Crowdsourcing oder wie man andere gewinnbringend für sich arbeiten lässt (II)
von Jörg Aßmann, Oliver Böpple, Anna Riedel
Im Folgenden sollen die wesentlichen Prinzipen und Elemente von Crowdsourcing-Plattformen anhand von drei Beispielen aufgezeigt werden.
Jovoto

Bild 1: www.jovoto.com
jovoto wurde 2007 gegründet und bringt die Ideen von mittlerweile 2.500 Designern, Werbetextern, Illustratoren etc. mit den kreativen Aufgabenstellungen von Unternehmen zusammen. Die Aufgabenbearbeitung und -auswahl erfolgt dabei innerhalb eines Wettbewerbs. Für jede Ausschreibung wird ein Preisgeld ausgelobt. Dieses Preisgeld wird allein durch das Voting der Community unter den Teilnehmern verteilt.
Will ein Kunde eine Idee nutzen, so kann er diese zu einem vorab definierten Preis vom Ideengeber erwerben. Darüber hinaus bietet die Interaktion mit der jovoto-Community bereits interessante Insights über die eigenen Marken und Produkte. Alle Ideen zum Contest werden auf die Plattform gestellt und dort unter den Mitgliedern diskutiert und auch bewertet. Am Ende voten die Mitglieder ihre Favoriten, so dass die Auftraggeber schon Hinweise für die eigene Entscheidung bekommen. An diesem Abstimmungsprozess können sich alle Mitglieder der Community beteiligen.
Der jüngst durchgeführte Logo-Wettbewerb für Frank Walter Steinmeier brachte z.B. nicht nur eine Vielzahl kreativer Ideen hervor, sondern konnte auch sehr öffentlichkeitswirksam platziert werden. Als Preisgelder wurden insgesamt 5.000 € ausgelobt, von denen der er erste 1.500 €, der zweite 750 €, der dritte 500 € und die Ideen bis Platz 12 jeweils 250 € bekamen. Die Nutzungsrechte an einer Idee verbleiben beim Kreativen und werden dann nach dem Wettbewerb mit dem Kunden ausgehandelt. In diesem Fall sind weitere 3.000 € ausgeschrieben, wobei das nicht zwingend der Community-Favorit sein muss.
Tchibo Ideas

Bild 2: www.tschibo-ideas.de
Tchibo Ideas wurde Mitte 2008 ins Leben gerufen und soll die Problemstellungen potenzieller Kunden mit den Lösungsvorschlägen von Designern und Erfindern zusammenführen. Ab Juli 2009 kommen die ersten Produkte im monatlichen Rhythmus auf den Markt, die den Bewertungsprozess der Community-Mitglieder von Tchibo Ideas erfolgreich durchlaufen haben.
Durch die Integration der Kunden sollen Produkte entwickelt werden, die kundenrelevant sind, d.h. die an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet sind. Darüber hinaus solle durch die aktive Teilnahme die Kundenbindung erhöht werden. Letztendlich will Tchibo ein Netzwerk an Designern, Entwicklern und Erfindern dadurch etablieren.
Potenzielle Kunden bzw. Mitglieder können eigene Beiträge (Aufgaben) auf die Plattform einstellen oder andere Beiträge weiterentwickeln und kommentieren. Designer oder Erfinder erarbeiten dann Lösungen für diese Aufgabenstellungen oder entwickeln davon unabhängige Ideen und veröffentlichen sie auf der Plattform. Sowohl die Aufgaben als auch die Ideen werden von der Community bewertet und für die besten Votings gibt es Geldpreise. Das Voting findet in einem mehrstufigen Prozess statt, bei dem aus den zehn Monatsbesten drei Sieger bei den Lösungen und ein Sieger bei den Aufgaben durch die Community gewählt wird.
Tchibo agiert zwischen Aufgabenstellern und Lösungsentwicklern nur als Moderator und Betreiber und kontrolliert mit Hilfe eines Moderationsteams die Aktivitäten und Atmosphäre auf der Plattform.
Dell Ideastorm

