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21.08.2008

Unkultur des Scheiterns - Fehler machen erlaubt?!

von Anke Patt, Dr. Irmtraud Tarr

Haben Sie schon einmal eine Prüfung verhauen, sich erfolglos beworben, eine Arbeitstelle verloren? Wurde schon einmal einer Ihrer Vorschläge oder eine Idee voller Herzblut abgelehnt? Sind Sie schon mal bei anderen abgeblitzt? Erleben Sie sich manchmal als Versager, obwohl andere Ihnen alles zu trauen? Nur wenige Menschen würden an dieser Stelle, Hand auf’s Herz vorausgesetzt, mit „Nein“ antworten. Hinfallen gehört zum Leben. Manchmal tut das sehr weh. Scheitern, ganz gleich ob schuldhaft oder schuldlos, ist ein Stück weit der Endpunkt von etwas: einem Traum, einem Lebenskonzept, einer Hoffnung. Man hat es nicht geschafft. Darüber spricht niemand gerne. Lieber schauen wir auf die anderen, tragischen Helden. Das beschwichtigt zumindest die eigene Angst. Dabei ist es manchmal wichtig, an die eigenen Grenzen zu stoßen, um sie neu zu entdecken und zu definieren. Voraussetzung dafür: wieder aufstehen, den Neuanfang wagen. In „Batman begins“ bringt es Butler Alfred treffend auf den Punkt: „Why do we fall Master Bruce? So we can learn to pick ourselves up again.” Wie Petra und Sebastian Bauer.

„Noch zwei Jahre, dann ist es vorbei“, Petra Bauer atmet bei dem Gedanken daran fast erleichtert auf. Zwei Jahre sind eine überschaubare Zeit, zwei Jahre, bis ihr Mann und sie aus der Privatinsolvenz raus sind. Der optimistische Blick in die Zukunft entbehrt jedoch nie der Rückschau, denn das bedeutet auch, sich das Scheitern eines Traums einzugestehen. Schon bei ihrer Hochzeit war der Hotelfachfrau Petra Heidemann und dem Koch Sebastian Bauer klar, dass sie beruflich einmal gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen. Und nur zwei Jahre später war es soweit: die Vision vom eigenen kleinen Restaurant sollte Wirklichkeit werden. Die besondere Idee: ein kleines, feines Fischrestaurant in Kombination mit dem Verkauf von Fisch und Meeresspezialitäten. Sehr persönlich sollte es sein, ausgefallen, mit der Zubereitung direkt aus der Theke heraus. Schon bald war der passende Ort gefunden, ein kleines Lokal mit großen Fensterflächen sollte zum Feinkostkauf und Genießen einladen, mitten im alten Kern einer westfälischen Kleinstadt. Stemmen wollten die beiden das Geschäft alleine, mit nur einer Aushilfskraft. Bauen konnten sie auf ihre langjährige Erfahrung, ihre Stimmigkeit im Team und ihr unermüdliches Engagement. Das Paar war voll entbrannt und machte sich voller Tatendrang auf die Suche nach Investoren. Die regionalen Wirtschaftsprüfer waren begeistert, entwickelten sogar die Idee eines Filialsystems in anderen Städten. Auch die Bank gab grünes Licht. Und die Familie stellte sich voll hinter die beiden. Jetzt ging es konkret ans Werk. Der ehemalige Schmuckladen musste komplett renoviert und mit Profiküche und Toiletten gastronomietauglich gemacht werden. Acht Wochen werkelte die gesamte Familie und alles was im Freundeskreis zur Verfügung stand mit Pinseln und Händen, um eine behagliche Genießeratmosphäre zu schaffen.

