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03.09.2009

Kreative Ideen finden - einfach so

von Dr. Jürgen Wunderlich

Dr. Jürgen Wunderlich

Im Grunde besitzen alle Menschen die Eigenschaft, kreativ zu sein. Vielleicht erinnern Sie sich daran, wie kleine Kinder immer wieder aufs Neue mit ihren Bauklötzen und anderen Utensilien die unterschiedlichsten Gebilde generieren. Leider tritt diese Fähigkeit sehr häufig während der Erziehung und Schulbildung in den Hintergrund und geht fast verloren. Daher ist es wichtig, dass Sie ein Umfeld schaffen, in dem Sie kreatives Arbeiten ermöglichen. Druck, Stress und Kritik sind die größten Feinde der Kreativität. Die folgende Liste gibt Ihnen Hinweise, wie Sie ein solches Umfeld schaffen können:

  • Lassen Sie jede noch so abwegige Idee zu.
  • Trennen Sie die Bewertung von Ideen von der Ideenfindung.
  • Schaffen Sie eine ungewohnte Umgebung.
  • Betrachten Sie jeden Beitrag als grundsätzlich wertvoll.
  • Drücken Sie sich positiv aus.
  • Zeigen Sie für jeden Teilnehmer eine grundsätzliche Wertschätzung.
  • Legen Sie Rahmen und Methode fest.
  • Sorgen Sie für Entspannung vor oder während des Prozesses.
  • Schaffen Sie ein motivierendes Umfeld (vergleiche 3-Power-Impulsgeber).
  • Leisten Sie die Moderation des Prozesses
  • Achten Sie zunächst eher auf Quantität statt auf Qualität.
  • Lassen Sie Spaß und Spiel gezielt zu.
  • Fordern und unterstützen Sie jeden Teilnehmer aktiv.
  • Setzen Sie auf die breiteren Chancen von heterogenen Gruppen.

Viele Sitzungen, die zur Ideenfindung dienen, finden nicht im täglichen Arbeitsumfeld statt, sondern bewusst in anderen Räumen oder Plätzen. Dadurch erzeugen Sie bereits eine andere Atmosphäre. Kreativbüros verknüpfen gerne Spiel und Spaß mit einer kreativen Umgebung. So können Sie oft Spielgeräte wie Billard, Kicker oder Darts in deren Räumen finden oder auch Massagesessel. Das Ziel dahinter besteht in der Regel darin, dass durch diese geänderte Umgebung auch andere Gedanken und Ideen ausgelöst werden und dass sie für alle Teilnehmer deutlich macht, dass es sich um eine andere Aufgabe handelt.

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Supermärkte setzen gezielt auf die Verkaufsförderung durch Hintergrundmusik. Sie können ebenfalls gezielt eine solche verwenden. Besonders geeignet ist dabei Material, welches auch für „Beschleunigtes Lernen“ oder Superlernen verwendet wird, wie zum Beispiel klassische barocke Musik oder auch Brain Sync© und Hemi Sync© usw. Diese Musik versetzt das menschliche Gehirn in einen besonders aufnahmefähigen und kreativen Zustand.

Planen Sie ausreichend Zeit für kreative Arbeiten ein. Die Planung des Zeitbedarfs hängt stark von der jeweiligen Methode ab. Bei komplexeren Themen können Sie durchaus mit einem größeren Zeitbedarf rechnen. Eine leichtere Bearbeitung erreichen Sie, wenn Sie komplexe Themen untergliedern und die einzelnen Glieder bearbeiten.

Es ist nicht zwingend für jede Kreativsitzung, dass Sie auf einen Moderator zurückgreifen. Jedoch sollte derjenige, der die Besprechung leitet, Erfahrung mit der jeweilig verwendeten Methode haben. Günstig ist ein separater Moderator, wenn Sie mit größeren Gruppen oder sehr kontroversen Persönlichkeiten arbeiten. Weitere Indizien, dass Sie einen Moderator einsetzen sollten, liefert Ihnen die folgende Auflistung:

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  • Größere Gruppe
  • Personen mit verschiedenem Erfahrungshintergrund
  • Integration von sehr zurückhaltenden Persönlichkeiten
  • Teilnehmer aus verschiedenen Hierarchiestufen
  • Einsatz neuer Ideenfindungstechniken

Für einen reibungslosen Ablauf Ihrer Ideensitzung tun Sie gut daran, wenn Sie für ausreichendes Arbeitsmaterial sorgen. Dieses ist natürlich von der Arbeitsweise, die Sie benutzen, abhängig. Versuchen Sie möglichst viel zu visualisieren, damit alle Teilnehmer dem Ideenfindungsprozess leicht folgen können. Wenn Sie viel ordnen und umstrukturieren müssen, dann greifen Sie auf Moderationskarten und Pinnwände zurück.

