Zahlungsabwicklung im E-Commerce
Die Wahl der Zahlungsart spielt aus Sicht der Unternehmen bei der
Optimierung der Zahlungsabwicklung eine besondere Rolle. Die
Zahlungsart ist die konkrete Ausgestaltung des Ablaufes des
eigentlichen Geldtansfers und ist eng verknüpft mit dem gesamten
Prozess der Zahlungsabwicklung. Je nach Zahlungsart müssen bestimmte
Prozessbestandteile bei der Zahlungsabwicklung genutzt werden oder
können bei Zahlungen mit dieser Zahlungsart entfallen. Die daraus
resultierenden Auswirkungen auf die Kosten des gesamten Prozesses der
Zahlungsabwicklung werden den befragten Unternehmen durch die Angabe
der "Einführung neuer Zahlungsarten" als eine der wichtigsten
Maßnahmen zur Senkung der Gesamtkosten der Zahlungsabwicklung
bestätigt.
Dieses Kapitel stellt daher die aktuellen
Zahlungsarten für Macropayment und Micropayment dar und untersucht
auch die zu erwartende Entwicklung bei diesen Zahlungsarten. Weiterhin
wurden die Anforderungen der befragten E-Commerce Unternehmen an eine
Zahlungsart zusammengestellt, um anschließend eine Bewertung aus Sicht
der Unternehmen vorzunehmen.
Wie schon im letzten Kapitel bei
den Prozessbestandteilen stellen wir wiederum alle relevanten, derzeit
in den befragten E-Commerce Unternehmen praktizierten Zahlungsarten
gegenüber, um möglichst alle Entwicklungspotenziale identifizieren und
bewerten zu können.
Aktuelle Macropayment- und Micropayment-
Zahlungsarten
Nachfolgend ist der heutige und künftige Anteil
der befragten E-Commerce Unternehmen dargestellt, die eine bestimmte
Zahlungsart bei ihrer Zahlungsabwicklung einsetzen. Diese Darstellung
verdeutlicht dem Leser die vergangenen und gegenwärtigen
Entscheidungen der befragten Unternehmen für oder gegen eine bestimmte
Zahlungsart. In Abbildung 23 sind die heutigen und künftigen
Macropayment-Zahlungsarten, in Abbildung 24 die Micropayment-
Zahlungsarten aufgeführt. Unter Micropayment wird in dieser Studie
eine Zahlungsart verstanden, die für den Transfer von Klein- und
Kleinstbeträgen, z.B. bis 5 EUR, unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten geeignet ist. Als Macropayment werden dementsprechend
alle übrigen Zahlungsarten bezeichnet. Je niedriger der Zahlungsbetrag
ist, umso unwirtschaftlicher wird in der Regel das Verhältnis zwischen
den Kosten der Transaktion und dem erzielten Umsatz mit dieser
Transaktion. Insbesondere bei Macropayment-Zahlungsarten beinhalten
die Kosten des Geldtransfers von einem Kundenkonto bankbedingt fast
immer fixe Komponenten pro einzelner Transaktion. Eine Micropayment-
Zahlungsart bündelt daher üblicherweise mehrere Zahlungsbeträge,
umgeht die Bankkosten oder senkt die Kosten pro Transaktion auf eine
andere Art.
Abbildung 24
Als die am häufigsten von den befragten Unternehmen eingesetzte
Macropayment-Zahlungsart ist in Abbildung 23 die Rechnung mit einem
Anteil von knapp 70 Prozent zu erkennen. Obwohl die Rechnung wegen des
hohen manuellen Anteils und der möglichen Zahlungsausfälle eine der
höchsten Gesamtkosten der Zahlungsabwicklung pro Transaktion
verursacht, ist sie gleichfalls die von den Kunden am ehesten
akzeptierte Zahlungsart. Maßnahmen, die die Nutzung anderer
Zahlungsarten durch den Kunden zum Ziel haben, dürften sich daher für
fast alle befragten Unternehmen lohnen. Interessanterweise kommt nach
der Rechnung die Kreditkarte mit 57 Prozent der Unternehmen noch vor
der Nachnahme und der Lastschrift mit jeweils 52 Prozent sowie der
Überweisung/Vorkasse mit 50 Prozent der befragten Unternehmen.
Interessant deshalb, weil die Kreditkarte als Zahlungsart in der
Kundenpräferenz weit hinter der Nachnahme liegt. Unterstellt man
wieder das zuvor ermittelte Hauptmotiv "Reduktion der
Transaktionskosten" ist dies aus der Sicht der Unternehmen mit den
hohen Nachnahme-Kosten der Paketzusteller zu erklären. Die regulären
Nachnahmegebühren z.B. der Deutschen Post liegen zurzeit mit insgesamt
etwa 5 EUR pro Transaktion erheblich über den Kosten der Kreditkarten-
Zahlung, selbst wenn man eine durchschnittliche Transaktionshöhe von
100 EUR annimmt. Die hohen Kosten erklären auch die geringste künftige
Zunahme der Nutzung der Nachnahme von den befragten Unternehmen.
