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Fettnäpfchen - Was Sie als Vorgesetzter tunlichst vermeiden sollten

von Christiane Drühe-Wienholt

Christiane Drühe-Wienholt

In Ihrem bisherigen beruflichen Leben haben Sie schon eine beachtliche Strecke zurückgelegt und viele Herausforderungen gemeistert. Doch jetzt stehen Sie an einem Wendepunkt Ihrer Karriere: Sie übernehmen eine neue Rolle mit neuen Verantwortungen und Verpflichtungen: zukünftig sind Sie nicht mehr nur noch für sich selbst und Ihre eigenen Aufgaben verantwortlich, sondern auch für andere Menschen - Ihre Mitarbeiter. Auch das Umfeld, in dem Sie sich zukünftig bewegen werden, ist viel komplexer: neben Ihren neuen Mitarbeitern gibt es neue Kollegen, neue Vorgesetzte und neue Spielregeln. Und eine Reihe von Fettnäpfchen, die auf Sie warten. Dieser und die folgenden Praxistipps sollen Sie Ihnen Ihren Einstieg als neue Führungskraft erleichtern und Sie davor bewahren, in jedes dieser Fettnäpfchen hinein zu treten.

Fettnäpfchen Nr. 1: Führung ist Ihnen peinlich.

Sie werden zur Führungskraft befördert, weil es Menschen in Ihrem Unternehmen gibt, die Ihnen vertrauen und Sie für kompetent halten, diese Aufgabe verantwortungsbewusst auszuführen. Nicht weil Sie ein netter Mensch oder schon so lange im Unternehmen und endlich auch mal an der Reihe sind (was in Ausnahmefällen allerdings auch der Fall sein kann). D.h. Sie haben sich diese Auszeichnung erarbeitet und sich Ihren neuen Job als Führungskraft verdient. Und deshalb muss und darf Führung Ihnen nicht peinlich sein. Sie werden jetzt nicht mehr dafür bezahlt, Aufgaben selbst zu erledigen, sondern dafür dass die Aufgaben erledigt werden. Führung ist etwas, was für Sie nun ganz selbstredend zu Ihrem Arbeitsalltag gehört. Je selbstverständlicher Sie Ihre Führungsaufgaben wahrnehmen, desto weniger Missverständnisse oder Probleme wird es in Bezug auf Ihren Führungsanspruch geben. Also: entwickeln Sie eine positive Einstellung zu Ihrer Führungsaufgabe! Ihre neue Aufgabe bietet nicht nur Ihren Mitarbeitern, sondern auch Ihnen ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen.

Fettnäpfchen Nr. 2: Sie wissen nicht, was Ihnen als Führungskraft wichtig ist

An Führungskräfte werden in Bezug auf ihre Persönlichkeit immer besondere Erwartungen herangetragen. Das heißt aber nicht, dass Sie sich jetzt zu einem alles könnenden Supermenschen entwickeln sollen. Dennoch gibt es einige Eigenschaften, die für Sie förderlich sind. Wie sieht es beispielsweise mit Ihrem Mut aus, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und zu vertreten? Oder für Ihre eigene Meinung einzutreten und nicht aus lauter Bequemlichkeit ja zu sagen - um dann heimlich U-Boote zu fahren? Oder Ihrer Integrität und Authentizität: Ist Ihr Verhalten berechenbar und stehen Sie zu Ihrem Wort?

Wichtig für Ihre Rolle als Führungskraft sind auch Ihre Wertvorstellungen. Sie bestimmen Ihr Denken und Handeln, gebe Ihnen einen roten Faden an die Hand und helfen Ihnen, sich im Alltag besser zurecht zu finden - im Privaten und im Beruf. Damit Sie diesen roten Faden nutzen können, ist es natürlich wichtig, dass Sie Ihr eigenes Wertesystem kennen.

  • Welche Wertvorstellungen sind Ihnen wichtig? Welche lehnen Sie ab?
  • Welche Werte können Sie bei Ihrer Arbeit gut umsetzen?
  • Welche Werte sind Ihrer neuen Rolle als Führungskraft förderlich?

Nicht nur Sie haben Wertvorstellungen und den Wunsch, sinnvoll zu handeln und zu leben, sondern auch Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter. Wenn Sie Ihre eigenen Wertvorstellungen kennen, können Sie sich auch mit den Werten anderer befassen. Sie können Übereinstimmungen und Spannungen erkennen und erfahren, wie Sie Ihre Mitarbeiter am besten motivieren. Doch dazu in einem späteren Praxistipp mehr.

Fettnäpfchen Nr. 3: Sie wollen alles besser machen

Wahrscheinlich haben Sie schon lange auf Ihre große Chance als neue Führungskraft gewartet. In dieser Zeit haben Sie zahlreiche Vorgesetzte erlebt - kompetente und weniger kompetente, gute und schlechte. Vermutlich haben Sie auch schon oft darüber nachgedacht, was Sie alles besser machen würden, wenn man Sie nur ließe. Nun sind Sie endlich an der Reihe!

