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Happy in der Krise?

Sabine Bredemeyer

04.06.2020 ·  Happiness steht in diesen Tag nicht sehr hoch im Kurs. Es erscheint geradezu sarkastisch und weckt eher Ablehnung, Unverständnis oder Neid, wenn jemand in diesen Tagen von sich behauptet, happy, also glücklich und zufrieden zu sein. Aber gerade jetzt, in einer Zeit der Unsicherheit und Krise brauchen wir unsere innere Ausgeglichenheit, unsere Kraft, Kreativität und Flexibilität mehr denn je. Sinnvolle Lösungen und reflektierte nächste Schritte werden nicht aus Stress oder Angst geboren. Und es ist möglich, auch in dieser Zeit positive Kräfte zu mobilisieren.

Sabine Bredemeyer

Sabine Bredemeyer steht als Expertin für persönliche und unternehmensweite Veränderungsprozesse vor allem für innere Balance und zeitgemäße Führungstools. Sie zeigt, wie sich Führungserfolg, engagierte Mitarbeiter und beste Unternehmensergebnisse durch eine einleuchtende persönliche Strategie erreichen lassen. Ihr Anliegen ist es, dass Menschen sich in ihrer Arbeitswelt wohlfühlen und entfalten können. » http://www.happy-leaders.de

Wenn wir die Dynamik unserer Emotionen verstehen, wenn wir ganz bewusst mit ihnen umgehen, wenn wir uns unserer Quellen für Glück und Zufriedenheit erinnern und sie ganz bewusst ‚anzapfen‘, ist ‚Happiness’ in Gestalt von innerer Balance und Zufriedenheit, vielleicht sogar Glück, selbst in diesen Zeiten möglich. Und gerade positive Gefühle sind die Energielieferanten, die Kreativität sprudeln lassen und die Lösungen hervorbringen können, die wir jetzt brauchen. Negative Gefühle lähmen und halten uns davon ab, in der Krise flexibel und kreativ zu bleiben und mögliche Chancen zu erkennen.

Die Behauptung, in solchen Zeiten glücklich oder zufrieden zu sein erwarten wir vielleicht von den Herstellern von Mundschutz-Masken, von Klopapier, von Beatmungsgeräten oder den Menschen, die ihr Geld schon immer durch Online- Angebote verdienten und sich jetzt vor Aufträgen nicht mehr retten können.

Aber auch, wenn Sie nicht zu den offensichtlichen Gewinnern der Krise gehören, können Sie Ihre lähmenden Emotionen überwinden und Ihre persönlichen Quellen von Glück und Zufriedenheit bei aller Bedrohung durch die Krise nutzen, um wieder in Balance zu kommen, handlungsfähig und kreativ zu sein. Ihre Kraftquellen mögen jetzt verschüttet, sein, vermeintlich unerreichbar. Aber mit den folgenden Informationen werden Sie die Dynamik Ihrer emotionalen Blockaden besser verstehen und ‚managen‘ können und dann entdecken, dass selbst diese Krise die wahren Ursachen für Ihr Glück und Ihre Zufriedenheit nicht zerstören kann.

Warum stürzt die Krise manche in die Handlungsunfähigkeit und beflügelt andere zu genialen Lösungen? 


Die Krise hat viele Unternehmen in große Schwierigkeiten gebracht. Unternehmer, Führungskräfte und auch viele Freiberufler standen plötzlich vor existenziellen Problemen. Niemand wusste, wie lange die Krise dauern würde, wie Ihr Unternehmen oder Sie selbst finanziell überleben sollten. Die Gedanken drehten sich um die Rettung des Unternehmens, um die Sicherstellung von Arbeitsplätzen oder das finanzielle Überleben als Einzelunternehmer. Angst, Ärger, Unsicherheit, manchmal sogar Panik waren die unmittelbare Reaktion. 

Was kaum jemand weiß: Alle diese Emotionen sind eine ganz natürliche, unvermeidliche emotionale Reaktion auf jegliche drastische Veränderung. So funktionieren wir Menschen. Und es gibt einen klaren Weg aus diesen Emotionen in eine stabile emotionale Balance, in eine zuversichtliche, stärkende Haltung. In einen Zustand, der es ermöglicht, wieder klar zu denken, klar zu sehen und sich wieder auf die Dinge zu konzentrieren, die einem wohltun und darin unterstützen, auch die Chancen zu erkennen, die diese Krise bieten kann. Wer bewusst mit diesen Emotionen umzugehen weiß oder sich durch einen Coach unterstützen lässt hat gute Chancen, sich von den neuen Gegebenheiten beflügeln zu lassen und geniale Lösungen zu finden.

