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Ohne Körper kommt mein Kopf nicht durch die Tür

Carolin Wolf

20.02.2020 ·  Ein Gehirn auf Stativ ... So könnte man plakativ einen Büroarbeiter beschreiben. Acht Stunden oder mehr in ein und derselben Haltung am Schreibtisch. Bewegung bestenfalls zur Kaffemaschine und zur Kantine - eventuell noch etwas betriebliche Gesundheitsförderung. Nur reicht das, den Kopf frei zu bekommen, den Geist in Schwung zu bringen? Vermutlich nicht. Denn damit Geistesblitze entstehen und das Gerhirn arbeitet, braucht es mehr - mehr Bewegung. Carolin Wolf hat einige Muntermacher zusammengestellt.

Carolin Wolf

Carolin Wolf ist seit 2001 Geschäftsführerin von Wolf&Oberkötter Personal- und Organisationsentwicklung, mit den Schwerpunkten des betrieblichen Gesundheitsmanagements, dem Begleiten und Gestalten von Veränderungsprozessen sowie der Konfliktklärung. Die Diplom-Psychologin ist als hypnosystemische Beraterin und Effectuation-Expertin in den unterschiedlichsten Kontexten tätig.  » http://https://wolf-oberkoetter.de/

Ursprung dieser Überschrift ist der Titel eines von dem systemischen Berater Daniel Timpe durchgeführten Workshops. Im betrieblichen Alltag verhalten wir uns oft so, als ob wir nur ein Gehirn auf einem Stativ wären: Acht oder mehr Stunden arbeiten, die Pausen gerne auch in derselben Haltung am Schreibtisch und dann beizeiten zum Ausgleich eine Maßnahme aus der betrieblichen Gesundheitsförderung. Körperlicher Bewegungsmangel sorgt auch für geistigen Bewegungsmangel. Nicht umsonst haben wir alle schon einmal erfahren, dass die Lösung eines komplexen Problems beim Spaziergang, Joggen oder in der Dusche möglich wird. Immer dann, wenn wir uns verbunden mit Bewegung das freie und vor allem das absichtsfreie Assoziieren erlauben, ist die Einladung für sogenannte Geistesblitze besonders hoch.

Zunächst ein kleines Experiment:

Der Sozialpsychologe Thomas Mussweiler hat 2006 Probanden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe lief ein paar Minuten in einem normalen Tempo durch den Raum und die andere Gruppe in einer für ältere Menschen charakteristischen Art und Weise. Anschließend wurde die Reaktionszeit beim Erkennen von Wörtern aus Buchstabenketten getestet. Das Ergebnis: Die Gruppe, die vorher in einer für ältere Menschen charakteristischen Art und Weise gelaufen war, konnte nun deutlich schneller Wörter, die zum Themenfeld ältere Menschen gehören, identifizieren. Dieses Experiment macht deutlich, welchen Einfluss die eingenommene körperliche Haltung auf die inhaltlichen Ergebnisse hat. Im Falle des Experiments ging es um die Übereinstimmung von Körperhaltung und Wortgruppen.

Welche körperliche Haltung hat wohl die besten Voraussetzungen für die Herausforderungen aus der VUKA-Welt?

Das gemeinsame Nachdenken fängt auf dem Weg zum verabredeten Ort an. Treppe statt Fahrstuhl! Erlauben Sie sich, wahrzunehmen, wie der eigene Körper sich jetzt im Moment anfühlt und was der Körper braucht, damit der Kopf gut denken kann.

Achten Sie auf Ihren eigenen Körper: Sind im Moment zum Beispiel gerade meine Schultern hart wie ein Brett, dann macht es Sinn, etwas zu tun, um die Schultern zu lösen. Habe ich gerade den Atem angehalten oder atme ich nur noch flach, dann macht es Sinn, mir mal einen tiefen Atemzug zu gönnen.

Für alle Filmliebhaber empfehle ich diesen Filmklassiker von Robert Redford. In den Dialogen steckt viel Weisheit zu den Themen Körperwissen und Führung.

