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Slow down

Ulrike Reiche

17.10.2019 ·  Entschleunigung ist leichter gesagt als getan. In einer Gesellschaft, die nur Erfolg, höher, weiter, schneller kennt, ist kein Platz für Langsame. Doch der Erfolg frisst seine Kinder. Immer mehr Menschen erreichen die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Doch wie schaltet man einen Gang runter?

Ulrike Reiche

Ulrike Reiche ist die Entschleunigerin. Sie gilt als ausgewiesene Expertin für Entschleunigung im Berufs- und Privatleben und berät Unternehmen zu modernen Arbeitskonzepten und den Auswirkungen der Digitalisierung. In ihren Seminaren und Vorträgen zeigt sie, wie wir gerade durch Entschleunigung unsere Leistungsfähigkeit entfalten und Potenziale nutzen können.  » http://https://ulrikereiche.de/

Menschen sind keine Maschinen. Mentale „Materialermüdung“ lässt sich nicht einfach reparieren. Im Gegenteil! Je öfter man das versucht, desto anfälliger wird der Mensch. Yoga, Wellness, … ja das kann unterstützen. Es lindert die Symptome – aber es hilft nicht ursächlich.

Was sind aber die Ursachen?

Begeben wir uns auf die Spurensuche. Ein – dem System – zuspielender Umstand, ist es keine Schwäche zu zeigen. Jeder Einzelne „überschminkt“ den Frust. Vereinzelt im Großraumbüro oder privat in sozialen Medien findet die Gruppe nicht mehr zusammen. Jeder wahrt den Schein des Erfolges, der Leistungsfähigkeit – bis es nicht mehr geht.

Haben Sie sich schon einmal gefragt was Sie wirklich brauchen und wollen? Viele ackern bis zum Umfallen für materiellen Wohlstand. Herr Zwegert formulierte es einmal so: „Menschen kaufen Sachen, die sie nicht brauchen (und sich nicht leisten können), um Menschen zu imponieren die sie nicht kennen.“ Da ist etwas Wahres dran. Ist dreimal im Jahr Urlaub wirklich so erholsam? Braucht man wirklich schon wieder ein neues Leasing-Auto? Müssen es wirklich immer die neuesten Klamotten sein? Ist es den Stress, das alles finanzieren zu müssen wirklich wert? Oder geht es auch eine Nummer kleiner? Einen Gedanken ist es wert, oder?

Gerade wenn Kinder in der Familie sind, ist der Druck immens. Besonders Frauen landen schnell in der Überforderungsfalle. Denn Kinder kosten nicht nur Geld. Vor allem beanspruchen Sie Zeit – Zeit mit ihren Eltern. Und Zeit kann man nicht kaufen …

#1 Leisten Sie dezenten Widerstand

Gerald Hüter hat es in einem Vortrag  einmal so beschrieben: „Jeder Mensch hat in einer Organisation einen gewissen Freiraum. Und diesen gilt es zu nutzen." Und der Freiraum wird größer, wenn man sich mit „Leidensgenossen“ zusammenschließt. So erweitern Sie ihren persönlichen Handlungsspielraum“. Eine grundlegende Systemveränderung wird ihnen kaum gelingen und der vielfach beschworene Reset „Lebe deinen Traum“ ist für die meisten von uns schlicht nicht machbar. Was heißt das konkret für Sie am Arbeitsplatz? Sprechen Sie mit Kollegen, hören Sie genau hin! Sie sind nicht alleine. Es geht vielen so wie Ihnen. Anstatt immer schneller im Hamsterrad zu laufen suchen Sie Verbündete und schalten zusammen einen Gang runter. Darauf ist das System nicht vorbereitet. Das muss keineswegs in Totalverweigerung münden! Oft wirkt es schon revolutionär, wenn Sie einfach einmal wieder konsequent in die Mittagspause gehen, statt am Arbeitsplatz nebenher ein Brötchen zu essen.