Von Hundert auf Null

Startschuss war kurz vor Weihnachten 1998, am Geburtstag von Sebastian Bauer. Zum Eröffnungstag wurden die örtlichen Geschäftsleute, Lieferanten, Freunde und natürlich die Familie eingeladen. Die Jahreszeit entpuppte sich als Glücksgriff, ein im wahrsten Sinne des Wortes köstlicher Start gelang. Das Misch-Konzept ging auf: das Restaurant war aufgrund der nur 24 Sitzplätze stets gut besucht, die beiden Inhaber waren täglich vor Ort, sprachen hinter der Theke und im Gastraum persönliche Empfehlungen aus. Der gastronomische Coup war gelungen, das Restaurant schrieb dauerhaft schwarze Zahlen. Bis zur Euroumstellung 2002. „Das hat uns das Genick gebrochen“, erzählt Petra Bauer. Die Fischpreise stiegen fast ums Doppelte und auch andere Ausgaben wuchsen. Diese Belastungen ließen sich jedoch nicht eins zu eins auf die Preise umlegen. Das Gefüge fiel auseinander. 2003 konnten sie gerade noch die Mietkosten erwirtschaften – und zogen die Reißleine, auch um das Haus von Petra Bauer’s Eltern nicht zu gefährden, das mit einer Bürgschaft belastet war. Gemeinsam mit Petra Bauer’s Bruder, einem selbstständigen Unternehmer, und der Schwägerin, die als Buchhalterin zu Rate gezogen wurde, kam man zu der endgültigen Entscheidung, Insolvenz anzumelden. Petra Bauer: „Man kommt sich vor wie ein Versager. Nicht nur weil der Traum geplatzt ist, auch weil man Familie und Freunde enttäuscht, die mit uns so viel Hoffnung in die Idee gesetzt hatten. In dem Augenblick weiß man überhaupt nicht, wie das Leben jemals weitergehen soll.“ Die Gefühle beschreibt sie vielfältig: Angst, Wut, Traurigkeit, Ohnmacht und Ratlosigkeit. Und die eigene Identität wurde plötzlich in Frage gestellt.

"Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling."

Doch das Leben ging weiter. Nach dem ersten Schock und einer kurzen Phase des Trauerns wurde geistig aufgeräumt. Der Insolvenzverwalter stand bereits auf der Matte und wollte bis ins kleinste Detail Transparenz. Nun ging es darum, alles offen zu legen und zu Geld zu machen, um die Verpflichtungen zu tilgen. Petra Bauer: „Wir wurden sofort zu 100 Prozent auf den Boden der Tatsachen geholt.“ Durch den seinerzeit abgeschlossenen Ehevertrag und die Gewerbeanmeldung auf den Ehemann, blieb zumindest Petra Bauer ein bisschen finanzielle Luft. Die beiden beschlossen, zunächst bei Petras Eltern einzuziehen. Auf längere Sicht war jedoch klar „Wir wollten aus der Gegend weg. In so einer kleinen Stadt bleibt doch immer ein Makel – auch wenn wir uns absolut nichts vorwerfen.“ Die Flucht nach vorne gelang. Im Stellenteil der Regionalzeitung einer weiter im Süden gelegenen Stadt entdeckten die beiden eine winzige Annonce: „Betriebsleiter für Restaurant gesucht“. Die Beschreibung passte genau auf das Duo. Sie bewarben sich – mit Erfolg. „Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag der Zusage. Wir waren mit der Familie auf einem Ausflug, da klingelte das Telefon… Der Tag war toll!“ strahlt die Hotelfachfrau noch heute.

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Petra Bauer und ihr Mann hatten Glück. Sie konnten nur wenige Wochen später neu durchstarten und fanden günstige Rahmenbedingungen vor: ein kleines Lokal mit besonderem Ambiente und angeschlossenem Biergarten, direkt am Rhein. Eine Wohnung war im gleichen Haus vorgesehen, dafür agierten die beiden rund um die Uhr. „Wir konnten fast so arbeiten, wie in der Selbstständigkeit und viele persönliche Dinge umsetzen“, erinnert sich die 38-Jährige. „Ich dachte, wir bleiben hier für immer.“ Nach fünf Jahren - und wenige Tagen nach diesem Gespräch - die erneute Hiobsbotschaft: Der Besitzer will umstrukturieren und das Ganze komplett neu vergeben, d.h. Entlassung. Petra Bauer und ihr Mann müssen wieder von neuem beginnen. Noch ist unklar, wo und wie. Trauer? Wut? „Die Unsicherheit macht uns große Sorge, auch wegen der finanziellen Belastungen aus der Insolvenz. Aber wir haben es einmal geschafft und wissen, es geht weiter, irgendwie – und man reift. Vielleicht kommt noch was Besseres, von dem wir bis jetzt gar nichts wissen.“ Petra Bauer sieht optimistisch in die Zukunft. Aktives Leben bedeute nun mal Risiko, wer nicht wage, könne auch nichts gewinnen, das wisse sie heute. „Wir haben damals alles versucht, immer vollen Einsatz gezeigt und einfach auch Pech gehabt. Man darf bloß nicht den Kopf hängen lassen und an sich selbst zweifeln.“ Krise also als Chance? Ja, auch weil die Familie sie stärke und an sie glaube – damals wie heute. Die Zwei-Jahre-Perspektive ist um eine Herausforderung reicher: „Dann werde ich zurückblicken und wissen, wir haben es - wieder - geschafft. Da bin ich ganz sicher.“

