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Mut für Alltagshelden

Gracia Thum

22.06.2017 ·  In welchen Situationen wären Sie gerne mutiger? Was würden Sie dann gewinnen? Wie würde sich Ihr Leben verändern? Stellen Sie sich diese Fragen manchmal? Halten Sie die Antworten aus?

Gracia Thum

Gracia Thum ist seit zwanzig Jahren in Coaching und Training tätig. Sie ist Expertin in den Themenbereichen Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2006 ist sie Partnerin bei Dietz Training und Partner, dem Marktführer für Emotionale Intelligenz in Deutschland. Das Thema Mut als erlernbare ENCOURAGE-Kompetenz zu vermitteln, ist Kernpunkt ihrer Arbeit. Aktuell betreibt Gracia Thum eine Coaching-Praxis in Dresden, wo sie mit ihrer Familie lebt. » http://www.graciathum.de

Die Weltgeschichte ist voll von Menschen, die Mut und Standkraft gezeigt haben. Die Geschwister Scholl, der Dalai-Lama, Nelson Mandela und viele andere sind solche Ikonen des Mutes. Oft sind diese Ikonen jedoch weit weg von unserem Alltagsleben. Wir bewundern sie; aber der Abstand zwischen uns und ihnen scheint zu groß, um daraus eine Inspiration für unseren Alltag zu ziehen. Es geht mir hier weniger um die radikalen mutigen Helden. Mir geht es um den Alltagsmut, um die vielen kleinen und manchmal unauffälligen Momente, aus denen sich unser Leben zusammensetzt und in denen wir lernen können, mutiger zu werden.

Es gibt eine Menge von Menschen, die uns im Alltag zeigen, wie viel Mut möglich ist. Menschen, die nicht nur in den großen Lebensfragen, sondern in kleinen Alltagssituationen mutig und aufrecht handeln. Menschen, die uns zeigen, dass so viel mehr möglich ist, als wir denken. Mit ihnen will ich unsere Reise zu mehr Mut beginnen.

Mut zu Ehrlichkeit

An einem Elternabend eines meiner Kinder ging es um die Gestaltung der Abschlussfahrt. Hoch engagierte Eltern und Lehrer begeisterten sich für den Besuch von Disneyland Paris oder des Wachsfigurenkabinetts in London. Wir freuten uns alle, unseren Kindern solche wunderbaren Möglichkeiten bieten zu können. Da stand die Mutter einer achtköpfigen Familie auf und sagte, dass es für ihre Familie einfach nicht möglich sei, eine Reise von über 400 Euro zu finanzieren, und ihr Sohn bei diesen ambitionierten Plänen zu Hause bleiben müsse. Ich erinnere mich gut an die Stille und Betroffenheit, die nach ihrem Einwand herrschten. Und ich weiß noch, welch großen Respekt ich für diese Frau empfand. Sie hatte sich in der allgemeinen Begeisterung getraut, zu sich und ihrer Situation zu stehen. Sie hatte uns alle mit ihrer Realität konfrontiert. Mit der Realität, dass nicht alle Eltern automatisch einen größeren Betrag für so eine Reise zur Verfügung haben. Alle möglichen Reaktionen sind bei so einem Szenario denkbar. Ich war erleichtert, dass es uns an diesem Elternabend gelungen ist, einen guten gemeinsamen Konsens zu finden.

In einem Workshop, der unter der Atmosphäre von angespannter Stille und wenig Beteiligung litt, meldete sich ein Mitarbeiter und traute sich, zu sagen, dass er enttäuscht und frustriert sei, weil nichts von den im vorherigen Workshop vereinbarten Zielen und Veränderungen von der Führungskraft umgesetzt worden wäre. Die ehrliche Aussage des Mitarbeiters stand zunächst in einem Raum voller Spannung und Unsicherheit. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich Kollegen fanden, die seine Sichtweise teilten. Es dauerte eine noch längere Weile, bis die Führungskraft in der Lage war, die Sichtweise der Mitarbeiter ernst zu nehmen und sich darauf einzulassen. Rückblickend hat dieser mutige Mitarbeiter die Tür für eine ehrliche, wenn auch schwierige Diskussion geöffnet.

Mit Sicherheit ist es diesen Menschen in diesen Momenten alles andere als leichtgefallen, mutig zu sein. Mit Sicherheit mussten sie ein Gap überwinden, um klar für ihre Meinung einzustehen. Aber sie haben eine Menge gewonnen: Sie haben Einfluss genommen, haben ihre Integrität bewahrt und sich den Respekt und das Vertrauen der anderen verdient.

Wann könnte es sich für Sie lohnen, ehrlicher zu sein und mehr zu Ihrer eigenen Meinung stehen? Wann wollen Sie klarer und deutlicher Position beziehen? Was würden Sie dadurch gewinnen?

Mut, Grenzen zu setzen

Ein Großteil meiner Arbeit in Coaching und Training dreht sich um die Fähigkeit, in einer von Leistung und Machbarkeit dominierten Umgebung Grenzen zu setzen. Gerade den hoch engagierten und sehr leistungsbereiten Menschen, denen ihr Ehrgeiz und Engagement ein Leben lang zur Seite standen und sie erfolgreich werden ließen, fällt es unendlich schwer, anzuerkennen, dass es Grenzen der Belastbarkeit gibt. Dass es irgendwann nicht mehr möglich ist, alle Aufgaben zu erfüllen. Oft wird diese Einsicht erst gewonnen, wenn Körper und Seele ihre Mitarbeit verweigern. Dann ist es manchmal bereits zu spät. Daher zolle ich all den Menschen Respekt, die es schaffen, ihre eigenen Grenzen anzuerkennen.

