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14.05.2009

Yes, we can: Der Glaube an uns selbst

von Michael Blochberger

Barack Obama ist das Paradebeispiel eines Visionärs. Mit seinen Ideen, seinen Ansprachen begeistert er Millionen von Menschen. Er ist zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, weil er unzählige Anhänger mobilisieren konnte. Weil er mehr Spendengelder sammeln konnte als irgend jemand zuvor. Aber dahinter steckt die Fähigkeit, den Menschen etwas zu geben, wonach sich die meisten von uns nur sehnen: Der Glaube an sich selbst und eine Vision. Was Obama kann, können wir auch, nur stehen wir uns dabei meist selbst im Weg.

Nur eine kleine Minderheit von vielleicht 5% der Bevölkerung hat es gelernt, sich eigene Ziele zu setzen und diese aus Eigeninitiative heraus zu realisieren. Die absolute Mehrheit ist es gewohnt, sich Ziele vorsetzen zu lassen und diese mehr oder weniger engagiert zu verfolgen. Viele Menschen haben eine regelrechte Angst davor, eigene Vorstellungen zu formulieren und daraus Handlungen abzuleiten. Lieber übernehmen sie die Ziele und Wünsche anderer und wundern sich dann, dass sie damit weniger erfolgreich sind als die kopierten Originale.

Die Hauptursache für dieses unselige Verhalten liegt für mich in dem mangelnden Selbstbewusstsein vieler Menschen. Wir alle haben uns in der Kindheit als schwach und hilflos erleben müssen. "Das kannst du nicht!" "Dafür bist du zu klein!" "Das ist nichts für dich!" "Lass das lieber!" Solche und ähnliche Aussagen haben unser Unterbewusstsein programmiert und diese frühkindlichen Programme arbeiten in uns heute noch, obwohl unserem Verstand doch klar ist, dass sie längst überholt sind.

Später in der Schule wurden wir darauf getrimmt, uns einer Norm anzupassen. Uns wurde vorgegeben, was wir zu lernen haben und was nicht, unabhängig davon ob es uns interessiert und ob es unserem Wesen entspricht. Wenn wir uns dagegen gewehrt haben, wurden wir bestraft. Wer der Norm nicht entsprechen konnte, wurde für den erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben benachteiligt. Das ganze System schafft ein Heer angepasster Menschen, die gelernt haben, dass der eigene individuelle Impuls in der Regel nicht erwünscht ist.

So nährt unser Unterbewusstsein und langjährige destruktive Erfahrungen den ständigen Zweifel an uns selbst, die alten Glaubenssätze werden zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Das in uns angelegte Bedürfnis, einen eigenen Weg zu gehen, wird im Keim erstickt. Oder wir verfolgen einen Weg und müssen irgendwann feststellen, dass es nicht der richtige war, sondern ein falsches Ideal, ein Trugbild.

Auch ich habe lange Jahre berufliche Ziele verfolgt, von denen ich glaubte, dass sie meinem Wesen und meinen Fähigkeiten entsprächen. Solange ich damit finanziell erfolgreich war, konnte ich mir das auch einreden. Erst viel später bemerkte ich, dass ich in diesem Beruf nie einen tieferen Sinn und meine Erfüllung finden würde. Zu zynisch ging man in dieser Branche mit den Menschen um. Zu lange hatte ich mir eingeredet, dass ich mit der menschenverachtenden Kälte leben könnte. Irrtum.

Ich hatte gelernt, der Kraft meiner Gedanken zu vertrauen. Ich hatte erfahren, dass alles möglich ist, solange ich mich auf ein mir wichtiges Ziel konzentrieren und einen Wert in meiner Arbeit sehen kann. Aber ich war mir bis dahin noch nicht meines persönlichen Wertes bewusst. Und ohne zu wissen, was mein Ich wirklich wollte, ohne zu wissen, wer ich wirklich war, drohte ich an der Arbeit auszubrennen.

So führte mich mein Wunsch nach Menschlichkeit und Vertrauen, meine tiefe Sehnsucht nach mir selbst, zu einer mehrjährigen psychologischen Zusatzausbildung. Erst durch diese Ausbildung zum Trainer und Coach habe ich den Glauben an mich selbst gefunden. Im Beruf des Persönlichkeitstrainers konnte ich endlich meine großen Erfahrungsschatz mit meinen kommunikativen Fähigkeiten, meiner Emotionalität und meinen humanistischen Wertevorstellungen verbinden.

In den Jahren zuvor hatte ich mir die Sehnsucht der Menschen nach Anerkennung und Verständnis zunutze gemacht – jetzt konnte ich diese Sehnsüchte auf ehrliche Weise erfüllen helfen. Jahrelang hatte mich die unglaubliche Kraft der Emotionen fasziniert und ich hatte sie missbraucht, um Menschen zu manipulieren, jetzt durfte ich den Menschen vermitteln, selbst- und verantwortungsbewusst mit ihren Gefühlen und den Gefühlen anderer umzugehen.

Und heute spüre ich, weil ich in dieser Arbeit zu mir selbst finde, kann ich auch andere inspirieren, ein Stück mehr an sich selbst zu glauben. Ist das ein Zeichen von Selbstbewusstsein? Vielleicht. Sicher ist: Wenn du zu dir selbst und deiner Mitte gekommen bist, dann kennst du deine Ziele. Du hast ein klares Bild, wofür du lebst und wofür du zu kämpfen bereit bist. Und alles andere ist plötzlich nebensächlich.

Dann spürst du diese Kraftquelle in dir, diese positive Energie, die du plötzlich ausstrahlst. Von dieser Energie hast du so viel, dass du gerne davon abgibst. Nicht nur du profitierst davon, auch deine Mitmenschen. Du gibst einigen die Hoffnung, etwas verändern zu können, an sich und ihren Lebensumständen. Und wenn sie sich darin wiederfinden, können sie diese Kraft verstärken. Jeder kann Vorbild sein, wenn er an sich glaubt. Auch du. Yes we can.

Der Autor

Michael Blochberger ist Gründer des Institutes für Corporate Identity & Teamentwicklung (CIT). www.cit-consult.de



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