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13.06.2005

Trendanalyse Elektronische Marktplätze

Galten bei der kommerziellen Nutzung des Internet zunächst Online-Angebote für den privaten Endverbraucher als vielversprechende und umsatzstarke Handelskanäle - hier sei das Stichwort Online-Shopping genannt - so sind es seit einiger Zeit vor allem Internet-Anwendungen zur elektronischen Unterstützung von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen, die das Bild des Internet als wirtschaftliche Handels-und Handlungsplattform prägen. Dieser Umschwung kam nicht zuletzt aufgrund der Tatsache zustande, dass zu optimistische Umsatzprognosen im Business-to-Consumer-Bereich oftmals nicht haltbar waren und die Gewinnmargen zunehmend sanken, während sich gleichzeitig das Bewusstsein in den Unternehmen entwickelte, durch eine elektronische Integration und Optimierung der Informations- und Warenflüsse beträchtliche Einsparungspotenziale realisieren zu können. Der Begriff E-Business kursiert seitdem in der globalen Wirtschaft. E-Commerce wird dabei nur noch als Teilbereich eines umfassenderen Ansatzes gesehen, das heißt es steht nicht mehr der über den Internet-Verkauf erzielte Umsatz im Vordergrund, sondern vor allem die Reduzierung von Prozess-und Transaktionskosten, die durch den Einsatz elektronischer Business-Lösungen ermöglicht wird. Der neue Trend geht hierbei eindeutig weg von alleinstehenden, proprietären Business- Softwarelösungen für einzelne Unternehmen oder Unternehmensbereiche, die über ein Web-Frontend direkt den Kunden erreichen wollen, hin zu weitestgehend integrierten, unternehmensübergreifenden Business-Plattformen. In den Unternehmen wird verstärkt versucht, die Beziehungen und Prozesse zwischen Lieferanten und Abnehmern sowie zusätzlichen Dienstleistern elektronisch abzubilden. Hinter diesen B-to-B-Lösungen stehen unterschiedliche Konzepte, die bisher in der Regel nur bestimmte Ausschnitte der Geschäftsbeziehungen fokussieren. Die grundsätzliche Frage ist dabei, welche Unternehmensbereiche in die jeweilige E-Business-Lösung mit einbezogen werden sollen, das heißt in welchen Unternehmensbereichen die höchsten Nutzenpotenziale bestehen.

Elektronische Marktplätze stellen dabei eine der umfangreichsten und komplexesten Erscheinungsformen momentan realisierbarer E-Business-Applikationen dar. Elektronische Marktplätze (sowohl katalogbasierte Systeme als auch Ausschreibungsplattformen)und E-Procurement-Lösungen vereinigen und vernetzen in sich die Funktionalitäten bislang voneinander getrennter Anwendungen einzelner Unternehmen. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über verschiedene E-Business-Lösungen gegeben und es werden Begrifflichkeiten erläutert und gegeneinander abgegrenzt. Darüber hinaus wird skizziert, wie aus diesen unterschiedlichen Konzepten, die für viele Unternehmen immer noch eine hohe Bedeutung als Einzellösungen haben, letztlich integrierte Ansätze mit verschiedenen Ausprägungsformen entstanden sind.

Elektronische Einkaufslösunge

Beabsichtigt ein Unternehmen seinen Einkauf über ein elektronisches Informationssystem abzuwickeln, so besteht die Möglichkeit, ein E-Procurement-System einzurichten. Derartige "Buy-Side"-Systeme werden dabei im Rahmen von Internet-,Intranet-oder Extranet-Anwendungen genutzt, um bei ausgewählten Lieferanten unter Zuhilfenahme elektronischer Produktkataloge einzukaufen. In erster Linie geht es bei derartigen Lösungen um die Beschaffung von indirektem Material, wie C-Teile bzw. MRO- Material (Maintenance, Repair, Operation), deren Beschaffung auf herkömmliche Art heute noch sehr oft mit hohen Prozesskosten und beträcht- lichem Zeitaufwand verbunden ist.E-Procure- ment-Systeme haben eher exklusiven Charakter, das heißt, es liegt im Interesse des einkaufenden Unternehmens, die Zahl der Lieferanten, die Zugriff auf das System haben, so einzuschränken, dass die gewünschte Effizienz der Einkaufsprozesse nicht wieder dadurch zunichte gemacht wird, dass bei zu vielen Anbietern eingekauft wird und dadurch etwa bessere Einkaufskonditionen durch höhere Einkaufsmengen nicht realisiert werden können.

Elektronische Verkaufslösungen

E-Business-Lösungen im Bereich des elektronischen Handels können darüber hinaus auch verkaufsgetrieben sein. Derartige Konzepte werden allgemein als Shop-System bezeichnet. Mittels solcher "Sell-Side"-Systeme vertreibt ein Unternehmen seine Produkte bzw. Teile davon über das Internet, wobei wiederum elektronische Produktkataloge mit entsprechenden Suchmaschinen den zentralen Bestandteil des Angebots ausmachen. Shop-Systeme zeichnen sich durch einen eher umfassenden Charakter aus, der das Bestreben des verkaufenden Unternehmens ausdrückt, so viele Kunden wie möglich auf die Webseite zu holen.

