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Gut beraten vom Betriebsrat

Jörg Steinfeldt

19.07.2012 ·  Betriebsräte sind nicht zu beneiden. Sie wollen nur Gutes tun für die Kolleginnen und Kollegen, aber geliebt dafür werden sie nicht. Immer nörgelt jemand an ihnen herum. Schon als Schüler bekam ich in meinem ersten Job den Rat einer älteren Kollegin: „Hüte dich vor Betriebsräten und Gewerkschaftlern, das ist ein ganz eigener Menschenschlag.“

Jörg Steinfeldt

Jörg Steinfeldt ist Volljurist und arbeitet bei einem internationalen Spezialversicherer. Er ist seit 20 Jahren Führungskraft. Mit Frau und drei Kindern lebt er im selbst entwickelten Haus in Hamburg. » http://

Historische Leistungen

Die historischen Leistungen der Arbeitnehmervertretungen sind unvorstellbar. Vom ausgebeuteten Knecht zum (fast) gleichberechtigten Partner haben sie die Arbeitnehmer gebracht. Das deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft mit langen Zeiten sozialen Friedens hat vielen Menschen in Deutschland  Wohlstand gebracht, der nicht selten als selbstverständlich genommen wird. Immer mussten sie aus der Position des Schwächern agieren. Der ewige Kampf, sich jede kleinste Verbesserung erstreiten zu müssen, hat sich tief in die Psyche und das Selbstverständnis von Betriebsräten eingebrannt. Von einmal eroberten Positionen kann sie nichts und niemand verdrängen. Da passt es, dass viele Betriebsräte ein rotes Parteibuch haben mögen, ansonsten aber meist durch und durch konservative Menschen sind, die gerne am Bewährten festhalten. Jede Änderung im Betrieb - ob Produkt, Arbeitsablauf oder Technik - wird als teuflischer Angriff auf das erkämpfte Ist verstanden.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Aus dieser Historie heraus gelten der Auftrag und das Selbstverständnis von Betriebsräten dem Schutz des Schwächeren. Führungskräfte sind per se qua ihrer Position Feinde. Aber auch unter Kollegen steht im Fordergrund, das schwächste Glied in der Kette, zum Beispiel in einem Team, zu schützen. Das sind nicht selten auch die, die sich bei aufkommenden Problemen mit Kollegen oder eigenen Schwierigkeiten mit den Arbeitsinhalten zuerst an den Betriebsrat wenden, damit dieser ihre Interessen vertreten möge. Betriebsräte unterliegen dann regelmäßig der Schwäche, allein diese Mitarbeiter zu stützen. Es ist derselbe Fehler, der die Idee der Gesamtschulen ruiniert hat. Die Mühe echter Differenzierung unterbleibt und Schulklasse wie Betrieb richtet sich am kleinsten gemeinsamen Nenner aus. Entsprechend gering wird die Qualität der Leistungen insgesamt, denn die Leistungsstärkeren wandern ab oder legen sich hin. Was sollen sie auch tun, wenn eine bessere Qualität weder gefordert noch besser entlohnt wird. So war aber die Idee der Chancengleichheit nicht gemeint. Und was sagen die Kolleginnen und Kollegen, wenn sie unter den Schwachen leiden, weil ein ganzes Team durch sie schlecht performt? Wenn sie für die anderen mitarbeiten müssen, aber denselben Lohn erhalten? Das Instrument Betriebsrat ist gut (wie die Gesamtschule auch), aber es bedarf Gerechtigkeit durch Differenzierung. Schutz der Schwächeren und Schwächsten ja, aber die können nicht nur fordern. Sie müssen auch die Realität sehen. Eine Konsequenz kann eine andere Aufgabe im Unternehmen sein. Mit Blick auf viele andere Kolleginnen und Kollegen hat der Betriebsrat nicht nur einseitig zu verteidigen. Nicht jede Kritik ist Mobbing, nicht jede Überforderung ist ein Burn out. Für alle Beteiligten sind faire Lösungen zu vermitteln.

Klima der Langeweile

Die Kultur des kleinsten gemeinsamen Nenners schafft ein Klima der Langeweile. Viele Mitarbeiter sind unterfordert, neudeutsch bore out. Wichtige Treiber wie Ehrgeiz, Mut, Neugierde oder Kreativität werden unterdrückt. Konstruktive Kritik und notwendige Konflikte finden nicht statt. Alle tauchen ab und dümpeln so dahin. Mit solchen Mitarbeitern kann kein Unternehmen starke Leistungen erbringen. Produktivität und Qualität sinken.

Diven werden nicht geduldet. Doch was wäre aus Apple ohne Steve Jobs geworden? Ohne die Netzers, Effenbergs und Kahns wäre Fußball artig wie Lahm. Betriebe haben ihre Mitarbeiter so sehr konform gemacht, dass sie Think Tanks aufbauen müssen, um wieder an Ideen zu kommen. 

Unternehmensleitungen reagieren auf den Müßiggang in den Etagen gerne mit Umstrukturierungen. Außer Unruhe und Kosten bringen die aber nichts, denn die Mitarbeiter bleiben, wenn auch im Einzelfall an anderer Stelle, dieselben. Die Karten neu zu stecken in der Hand ergibt kein neues Blatt. Langeweile kann nur durch gezielte Führung der Mitarbeiter überwunden werden. Jeder einzelne ist zu fragen: was kannst du, was willst du und was wirst Du dafür tun? An diesen Angaben wird der Mitarbeiter zu messen sein. Wenn er hält, was er versprich – gut. Wenn nicht, sind Konsequenzen zu ziehen.

Verlorene Menschlichkeit

Betriebsräte haben viele einzelne oder komplexe Themen zu bewegen. Da liegt es nahe, das eine mit dem anderen zu verbinden. Die beantragte Personalentscheidung wird nur dann positiv entschieden, wenn der Getränkeautomat im Aufenthaltsraum kommt. „Das ist Politik“ heißt es dann, wenn eine Entscheidung stockt, weil wieder ein Kuhhandel mit einer ganz anderen Sache angestrebt wird. Gemeint ist „Das verstehst Du nicht“, weil kein Nichtbetriebsrat das Wirken des Betriebsrates nachvollziehen kann. Dieses Taktieren für die große Sache birgt die Gefahr, die Bedürfnisse des Individuums, das zum Beispiel gerne seine Versetzung entschieden sehen würde, zu verlieren. Der großen Sache Vorrang vor dem Individuum zu geben, ist schon so manchem Deutschen passiert. Diese Entwicklung hat der Idee des freien Individuums selten gut getan.

 

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