Bild 3: www.trendbird.co.kr/1942
Über eine interaktive Online-Plattform versucht Dell das Innovationspotenzial einer Community zu nutzen, um neue Produktvorschläge und Ideen zu gewinnen. Sowohl Kunden als auch Nicht-Kunden können unter www.ideastorm.com ihre Gedanken und Vorschläge zu Produkten von Dell einreichen. User haben darüber hinaus die Möglichkeit, die Ideen anderer Nutzer zu kommentieren, gegebenenfalls diese positiv oder negativ zu bewerten und ihre Meinungen mit anderen auszutauschen.
Indem Ideen registriert und verschiedenen Kategorien wie bspw. „popular ideas“ zugeordnet werden, können gute Ideen leichter erkannt und genutzt werden. Damit die Community auch ein Feedback erhält und dauerhaft aktive User bindet, kommuniziert Dell über die Plattform, welche Ideen bereits aufgegriffen wurden bzw. in nächster Zeit umgesetzt werden. Diese Rückkoppelung ist für den Erfolg dieser Open Innovation Community als sehr wichtig zu betrachten und bildet ein vertrauensstiftendes Element.
Dell versucht aktiv mit den Usern zu kommunizieren und den Ideenreichtum von Kunden zu nutzen, um eigene Produkte sukzessive zu verbessern und hat bereits rund 9.000 innovative Ideen seiner Kunden eingesammelt.
Erfolgsfaktoren des Crowdsourcing
Das wichtigste beim Crowdsourcing ist eine Aufgabenstellung, die sich kollektiv bearbeiten lässt und die eine hohe intrinsische Motivation der Teilnehmer auslöst, die wiederum als Grundlage für die freiwillige Partizipation an der Lösung der Aufgabe angesehen werden kann. Bei unternehmerisch initiierten Crowdsourcing-Projekten sind monetäre Anreize für die Teilnahme natürlich wichtig. Dabei scheint sich der Wettbewerb mit Preisen als das beste Anreizinstrument zur Teilnahme zu entwickeln. Allerdings ist auch beim unternehmerischen Crowdsourcing die intrinsische Motivation an der Aufgabenstellung die wichtigste Voraussetzung, um qualitativ hochwertige Beiträge zu generieren.
Wer ein Bewertungssystem in sein Crowdsourcing-Projekt integriert, der kann zusätzlich durch die Anerkennung und Reputation innerhalb der Community Motivationsmöglichkeit nutzen und hat gleichzeitig ein hervorragendes Selektionsinstrument für die Auswahl der besten Ideen und Beiträge. Denn viele Beiträge erreichen natürlich nicht die Qualität, die man sich vorstellt.
Möchte man die Zahl und Qualität der Beiträge kontrollieren, dann besteht auch die Möglichkeit, nur ausgewiesene Experten zu einem Crowdsourcing-Projekt zuzulassen oder einzuladen, wie das auf den geschlossenen Crowdsourcing-Plattformen häufig der Fall ist.
Ein weiterer wichtiger Motivator ist die Aufgabenstellung selber. Die Aufgabe sollte klar definiert und einfach zu bearbeiten sein. Synergien der kollektiven Aufgabenbearbeitung ergeben sich dann, wenn man die Voraussetzungen schafft, dass die Kommunikation und die Arbeitsteilung zwischen den Teilnehmern einfach und schnell erfolgen können. Hier stehen mittlerweile leistungsfähige IT-Plattformen zur Verfügung, die natürlich bei unternehmerischen Crowdsourcing-Projekten professionell gemanagt werden müssen. So hat z.B. Starbucks ein Team von 48 ausgebildeten Mitarbeitern, das die Diskussionsprozesse auf Ihrer Crowdsourcing-Plattform „My Starbucks Idea“ moderiert sowie die Teilnehmer zur Einreichung von Beiträgen und Bewertungen motiviert. Zum professionellen Management gehört natürlich auch die explizite und eindeutige Formulierung von Teilnahmeregeln und -prozessen.
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