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Lieber unvollkommen beginnen als perfekt zögern

Ardeschyr Hagmaier

06.07.2017 ·  Nachdem mir klar geworden war, dass ich vor allem neu denken musste, wie ich die Reisen gestalte, die bei meinem Beruf nun einmal unvermeidlich sind, tauchte gleich das nächste Problem auf: Mir ging es ja auch darum, den muffigen Seminarräumen und verstaubten Büros zu entfliehen und mein eigener Reise-Herr zu sein. WIE sollte ich in Zukunft von Coachee zu Coachee, von Trainingsgruppe zu Trainingsgruppe gelangen?

Ardeschyr Hagmaier

Andreschyr Hagmaier ist der Change-Denker. Als Umsetzungscoach löst er Blockaden auf, macht Probleme überwindbar und ebnet den Weg zur Lösung. Mit seinen inspirierenden Keynotes zieht er seine Zuhörer in den Bann und sorgt für den Klick im Kopf.  » http://www.ardeschyr-hagmaier.com

Darum verfiel ich auf den Gedanken, mir ein Wohnmobil anzuschaffen und zu einem Coaching-Mobil umzubauen.

Sie können sich vielleicht die Widerstände vorstellen, mit denen ich aufseiten meiner Familie zu kämpfen hatte. Die meisten Widerstände kamen aber von mir selbst! Schließlich bin ich nie der geborene Camping- und Zelt-Typ gewesen. Und natürlich hat das Reisen mit dem Coaching-Mobil Nachteile. Als Verkehrsteilnehmer hat auch der Lenker eines Coaching-Mobils mit Staus zu kämpfen. (Übrigens: Na und? Einfach rechts ranfahren oder ab zum nächsten Parkplatz und dort übernachten!)

Schließlich traf ich eine Entscheidung: warum nicht mal was vollkommen Neues ausprobieren in dem Bereich, der mich unglücklich machte? Warum nicht mal die eingefahrenen Gleise verlassen und nicht einfach nur die kleinräumigen Veränderungsprozesse angehen, die wohl die meisten in meiner Situation gewählt hätten? Denn wie es nicht mehr weitergehen kann, das wusste ich ja schon. Nein, ich wählte die radikalere Variante, von der ich wusste, dass sie mich glücklich machen würde. Oder zumindest zufrieden.

Doch dann tauchten neue Fragen auf: »Welches Mobil ist das beste für mich und meine Belange? Soll es groß und gemütlich sein oder doch lieber klein und wendig? Welcher Anbieter passt am besten zu mir? Welche Raumaufteilung ist die praktischste für mich? Welche multimediale Ausrüstung ist erforderlich?« Denn mein Coaching-Mobil sollte alle möglichen Multimedia-Geräte umfassen, die gesamte technische Ausstattung des vernetzten Coaching-Mobils sollte sich mithilfe einer Medien-Festplatte über ein Tablet bedienungsleicht steuern lassen.

Diese und weitere praktischen Fragen führten wieder zu neuen Blockaden, zu Verzögerungen, zu Hemmungen. Viel Zeit ging ins Land. Langsam wurde mir bewusst, dass hier mein innerer Antreiber »Sei perfekt!« am Werke war. Vielleicht wundern Sie sich, dass ich als Coach erst so spät auf den Gedanken gekommen bin. Aber wir kennen ja die Zeitmanagement-Päpste, die immer zu spät kommen, und die übergewichtigen und rauchenden Ärzte, die ihren Patienten dringend raten, gesünder zu leben. Expertentum führt selten zur Selbsteinsicht.

Ich beschäftigte mich jetzt also schon fast zwei Jahre mit dem Thema, war mir aber immer noch nicht sicher in meiner Entscheidung. Am Anfang war ich sehr verwirrt. Nach zwei Jahren extensiver Recherche war ich immer noch verwirrt, aber auf einem höheren Niveau. Und auch wenn ich mir immer noch nicht wirklich sicher war, entschied ich mich schließlich für das Wohnmobil einer bestimmten Firma.

Chance statt Change

Wenn wir uns für etwas entschieden haben, sollten wir nicht lange zögern und die notwendigen Konsequenzen ziehen – und dabei nicht warten, bis alle Details geklärt sind. Es ist besser, unvollkommen zu starten, als in der Hoffnung zu zögern, irgendwann die perfekte Entscheidung zu treffen. Denn dann könnte es zu spät sein, und es geht uns wie den Menschen, die die Palliativpflegerin Bronnie Ware befragt hat und deren bewegende Antworten Sie in dem Buch The Top Five Regrets of the Dying finden. Unter den fünf Dingen, die Sterbende am meisten bereuen, findet sich auch die Aussage, sie bereuten es, nicht den Mut gehabt zu haben, ihr eigenes Leben zu leben und das getan zu haben, was sie tun wollten.

Trauen wir uns also, das zu tun, was wir für richtig halten. Bauen wir etwas Neues auf, statt nur an einigen kleinen Veränderungsstellschrauben zu drehen. Überwinden wir unsere inneren Widerstände – und die unseres Umfeldes. Beginnen wir, unvollkommen statt in Schönheit zu sterben. Es ist manchmal besser, unperfekt zu beginnen, als auf den perfekten, alles bedenkenden Startschuss zu warten. Wir müssen den Mut entwickeln, auch unvollkommen zu beginnen und die 90-Prozent- statt die 100-Prozent-Strategie zu realisieren.

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