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Ich trau mich nicht

Linda Schröter

29.10.2015 ·  Es brennt Ihnen unter den Nägeln und eigentlich wissen Sie auch schon, was Sie ganz genau sagen wollen? Dennoch verspüren Sie Hemmungen, das Gespräch zu beginnen. Ein Umstand, der vielen von uns bei Kritik oder Konfliktgesprächen nicht unbekannt sein dürfte. Die Psychologin Linda Schröter verrät Ihnen, welche Ursachen dahinter stecken und wie Sie sich von diesen Hemmungen befreien.

Linda Schröter

Diplom-Psychologin Linda Schroeter ist Trainerin und Coach für Führung, Konfliktmanagement und Persönlichkeitsentwicklung. Als Expertin für effiziente und wertschätzende Kommunikation leitet sie seit vielen Jahren unter anderem Konfliktlösungsprozesse. Zu ihren Kunden gehören namhafte Konzerne und mittelständische Unternehmen, welche insbesondere die Klarheit, Freude und Leichtigkeit ihrer Führung schätzen. » http://www.schroeter-entwicklung.de

Was ist, wenn Sie wissen, was Sie sagen wollen würden, aber Hemmungen spüren, das Gespräch zu beginnen?

Es gibt eine Vielzahl von individuellen Ursachen, warum wir Hemmungen haben können, Konflikte anzusprechen. Und es gibt eine Vielzahl wunderbarer Möglichkeiten, sich von Hemmungen zu befreien.

In diesem Kapitel möchte ich Ihnen einen Hintergrund, der uns alle betrifft, und eine Methode, die sehr häufig hilft, vorstellen. Wenn Sie merken sollten, dass sich bei Ihnen ein individuelles Thema und damit auch ein wundervolles persönliches Potenzial für neue Freiheiten hinter Ihren Hemmungen verbirgt, lohnt es sich sicher, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Der schnellste Weg ist vermutlich, sich fachkundigen Rat einzuholen. Dazu kommen wir im nächsten Kapitel.

Beginnen wir nun damit, womit wir alle bis zu einem gewissen Grad zu kämpfen haben: Konflikte ansprechen ist nicht leicht!

Zunächst einmal kann ich Sie beruhigen. Was da vermutlich auch bei Ihnen wirksam ist, ist ein uraltes evolutionäres Programm, welches das Überleben unserer Vorfahren gesichert hat. Es ist also grundsätzlich etwas sehr, sehr Positives.

Unsere Vorfahren lebten in Gruppen. Und das war auch sinnvoll, da ihre Überlebenschancen so um ein Vielfaches höher waren.

Damals war eine positive Verbindung mit unseren Mitmenschen also kein angenehmer Luxus – es ging um Leben und Tod. Wer sich nicht mit den anderen einigen konnte, lief Gefahr, ausgestoßen zu werden.

Deswegen erleben viele von uns auch heute noch starke Hemmungen, Konflikte anzusprechen. Die Angst, von unserem Gegenüber abgelehnt und von unserer Gruppe ausgestoßen zu werden, sitzt tief.

Was bringt uns dieses Wissen? Zunächst einmal brauchen wir uns nicht für unsere Hemmungen zu schämen. Wir folgen damit nur einer sehr sinnvollen, aber in vielen Punkten leider lange überholten Strategie.

Wie überwinden wir nun diese Hemmungen?

Eine wunderbare Art, Hemmungen und Ängste zu entmachten, ist der Realitäts-Check. Wenn wir uns fühlen wie unsere Vorfahren, die Angst um ihr Leben hatten, sind wir nicht in der aktuellen Realität. Das können wir uns bewusst machen. Um das auch intensiv wahrzunehmen, eignet es sich meiner Erfahrung nach besonders sich dem Worst-Case-Szenario – also dem schlimmsten vorstellbaren Ausgang der Situation oder auch einfach der ›Gruselversion‹ zu stellen.

Diese Methode hat schon vielen meiner Trainingsteilnehmern ebenso wie mir selber geholfen, bedrohlich erscheinende Situationen in bewältigbare umzuwandeln. (Dieses kurze Verfahren ersetzt natürlich keine Psychotherapie und wenn Ihnen der Titel der folgenden Anleitung zu heikel erscheinen sollte, dann überspringen Sie dieses Thema lieber. Falls es Sie aber positiv neugierig macht: Probieren Sie es aus!)

Anleitung: von der Gruselversion zur Wohlfühlversion

1. Stellen Sie sich vor, was der schlimmste Ausgang der Situation sein könnte.
Sie sprechen den Konflikt an und dann? Fehlen Ihnen die Worte? Ist Ihr Konfliktpartner sauer? Finden Sie keine Lösung? Rastet er völlig aus? Schreiben Sie Ihre Gruselversion auf.

2. Ganz wichtig: Denken und schreiben Sie diese wirklich zu Ende!
Oft bleiben wir mit Schrecken bei dem inneren Bild ›und dann bleibt mir die Antwort im Hals stecken‹ stehen und trauen uns nicht weiterzudenken. Aber was wäre denn, wenn das passieren würde? Ganz ehrlich? Schlimmstenfalls gehen wir aus dem Raum und starten später einen neuen Anlauf. Oder wir schreiben stattdessen eine E-Mail oder rufen an.

