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Brigitta C. Kemner

09.02.2017 ·  Unser modernes Leben ist vor allem in den letzten Jahren sehr schnelllebig geworden. Das, was heute noch angesagt ist, ist in ein paar Wochen schon wieder auf dem absteigenden Ast. Der Tag fliegt gefühlt an uns vorbei und wir versuchen uns durch die vielen Aufgaben zu kämpfen, die nicht aufhören wollen, während wir darauf warten, dass das Leben endlich beginnt.

Brigitta C. Kemner

Brigitta Christina Kemner ist Personal Coach und Business Coach und begleitet seit 2003 Führungskräfte, Unternehmer, Leistungsträger und Privatpersonen bei persönlichen und beruflichen Veränderungen. Ihre Schwerpunkte liegen in 3 zentralen Bereichen des „Menschseins“: Selbstbalance/ Lebenserfüllung, Menschenführung und Kommunikation. » http://www.brigitta-kemner.com

Am Abend platzt uns der Kopf, weil das Gehirn voll ist von Input, hektische Kreise dreht und nicht mehr zur Ruhe kommt. Unsere Reaktion auf die Masse an Reizen ist, dass wir vieles gleichzeitig machen wollen oder glauben, machen zu müssen. Wir sind nahezu besessen davon, ständig erreichbar zu sein, um ja nichts Wichtiges zu verpassen und handlungsfähig zu bleiben. Kannst du es gut aushalten, wenn du plötzlich einen Tag ohne Netz bist und niemand dich erreichen kann? Wir fühlen uns so, als wären wir vom Leben abgeschnitten. Grenzen verschwinden – die meisten Menschen sind bis auf ihre paar Stunden unruhigen Schlafes immer on air. Wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir eine richtige Pause machen, und belasten unseren Körper auf die Schnelle mit industriellem Müll, der gerade verfügbar ist und uns die Illusion vermittelt, unser Energielevel hochzuhalten. Der Begriff »emotionales Nomadentum« ist dir mittlerweile ja bekannt.

Dieses zweite Phänomen nenne ich »gedankliches Nomadentum«: Wir sind permanent damit beschäftigt, den nächsten Moment zu planen oder mit unseren Gedanken in die Vergangenheit abzuschweifen, zu bewerten, zu vergleichen, Urteile zu fällen, abzulehnen, haben zu wollen oder zu grübeln.

Durch dieses Wegstreben aus der Gegenwart verpassen wir das Leben, denn Leben ist immer nur dieser eine Moment, der weder gestern noch morgen stattfindet. Du bist zwar körperlich anwesend, doch dein Kopf ist nonstop auf Reisen. Beobachte dich einmal und finde heraus, wie oft du tatsächlich gegenwärtig bist und wie lange du diesen Zustand halten kannst. Du wirst erschrocken sein. Doch sind die Menschen produktiver, schneller und erfolgreicher, wenn sie parallel mehrere Aufgaben bearbeiten? Sind wir tatsächlich multitaskingfähig?

Die klare Antwort ist: Nein!

Unser Gehirn kann sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren! Müssen wir zeitgleich verschiedene Informationen verarbeiten, wechseln wir zwischen den Reizen hin und her. Man könnte es auch »geistiges Zapping« nennen! Wir verarbeiten Informationen hintereinander, jede Verarbeitung eines Impulses oder kurzfristige Entscheidung braucht circa eine Sekunde. Zu viele Entscheidungen verursachen großen Stress. Der Mensch kann zwar durchaus mehrere Sachverhalte parallel wahrnehmen, doch sobald wir auch reagieren müssen, scheitert jeder Versuch von Gleichzeitigkeit. Wir sind also nur dann Multitasker, wenn wir eine Aufgabe so verinnerlicht haben, dass sie keinerlei Aufmerksamkeit erfordert. Aber wann gibt es das schon im Alltag?

Natürlich kannst du dich vordergründig an diesem Dauerstress im Kopf gewöhnen, das ändert jedoch nichts an den Konsequenzen für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden:

Die Folgen dieses geistigen Zappings für dich sind:

  • nur vordergründige Effizienz, Zeitverluste
  • eine höhere Fehlerquote, qualitativ schlechter Output
  • zunehmendes Stressempfinden und Druck
  • Unzufriedenheit, emotionale Blockaden
  • Konzentrationsprobleme und Gedächtnisstörungen
  • hoher Energieverlust

Der amerikanische Psychiater Edward Hallowell nennt dieses Phänomen »Attention Deficit Trait« (ADT): Betroffene klagen über Konzentrationsprobleme, innere Unruhe, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, Gereiztheit und geringe Frustrationstoleranz bis hin zur Unfähigkeit, Inhalte im Kurzzeitgedächtnis zu behalten.

Wenn du ernsthaft zur Ruhe kommen möchtest, ist es an der Zeit, deinen Informationskonsum und dein geistiges Zapping unter die Lupe zu nehmen.

Das bringt dich weiter

Starte digital nackt in den Tag und gönne dir in der ersten Zeit des Tages eine ruhige, medienfreie Zeit. Du könntest zum Beispiel in Ruhe frühstücken, eine Tasse Kaffee genießen oder eine halbe Stunde joggen gehen, anstatt bis zur letzten Minute im Bett liegen zu bleiben, den Fernseher anzumachen oder in dein Handy zu sehen. Gönne dir ebenfalls abends eine medienfreie Zeit und am Wochenende und reduziere während des Tages durch kurze Zeiten der stillen Reorientierung die Informationsdichte. Sei dir bewusst, dass du immer nur das tun kannst, was du gerade in diesem Moment tust. Deine Qualität des Tuns, dein Energielevel und der Output werden sich deutlich verbessern. Lege ab und zu bewusst das Handy an einen anderen Ort oder schalte es aus.

Das behindert dich

Diskutiere nicht per Mail oder schreibe SMS, wenn du stark verärgert oder verletzt bist. Hier wirst du keine Lösung und Klärung herbeiführen können, nur Missverständnisse schüren und dich in das Thema hineinsteigern und unnütze Energie verschwenden. Suche das persönliche Gespräch, wenn es etwas gibt, was dich belastet, und reagiere dich nicht ungefiltert und impulsiv über die unpersönliche Distanz ab. Lass dich nicht von digitalen Reizen von dem ablenken, was du gerade tust … insbesondere nicht, wenn es eine wichtige Aufgabe ist, die volle Konzentration braucht. Lass dich nicht von den Medien unbewusst führen, sondern führe du dich selbst im Umgang mit Medien.

Diese oder ähnliche Rituale können dir helfen, dich innerlich vom zwangsweisen Alles-auf-einmal-Tun zu befreien. Gewöhne dich mehr und mehr daran, dich von dem Impuls und Zwang des Multitaskings zu lösen.

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