Mir fallen nur wenige Klienten und Freunde ein, die sich trauen, Grenzen zu setzen. Mir fallen leider viel mehr Menschen ein, die diesen Mut nicht aufgebracht haben und daran fast zugrunde gegangen wären. Viele sehr leistungsorientierte Menschen scheitern an dieser Mut- und Einsichtsschwelle und manche enden sogar im Burn-out.

Wie viel an Mut und Autonomie braucht es, um in der täglichen Arbeit die eigenen Grenzen anzuerkennen und  sich einzugestehen? Mich beeindruckt, wie Daniel Barenboim in einem Interview erklärte, er sichere sich jeden Tag eine Stunde Mittagessen wie eine Burg. Egal, was für wichtige Dinge erledigt werden müssen, egal, wie viel es zu proben und organisieren gibt, die Mittagsstunde sei ihm heilig.

Es gibt Menschen, die gelernt haben, diese Grenzen zu setzen und nein zu sagen. Wir sprechen hier nicht von den Menschen, die immer wieder geschickte Wege finden, sich vor der Arbeit zu drücken oder die über permanente Überlastung klagen, um nicht wirklich in die Verantwortung genommen zu werden. Die gibt es auch. Sondern wir sprechen hier von Menschen für die es Mut und Überwindung kostet, aus der Leistungsspirale auszubrechen. Oft sind das Personen, die einen gravierenden Schuss vor den Bug bekommen haben – ein Schlaganfall, ein Zusammenbruch, eine Scheidung – und die aus dieser extremen Erfahrung heraus gelernt haben, nein zu sagen.

Gibt es in Ihrem Leben Situationen, wo Sie genau diesen Mut, Grenzen zu setzen, brauchen? In denen Sie öfter nein sagen wollen? Was würden Sie gewinnen, wenn dieser Mut in Ihnen wachsen würde?

Mut, zu scheitern

Jedes Mal, wenn ich ins Theater gehe, bin ich voller Bewunderung für die Schauspieler, die sich über einen ganzen Abend dem gesamten Zuschauerraum stellen und denen ganz am Ende, kurz bevor der Schlussapplaus einsetzt, für einen kurzen Moment ihre Anspannung und Verletzlichkeit anzusehen ist. In diesen wenigen Sekunden glaube ich, sogar bei renommierten Schauspielern die Angst vor dem Scheitern zu sehen. Das ist der Moment, in dem ich höchsten Respekt habe vor der Wagnisbereitschaft.

Es finden sich viele Beispiele von dem Mut, etwas zu wagen, sich zu zeigen und vielleicht auch zu scheitern. In Biografien von erfolgreichen Unternehmern finden sich oft auch Niederlagen und Misserfolge. Sie zeigen uns, dass es im Leben nicht nur um die glatten Wege ohne Einbrüche geht, sondern darum, für das, was einem wichtig ist, einzustehen und aus den gemachten Erfahrungen zu lernen.

Tragen Sie Träume in sich, die Sie sich nicht zu realisieren wagen? Gibt es kleinere oder größere Projekte, an die Sie immer wieder denken, zu deren Realisierung Ihnen aber der Mut fehlt? Was wäre, wenn Sie beginnen würden, diese Träume zu leben?

Mut zu Verletzlichkeit

Es gibt eine Phase in Coaching-Prozessen, die zwar nicht immer eintritt, aber wenn sie eintritt, in mir einen starken Abdruck hinterlässt. In diesen Momenten halten meine Klienten nach viel Reden inne und sehen mich voller Unsicherheit an. Dann kommen sie auf den eigentlichen Kern Ihres Anliegens: auf Ihre Angst, zu versagen und nicht dazuzugehören, auf Ihre Sorge, sich blamiert zu haben, auf ihr Gefühl von Verlorenheit. In diesen Momenten ist so viel Verletzlichkeit im Raum. Sich selbst und anderen verletzliche Gefühle einzugestehen, ist alles andere als schwach. Dazu gehört so viel mehr Mut, als Fassaden von Souveränität aufrechtzuerhalten. Oft ist dieses mutige Sich-eingestehen, der erste Schritt für Veränderung.

Wir reden hier nicht über das ewige Lamentieren und Sich-selbst-leidtun, was nichts, aber auch gar nichts mit Mut zu tun hat und in der Regel auch keine Überwindung kostet. Wir reden hier davon, das Visier zu öffnen und mehr davon zu zeigen, wie es uns wirklich geht. Es fühlt sich sicherer an, in einem Konflikt mit dem Ehepartner ärgerlich und vorwurfsvoll zu werden, statt preiszugeben, dass man sich verletzt fühlt. Es ist so viel einfacher, die eigenen Ängste zu verdrängen, statt sich ihnen zu stellen.

Vielleicht kennen Sie die Sorge, zu viel preiszugeben oder zu verletzlich zu sein? Was würde sich in Ihrem Leben ändern, wenn Sie mehr zeigen könnten, wie es Ihnen wirklich geht? Welchen Menschen gegenüber würden Sie sich mehr öffnen wollen?

Diese alltäglichen Beispiele unserer Alltagshelden vermitteln, worum es mir bei Encourage geht. Sie helfen Ihnen, Ihre eigene Vorstellung davon zu finden, in welchen Situationen Sie mutiger sein können und was Sie dadurch gewinnen werden. Vermutlich haben Sie noch keine perfekte Vision davon, wie Ihr mutiges Leben aussehen könnte. Vielleicht ist es eher eine vage Idee. Das ist nicht schlimm. Encourage ist ein Konzept der kleinen Schritte. Erst einmal geht es darum, anzufangen.

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