Weitere Zahlungsarten wie Online-Überweisung, Kreditkarten mit
Authentifizierung oder Online-Kredite bzw. Online-Leasing werden heute
von weniger als 15 Prozent der befragten Unternehmen eingesetzt, haben
aber im Vergleich zu den anderen Zahlungsarten große
Wachstumsaussichten. Der größte Zuwachs ist bei der Online-Überweisung
zu erwarten. Bei der Online-Überweisung nutzt der Kunde das
vorausgefüllte Überweisungsformular des Onlinebanking-Moduls seiner
eigenen Bank. Da der Kunde eine Überweisung nicht rückgängig machen
kann sinkt das Zahlungsausfallrisiko erheblich. Innerhalb von 12
Monaten werden bereits 35 Prozent der befragten Unternehmen diese
Zahlungsart einsetzen. Das wäre ein Wachstum von mehr als 100 Prozent.
Ein vergleichbar großes Wachstum ist bei den Kreditkarten mit
Authentifizierung zu erwarten. Bei dieser Zahlungsart bestätigt der
Kunde die Zahlung nochmals mit einer persönlichen PIN-Nummer. Da das
Betrugsrisiko mit diesem Verfahren erheblich sinkt, übernehmen bei
diesem Verfahren z.B. bei "verified by VISA" die herausgebenden Banken
unter bestimmten Voraussetzungen das Zahlungsausfallrisiko. Etwa 30
Prozent der befragten Unternehmen wollen diese Zahlungsart innerhalb
von 12 Monaten integrieren. Trotz der bereits hohen Verbreitung der
Lastschrift wird auch diese Zahlungsart künftig noch öfter von den
befragten Unternehmen integriert und dann die zweithäufigste
Zahlungsart sein. Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen werden
die Zahlungsart Lastschrift innerhalb der nächsten 12 Monate in ihre
Zahlungsabwicklung integrieren. Andere als die in der Abbildung 23
dargestellten Macropayment Zahlungsarten dürften auch in naher Zukunft
keine nennenswerte Rolle spielen.
stellt die wichtigsten Anforderungen aller befragten Unternehmen an
eine Zahlungsart dar. Hierfür wurde der Durchschnitt der Angaben pro
Anforderung auf einer Skala von 1 - "sehr wichtig" bis 6 - "unwichtig"
gebildet. Die wichtigste Anforderung aus Sicht der befragen
Unternehmen ist der "Schutz vor dem Missbrauch der
Zahlungsinformationen".
Abbildung 25
Die am stärksten wachsenden Macropayment-
Zahlungsarten "Online-Überweisung" und "Kreditkarte mit
Authentifizierung" (vgl. Abbildung 23) erfüllen diese Anforderung
offenbar besser als die anderen Zahlungsarten. Weitere wichtige
Anforderungen sind das "Vertrauen in den Abwickler der Zahlung" eine
"hohe Verbreitung der Zahlungsart unter den Nutzern". Gemessen an
diesen drei wichtigsten Anforderungen ergibt sich, dass die
Zahlungsarten bekannter Dienstleister bzw. bekannter Marken bei den
befragten E-Commerce Unternehmen die besten Chancen auf Integration in
deren Zahlungsabwicklung haben. Auch der empfundene Schutz der
Zahlungsinformationen ist am ehesten bei einem vertrauten Anbieter
oder vertrautem Verfahren gegeben. Die Zahlungsarten bekannter
Dienstleister und die Zahlungsarten, die auf einfache und vertraute
Verfahren setzen, haben damit die besten Voraussetzungen für eine
häufigere Integration bei den Unternehmen. Diese Anforderungen sind
offensichtlich wichtiger als funktionelle Anforderungen.
Es folgen "Nachvollziehbarkeit des Transaktionsablaufes" und die
"Usability des Zahlungsablaufes". Die "Nachvollziehbarkeit des
Transaktionsablaufes" ist für das E-Commerce Unternehmen besonders für
die Kommunikation mit dem Käufer wichtig. Idealerweise sollten die
Informationen über den Status aller bislang durchgeführten
Teilschritte in einem CRM-System vorliegen, um dem Käufer jederzeit
bestmögliche Transparenz des Zahlungsablaufs zu demonstrieren. Die
Verfügbarkeit solcher Informationen stärkt das Vertrauen des Käufers
gegenüber dem E-Commerce Unternehmen und dessen Zahlungsabwicklung.
Unter "Usability des Zahlungsablaufs" ist die Einfachheit und
Verständlichkeit der Kommunikations-Schnittstellen zwischen Verkäufer
und Käufer, zwischen Zahlungsabwickler und Käufer und auch zwischen
Verkäufer und Zahlungsabwickler bei der Abwicklung einer Zahlung zu
verstehen. Das können Web-Oberflächen, Telefon-Gespräche,
Softwaremodule usw. sein.
Die "Möglichkeit von Rückzahlungen"
ist zum Beispiel bei einer Abrechnung mittels Kreditkarte problemlos
möglich. Für den Verkauf von Waren mit Lieferfristen ist ein
"bestimmbarer Zeitpunkt der Abbuchung" des Zahlbetrages vom
Kundenkonto eine wichtige Anforderung. Im Vergleich zu anderen
Anforderungen sind diese jedoch weniger wichtig.