#2 Stellen Sie Ihre finanzielle Situation auf Prüfstand

Worauf kann/können ich/wir verzichten? Ist Teilzeit vielleicht doch besser, solange die Kinder klein sind? Die Reduktion der Arbeitszeit bedeutet häufig geringere finanzielle Einbußen, als zunächst vermutet. Überprüfen Sie einmal, wie sich Teilzeit in Ihrem Fall konkret auswirken würde, bevor sie diese Option frühzeitig verwerfen.
Überlegen Sie mit Ihrem Partner wie sich die Situation entschärfen lässt. Seien Sie kritisch! Arbeiten (stressen) Sie sich um den Ganztages-Kitaplatz zu bezahlen? Vielleicht ist ja auch ein Halbtagesplatz und Zeit mit dem eigenen Kind eine Option?

#3 Müßiggang

Ich habe schon viele Menschen erlebt, die von Ihren „Freizeitverpflichtungen“ gestresst sind. Auch hier kann man einfach einen Gang runterschrauben. Auch wenn das heute nicht so recht in neoliberale Konzepte passt: Müßiggang tut dem Geist gut. Das wusste schon Goethe.  Verplane nicht den ganzen Tag. Nichts stresst mehr als ein Terminkalender – mit selbst erfundenen Terminen - nach einem Arbeitstag. Mein Tipp: gönnen Sie sich im Alltag immer wieder Auszeiten. Machen Sie bewusst Pausen während der Arbeit. Halten Sie in diesen Zeiten Ruhe anstatt sie mit Aktivitäten zu verplanen.

#4 Karriere und andere Versprechen

Karriere ist ein geflügeltes Wort. Es ist ein Versprechen auf die Zukunft. Und diese ist vage. Die in Aussicht gestellte Karriere ist oft so wie die Möhre vor der Nase des Esels. Sie ist ein Lockmittel. Verstehen Sie mich nicht falsch. Berufliche Entwicklung hängt auch mit Leistungsbereitschaft zusammen. Nur bleiben Sie beim Karriereversprechen immer kritisch und behalten Sie sich im Blick. Die Zeit der Schornsteinkarrieren geht ohnehin zu Ende, künftige Berufswege werden von verschiedenartigen Tätigkeiten und Positionen geprägt sein. Diese Entwicklung ermöglicht Ihnen über die lange Zeit Ihres Arbeitslebens, viel mehr als bisher den eigenen Neigungen und Interessen zu folgen.

#5 Everything at once

Auch wenn die Werbung es suggeriert. Man kann nicht alles haben und schon gar nicht auf einmal. Das Leben
besteht aus Kompromissen. Fixieren Sie sich nicht ständig auf Sachen die Sie noch nicht haben. Erfreuen Sie sich auch am Status quo. Und: machen Sie sich klar, dass sich ihre Lebenssituation im Laufe der Jahre wieder ändern wird. Kinder wachsen und werden eigenständiger, was ihnen dann wieder mehr persönlichen Freiraum gibt. Gleiches gilt auch für die Pflege kranker Angehöriger – Leben bedeutet Wandel, nichts bleibt, wie es heute ist und fordert uns immer wieder Flexibilität und Kompromisse ab. Auch wenn dies eine Binsenweisheit ist, so hat sie sich noch nicht bis zu jedem Chef herumgesprochen. Seien Sie mutig und bringen sie diese Perspektive in die Verhandlungen über Zeit und Geld!

#6 Vorsicht Verwechselungsgefahr

Bedenken Sie Entspannung und Entschleunigung sind zwei vollkommen verschiedene Begriffe. Entschleunigung bedeutet Geschwindigkeit aus Ihrem Leben zu nehmen – es sind u.U. grundlegende Veränderungen in Ihrem Alltag und der Lebensführung. Entspannung hingegen sind Maßnahmen die kurzfristig für Wohlbefinden sorgen. Das ist auch gut so. Nur fallen Sie nicht auf die Entspannungsindustrie rein. Machen Sie das, was Ihnen wirklich gut tut. Treffen Sie grundsätzliche Entscheidungen. Verbiegen Sie sich nicht. Wenn Sie Sportmuffel sind, bleiben Sie es. Ansonsten laufen Sie Gefahr sich wieder mental zu überfordern …

 

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