Scheitern, was heißt das eigentlich? Alles eine Frage der eigenen oder fremden Erwartungen? Warum ist es für uns – mental – scheinbar so wichtig, keine Fehler zu machen, obwohl wir alle schon aus ebensolchen lernen mussten – und durften? Wir fragen Dr. Irmtraud Tarr, Psychotherapeutin und Autorin des Buches „Das Donald Duck Prinzip“ nach den Hintergründen.

A. Patt: Frau Dr. Tarr, Ihr Buch hat den Untertitel „Scheitern als neue Chance“. Ja, Scheitern. Was heißt das eigentlich? Ab wann gilt man als gescheitert? Gibt es da in Deutschland andere Parameter als woanders?

Irmtraud Tarr: Scheitern, darüber redet niemand gern. Vor allem, wenn es um das eigene geht. Lieber belustigt man sich über den Pechvogel, den tragischen Helden, oder den, der sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Das beschwichtigt die eigene Angst vor dem Versagen. Aufschlussreich ist, dass es das Wort "scheitern" erst seit Luther im heutigen Sinn von: fehlschlagen, versagen, Schiffbruch erleiden gibt. Das Thema "Scheitern" ist mittlerweile medial sehr präsent. Man kann nicht mehr von einem Tabu sprechen. Das Scheitern ist näher an uns herangerückt, aber unsere Wahrnehmung des Phänomens ist immer noch negativ besetzt. In Deutschland hat man das Gefühl, nicht scheitern zu dürfen. Hingegen lautet beispielsweise in England das Motto: "Wenn es nicht gleich gelingt, versuche es immer wieder." Scheitern ist eine Grenzerfahrung, die sich anfühlt wie der Tod mitten im Leben. Ein Lebenskonzept ist kaputt, ein Ziel kann nicht erreicht werden. Das hinterlässt eine große Ohnmacht, weil wir mit unseren Grenzen konfrontiert werden.

A. Patt: Nehmen wir ein Beispiel: Wer schon einmal (schuldhaft oder nicht) arbeitslos war - heute ja durchaus keine Seltenheit mehr - spürt rasch, wie ungeduldig das persönliche Umfeld/die Gesellschaft wird, wenn man nicht binnen kurzer Zeit einen neuen Job vorweisen kann. Die Vorstellungen und Erwartungen, die dann von außen an uns heran getragen werden, entbehren häufig jeder Realität. Manchmal taucht sogar der alte Bibelspruch auf "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen". Ganz schnell plumpst man aus der Gesellschaft, die scheinbar nur auf "Mein Haus, mein Auto, meine Karriere, meine perfekte Familie" schielt. Und das Selbstbewusstsein ist im Keller. Manch einer traut sich gar nicht mehr vor die Tür. Aber kann man hier wirklich von Scheitern sprechen?

Irmtraud Tarr: Ich möchte "Scheitern" in zweifacher Weise verstanden wissen: als Kurzformel für konkrete Ereignisse, die allgemein als Niederlagen gelten (Kündigung, schwere Verluste, Scheidung); und zweitens im Sinn einer Bewertung, die man selbst Ereignissen beimisst, bis hin zur eigenen Erfahrung, eigenen Ansprüchen oder Erwartungen nicht gerecht zu werden. So unterschiedlich die Formen des Scheiterns verlaufen, sie haben alle eines gemeinsam: Es geht um Verlust an Selbstwertgefühl, Selbstachtung, Verlust an Beachtung und Ansehen oder Verlust an materiellen Dingen. Wer seine Arbeit verliert, erfährt Verluste auf allen drei Ebenen. Wer mit Geld spekuliert, wird eher auf der materiellen Ebene verlieren, wer einen Partner verliert, wird am meisten auf der emotionalen Ebene betroffen sein. Scheitern heißt, einen Verlust erleiden. Anders gesagt: Die Diskrepanz zwischen dem, was man erreichen wollte und als gelungenes Leben anstrebte, und dem, was man erreicht hat, wird als Scheitern wahrgenommen.