Doch Achtung: in Ihrer neuen Situation prallen 2 Erwartungen aufeinander: Sie wollen alles besser machen und Ihre neuen Mitarbeiter, Vorgesetzten und Kollegen erwarten von Ihnen, dass alles so bleibt, wie bei Ihrem Vorgänger.

 

Wie können Sie mit dieser Situation am besten umgehen?

  • Befreien Sie sich von den Vorstellungen von Führung, die Ihr Vorgänger vertreten hat. Natürlich ist es gut zu wissen, was für ein Erbe Sie antreten, jedoch nur um die Erfahrungen und Erwartungen Ihrer zukünftigen Mitarbeiter besser einschätzen zu können.
  • Und: Lösen Sie sich von dem Wunsch, alles besser machen zu wollen. Finden Sie stattdessen Ihren persönlichen Stil und führen Sie authentisch und integer. Damit machen Sie fast automatisch vieles anders - und manches vielleicht auch besser.

Nicht nur für Sie ändert sich durch Ihre neue Aufgabe einiges. Auch Ihre Mitarbeiter müssen sich mit Veränderungen arrangieren. Zum Beispiel mit Ihnen als neuem Vorgesetzten und Ihrem neuen Führungsstil, möglicherweise auch mit inhaltlichen Veränderungen und Umstrukturierungen in Ihrer Abteilung. Deshalb ist es wichtig, dass Sie nicht nur sich selbst, sondern auch den Wandel managen. Auch wenn Änderungen zum Alltag gehören, sollten Sie sich immer wieder in die Lage Ihrer Mitarbeiter versetzen und ein offenes Ohr für deren Fragen, Sorgen und Bedenken haben. Und: Beziehen Sie sie in Ihre Überlegungen und Planungen mit ein.

Fettnäpfchen Nr. 4: Sie wollen alles auf einmal machen

Als Führungskraft sehen Sie sich mit einer ganz neuen Komplexität von Anforderungen, Aufgaben und Beziehungen in Ihrem Unternehmen konfrontiert. Sie werden sich sicherlich schon gefragt haben: "Wie soll ich das alles nur bewältigen?" Die Antwort darauf lautet: Mit einem effizienten und effektiven Selbst-Management. Sorgen Sie dafür, dass Sie die richtigen Dinge richtig tun.

  • Informieren Sie sich über Ihre zukünftigen Aufgaben. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten über seine Erwartungen. Suchen Sie das Gespräch mit Ihren neuen Kollegen und vor allem Ihren Mitarbeitern. Finden Sie heraus, wann was mit wem läuft.
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre eigenen Führungsaufgaben, also für eine effektive Planung, Organisation, Delegation und Kontrolle. Dabei gilt das Motto: so wenig Fremdkontrolle wie nötig, so viel Selbstkontrolle wie möglich.
  • Setzen Sie Prioritäten. Teilen Sie Ihre Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit auf. Entscheiden Sie dann, welche Aufgaben an erster, zweiter, dritter … Stelle zu erledigen sind.

Natürlich werden Sie bei dem Versuch, Ihre Zeit effektiv und effizient zu organisieren auch immer wieder Rückschläge erleben. Lassen Sie sich dadurch jedoch nicht entmutigen. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Fettnäpfchen Nr. 5: Sie wollen es allen recht machen

Eins Ihrer Ziele wird vermutlich sein, dass Sie eine "gute" Führungskraft werden wollen. Das heißt übrigens nicht, dass Sie immer der "nette" Chef und "everybody's darling" sind. Zu einer guten Führungskraft gehört es auch, unbequeme Entscheidungen zu treffen und unangenehme Dinge anzusprechen. In Ihrer neuen Rolle als Führungskraft sind Sie in der "Sandwichposition" und dem Druck von 2 Seiten ausgesetzt: von oben durch Ihren Vorgesetzten und von unten durch Ihre Mitarbeiter - ähnlich wie die Füllung von einem Sandwich von beiden Seiten durch Toastscheiben bedrängt wird. Auf den ersten Blick ist dieses Bild eher unangenehm: es besteht die Gefahr, dass Sie erdrückt werden. Insbesondere dann, wenn Sie es allen Recht machen wollen. Haben Sie das Bild der Sandwichposition schon mal von einem anderen Blickwinkel betrachtet? Die Füllung des Sandwichs gibt ihm den Geschmack, sie ist der beste Teil des Ganzen. Allerdings nur dann, wenn Platz für eine leckere Füllung vorhanden ist. Was heißt das für Ihre Aufgabe als Führungskraft? Für eine gute Arbeit braucht es das Zusammenspiel aller 3 Ebenen: Ihres Vorgesetzten, Ihrer Mitarbeiter und von Ihnen in der Mitte. Zu viel Druck nützt niemandem. Es ist von daher wichtig, dass Sie Ihren Teil zu einer konstruktiven Zusammenarbeit beitragen. D.h. dass Sie alle wichtigen Informationen in beide Richtungen vermitteln, mit diplomatischem Geschick vorgehen, sich authentisch verhalten, Ihre Pläne transparent machen und glaubwürdig sind.

BusinessVillage, 28.07.2005

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