Elektronische Marktplätze

Die bislang in aller Kürze angerissenen E-Business-Szenarien haben gemeinsam, dass sie von einem Unternehmen ihren Ausgang nehmen, um dann weitere Akteure mit in das elektronische Konzept einzubeziehen. Solche Lösungen werden auch als "One-to-Many"- Lösungen bezeichnet. Zunehmend werden nun auch "Many-to-Many"-Handelssituationen über das Internet abgebildet. Der bekannteste Begriff ist in diesem Zusammenhang der des Elektronischen Marktplatzes. Auf einer solchen Handelsplattform finden sich viele Anbieter und Nachfrager ein, um Käufe und Verkäufe von Produkten und Dienstleistungen zu tätigen. So gesehen vereinigt ein Elektronischer Marktplatz die Funktionalitäten individueller E-Procurement-und Shop-Systeme. Aufgesetzt und organisiert werden solche Marktplätze häufig von unabhängigen Betreibern, die die Dimension des Marktplatzes bestimmen. Hierbei ist u.a. die Frage relevant, ob der Marktplatz branchenspezifisch oder branchenübergreifend agieren soll. Die "Spielregeln " des Marktplatzes werden ebenfalls vom Betreiber festgelegt. Er gewährleistet den reibungslosen Ablauf der Online-Geschäfte und finanziert sich in der Regel über die auf dem Marktplatz durchgeführten Transaktionen oder über die Erhebung fixer Teilnahmegebühren. In anderen Fällen kommen Elektronische Marktplätze dadurch zustande, dass mehrere Unternehmen (oftmals aus einer Branche) sich zusammenschließen, um dann auf einer solchen gemeinsamen Plattform Angebot und Nachfrage abzugleichen.

Elektronische Marktplätze können dabei unterschieden werden in katalogbasierte Systeme einerseits und Ausschreibungsplattformen andererseits. Katalogbasierte Systeme bauen darauf auf, dass Unternehmen auf der Lieferantenseite ihre Produktkataloge in den Elektronischen Marktplatz einstellen und Einkäufer mittels Suchmaschinen in diesen Katalogen nach den gewünschten Artikeln, zumeist C-Teile, suchen und diese dort bestellen. Auf Ausschreibungsplattformen geht es dagegen eher selten um große C-Teile-Mengen als vielmehr um komplexe und beschreibungsintensive Produkte (zum Beispiel im Anlagenbau) bzw. aufwändige und abstimmungsintensive Projekte mit großen finanziellen Volumina. Produktkataloge sind auf derartigen Marktplätzen in der Regel weniger relevant, dennoch können Produktkataloge grundsätzlich auch auf Ausschreibungsplattformen eingestellt und von den Ver-und Einkäufern verwendet werden. Eine Erweiterung der Funktionalitäten Elektronischer Marktplätze wird darüber hinaus über das Konzept der Business Serviceportale angestrebt. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, weiterreichende, über den bloßen Kauf und Verkauf von Produkten hinausgehende Mehrwertdienste (auch "Value Added Services" genannt)anzubieten, die bestehenden Marktplatz-Lösungen eine neue Qualität geben sollen. Business Serviceportale nehmen den Aspekt der Kundenpflege, wie er im Rahmen von CRM-und Electronic Customer Care-(ECC-)Systemen angelegt ist, neu auf und versuchen, Value Added Services auch auf integrierten Many-to-Many-Plattformen zu etablieren. Ob diese Business Serviceportale als eigenständige E-Business-Lösungen angesehen werden können oder ob sie als Erweiterung und Bestandteil von Elektronischen Marktplätzen gelten, kann als weitgehend unerheblich eingestuft werden. Sicher ist nur: Diese E-Business- Entwicklungsstufe ist noch sehr jung und ihre Weiterentwicklung wird zweifellos darüber mitentscheiden, ob es gelingt, Alleinstellungsmerkmale für B-to-B-Angebote zu kreieren und somit deren Akzeptanz zu erhöhen.

Potenzial des E-Business heute und morgen

Gemäß einer Untersuchung des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Gartner Group wurde im Jahr 2000 im zwischenbetrieblichen Handel weltweit eine Wachstumsrate von 189 Prozent erreicht. Die B-to-B-Umsätze betrugen für 2000 stolze 433 Milliarden US$, damit wurden die Prognosen aus dem Jahr zuvor - allem Pessimismus zum Trotz - um 30 Milliarden US$übertroffen. Im Jahre 1999 waren es noch 145 Milliarden US$, die im B-to-B-Bereich umgesetzt wurden. Für Europa war die Wachstumsrate für das Jahr 2000 mit 294 Prozent bei Umsätzen in Höhe von 81 Milliarden Euro sogar noch wesentlich höher als in den USA.



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