inspirierend wie ein Telefonbuch. Was tun? Suchen Sie sich Anregungen aus anderen Bereichen!

Picassos Aussage »Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen« mag Ihnen am Anfang befremdlich vorkommen. Unweigerlich denken Sie an § 242 des Strafgesetzbuchs: »Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.« Aua, das sitzt. Wollen wir Sie ins Gefängnis bringen?

Nein. Erstens ist »Stehlen« im kreativen Sinn nicht gleich »Diebstahl«. Und zweitens tun es alle wirklich Kreativen. Forscher »stehlen« Prinzipien aus der Natur, die Industrie »stiehlt« Ideen von der US-Raumfahrtbehörde NASA und Thomas Edison übernahm bei seinen Erfindungen Denkprinzipien, die er in den Romanen von William Shakespeare fand.

Dieser »Diebstahl« ist eine Technik, die auf einem der wichtigsten kreativen Prinzipien beruht: Dem Denken in Analogien. Sie suchen nach kreativen oder schöpferischen Höchstleistungen in der Natur, anderen Branchen und Disziplinen, erkennen Parallen und übertragen diese auf Ihr Ausgangsproblem. Am Anfang wird Ihnen das vielleicht merkwürdig vorkommen: Wieso sich mit Automobilkonstruktion beschäftigen, wenn Sie doch einen Elektromotor entwickeln wollen? Lesen Sie das Praxisbeispiel, dann wird das deutlicher. Wenn Sie die Anfangsschwierigkeiten überwunden haben, werden Sie fast intuitiv zum Ideenschwamm.

So gehen Sie vor:

  • Verallgemeinern Sie Ihre Suchfrage, indem Sie das Wort »generell« einfügen.
  • Formulieren Sie eine klare Frage auf der abstrakten Ebene.
  • Suchen Sie mit dieser klaren Frage nach Inspirationen in gleichen oder anderen Bereichen.
  • Übertragen Sie die Inspirationen auf Ihre Fragestellung.

Praxisbeispiel: Einer unseren Kunden stand vor der Herausforderung, ein preiswertes Steuermodul für Elektromotoren zu entwickeln. Die perfekte deutsche Qualität war für den asisatischen Markt überdimensioniert. Das neue Gerät sollte mindestens um die Hälfte billilger sein. Die Ingenieure waren ratlos: Wie genau speckt man ein perfektes Gerät ab, ohne an der Qualität zu sparen? Der erste Schritt bestand darin, Qualität neu zu definieren. Wir schickten die Teilnehmer als Ideenschwämme zu McDonalds und Aldi. Was sie dort mitnahmen: Qualität ist nicht automatisch das perfekte Produkt. Und auch kein hochwertiges Einkaufserlebnis. Für einen McDonalds-Kunden heißt es: Schnell satt werden. Und für einen Aldi-Kunden: Gute Qualität ohne Schnickschnack. Die Teilnehmer definierten Qualität neu: Robust und funktional, gerne auch mit der Technik von gestern. Wie nun abspecken? Wir ließen zwei Autos vorfahren: Einen Renault und einen Dacia Logan. Der Dacia Logan ist ein äußerst preiswertes Auto mit Renault-Technik. Die Teilnehmer klebten überall dort Zettel hin, wo sie Unterschiede fanden: Im Dacia Logan gab es keine elektrischen Fensterheber, die verarbeitete Technik war mindestens zwei Generationen älter etc. Diese Konstruktionsprinzipien übertrugen sie auf die Aufgabenstellung.  Wie gut die Technik des Ideenschwamms funktioniert, haben wir daran gespürt, dass die Teilnehmer nur noch davon sprachen, das »Dacia-Modell« zu konstruieren.

Tipp: Sie können auch nebenbei zum Ideenschwamm werden. »Parken« Sie ein Problem im Hinterkopf und überlegen Sie bei allem, was Sie tun, ob Sie eine passende Inspiration finden. Notieren Sie diese Inspiration. Oder noch besser: Machen Sie mit Ihrem Smartphone ein Foto davon.

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