Praxistipp: Jeder Ideenfindungsprozess hat Phasen mit größerem und schwächerem Ideenfluss. In der Regel erhalten Sie in der ersten Phase stärker die eher an der Oberfläche liegenden Ideen. Die tiefer verborgenen Ideen erhalten Sie meist erst in der zweiten Phase mit stärkerem Ideenfluss. Die dazwischen liegende stille Phase müssen Sie durchstehen!

Trennen Sie unbedingt die Findung der Ideen von deren Bewertung. Gerade sehr deutlich weiterführende Ansätze werden gerne zerredet.

Intuitive Ideenfindung

Entscheidend ist hier, dass Sie die richtige Frage an Ihre Intuition stellen. Da Sie oft bereits recht lange mit dem Problem, das es zu lösen gilt, schwanger gehen, ist es wichtig, dass Sie sich zunächst von der Fragestellung lösen. So stellen Sie sicher, dass Sie Ihre intuitiven Eindrücke unverfälscht erhalten. Eine Methode, die Sie sowohl alleine als auch in Teams einsetzen können, ist die I3-Power-Intuitionsmethode. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut diese Methode wirkt.

Beispiel: Suche nach einer innovativen Projektpräsentation
Ein Projektteam aus vier selbstständigen Beratern sucht nach einer einfachen, aber intensiv wahrnehmbaren Darstellung seiner Verbundleistungen. Die Nutzen für die Zielkunden sind seit mehreren Sitzungen ausgearbeitet. Seit der letzten Sitzung geht es darum, wie diese in einer möglichst attraktiven Form präsentiert werden können. Es wird Idee um Idee geäußert, verändert und angepasst, ohne dass ein brauchbares Ergebnis daraus resultiert.

Dann schreibt einer der vier die Fragestellung „In welcher Form können wir unseren Kunden einprägsam unsere wertvollen Ansätze präsentieren?“ auf ein Blatt Papier und faltet es so zusammen, dass keiner der anderen es lesen kann. Er drückt es einem der Kollegen in die Hand und bittet ihn darum, einfach drauflos zu erzählen, was ihm so in den Sinn kommt. Während der ersten fünf Minuten kristallisiert sich bereits der Entwurf für die Idee heraus – eine Würfelform, die alle Perspektiven des gemeinsamen Ansatzes optimal zur Geltung bringt. Diese wird von allen gerne aufgenommen und weitergeführt. Die ersten Testkunden reagieren sehr positiv auf die gefundene Form der Präsentation.

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I3-Power-Intuitionsmethode

Diese Methode beruht auf dem assoziativen Nutzen der Intuition. Der Prozess gliedert sich zunächst in die intuitive Phase, dann erfolgt eine assoziative Phase zwischen Problem/Thema und den intuitiven Erkenntnissen. Erst danach werden die gefundenen Ideen kategorisiert und bewertet. Die Methodik ist sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen einsetzbar.

1. Phase: Die Teilnehmer erhalten einen verschlossen Umschlag, in dem sich die aktuelle Problemstellung befindet. Ab dem Zeitpunkt der Übergabe werden sämtliche Auffälligkeiten in der Wahrnehmung notiert beziehungsweise aufgezeichnet. Sobald über mehrere Minuten nichts Neues mehr kommt, wird diese Phase beendet.

2. Phase:Der Umschlag wird geöffnet. Die aufgezeichneten Wahrnehmungen werden zum Thema in Beziehung gesetzt und es wird nach möglichen Ansätzen zur Problemlösung gesucht.

3. Phase: Sichtung und Bewertung der gefundenen Ansätze

Vorteil: geringer Zeitbedarf, für Experten und Laien geeignet, sehr innovative Ansätze möglich; für unterschiedliche Gruppengrößen geeignet, Verblindung zwingt zum Querdenken

Nachteil: die erste Phase ist gewöhnungsbedürftig und unkonventionell, gegebenenfalls sind Aufzeichnungsgeräte notwendig

Zeitbedarf: 15 bis 120 Minuten

Selbstverständlich können Sie Ihre Intuition auch bei anderen Ideenfindungsmethoden einsetzen. Stellen Sie eine optimale Fragestellung sicher. Achten Sie dann auf Ihre ersten Informationen, nachdem die Fragestellung offen gelegt wurde. Machen Sie sich so schnell wie möglich Notizen, sei es in Form von Stichworten oder Mindmaps.Bei Teams/Mitarbeitern, die bisher noch nicht mit intuitiven Methoden gearbeitet haben, ist es wichtig, dass Sie sie dazu animieren, ihre ersten Gedanken und Assoziation direkt zu äußern oder aufzuschreiben. Es kann sein, dass diese zunächst unsinnig wirken. Oft entpuppen sich diese nach einer Interpretation als gute Ansätze. Verhindern Sie unbedingt eine sofortige Bewertung der Idee und der Person, die diese geäußert hat.