Oder haben Sie vielleicht die Sorge, dass Ihr cholerisches Gegenüber völlig ausrastet? Haben Sie das nicht ohnehin schon erlebt (und überlebt)? Und selbst wenn das neu wäre – sofern Sie genug Abstand halten, um Ihre Ohren zu schützen, wird das außer zeitweiligem hohen Bluthochdruck bei Ihrem Gegenüber (und gegebenenfalls bei Ihnen) erst einmal keine großen Auswirkungen haben.

3. Als Nächstes überlegen Sie sich, wie Sie damit umgehen würden, wenn Ihre Gruselversion eintreten sollte.
Wie könnten Sie darauf reagieren? Wie können Sie sich wappnen? Können Sie Telefonjoker nutzen, die in der Zeit des Gesprächs auch sicher erreichbar sind? Nehmen Sie vielleicht ein Symbol in Ihrer Hosentasche als Erinnerung, dass Sie jederzeit eine Pause einlegen können, mit? Haben Sie Ihre Antworten auf die 5-Punkte-Methode griffbereit, sodass Sie notfalls auch einfach etwas vorlesen könnten, falls Sie nervös sein sollten? Was sind Strategien, die bei Ihrer Gruselversion weiterhelfen würden?

Sie können auch Freunde und Kollegen als Berater hinzuziehen und fragen, wie diese auf Ihre Gruselversion reagieren würden. Vielleicht kennen Sie das: Manchmal scheint mir meine Situation unheimlich kompliziert und unlösbar schwierig. Und dann frage ich eine Freundin, die ganz lässig eine super Strategie als Lösung für mich hat. Da wäre ich nie drauf gekommen! Weil ich einfach anders bin als sie und sie anders ist als ich. Diese Unterschiedlichkeiten können unser Leben so viel leichter machen, wenn wir sie teilen!

4. Wie wahrscheinlich ist Ihre Gruselversion?
So, nun haben Sie Ihre Gruselversion auf Papier gebannt, sie bis zum Ende erzählt (und ihr damit vermutlich bereits den Schrecken genommen) und sogar eine gute Reaktion entwickelt. Jetzt einmal Hand aufs Herz: Für wie wahrscheinlich halten Sie diese Variante ehrlich? Sehr oft höre ich an der Stelle: »Na ja, so wahrscheinlich ist das ja auch nicht.« Schreiben Sie Ihre Einschätzung der Wahrscheinlichkeit ruhig mal in Prozenten auf. Und lassen Sie diese Information einmal sacken.

5. Und zum Schluss schätzen Sie noch ehrlich ein, wie wahrscheinlich es ist, dass alles harmlos verlaufen wird.
Ich würde fast wetten, dass diese Prozentzahl deutlich über 50 Prozent liegt! Das könnte doch Mut machen, oder?

Falls Sie sagen, dass Ihre Gruselversion tatsächlich sehr wahrscheinlich ist, ist das natürlich auch eine wichtige Information. Dann macht eine sehr gute Vorbereitung besonders viel Sinn. Und Sie könnten sich umfassender beraten lassen und auch darüber nachdenken, eine weitere Person mit in das Gespräch zu nehmen. Je nachdem, was für ein Gespräch Sie planen, können das natürlich unterschiedliche Personen sein. Im beruflichen Kontext könnte das zum Beispiel ein unbeteiligter Kollege, der Betriebsrat, ein weiterer Chef, ein interner Mediator oder ein externer Coach sein. Im privaten Umfeld kann bei einem festgefahrenen Streit zwischen Partnern durchaus eine beiden bekannte anwesende Freundin helfen. Natürlich gibt es auch viele weitere Stellen wie zum Beispiel soziale Einrichtungen, an die man sich zur Unterstützung bei Konfliktgesprächen wenden kann.

Ich glaube grundsätzlich nicht, dass jemand allein in die ›Höhle des Löwen‹ gehen muss. Wenn Sie sich trotz guter Vorbereitung inklusive dieser Methode noch nicht zutrauen, dieses Gespräch zu führen, stimmen die Rahmenbedingungen vermutlich noch nicht.

Neben der Variante, jemanden in das Gespräch mitzunehmen, könnten Sie sich auch für andere Kommunikationswege entscheiden. Manchmal hilft eine in ruhiger Minute verfasste E-Mail. Oder Sie fühlen sich bei einem Telefonat erst einmal wohler.

6. Finden Sie so lange Lösungen, bis Ihre Prozentzahl für einen harmlosen Verlauf so hoch ist, dass Sie sich damit wirklich wohlfühlen.
Es gibt ein schönes chinesisches Sprichwort, das sagt: »Verwandle große Schwierigkeiten in kleine und kleine Schwierigkeiten in gar keine.«

Überlegen Sie, was Ihnen noch helfen könnte, die Situation so zu gestalten, dass sie für Sie bewältigbar ist. Finden Sie so lange Lösungen, bis Sie nicht mehr darüber nachdenken müssen, sondern handeln.

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