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Mutige Kommunikation

Garcia Thum

23.02.2017 ·  Wer möchte nicht manchmal das Grundmuster der Anpassung, Leistung, Zurückhaltung oder Stärke verlassen: Das Kind beim Namen nennen und unsere Meinung vertreten, Grenzen setzen oder auch Gefühle zeigen. Doch bevor wir handeln, sollten wir darüber im Klaren sein, warum wir diesen mutigen Schritt gehen. Denn nur dann können wir innere Entscheidungen glaubhaft nach außen tragen.

Garcia Thum

Gracia Thum ist seit zwanzig Jahren in Coaching und Training tätig. Sie ist Expertin in den Themenbereichen Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2006 ist sie Partnerin bei Dietz Training und Partner, dem Marktführer für Emotionale Intelligenz in Deutschland. Das Thema Mut als erlernbare ENCOURAGE-Kompetenz zu vermitteln, ist Kernpunkt ihrer Arbeit. Aktuell betreibt Gracia Thum eine Coaching-Praxis in Dresden, wo sie mit ihrer Familie lebt. » http://www.graciathum.de

Kommen Sie so schnell wie möglich auf den Punkt, um den es Ihnen geht. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Drehen Sie keine überflüssigen Einleitungsrunden. Ihr Gesprächspartner hat verdient, sehr schnell und klar zu verstehen, worum es geht.

Folgende Formulierungen reichen meist aus, eine Thematik zu umreißen:

  • »Ich möchte mit Ihnen über Ihre Leistung im Projekt reden.«
  • »Ich möchte mit Ihnen über meine Arbeitsbelastung sprechen.«
  • »Es geht mir um unsere Zusammenarbeit, darüber möchte ich mit dir sprechen.«
  • »Ich will dir gerne von einer Idee erzählen.«
  • »Ich möchte dir sagen, wie es mir damit geht, dass du viel weg bist.«

All diese Sätze zeichnen sich dadurch aus, dass sie in aller Einfachheit ankündigen, um was es geht. Sie vermeiden Missverständnisse und geben dem Gegenüber eine klare Orientierung.

Persönlich

Sprechen Sie von sich. Nicht von »uns«, nicht von »man«, sondern nur von sich. Sie schildern Ihre sehr persönliche Sichtweise. Das bedeutet, Sie öffnen Ihr Visier und zeigen, was Sie emotional berührt. Solange das Gegenüber Ihre emotionale Betroffenheit nicht spürt, kommt bei ihm wenig bis gar nichts an. Entwickeln Sie die Kompetenz, das Wort »ich« zu benutzen und es angemessen mit Ihren Emotionen zu verbinden. Emotionen kommen von dem lateinischen Wort movere – bewegen. Emotionen bewegen nicht nur in Ihnen etwas, sie wirken auch beim Gegenüber. Sie schaffen persönliche Beziehung und Betroffenheit. Folgende Sätze verknüpfen beispielhaft das persönliche Ich und die emotionale Ebene:

  • »Ich bin enttäuscht über die Ergebnisse, die Sie abgeliefert haben.«
  • »Ich fühle mich überfordert und verliere die Freude an meiner Arbeit, weil immer mehr Aufgaben dazukommen.«
  • »Ich ärgere mich, weil ich einen Großteil des Projektes alleine gestemmt habe.«
  • »In der Idee steckt viel Herzblut von mir.«
  • »Du fehlst mir. Ich vermisse dich, wenn du so viel weg bist.«