A. Patt:Menschen mit Patchwork-Lebensläufen werden ebenfalls schnell als wenig zielstrebig, engagiert und verantwortungsbewusst abgestempelt. Manches Mal war jedoch ein Umweg nötig - aus monetären oder persönlichen Gründen. Nicht selten muss man sich jedoch grenzenlos rechtfertigen. Oder beobachten Sie gerade im Berufsleben einen Wandel?

Irmtraud Tarr: Sicher hat man den Anderen etwas voraus, wenn man Umwege kennt. Ich sehe eine Tendenz, wonach die rechte Seite des Gehirns, die für Emotionen, Fantasien und Synthese zuständig ist, in Zukunft immer wichtig wird. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, für den sind komplexe, verschlungene Wege wichtig.

A. Patt: Partnerschaft im Eimer, arbeitslos, insolvent. Nicht immer erleben wir Halt in unserem persönlichen Netzwerk. Manchmal ziehen Freunde und Familie erstaunliche Bilanz - und Dinge aus dem Hut, über die sie sich ja immer schon gewundert haben. Ach so? Und wir stehen da wie die begossenen Pudel. Alles falsch gemacht?

Irmtraud Tarr: Man ist stark und schwach und hat zumindest etwas riskiert. Ich behaupte, wir brauchen das Scheitern für das Gelingen. Die Reaktion der Anderen reflektiert häufig eigene Ängste.

A. Patt: Können wir da überhaupt von einer "Kultur des Scheiterns" sprechen? Ab wann avanciert man aus einem Fehler - falscher Job, Partner, Geschäftsumfeld – zum Versager? Und warum gibt es scheinbar keine zweite Chance? Woraus soll der Mensch lernen, wenn Erfahrungen, die ja häufig auf Fehlern beruhen, nicht erlaubt sind?

Irmtraud Tarr: Wir leben in einer Kultur, in der die Angst herrscht. Angst ist ein sensibles Erkenntnis- und Wahrnehmungsorgan. Aber es gibt auch die Angst vor der Angst, die wiederum dumm macht. Ich glaube, dass wir in einer Kultur leben, die sehr hohe Ansprüche an den Einzelnen stellt. Wir leben in einer Erfolgsgesellschaft, in der Menschen scheitern, obwohl sie alles richtig gemacht haben, aus Mangel an Optionen und Verantwortlichkeiten. Wir bräuchten eine Kultur, die fehlerfreundlicher wäre. Sie wäre auch kreativer.

A. Patt Sie haben sowohl psychotherapeutischen, als auch multikulturellen Hintergrund. Was konnten Sie beobachten: individuell? In Deutschland? Global? Wie ist die Fehlerkultur in anderen Ländern?

Irmtraud Tarr: In der globalisierten Gesellschaft gibt es für jeden die Gelegenheit zu scheitern. Ich glaube, dass die Angst in den USA eher noch stärker ist als hier, weil sie weniger Alternativen zum Erfolgreichsein kennt. In Japan las ich an einer Bürotür: "Heute schon einen Fehler gemacht?". Das bedeutet, wer noch keinen Fehler gemacht hat, der hat noch nichts gewagt. Was ich im Ausland gelernt habe: die "Fehlerkultur" hängt mit dem Menschenbild zusammen.

A. Patt: Sie selbst sind Künstlerin. Auch hier hat man ja in Deutschland eine Meinung: erfolgreich = gefeiert=, erfolglos = typisch: brotlose Kunst - man sollte lieber etwas Vernünftiges lernen. Sie sind erfolgreich. Aber haben Sie auch Phasen erlebt, wo Sie mit Kritiken haderten?

Irmtraud Tarr: Solche Phasen hatte ich glücklicherweise nicht. Aber von Kritikern wirklich erkannt und verstanden zu werden, erlebe ich eher als Ausnahme. Viele Kritiken sagen mehr aus über den Kritiker, als über das Konzert.

A. Patt: Fehlst du; lass' dich nicht betrüben:
denn der Mangel führt zum Lieben;
kannst dich nicht von Fehl befrei'n;
wirst du anderen gern verzeihen.


Frei nach Goethe: Irren IST menschlich - und doch, auch wir selbst als fehlerhafte Wesen sind manches Mal ungnädig mit anderen. Warum?