Nachspüren: Die Kraft der somatischen Marker

Somatische Marker – hierunter sind wichtige Feedbackschleifen aus dem Unbewussten zu verstehen, die sich über unwillkürliche Impulse zeigen. Diese Körpersignale können zum Beispiel Veränderungen der Atmung, der An- oder Entspannung einzelner Körperregionen oder aber ein verändertes Gefühl zum Beispiel in Kehle, Brust oder Bauch sein. Anders formuliert: Somatische Marker sind die Hinweisschilder des Körpers an unser bewusstes Denken.

Im Abschnitt Embodiment und Entscheidungen lesen Sie, wie Sie die Signale Ihres Körpers bei Entscheidungen unterstützen können. Die Grundidee ist, den Körper langfristig als einen wohlwollenden Kooperationspartner zu betrachten, der Ihnen immer wieder Botschaften über achtenswerte Bedürfnisse sendet.

Einerseits geht es darum, die eigenen Körpersignale gut zu lesen und andererseits den eigenen Körper mit einem guten Mix aus Bewegung und Entspannung zu pflegen, um so rein körperlich gute Voraussetzungen für den Einsatz unseres Gehirns zu schaffen. Für Spitzensportler ist das Mentaltraining vor Wettkämpfen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Wie sähen wohl die inhaltlichen Ergebnisse des gemeinsamen Denkens aus, wenn es eine Routine gäbe, vor wichtigen Meetings den Körper aufzuwärmen?

Mit dem beruflichen Hintergrund der Logopädin und dem seit 2001 praktizierten Schwerpunkt des betrieblichen Gesundheitsmanagements, der wiederum die betriebliche Gesundheitsförderung beinhaltet, hat mich in meiner gesamten Arbeitszeit die Frage nach niedrigschwelligen, sprich leicht durchführbaren Übungen mit hoher Wirkung begleitet. Im Folgenden eine Auswahl:

Best-of der Muntermacher im Alltag

  1. Bei Müdigkeit oder aber auch in einem Raum mit vielen Menschen zugleich: Ohrmuscheln kräftig durchmassieren. Es macht wach und unterstützt das fokussierte Hören.
  2. Leicht und rhythmisch auf die Thymusdrüse in der Mitte der Brust mit den Fingerspitzen zu klopfen, lässt Sie neue Energie tanken.
  3. Im aufrechten Stand mit dem rechten Ellenbogen das linke Knie berühren und umgekehrt mit dem linken Ellenbogen das rechte Knie berühren. Dies in einer fließenden Bewegung mehrmals hintereinander ist ebenfalls ein guter Wachmacher, aktiviert und balanciert beide Gehirnhälften.
  4. Falls Ihre typische Schreibtischhaltung eher mit runden, nach vorne gebeugten Schultern ist, freuen Ihre Schultern sich über folgende Auszeit: Unterarme anwinkeln, Hände zeigen zueinander und dann die Unterarme nach außen bewegen und am Ende die Handflächen zur Decke zeigen lassen. Hierdurch können die Schulterblätter nach hinten unten wandern und der Schultergürtel inklusive Brustraum lässt sich wieder öffnen.
  5. Sich auf der Nasenspitze einen Pinsel vorstellen und mit diesem liegende Achten zeichnen entspannt den Nacken und erfrischt die Augen.
  6. Mit den Füßen wippen erhöht den venösen Rückfluss und mobilisiert das Fußgelenk.
  7. Handflächen schnell gegeneinander reiben und dann die gut erwärmten Handflächen locker über die Augen legen entspannt die Augen.
  8. Den Körper mit lockeren Handflächen (wahlweise auch lockeren Fäusten) ausklopfen aktiviert und ist eine wunderbare Einladung, wieder Kontakt mit dem eigenen Körper aufzunehmen.
  9. Die Arme vor der Brust verschränken und abwechselnd links und rechts mit der Hand auf die Oberarme klopfen kann Stress senken.
  10. Das altbekannte Lippensprudeln (auch Lippenflattern oder Pferdeschnauben genannt) mit Ton lockert die Lippenmuskulatur und reicht von den Vibrationen her bis zu den Stimmbändern.
  11. Das feste Reiben der seitlichen Flanken lädt zu einem tiefen Atemzug ein.
  12. Und nicht zu vergessen: dehnen, rekeln, strecken, tief ausatmen und gerne mit Ton laut gähnen …

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