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Heiteres Beruferaten: Wer hat nix verkauft, nix produziert, nix entwickelt?

Stefanie Puckett

07.11.2019 ·  Um welche Tätigkeit handelt es sich?"Nix verkauft, nix produziert, nix entwickelt!" Die Antwort lautet: Die Führungskraft. Sie ist der Taugenichts vom Dienst. Doch so einfach kann man es sich dann doch nicht machen. Denn der Erfolg guter Führung zeigt sich meist indirekt ... Ein Plädoyer für gute Führung ...

Stefanie Puckett

Dr. Stefanie Puckett ist Diplom-Psychologin mit langjähriger internationaler Erfahrung in den Bereichen Unternehmensberatung, Assessment und Talent Management. Sie ist überzeugt davon, dass Veränderung immer mit der Person beginnt und nur dann nachhaltig gelingt, wenn sie an Stärken anknüpft und Entwicklung ermöglicht. Als Executive Coach unterstützt sie Führungskräfte darin, schon heute die Weichen für eine bessere Arbeitswelt zu stellen. » http://https://www.metaberatung.com/

Als Ingenieur bin ich gut, wenn ich ein Patent anmelden kann. Oder wenn ich ein Produkt verbessere. Wenn ich Sachbearbeiter bin, bin ich gut, wenn ich fehlerfrei dokumentiere. Wenn ich Verkäufer bin, kann ich meinen Erfolg an Verkaufszahlen messen. Doch wenn ich Führungskraft bin….

Mal ehrlich: was habe ich als Führungskraft vorzuweisen? Nichts produziert, nichts kreiert, nichts verkauft. Kein Wunder also, wenn Führungskräfte in ihrer Freizeit gerne selbst Resultate schaffen – etwas Leckeres kochen, Rasenmähen vielleicht.

Woran kann ich als Führungskraft meinen eigenen Erfolg messen? Am Erfolg Anderer. Ob Andere mir diesen Erfolg zuschreiben? Vielleicht nicht. Kein Wunder also, dass sich Führungskräfte gerne mal mit fremden Federn schmücken. Ein Konzept ihrer Mitarbeiter/innen als das eigene verkaufen. In der PowerPoint Präsentation schnell mal den Namen austauschen.

Mal ehrlich. Macht, Status, ja. Parkplatz. Vielleicht noch das Einzelbüro. Aber darüber hinaus? Führungskräfte sind kaum die Experten, oder die mit den besten Ideen, oder die, die für jedes Problem eine Lösung haben und die besten Inhalte produzieren. Vielleicht wären sie es – oder waren es mal, aber jetzt haben sie die Zeit ja gar nicht, sie sind zu beschäftigt mit führen.



Wenn es eine Aufgabe, eine Rolle in Unternehmen gibt, deren Wirkung und Erfolg sich alleine indirekt, im Einfluss auf das System zeigt, dann ist das Führung. Ein undankbarer Job. So wie Eltern sein… gut, die haben auch noch weder Macht noch Status…

Was bin ich?

Was heißt das jetzt für gute Führung? Und für agile Führung?

Gute Führung heute ist ja agil. Das heißt, als Führungskraft kann ich meinen Erfolg am Erfolg anderer, meiner Mitarbeiter/innen und meines Teams, messen. Darauf darf ich stolz sein – auch diese das geleistet haben. Nicht ich. Also wieder indirekt. Aber ich habe direkt dafür gesorgt, dass deren Erfolg möglich ist. Und: Ich darf mich auch ganz direkt messen lassen. Daran, ob ich zu den Prinzipien guter Führung auflebe – schaffe ich es, dem Beruf alle Ehre zu machen? 


Dabei folgt agiles Führen den gleichen Prinzipien, denen gute Führung immer folgte. Derer sind es im Kern drei (Puckett & Neubauer, 2018):

  • Agiles Führen folgt einer Vision
  • Agil führen passiert authentisch
  •  Agiles Führen richtet sich am Menschen aus

 

Prinzipien Agile Führung

Die Prinzipien Agile Führung  (Abbildung entnommen Puckett & Neubauer, 2018).



Was also ist der konkrete Beitrag, den die Führungskräfte hier leisten? Sie haben eine Vision. Diese müssen sie nicht nur entwickeln, sie müssen sie mit ihren inneren Werten und Überzeugungen verknüpfen und sie am Hemdsärmel tragen. Sie müssen sie vertreten, erklären, andere inspirieren und für sie kämpfen.

Sie müssen authentisch sein. Führungskräfte brauchen zufriedene, produktive Mitarbeiter. Das kann ich erreichen, wenn ich meinen Mitarbeitern den Hof mache, ihnen schmeichle und alles durchgehen lasse, solange die Leistung stimmt und genügend Karotten im Schrank habe. Das wird aber nicht authentisch. Authentisch ist Führung, wenn mal als Mensch auftritt. Mit Hoffnungen, Verpflichtung und Erwartungen. Authentisch führender Mensch ist, wer andere auf Augenhöhe hebt, einen echten Kontakt aufbaut und für jeden Einzelnen erarbeitet, was gute Führung in diesem Fall bedeutet und was genau gemeinsames Ziel ist.

Führung richtet sich am Menschen aus. Hierzu muss die Führungskraft einiges an Komplexität verarbeiten können und ein gutes Fingerspitzengefühl haben. Denn mit Menschen ist das so eine Sache. Ob man Maschinen richtig führt ist leicht zu beantworten. Man drückt die richtigen oder die falschen Knöpfe – und es gibt ein Manual. Fehlerfrei ist also gut. Bei Menschen gibt es kein objektives Richtig oder Falsch. Keine Anleitung an die man sich halten kann. Hier bewirkt Führungskraft etwas Positives oder etwas Negatives oder gar nichts. Welches der drei Ergebnisse das Verhalten einer Führungskraft erzielt, hängt von der Person oder dem Team ab, die/ das man führt und davon, wie gut das Führungsverhalten auf das System drum herum abgestimmt ist.

Ich muss als Führungskraft so drei Fragen beantworten können:

 

  • Wie sieht das Ziel aus, an das ich glaube? (Vision)
  • Was muss ich tun, um andere – gemessen an diesem Ziel – erfolgreich zu machen? (Ausrichtung am Menschen)
  • Ist es meine ehrliche Absicht, andere erfolgreich zu machen und mich an ihrem Erfolg zu messen? (Authentizität)

Das Große-Ganze sehen, komplexe Systeme und noch komplexere Menschen lesen und positiv zu beeinflussen und dabei authentisch sein. Das ist die Leistung, an der Führungskräfte sich messen können. Indirekt, am Erfolg anderer in ihrem Einflussbereich, indirekt über ein gutes Gefühl. Und direkt – wenn es ihnen jemand spiegelt

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