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13.06.2005

Typen von Software-Portalen

Ein Portal ist eine vernetzte, elektronische Plattform, welche ortsunabhängig einen zentralenZugang zu Ressourcen aus verschiedenen Quellen ermöglicht. Ein Portal bietet somit einen Überblick über die im jeweiligen Netzwerk verfügbaren Informationen und erlaubt den direkten Zugriff auf dieselben (vgl. RÜTSCHLIN 2001).

Der anzutreffende Service reicht je nach Einsatzfall von jedermann zugänglichen Internet-Portalen mit einem breiten Informationsangebot bis hin zu geschlossenen firmeninternen Plattformen, welche verschiedene Kommunikationskanäle, die synchrone und asynchrone Kommunikation erlauben, E-Collaboration-Umgebungen, welche elektronisch unterstützt, gemeinsames, verteiltes Arbeiten ermöglichen, Controlling- Instrumente und weitere Funktionalitäten, die für die tägliche Abwicklung von geschäftsrelevanten Vorgängen benötigt werden, bereitstellen.

Ein wesentliches Merkmal für Portal-Anwendungen stellt eine Personalisierungsfunktion dar, über welche z. B. Rechte und Profile der Nutzer verwaltet werden (vgl. BAUER 2001). Da aufgrund des bereits kurz angerissenen, breiten Anwendungsspektrums beinahe für jeden Anwendungsfall eine individuelle Lösung realisiert werden muss, erlebt die Klassifizierung von Portalen in letzter Zeit eine Flut von Definitionen. Die Vielzahl der dabei entstehenden Bezeichnun- gen von Portalen und Portal-Anwendungen sind meist nur noch schwer zu unterscheiden. Die nuancierten Unterscheidungen resultieren nicht aus der Abgrenzung und der Hervorhebung der Alleinstellungsmerkmale der Produkte der Softwarehersteller untereinander, sie sind vielmehr das Resultat des Versuchs einer Klassifizierung ähnlicher Produkte. Dies ist dadurch zu begründen, dass zur Klassifizierung von Portalen verschiedene Kriterien herangezogen werden können, welche miteinander vermischt eine große Menge an verschiedenen Definitionen zulässt.

Die zur Verfügung stehenden Kriterien sind dabei der Anwendungsfall, die Zielgruppe und die Funktionalität, welche erfüllt werden muss. Ein einfaches Anwendungsbeispiel zur Verdeutlichung der drei Kriterien ist z. B. die Information der Belegschaft eines Unternehmens über den Status der Lagerbestände über ein firmeninternes Portal, um rechtzeitig eine Nachbestellung knapp werdender Produktions-oder Verbrauchsgüter zu veranlassen. Hierbei ist der Anwendungsfall der Beschaffungsprozess, die Zielgruppe ist die Belegschaft und die hinterlegte Funktionalität ist der LAN-Zugriff auf ERP-Daten über eine geeignete Zugangssoftware, meist einen Web-Browser. Die drei Kriterien Anwendungsfall, Zielgruppe und Funktionalität bilden jeweils eine Achse eines Koordinatensystems. Die verschiedenen Anwendungsfälle, Zielgruppen und Funktionalitäten spannen innerhalb des Koordinatensystems einen Raum auf, in welchen sich ein dreidimensionales Klassifizierungssystem einbetten lässt. Die Achse Anwendungsfall spiegelt eine Anzahl von Prozessen wider, welche in die PortalAnwendung integriert werden oder wofür die Portal-Anwendung spezifiziert ist. Hier ist zwar keine unendliche, in jedem Fall aber eine mit steigender Funktionalität zunehmende Anzahl von Anwendungen möglich.

Werden die Zielgruppen von Portal-Anwendungen untersucht, so lässt sich mit hinreichender Schärfe zwischen vier verschiedenen Gruppen unterscheiden:

  • Private Nutzer ohne bestimmte Interessen, Gelegenheitsnutzer.
  • Kunden, gewerblich oder privat, eines Unter- nehmens oder einer Plattform, welche Pro- dukt-, Vertriebs-, Unternehmens-oder andere themenspezifische Informationen abschließend erhalten möchten. Diesen Nut- zern kann ein gemeinsames Interessensgebiet und ein gemeinsamer Informationsbedarf zugeordnet werden.
  • Mitarbeiter eines Unternehmens oder eines temporären Unternehmensverbundes, Zuliefe- rer, Service-oder Handelsorganisationen, welche geschäftsrelevante Prozesse über eine mittels Rollen und Rechten strukturierte und geordnete Plattform abwickeln möchten.
  • Nutzer, gewerblich oder privat, welche primär Transaktionen abwickeln möchten.