Irmtraud Tarr: Der Andere ist immer auch - Ich. Wir behandeln andere letztlich wie uns selbst. Es ist kurzfristig selbstwertdienlich, wenn wir andere abwerten, aber schwer bearbeitbar. Die Erkenntnis: "Ich bin es!" lässt sich eher bearbeiten und führt weiter. Allerdings wir wissen alle, dass Selbsterkenntnis häufig auch "bad news" ist.

A. Patt: Perfektionismus, das ständige Erfüllen von eigenen und fremden Erwartungen, führt schnell an persönliche Grenzen. Und nicht umsonst heißt die "heimliche", weil tabuisierte Volkskrankheit "Burn out". Wo bleibt der Mensch, wenn unser Fehlerverständnis nur noch rational orientiert ist und die Seele ausklammert? Wer entscheidet über "richtig" und "falsch"? Und wohin führt unsere gesamtgesellschaftliche Entwicklung vor diesem Hintergrund? Stellen Sie eine Veränderung fest?

Irmtraud Tarr: Es ist noch nicht lange her, das man beim schulischen Lernen Fehler dämonisierte. Immerhin erkannte man, Schüler sind keine Null-Fehler-Automaten. Heute hat man eingesehen: Wer keine Fehler macht, kann auch nichts Neues lernen. Immerhin existiert so langsam die Einsicht, dass Fehler integraler Bestandteil schulischen Lernens sein können. Worauf es ankommt ist Fehlertoleranz. Wir können uns alle doch nicht vorstellen ohne dieses Element der Unvollkommenheit. Es gehört zu uns wie das Salz in der Suppe.

A. Patt: Sie haben ein Buch geschrieben "Das Donald Duck-Prinzip". Was war der Auslöser dafür? Worauf möchten Sie aufmerksam machen? In welche Richtung geht Ihr Apell?

Irmtraud Tarr: Ich schrieb das Buch, weil mich zunehmend störte, dass bei fast sämtlichen Büchern der Erfolg im Vordergrund steht. Das Scheitern gehört zu uns Menschen genauso dazu, aber leider reden wenige darüber, oder es wird bagatellisiert und getüncht. Jedes Leben kann gelingen oder nicht. Das Scheitern gehört zu jeder Biographie dazu, es ist nicht etwas, das zu vermeiden wäre. Es gibt in jedem Leben Situationen, wo es nicht zu vermeiden ist. Was also wäre ein Leben, das nicht durch Krankheit, Krise, Katastrophen, Zweifel und tastende Versuche errungen wurde? Was wäre sein Wert? Worin läge dann der Sieg? Wenn Erfolg und unerschütterliche Gesundheit das Einzige wären, dann wäre mit dem Verlust alles dahin. Entscheidend ist, ob wir den richtigen Gebrauch von Krisen machen. Wir können entdecken, dass es ein Recht gibt, weniger sein zu dürfen als bisher, um gerade dadurch mehr zu werden und innerlich zu wachsen.

Über unsere Expertin

Irmtraud Tarr, geb. 1950 in Lörrach/ Breisgau, studierte Musik und Theologie, bis 1984 arbeitete sie als Lehrerin. Parallel dazu machte sie die Ausbildung zur Konzertorganistin in Basel und Genf. Zusätzlich ließ sich Irmtraud Tarr zur Psychotherapeutin in Basel und Düsseldorf ausbilden. Heute arbeitet die Autorin in freier Praxis in Rheinfelden und ist international tätig als Konzertorganistin. Imtraud Tarr - polnische und tschechische Wurzeln, an der Schweizer Grenze aufgewachsen, mit einem Amerikaner verheiratet, zunächst wohnhaft Frankreich, dann USA-Aufenthalt und seit 1985 in Deutschland - beleuchtet ein modernes Tabu-Thema in ihrem Buch "Das Donald Duck Prinzip" individuell und vor globalem Hintergrund - und ermutigt, im Scheitern neue Lebensdimensionen zu entdecken.

Anke Patt, Kommunikationsgestalterin mit langjähriger Marketingerfahrung auf beiden Seiten des Schreibtischs, sieht in der Entwicklung eines authentischen und kundenorientierten Unternehmensleitbildes einen wesentlichen Aspekt ihrer Kommunikationskonzepte. Im Rahmen des Projektes GiT und der GiT-Gründer-Community drehen sich gerade daher viele Themen um Positionierung "mit dem Kunden im Visir".

Quelle: Gründen im Team



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