Die emotionalen Phasen, ausgelöst durch die Krise


Wer sich einmal mit dem Thema „Trauerzyklus“ befasst hat, der weiß, dass wir Menschen auf starke Veränderungen immer in gleicher Weise reagieren. Wir durchlaufen unvermeidbar sechs wesentliche emotionale Stadien.

Die Stadien sind:

  1. Schock, Ärger und Wut
  2. Leugnung
  3. Erinnern
  4. Akzeptieren
  5. Loslassen und gleich danach
  6. Loslegen


Diese emotionalen Phasen wurden von der amerikanischen Psychologin Elisabeth Kübler-Ross entdeckt, als sie sich mit dem Thema Tod und den Hinterbliebenen beschäftigte. Sie beobachtete und erforschte, dass diese sechs Phasen bei jedem Menschen auftreten, wenn ein Angehöriger oder nahestehender Mensch stirbt. Wenn also eine drastische Veränderung im Leben durch den Verlust eines geliebten Menschen entsteht. Später erkannte man, dass diese emotionalen Stadien nicht nur von Trauernden durchlaufen werden, sondern von jedem Menschen, egal mit welcher Art Veränderung er es zu tun hat.

Eine interessante Erkenntnis dabei: Wir selbst haben Einfluss auf die Dauer oder Intensität dieser emotionalen Stadien. Und wer das weiß, den wirft eine Veränderung nicht aus der Bahn. Er kann die Dauer der Phasen verkürzen und ist schnell wieder kreativ und handlungsfähig.

Alle diese Phasen laufen zwangsläufig in uns ab. Wenn wir eine Phase nicht akzeptieren, annehmen, bearbeiten und abschließen, kommen wir nicht aus dem Trauerzyklus heraus, quälen uns mit dunklen Gedanken und bleiben darin stecken. Die Phasen sind bei jedem die gleichen. Die Länge können Sie beeinflussen – vor allem dadurch, dass Sie sich ihrer bewusst sind und wissen, was in welcher Phase zu tun ist.

Je schneller wir die Stadien des Trauerzyklus durchlaufen, desto schneller sind wir wieder handlungsfähig, können Chancen erkennen und mit neuen Lösungen loslegen.

Aber wie?

Hier sind die Tipps, die Ihnen helfen, schneller in Ihre Kraft zurück zu finden:

