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Wie unsere Vollkaskomentalität zur Chancenvermeidung führt

Tilo Staudenrausch

14.12.2017 ·  Wir Deutschen lieben das Netz mit doppeltem Boden ... No risk – no fun liegt uns fern. Wir lieben einfach die Sicherheit. Und gerade in den Etagen der Verbohrten (Chefetagen) ist diese Mentalität besonders ausgeprägt und färbt nach unten ab. Doch wer immer auf Nummer sicher geht, vergibt auch Chancen.

Tilo Staudenrausch

Tilo Staudenrausch ist Denkagent und Professor für Unternehmenskommunikation. Kreativität ist Handlungsorientierung und Grundvoraussetzung für den Designer und Unternehmer. Seine süddeutsche Heimat ist geprägt von Unternehmen, die dem wachsenden Druck sich verändernder Märkte ausgesetzt sind. Seit über 25 Jahren begleitet er Führungskräfte unterschiedlichster Branchen. Auch in seinen Key-Notes zeigt der Rockabilly-Prof, wie sich aus scheinbar unvereinbaren Versatzstücken neue innovative Ideen umsetzen lassen. » http://www.tilostaudenrausch.de

Leider fühlen wir uns nur wohl mit Netz und doppeltem Boden. Insbesondere in den Branchen und Etagen der Verbohrten ist es so. Gleichzeitig finden sich dort auch häufig die Bedenkenträger. Der Grund hierfür liegt nicht im mangelnden Verständnis oder der Akzeptanz für eine Sache. Welches Risiko kann ich und will ich persönlich eingehen ? Alles ist heute über KPI, Rentabilität, Effizienz und Absicherungen so gesteuert, dass der Einzelne kaum noch Möglichkeiten zu individuellen Entscheidungen hat. Das ist eine grundsätzliche Frage der Werte von Unternehmen oder Konzernen. Wenn diese durch ihre Strukturen nicht zulassen, dass Fehler passieren könnten, dann setzt die persönliche Angst ein. Damit sind die Fehler gemeint, die Chancen bergen. Der Einzelne befürchtet, seine Provision zu verlieren, Gehaltskürzungen oder den Verlust der Hierarchieebene. Davor haben Menschen Angst. Insbesondere wenn das infrastrukturelle Umfeld diese Angst noch schürt. In der Folge begeben sich die Menschen auf die sichere Seite, machen Dienst nach Vorschrift, beziehen sich auf die Vorgaben, sagen: »Das steht so in Basel IV.« Sie wissen dadurch genau, was sie tun dürfen und was nicht. Somit ist, besonders in größeren Unternehmensstrukturen, kaum noch jemand bereit, ein Risiko einzugehen. Das schaffen dann nur noch sehr toughe Lenker und Entscheider.

Dass es heute den 911er-Porsche noch gibt, verdanken wir einer Entscheidung von Wendelin Wiedeking, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Porsche AG. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dieses Markensymbol abzuschaffen, zu ersetzen. Das war, was die Zahlen sagten. Das Produkt ist nicht mehr rentabel, also kommt es weg. Eines haben die Manager und Controller aber durchweg übersehen: Manche Einzelprodukte haben eine solche Strahlkraft für die Marke, dass die Argumente dafür nicht auf der Zahlenebene zu finden sind. Nur der beherzten und persönlichen Intervention von Wiedeking ist es zu verdanken, dass Porsche heute noch da steht, wo es steht. – Nämlich als Tochter von VW. Selbstüberschätzung ist dann wieder ein anderes Thema.

Vollkaskomentalität existiert auf allen Ebenen, vom Management bis in die unteren Führungsetagen, wobei man einschränkend betonen muss, je höher im Management, umso höher müsste eigentlich die Risikofreude sein. Aber umso weniger finden wir diese in der Realität. Das hängt natürlich häufig mit der Tatsache zusammen, dass Manager in ihrem Selbstverständnis Verwalter sind und keine Unternehmer. Auch hier herrscht die Angst vor. Die Angst, zu versagen, Fehler zu machen, das Gesicht zu verlieren. Dabei reden wir noch gar nicht davon, die Firma an die Wand zu fahren.

So entsteht aus der Summe von Risikovermeidungsstrategien das Paradoxon, dass das Risiko tatsächlich entsteht, da Dinge passieren, die man vorher noch nicht geplant hatte. Und auch gar nicht planen konnte.

 

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