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Quoten gegen Zoten

Jörg Steinfeldt

02.05.2013 ·  In den meisten Führungsetagen sind weibliche Führungskräfte Mangelware. Über das warum und ob dieses Ungleichgewicht diskriminierend ist, lässt sich trefflich streiten. Jörg Steinfeld wirft einen kritischen Blick auf die deutsche Quotendebatte und geht der Frage nach: "Sind Frauen die besseren Männer?"

Jörg Steinfeldt

Der Jurist Jörg Steinfeldt ist Führungskraft im Personalbereich bei einem internationalen Spezialversicherer, Buchautor und Autor zahlreicher Fachartikel. Er ist bekannt dafür, den Finger in offene Wunden zu legen und über den Tellerrand zu denken. Schon in seinem Debüt-Buch „Was Sie schon immer über Führung wissen wollten“ räumt er schonungslos mit den Management-Mythen auf. » http://

Frauen als Führungskräfte zu thematisieren erscheint diskriminierend. Schauen wir allerdings in die deutschen Chefetagen, in denen nur auf gut zehn Prozent der Stühle Frauen sitzen, wird klar, dass das Thema berechtigt, ja notwendig ist. Diskriminierend sind allein die Männergespräche auf der Toilette. – „Die Schlampe mach’ ich fertig“, „die Tante hat wohl ihre Tage“, „die Alte ist so frigide, die muss mal richtig ran genommen werden“, – und die heutige Glaubensfrage Quote. Diskriminieren kommt aus dem Lateinischen und heiß übersetzt trennen, absondern. Im Duden findet sich die weitere Definition: öffentlich dem Ruf schaden, durch unterschiedliche Behandlung herabsetzen, benachteiligen.

Die Quote beendet offene und freie Auswahlverfahren für Führungskräfte. Sie trennt eine Bewerbergruppe, die Frauen, ab. Das kann nur deshalb geschehen, weil diese Gruppe aus Sicht der Quotenbefürworter offensichtlich des Schutzes bedarf, sich also alleine nicht helfen kann. Das ist wie bei den Kontingenten der Wild- und Waljagd. Würde man mir so helfen wollen, würde ich mich durch diese Behandlung und Einschätzung herabgesetzt fühlen. Das ist wie in der Fußballbundesliga, da darf es auch nicht zum Schutze des deutschen Mannes eine Ausländerquote geben, da muss sich jeder mit seinen Fähigkeiten hoch kämpfen. Frauen, die seit der Quote Führungskraft werden, werden sich immer nachsagen lassen müssen, sie hätten es nur wegen der Quote geschafft. Tatsächlich werden auch Sie nicht wenige Frauen kennen, die schon heute genau auf die Karte Quote setzen. Klar ist das Argument unfair, aber dem Gegner frei vor Tor so den Ball zu servieren heißt diese Diskriminierung selbst produziert zu haben. Die Quote ist keine Antwort auf Männerzoten.

Die Quotendiskussion ist eine typisch deutsche – unerbittlich, unendlich, unnütz. Hier das alte Männerlager. Die saturierten Wirtschaftskapitäne haben sich wie immer freiwillig nicht bewegt, ob Entflechtung der Deutschland-AG, Internationalisierung der Führungsgremien, die neue Welt des Internets oder Energiewende, ihr Beharrungsvermögen in alten Strukturen ist legendär. Ist die Quote da, werden sie alles tun, um sie ins Leere laufen zu lassen. Arbeitsrechtsanwälte dürfen sich schon freuen. Dort die Quotenfreundinnen, allen voran eine ehrgeizige Bundesministerin, die ihren hoffentlich vielen Enkelkindern ein Kapitel in den Geschichtsbüchern bieten möchte. Auch sie sind stur: Was als richtig erkannt worden ist, muss sein, ist mit Macht, also per Gesetz und ohne Rücksicht auf Verluste durchzudrücken. An beide Seiten: für eine Konsensgesellschaft verantwortlich handeln sieht anders aus.

Eines macht die oberflächliche Quotendiskussion zur Freude der Männer aber sehr gut: sie blockiert den Blick auf die eigentliche Thematik. Wahr ist, die Vorbehalte gegen Frauen halten sich so wacker wie die alten Kampftrinker unten an der Hotelbar.

Frauen werden wesentlich stärker nach ihrem Aussehen beurteilt als Männer, und zwar tendenziell zu ihrem Nachteil. Sieht eine Frau gut aus, wird ihr das geneidet und ihr wird weniger Kompetenz zugetraut. Blond gleich blöd. Sieht sie nicht gut aus, gilt sie auf dem Markt der erfolgreichen Eitlen als Verliererin und weniger sympathisch. Hässlich gleich dumm.

Die alten Vorurteile wie Frauen seien weniger intelligent, zu weich für einen harten Job und sie hätten eine andere Bestimmung, nämlich Küche und Kinder, wabern bis heute teils als gezieltes Gesellschaftsbild, teils unbewusst in vielen männlichen, aber auch in konservativen weiblichen Köpfen wie der Duft von Sonntagsbraten und gebrauchten Windeln.