Entlang der Achse Funktionalität lässt sich keine abschließende Grenze des Klassifizierungsraums angeben, da mit dem Wunsch nach steigender Einbettung von elektronischen Geschäftsprozessen in die Unternehmensabläufe immer weitere Funktionalitäten, wie z. B. Collaborative Engineering Tools, entwickelt und in die bestehenden Portal-Architekturen modular integriert werden. Hier ist deshalb mit Sicherheit der größte Freiheitsgrad des Klassifizierungsraums angesiedelt. Werden die möglichen Zustände auf den dreiAchsen dieses Klassifizierungsraums betrachtet, wird deutlich, warum es zum einen so viele verschiedene Definitionen und Bezeichnungen von Portal-Anwendungen gibt und warum es zum anderen damit verbunden vergleichsweise schwierig ist, Definitionen und Bezeichnungen für einen objektiven Vergleich heranzuziehen. In der vorliegenden Studie wird, um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit zu gewährleisten, primär das Unterscheidungskriterium Zielgruppe herangezogen. Diese Klassifikation ist auch sinnvoll, wenn die gängigen Trends der technischen Entwicklung von Portal-Anwendungen berücksichtigt werden. Von dieser Basis ausgehend können die somit spezifizierten Softwaresysteme innerhalb der jeweiligen Klasse bei Bedarf weiter anhand ihrer Funktionalität untergliedert werden.

In der Praxis wird meist zusätzlich zwischen »horizontalen «und »vertikalen «Plattformen unterschieden. Diese Kategorisierung spielt vor allem bei der Unterscheidung der Informations und Integrationstiefe eine Rolle und ist eine nützliche Hilfe bei der Klassifikation von Portalen und Elektronischen Marktplätzen. Horizontale Portale leiten den Benutzer durch eine redigierte Struktur zum gesuchten Angebot und sind häufig auf den privaten Gebrauch ausgerichtet.

Horizontale Angebote fassen ein möglichst breites Spektrum zusammen, ohne Teilbereiche in der vollen Tiefe abzudecken. Vertikale Angebote fokussieren auf eine Thematik oder eine Zielgruppe, beispielsweise auf eine Branche, und fassen Angebote für diese Zielgruppe zusammen. In vertikalen Angeboten wird die gesamte Tiefe der Thematik abgedeckt. Vertikale Portale konzentrieren sich auf ein spezielles Themengebiet, wie z. B. Autos oder Reisen, oder auf eine Branche.

Je nach Art des Portals ergeben sich verschiedene Aufgabenstellungen, die sich in verschiedenen Ausprägungen von Portalen niederschlagen. Mittels der im vorigen Abschnitt erörterten Klassifikation anhand der Zielgruppen können paral- lel dazu die folgenden vier Grundformen von Portalen benannt werden:

  • Consumer Portal
  • Business Portal
  • Corporate oder Enterprise Portal
  • Marktplatz

Im Nachfolgenden werden diese vier Grundformen im Einzelnen beschrieben und gängige, den Grundformen zuzuordnende Feinklassifizierungen kurz vorgestellt.

Consumer Portal

Consumer Portale sind horizontale Portale als Einstiegspunkt in Web-Angebote. Sie bieten für den Kunden einen Katalog mit thematisch sortierten und zumeist ausgewählten Verweisen (Links)auf andere Web-Angebote. Oftmals spielt neben der Katalogfunktion bei Consumer Portalen ein redaktionell betreutes Informationsangebot eine große Rolle, um die Besucher zu einer häufigen Wiederkehr anzuregen. Gerade bei den führenden Consumer Portalen (wie z. B. Yahoo, T-online, web. de)war dieser Trend in den letzten Jahren sehr ausgeprägt.

Business Portal

Business Portale weisen im Gegensatz zu Consumer Portalen eine vertikale Ausrichtung auf. Sie bilden die zentrale Anlaufstelle für Kunden eines Unternehmens oder für Interessengruppen. Sie beschränken sich jedoch nicht auf die reine Information, wie zum Beispiel eine einfache Unternehmens-Website, sondern bieten eine Vielzahl von Diensten rund um ein Unternehmen und seine Produkte oder ein spezielles Interessengebiet an. Die Dienste können nicht nur die Auswahl und den Kauf von Produkten (Shop-Funktion), sondern auch den Bereich des After-Sales-Service (z. B. Support, Bestellung von Ersatzteilen, etc. )umfassen. Die regelmäßigen Besucher solcher einschlägiger Web-Adressen bilden Business Communities, die sich dadurch auszeichnen, dass sie die themenzentrierte Bündelung von Wissen und Information auf einer Plattform gezielt nutzen, um virtuelle Gemeinschaften zwischen den unterschiedlichsten Inter- essengruppen zu bilden und diese dauerhaft zu betreiben. Um anbieterseitig optimal auf die bestehenden Kundenwünsche einzugehen, ist das Informationsangebot oft vom Benutzer indi- viduell an seine Bedürfnisse anpassbar. In Business Portalen können Kunden-Gemeinschaften (Communities)integriert sein, die mit Foren die öffentliche Kommunikation zwischen dem Betrei- ber des Business Portals und den Kunden sowie zwischen den Kunden untereinander ermögli- chen und somit die Besuchshäufigkeit auf dem Portal bzw. die Bindung an den Betreiber erhöhen.

