Vielerlei statt Einheitsbrei BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Vielerlei statt Einheitsbrei

Anja Niekerken

14.06.2018 ·  Viele Menschen sind der Meinung, dass es nur einen richtigen Weg zum Ziel gibt. Und wer nicht dieser einen Meinung ist, der liegt selbstverständlich falsch. Eine Illusion, der sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte gleichermaßen aufsitzen. Und viele Menschen fühlen sich, wenn ihren Vorstellungen nicht gefolgt wird, persönlich angegriffen oder sind sichtlich gekränkt. Ein Grund, warum so viele Arbeitnehmer – egal aus welcher Arbeitsetage – Montags häufig kotzen müssen.

Anja Niekerken

Anja Niekerken ist überzeugte Konstruktivistin und bodenständige Realistin in einem. Als ehemalige Führungskraft und Geschäftsführerin im Krisenmanagement der Finanzdienstleistung weiß sie, wovon sie spricht und warum sie Themen wie Führung und Selbstführung immer wieder neu denkt. Einfache Schwarz-weiß-Lösungen haben dabei keinen Platz. In ihren Vorträgen und Trainings hält sie ihr Publikum und ihre Teilnehmer immer wieder dazu an, Verantwortung für das eigene Denken zu übernehmen. »  » http://https://www.anja-niekerken.de/

Natürlich bilden wir uns unsere Meinung nicht einfach so. Wir sind ja schließlich extrem differenziert. Wir sind gebildet und wir bilden uns ständig weiter. Außerdem sind wir natürlich offen für andere Meinungen und hören uns diese auch immer an, um unsere eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen. Oder? Eben nicht.

Differenzierte Meinungsbildung ist vor allem eines: undifferenziert

Um den Holzweg auf dem wir uns in der Regel befinden vollständig erkennen zu können, gehen wir zunächst einmal ganz an den Anfang einer Meinung bzw. Einer Entscheidungsfindung. Dorthin, wo alles beginnt: zur Wahrnehmung. Alles was wir in unserem Kopf so drin haben ist zu irgendeinem Zeitpunkt über die fünf Sinne dort hinein gekommen. Wir erleben unsere Welt ausschließlich über unsere Sinne: sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Und genau aus diesen Sinneserlebnis-sen entstehen die Bilder und Erinnerungen in unserem Kopf. Soweit so klar. In einigen Lerntheorien und auch in der Neurolinguistischen Programmierung wird davon ausgegangen, dass Menschen unterschiedliche Wahrnehmungskanäle bevorzugen. So kann jemand eher visuell geprägt sein, ein anderer hört wesentlich besser, weil er ein akustischer Typ ist. Grundsätzlich besteht also die Mög-lichkeit, dass allein durch die unterschiedlich genutzten Sinneskanäle schon Wahrnehmungsdiffe-renzen bestehen … Noch einen Schritt weiter bedeutet das ggf. auch, dass wir tatsächlich die be-rühmten Äpfel mit Birnen vergleichen, da wir uns von Anfang an nicht auf der gleichen Basis austau-schen. Es geht allerdings noch weiter, denn wir Menschen geben unseren Erlebnissen erst ihren individuellen Sinn. Klingt komisch?

Ob „sinnvoll" oder „sinnlos", ist eine individuelle Entscheidung

Hier ein Beispiel. Über Ihre Sinne gelangen folgende Informationen in Ihren Verstand: Sie sehen vor sich ein rundes Objekt. Es hat ist so groß, dass Sie es nicht bzw. nur schwer mit einer Hand auf-nehmen und halten kannst. Aber es ist so leicht, dass Sie das Gewicht mit einer Hand halten könn-ten. Das Objekt ist rot und hat eine leicht klebrige Oberfläche. Es hat keinen Geruch der in der Natur vorkommt. Wenn Sie es mit beiden Händen zusammendrücken, dann gibt es ganz leicht nach. Mit einem kleinen Stuppser setzt es sich in Bewegung und rollt. Es lässt sich aber auch ganz leicht wie-der stoppen. Na, haben Sie es erkannt? Genau, es ist ein roter Gummiball. Über unsere Sinne be-kommt unser Verstand jede Menge Informationen, diese werden von unserem Verstand dann zu-sammengesetzt. Dies ist der Prozess: Identifizieren und einordnen. Es geht aber noch weiter, denn es folgt ein weiterer Prozess: Erkennen und bewerten. Dieser Prozess entscheidet was ich persön-lich mit der Situation oder – wie bei unserem roten Gummiball – mit dem Objekt anfange. Unser klei-ner Nachbarsjunge nimmt den Ball Vollspann und zimmert ihn direkt rüber in seinen Garten. Mein Sohn schaut das Ding an und geht dran vorbei. Zwei vollkommen unterschiedliche Reaktionen auf ein und dasselbe Objekt. Warum fängt der eine an mit dem Ball zu spielen und der andere würdigt ihn keines Blickes? Weil unsere Reaktion immer etwas mit unseren Erfahrungen zu tun hat. Der eine hat gute Erfahrungen mit dem Ballspiel, der andere nicht. Und so laufen unsere Reaktionen nicht nur bei einem einfachen, roten Gummiball ab. Genauso verhält es sich auch in komplexen Situationen. Und so bilden wir auch unsere Meinung: vor dem Hintergrund unserer individuellen Erfahrungen. Natürlich bilden wir uns unsere Meinung nicht einfach so. Wir sind ja schließlich extrem differenziert. Wir sind gebildet und wir bilden uns ständig weiter. Außerdem sind wir natürlich offen für andere Meinungen und hören uns diese auch immer an, um unsere eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen. Oder? Im Gegenteil.

Führung erfordert Offenheit. Leider sind wir es grundsätzlich nicht …

Das dem nicht so ist, kann jeder für sich ganz leicht überprüfen. Und zwar anhand seiner politischen Mei-nung. Beispielsweise am Thema „bedingunsloses Grundeinkommen“ oder dem Dieselfahrverbot. Dazu hat jeder eine Meinung. Und das zu recht. Die Aufgabe: sich für die gegenteilige Meinung zu öffnen. Sie nicht nur anzuhören, sondern auch den dazugehörigen Argumenten auf den Grund zu gehen. Genauso, als wäre es die eigene Meinung. Studien die die gegenteilige Meinung unterstützen zu lesen und in dieser Richtung weiter zu forschen … Das ist Offenheit. Dabei wird ganz schnell deutlich: wir sind nicht offen. Im Gegen-teil! Als Führungskraft muss mir das unbedingt klar sein, denn es geht gerade bei Führungsthemen nicht um die eigene Meinung. Ihre Lösung bzw. Ihre Meinung ist nicht in jeder Situation immer die Beste und vor allem nicht die einzig Richtige. Jede Meinung hat ihre Berechtigung und will zunächst einmal aner-kannt und gewürdigt werden. Wer es schafft, sich das immer wieder klar zu machen, hat einen großen Schritt zur echten Offenheit getan. Und echte Offenheit ist für eine gute Führungskraft unerlässlich.

Wer selbst gegen die eigene Montagsübelkeit kämpft oder gegen die seiner Mitarbeiter sollte sich eines ganz klar vor Augen führen: Alles was wir denk und fühlen hat in erster Linie nichts mit den Geschehnis-sen im Außen zu tun, sondern mit unseren Erwartungen, Wünschen, Ansprüchen und Erfahrungen. Dies zu beherzigen und den eigenen Erfahrungsschatz in diesem Sinne weiter auszubauen bekämpft nicht die Symptome, sondern die Ursache der Montagsübelkeit.

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