Wenn Sie fachlich tiefergehende Ideen brauchen und zu wenige Experten im Team haben, dann erzeugen Sie zunächst „Halbwissen“ bei den Teammitgliedern. Eine sehr bewährte Methode ist es, wenn Sie einen solchen Workshop in zwei Teile untergliedern. Im ersten Teil wird von den Experten das Wissen zu der Fragestellung präsentiert. Nach einer „Verdauungsphase“, in der vor allem das Unterbewusstsein arbeitet, startet dann die eigentliche Ideenfindungsphase. Die Kernfragestellung wird präsentiert. Dann geben alle Beteiligten sofort ihre ersten Ideen und Assoziationen zum Besten.

Besonders wirksam wird die I3-Power-Methodik in Verbindung mit der sogenannten Walt Disney-Strategie. Dabei wird der Entwicklungsprozess in drei Phasen untergliedert.

In der ersten Phase werden kreative Ideen erarbeitet. Es handelt sich dabei um die „Träumer“-Phase. In dieser Phase kann Ihre Intuition kreativ aus dem Vollen schöpfen. Alle Wahrnehmungen und Assoziationen sind mehr als erwünscht.

In der zweiten Phase werden diese Ideen weiterentwickelt. Es handelt sich um die „Realisierer-Phase“. Nutzen Sie dazu Inspirationsfragen. „Was macht … möglich?“ „Wie können wir … realisieren?“ Ergänzen Sie Ihre Intuition mit fachlichem Know-how. Dadurch bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie die tatsächliche Realisierung aussieht.

In der letzten Phase geht es darum, Schwachstellen und Optimierungsbedarf in den gefundenen Ansätzen zu finden. Es handelt sich um die „Kritiker“-Phase. Richten Sie Ihre Intuition mit Fragen wie zum Beispiel „Was fehlt noch für eine optimale Lösung?“, „Wo brauchen wir unterstützende Daten?“, „Welche Schwachstellen hat dieser Ansatz“ aus. Hinterfragen Sie unbedingt die Punkte, die Ihnen sofort „einfallen“.

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Sie können diese Phasen so lange wiederholen, bis Sie eine zufriedenstellende Lösung erarbeitet haben.

Nachdem diese vorliegt, geht es darum, dass diese auch von anderen, die nicht an der Erarbeitung beteiligt waren, akzeptiert wird. Jetzt wird es Zeit für die Impulsgeber. Je nach Zielgruppe können Sie diese mehr oder weniger genau abschätzen. Erstellen Sie aus der Idee eine Impulsgeschichte oder nutzen Sie die Impulsfragen, um diese Ihrer Zielgruppe schmackhaft zu machen. Bitte beachten Sie, dass es eine Reihe von Impulsgebern gibt, die sich gegenseitig ausschließen. Sie müssen sich entscheiden, welche Sie benutzen wollen und welche nicht. Alle können Sie leider nicht bedienen.

Übung zur Stärkung Ihrer Kreativität

Inspirieren Sie sich selbst und setzen Sie dadurch neue Impulse. Haben Sie schon einmal angefangen, ein Bild zu malen, ohne zu wissen, was es später darstellen soll? Wenn nein, dann versuchen Sie es gleich mal. Nehmen Sie ein Blatt Papier und farbige Stifte und versuchen Sie einmal, das, was sich gerade in Ihrem Kopf abspielt, zu Papier zu bringen. Lassen Sie dabei Ihren Gefühlen und kreativen Ideen freien Lauf – malen Sie das, was Ihnen gerade in den Sinn kommt (es können auch nur zusammenhanglose Striche oder Formen sein). Lassen Sie sich einfach gehen und bekommen Sie einen freien Kopf. Nach und nach wird das Bild „vollkommener“. Betrachten Sie im Anschluss Ihr „Kunstwerk“ und versuchen Sie, daraus neue Impulse für sich selbst abzuleiten. Was könnten manche Dinge auf Ihrem Blatt bedeuten? Welche neuen Ideen kommen Ihnen beim Betrachten Ihres eigenen Bildes?

Ihre sprachliche Kreativität können Sie durch folgende Übung steigern. Lassen Sie sich verschiedene Begriffe nennen und auf jeweils einem Blatt Papier notieren. Lassen Sie sich dann einen Begriff zeigen oder nennen. Beginnen Sie dann eine Geschichte zu erzählen, in der dieser Begriff vorkommt. Nach unregelmäßigen Zeitintervallen wird Ihnen ein weiterer Begriff vorgegeben. Auch diesen bauen Sie in diese Geschichte ein. Führen Sie dies so lange fort, bis alle Begriffe benutzt worden sind. Eine Variante besteht darin, dass die Geschichte nicht nur von einer Person, sondern von mehreren Personen gestaltet wird. Je intensiver und fesselnder Sie die Geschichte gestalten, desto besser werden Sie neben der Kreativität auch die Inspiration und Impulse nutzen. Ihre Wirksamkeit wächst.

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