Jede Frau sei eine potenzielle Mutter und Mütter könnten sich wegen ihrer ständigen Sorgen um die Kinder nicht voll auf die Arbeit konzentrieren. Sie seien unzuverlässig, weil mit Ausfällen wegen der Kinder, die ständig Krankheiten, Schulausfälle und Geburtstage haben, zu rechnen sei. Richtig ist, dass die Betreuung der Kinder regelmäßig von den Müttern organisiert wird. Aber das Angebot für die Betreuung von Kindern im Kindergarten- und Schulalter ist in den letzten zehn Jahren erheblich besser geworden (wenn es auch immer noch viel schlechter ist als in anderen entwickelten Staaten). Außerdem müssen wir – leider – feststellen, dass fast 50 Prozent aller Akademikerinnen in Deutschland kinderlos sind. Das Thema Kinder hat insoweit drastisch an Bedeutung verloren. Schließlich nennt kaum eine Führungskraft in der Praxis Kinder als Kritikpunkt an Mitarbeiterinnen, die Führungskräfte sind. Diese Frauen scheinen zu wissen, was von Ihnen erwartet wird, sie haben sich entsprechend organisiert.

Männer erschweren Frauen die Karriere, weil sie lieber unter ihresgleichen „spielen“. Sie schotten sich gegen Frauen ab und binden sie nicht ein in ihr Netzwerk, das sie gewöhnlich unterhalten.

Eine Frau als Führungskraft zu haben ist also immer noch die Ausnahme. Diese Frauen werden von den Mitarbeitern oft anders wahrgenommen als ihre männliche Kollegen.

Viele Frauen neigen zu einem autoritären Führungsverhalten. Sie mussten sich durchsetzen, um ihre Position zu erreichen. Sie müssen mehr leisten als Männer, um darin anerkannt zu werden. Aus dieser Erfahrung heraus geben sie sich männlicher als Männer. Der Mitarbeiter zu seiner Bereichsleiterin: „Sie sehen mich an, als ob Sie mich auffressen wollen, so empfinde ich das.“ Ihre Antwort: „Was Sie empfinden, ist Ihre Sache, das ist nicht mein Thema, das ist Ihres.“ Ein weiblicher Macho. Sie imitieren männliche Kleidung und männliches Verhalten, übertreiben dabei bisweilen. Bloß nicht weich wirken! Aber Frauen, die nur in Hosenanzügen mit heller Bluse und Schleife durch das Büro laufen und den männlichen Macher geben, sieht jeder an, dass sie versuchen, etwas zu sein, was sie nicht sind. Eine Frau ist kein Mann, sie kann deshalb kein besserer Mann werden. Sie wirken unglaubwürdig, lächerlich, traurig, eben nicht authentisch. Solche Frauen, die mit viel Kraft und womöglich unter vielen Verbiegungen und viel Verzicht (auf eine Familie) ihre Position erreicht haben, zeigen oft besonders wenig Verständnis für Mitarbeiter und deren familiäre Notwendigkeiten oder besondere Situationen. Sie unterdrücken, was allein Frauen als Stärken einzubringen haben, ihre weiblichen Fähigkeiten wie Sensibilität, Empathie und Verständnis. Da bringt es auch nichts, wenn die ehemals harte, 40-jährige Vorgesetzte von dem Moment an, in dem sie von ihrer Schwangerschaft erfährt, plötzlich die Mutterversteherin in Person ist. So unglaubwürdig sie vorher war, so unglaubwürdig ist sie auch nachher.

Männer fühlen sich unwohl, wenn sie von einer Frau geführt werden. Sei es, sie fühlen sich in die alte Sohn/Mutter Rolle zurückversetzt, sei es, sie als Mann sollten nach ihrem Verständnis die stärkere Rolle gegenüber einer Frau haben. Immer ist die weibliche Führungskraft Ausdruck des eigenen Versagens, und wenn Männer etwas gelernt haben, dann das eigene Versagen zu hassen.

Interessanterweise haben Spitzenmanager in einer Umfrage fast unisono angegeben, in sogenannten weiblichen Eigenschaften keinen Mehrwert für das Unternehmen zu sehen. Und das entgegen allen Erkenntnissen aus der Praxis, stur und beharrend bloß alle Veränderungen der Strukturen abwehren, sich bloß nicht selbst infrage stellen, stattdessen Selbstbewusstsein und Selbstüberzeugung demonstrieren. Tröstlich ist: Anachronisten sind erst ärgerlich, werden aber schnell lächerlich.

Auch Frauen mögen weibliche Führungskräfte nicht gerne. Sie wissen um das starke Rivalitätsdenken von Frauen. Eine Frau in einer stärkeren Position wird eine andere starke Frau unter oder neben sich nicht zulassen. Eine weibliche Mitarbeiterin fürchtet, keine Aussicht zu haben, sich selbst weiterentwickeln zu können. Die Folge sind oft Aggressivität und ungelöste Dauerkonflikte. Kinderlose weibliche Vorgesetzte sagen Müttern nach, sie seien nicht so belastbar. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die psychische und physische Belastbarkeit von Müttern ist unvorstellbar, auch für Männer. In Wirklichkeit sind kinderlose Vorgesetzte meist nur neidisch, weil Mütter etwas haben, was sie selbst auch gerne hätten, nämlich Kinder, Liebe, einen Partner, und weil sie, weibliche Intuition, spüren, welche Last Mütter tragen und bewältigen.

 

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