Corporate Portal, Enterprise Portal

Eine differenzierter zu betrachtende Ausprägung sind sogenannte Corporate oder Enterprise Portals. Sie stellen in erster Linie eine Plattform für Mitarbeiter eines Unternehmens dar, auf der mit entsprechenden Rollen und Rechten Informationen abgerufen, aber auch geschäftsrelevante Prozesse durchgeführt werden können. Das Corporate oder Enterprise Portal ist als Unternehmens-Portal eine firmen-oder konzerninterne Anwendung für Mitarbeiter und bildet den Kern eines Intranet. Es wird zwischen Enterprise Information Portals (EIP), Enterprise Application Portals (EAP)und Enterprise Knowledge Portals (EKP)unterschieden. Enterprise Information Portals dienen der Aggregation und Verwaltung von unternehmensinternen Informationen. Sie bieten die Möglichkeit, Informationen abzulegen, zu strukturieren und wiederzufinden. Enterprise Application Portals entstammen dem Zugriff auf ERP-Systeme und bieten eine Möglichkeit, Daten aus diesen Systemen zu visualisieren bzw. auf Informationen in diesen Systemen lesend oder schreibend zuzugreifen. Ein Beispiel für eine EAP-Anwendung ist ein Web-basiertes E-Procure- ment-System. Enterprise Knowledge Portals enthalten Knowledge Management-Werkzeuge zur Erfassung und Strukturierung von Wissen und dienen somit der effizienten Gestaltung des Wissenstransfers zwischen Mitarbeitern und der Unterstützung von Entscheidungen. Es gibt weitere, genauere Unterscheidungen, denen jedoch in der Praxis nur geringe Bedeutung zukommen. Ein umfassendes Corporate Portal weist Elemente aus verschiedenen Subtypen auf. Aus diesem Grund wird im Rahmen dieser Studie Art von Portalen verwendet.

Oft integrierte Module sind Diskussionsforen, Newsletter oder Chat-Räume, Workflow-und Controlling-Mechanismen, Groupware-Funktiona- litäten und Dokumenten Management-Komponenten. Schnittstellen zu Backend-Systemen sind vorhanden und die Anbindung komplexer Kon- struktionswerkzeuge und von E-Collaboration-Funktionalitäten ist in vielen Fällen schon integriert oder zumindest geplant. Corporate Portals sind nicht ausschließlich auf die Anwendung im Intranet beschränkt. Sie kön- nen auch über ein Extranet angemeldeten und registrierten Nutzern über eine sichere Verbindung verfügbar sein.

Marktplatz

In bewusster Unterscheidung vom Informationsgedanken des Portals steht auf Elektronischen Marktplätzen in erster Linie der elektronische Handel sowie die Abwicklung von Transaktionen im Vordergrund. Charakteristisch für Marktplatz- anwendungen ist, dass mehrere Anbieter über einen Marktplatz mehrere Kunden erreichen (Many to Many). Dies ist vor allem bei der Abgrenzung zu Shop-Systemen (One to Many)und E-Procurement-Systemen (Many to One), welche als Komponenten für modulare Portal-Lösungen verfügbar sind, zu berücksichtigen. Auch bei Marktplätzen kann zwischen horizontalen und vertikalen Erscheinungsformen unter schieden werden. Auf vertikalen Marktplätzen werden Unternehmen (Käufer und Verkäufer) meist nur einer Branche weitgehend miteinander vernetzt. In vielen Fällen ist eine Anbindung bis in die Backend-Systeme aller Beteiligten vorgesehen, um Prozesse effizient zu realisieren. Horizontale Marktplätze sind branchenübergreifend konzipiert und bieten eher ein breites Angebotsspektrum als tiefgreifende Prozessintegration. Hauptsächlich gehandelt wurden bisher wenig beratungsintensive MRO-Güter (Maintenance, Repair, Operati- ons)bzw. C-Artikel.

In vielen Fällen war in der jüngsten Vergangenheit der Trend erkennbar, dass Portale und Elektroni- sche Marktplätze in weiten Bereichen der Anwendungsfelder immer stärkere Überschneidungen aufweisen. Sogenannte Service-Portale dienen als Informations-und Kommunikationsplattform, stellen aber auch tiefgreifende Prozessunterstützung zur Verfügung. Die auf Marktplätzen inte grierten, zusätzlichen Services verbessern die Kundenbindung durch den Community-Gedanken und erlauben auch den Handel mit beratungsintensiven A-und B-Artikeln. Durch Einbindung von CRM-Werkzeugen und CSCW-Systemen (Computer Supported Cooperative Work)werden Service-Portale zu zentralen Einlasstoren nicht nur für Einkauf, Verkauf und Marketing, sondern auch für Service und Beratung (vgl. EBERHARDT 2001). Aus technischer Sicht lässt sich sagen, dass modular aufgebaute Portal-Lösungen hin zu Marktplatzumgebungen erweiterbar sind. Aus diesem Grunde heraus wird in der vorliegenden Studie der Marktplatz als vierte Gruppe innerhalb der Klassifizierung von Portal-Anwendungen betrachtet.



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