  1. Horchen Sie in sich hinein und nehmen Sie Ihre Emotionen wahr. Seien Sie sich dessen bewusst, dass sie ganz normal sind.
  2. Erkennen Sie, dass Sie mit Ihrem Schock, Ihrem Ärger oder Ihrer Wut noch im ersten Stadium stecken, erlauben Sie sich diese Emotionen als völlig normale Reaktion auf die Krise und sein Sie bereit, diese Emotionen loszulassen, indem Sie bewusst Dinge tun, die Ihnen guttun. Wie, das finden Sie weiter unten im Artikel.
  3. Bemerken Sie in der nächsten Phase, der Phase der Leugnung, wenn Sie sich selbst etwas vormachen: Sie tun so, als sei ‚nichts geschehen‘. Erwischen Sie sich dabei, dass Sie versuchen ‚alles so laufen zu lassen, wie es vor der Krise war‘. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Sie in der ‚Leugnung‘ feststecken. Hier ist es sinnvoll, sich einen Überblick über die Fakten zu verschaffen.  Tragen Sie sie glasklar und präzise für sich zusammentragen. Ebenso Ihre ersten Ideen zur Lösung. Spätestens in dieser Phase sollten Sie Unterstützung zulassen. Bitten Sie Ihre Mitarbeiter, Kollegen oder auch Ihre Familienmitglieder, Sie darin zu unterstützen, die Fakten zusammen zu tragen. Auch ein Coach kann Ihnen in dieser Phase weiterhelfen.
  4. Hier kommt die unvermeidbare Phase der Erinnerung. Wir erinnern uns der Zeit vor der Krise, in der alles noch ‚in Ordnung‘ war.  Auch diese Phase ist oft begleitet von Gefühlen wie Bedauern, Traurigkeit, Wut und Ärger darüber, dass es nicht mehr so ist, wie vorher. Auch diese Phase ist laut Kübler-Ross unvermeidbar.  Nehmen Sie sie wahr aber verurteilen Sie sich nicht dafür. Sprechen Sie mit anderen, denn das beschleunigt den emotionalen Prozess. Machen Sie diese Phase nicht mit sich allein aus. Sie ist natürlich und will durchlebt werden. Denn erst, wenn wir diese Phase durchlaufen haben kann sich die nächste einstellen.
  5. Die Phase des Akzeptierens. Hier breitet sich in uns die Bereitschaft aus, das Geschehene und die Situation, wie sie JEZTZ ist, zu akzeptieren. Hier können wir den Ärger, den Widerwillen, die Ablehnung und die Leugnung gehen lassen, die uns aus der Balance gebracht und verhindert haben, dass wir klar denken und uns auf die neuen Umstände einlassen können. Und das geschieht in der nächsten Phase.
  6. Der Phase des Loslassens. Loslassen von all den hemmenden negativen Gefühlen. Loslassen unserer ‚alten‘ Zukunftsbilder, die aus der kontinuierlichen Fortführung des Zustandes vor der Krise entstanden waren. In den Phasen ‚Erinnern‘ und ‚Akzeptieren‘ haben wir uns schon den Weg bereitet für diese Phase – denn wir haben die Bilder der Vergangenheit verabschiedet. Nun gilt es, unsere ‚alten‘ Zukunftsbilder zu verabschieden. Hier verlieren die negativen, überwältigenden Gefühle der vorherigen Phase an Kraft. Ihr Verstand und Ihre Kreativität können wieder übernehmen. Hier machen wir uns frei vom Alten, haben gleichsam innerlich aufgeräumt und können uns auf die Gestaltung einer neuen Zukunft einstellen. Und das geschieht dann in der nächsten Phase.
  7. In der Phase des Loslegens. Hier haben wir in uns aufgeräumt, sind wieder in Balance und unsere Kräfte können sich auf die neue Zukunft ausrichten. Frei von negativen Gedanken, weil wir akzeptiert haben, alles Hemmende losgelassen und neue Kräfte gesammelt haben.

Unsere Kraftquellen sind auch in der Krise da. Wir müssen sie nur nutzen.

Die Verarbeitung all dieser Phasen wird zudem beschleunigt, wenn wir uns ‚trotzalledem‘ Gutes tun. Ganz sicher gehört auch dazu, dass Sie sich Hilfe holen, wenn Sie selbst in den Phasen feststecken. Gute Coaches kennen diesen Prozess und können Sie wirkungsvoll unterstützen.

Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir uns von den zwangsläufig auftauchenden Emotionen davon abhalten lassen, gesund zu essen, ausreichend zu schlafen oder Dinge zu tun, die wir auch vor der Krise getan haben, um in Balance zu bleiben. Natur, Sport, Entschleunigungs-Übungen wie Meditation oder Atemübungen, gute Gespräche mit Familie, Freunden oder Kollegen und Mitarbeitern sind auch in der Krise möglich. Es gibt auch in dieser Zeit vieles, was wir tun können und sollten, um unsere Kraftreserven aufzufüllen oder sogar – zumindest für Momente - glücklich zu sein.

Wenn Sie wissen, dass all diese Emotionen völlig normal sind, wie sie ablaufen und was Sie in den Phasen für sich tun können, können Sie in eine Beobachter-Position gehen. Beobachten Sie sich selbst, nehmen Sie Ihre Emotionen als etwas wahr, was Sie ‚haben‘ nicht als etwas ‚was Sie sind‘ und tun Sie das Nötige, um den Trauerzyklus schneller zu durchlaufen. Und ‚ganz nebenbei‘ tun Sie Dinge für sich, die Sie glücklich machen. Und mit dieser Kraft, die Ihnen diese Momente geben, kommen Sie schneller wieder ins Gleichgewicht, sehen wieder klar und können mit voller Kraft Ihre neue Zukunft gestalten.

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