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Konkret

Für uns ist meist sonnenklar, warum wir verärgert, enttäuscht oder auch begeistert sind. Automatisch nehmen wir daher an, dass der andere genau weiß, worüber wir reden. Dass ihm sofort die neuralgischen Situationen in Erinnerung kommen, die uns beschäftigen. Dies ist ein Fehlschluss, der uns oft ins kommunikative Aus führt. Der andere ist eben nicht vorbereitet, er oder sie hat nicht seit Tagen oder Wochen über diese Thematik nachgedacht. Oft ist der andere mit ganz anderen Themen beschäftigt. Seine Wahrnehmung der Realität kann zu unserer Wahrnehmung komplett unterschiedlich sein. Die Konstruktivisten behaupten, jeder konstruiert sich seine Welt selbst. Realität als solche gibt es gar nicht. Soweit würden wir nicht gehen, aber die Realitäten können deutlich voneinander abweichen. Encourage-Kommunikation bedeutet, den anderen in meine Realität einzuladen, ihm einen Eindruck von dem zu vermitteln, was ich wahrnehme und was ich fühle. Neben dem klaren Ausdruck von Gefühlen braucht es daher sehr konkrete Beispiele, anhand derer mein Gegenüber ein Bild davon bekommt, was genau ich meine. Diese konkreten Punkte dienen nicht zur Verteidigung, sondern ausschließlich einer guten inneren Vorbereitung, anhand derer klar wird, an welchen Punkten ich reagiere, was meine Trigger-Punkte sind. Folgende Beispiele verdeutlichen, wie konkret wir werden müssen, um den anderen in unsere Realität einzuladen.

  • »In Ihren letzten Berichten sind wiederholt Fehler aufgetreten, zum Beispiel … Zudem haben Sie Ihre Berichte die letzten Male mit einer Verspätung von zwei Tagen und oft erst nach Aufforderung abgeliefert.«
  • »Ich habe seit April 2015 zusätzlich zu meinen Aufgaben folgende Tätigkeiten übernommen: Einarbeitung eines neuen Kollegen, die Kommunikation zur Pressestelle, das Kundenprojekt der Firma …«
  • »Im Projekt habe ich die gesamte Analyse und Aufbereitung der Daten alleine gemacht.«
  • »Du warst in den letzten zwei Monaten nur an sechs Abenden und zwei Wochenenden zu Hause.«

 

Pausen aushalten

Wenn wir das Gap überwinden und uns entscheiden, mutig zu sein, ist dies häufig mit dem Wunsch verbunden, alles auf den Tisch zu legen. Es gibt in der Encourage-Kommunikation kein größeres Hemmnis, als das Zuviel und zu Schnell. Wir überfordern unser Gegenüber, wenn wir ihm oder ihr aus unserem inneren emotionalen Druck heraus unendlich viel erklären, kein Ende finden und schnell sprechen, um in kurzer Zeit so viel wie möglich los zu werden. Weniger ist hier mehr. Pausen zu machen, auszuhalten und Stille zuzulassen, ist ein zentrales Erfolgselement der Kommunikation. Und es ist das Element, das am schwierigsten umzusetzen ist. Gehen Sie davon aus, dass Sie zu den 99 Prozent der Bevölkerung gehören, die, wenn es heikel wird, versuchen, die Unsicherheit mit einem Zuviel an Kommunikation zu überwinden. Gehen Sie auch davon aus, dass es in Ihrer Kommunikation immer noch ein wenig kürzer geht, als Sie vermuten. Und gehen Sie davon aus, dass der Moment, in dem Sie innehalten und damit Stille zulassen, für Sie unangenehm sein wird.

Als Mutter von drei Kindern kann ich die Kraft von kurzen Botschaften täglich erfahren. Wenn ich meinen Kindern langatmig erkläre, warum Ordnung wichtig ist, kann ich dabei zusehen, wie ich sie emotional verliere und sie nur noch körperlich anwesend sind. Ein einfacher Satz wie: »Ich möchte, dass du dein Zimmer aufräumst« ohne Erklärung und ohne Drohung zeigt viel mehr Wirkung, wenn ich die Stille danach nutze und im Blickkontakt bleibe. Kinder sind wunderbare Trainer einer klaren und kurzen Kommunikation. Auch von ihnen habe ich gelernt, mich kurzzufassen, persönlich zu sprechen und die Stille auszuhalten, die den Weg zu Veränderung möglich macht.

Umsetzung in die Praxis

Bereiten Sie Ihre Kommunikation mit folgenden Fragen schriftlich vor:

  • Um was geht es im Kern? Ein Stichwort reicht.
  • Welche Gefühle sind bei mir damit verbunden?
  • Welche konkreten Beispiele kann ich anführen? (Ein bis zwei Beispiele reichen)

Üben Sie Ihre Botschaft mehrfach. Konzentrieren Sie sich auf einen zentralen Satz und üben Sie dann, Stille auszuhalten.
Sprechen Sie den zentralen Satz solange laut vor dem Spiegel, bis Sie sich sicher und überzeugend fühlen.

 

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