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Flintenweiber

Jörg Steinfeldt

31.05.2012 ·  „Was sind das denn?“ fragte ich. „Flintenweiber? Das sind Frauen ohne Gefühl – so wie Männer.“ lächelte mich meine etwas ältere Nachbarin an. Mit dem antiquierten Begriff fasste sie ihren Unmut über die vielen jungen Frauen zusammen, die bei ihrem Arbeitgeber in den letzten 12 Monaten Führungspositionen übernommen haben.

Jörg Steinfeldt

Jörg Steinfeldt ist Volljurist und arbeitet bei einem internationalen Spezialversicherer. Er ist seit 20 Jahren Führungskraft. Mit Frau und drei Kindern lebt er im selbst entwickelten Haus in Hamburg. » http://

Für mich als Mann überraschend, haben mir kürzlich mehrere Frauen ihren Unmut über weibliche Vorgesetzte gezeigt. „Ich habe die Sache der Frauen immer unterstützt. Ich habe immer mehr Frauen als Führungskräfte gefordert. Aber so habe ich mir das nicht vorgestellt.“ machte sich Enttäuschung Luft.

Frau sein allein reicht nicht

Die gute Nachricht ist: es kommen mehr Frauen in Führungspositionen. Ob durch die öffentliche Debatte, zur Pflege des Images oder schlicht aus Überzeugung, viele Unternehmen bewegen sich. Sie unterstützen Frauen durch besondere Bildungsangebote, spezielle Coachings oder eigene Netzwerke.

Die Kehrseite ist: männlich ergebnisorientiert scheint allein eine höhere Frauenquote in Führungspositionen das Ziel zu sein. Die Frage der Qualität dieser Frauen ist nachrangig. Das mag nur fair sein, gibt es doch genug schwache männliche Vorgesetzte. Auf dieses inhaltliche wie argumentative Niveau sollten sich Frauen gar nicht erst einlassen. Damit werfen sie ihre Akzeptanz bei Frauen wie Männern weit zurück. Zu Recht, denn jede geforderte Veränderung sollte die geschürte Erwartung auf Verbesserung für alle Beteiligten erfüllen. Ansonsten ist die Forderung „Mehr Frauen in Führungspositionen“ ein reiner Karriereturbo, der ohne Energie läuft, sondern nur das Label „Frau“ bedarf. Und auch diesen Vorwurf, nur über das Ticket „Frau“ eine Position bekommen zu haben, habe ich schon von Frauen über Frauen gehört.

Was Mitarbeiter von Frauen wollen

Vorgesetzte Frauen, die in dunklen Hosenanzügen rein äußerlich den Macho geben und deren Körpersprache Unsicherheit verrät. Die ohne Rücksprache mit den Betroffenen Mitarbeiterinnen - durchweg Mütter – deren Teilzeitarbeitsplätze in Vollzeitarbeitsplätze umwandeln. Die keine Kinder haben und im Betrieb über die angeblich unzuverlässigen und weniger leistungsfähigen Mütter herziehen, aber kaum, dass sie selbst Kinder haben, erst einmal mit Burn out umkippen. Die die Bedeutung der Mitarbeiter betonen, aber nicht einmal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen, geschweige denn ein Weihnachtsfrühstück oder einen Berliner auf eigene Kosten ausgeben. Die Verantwortung und Menschlichkeit postulieren, aber ihre eigenen Kinder nach 8 Wochen von sieben bis sieben einer Kinderfrau überlassen. Mitarbeiter sehen diese Doppelzüngigkeit. Sie spüren die Diskrepanz zwischen Wort und Tat. So will niemand geführt werden. Auf diese Frauenhat kein Mitarbeiter gewartet.  

Flintenweiber meint nicht nur bewaffnete Frauen, sondern im übertragenen Sinne generell solche, die kompromisslos und rigoros mit übersteigertem Selbstbewusstsein auftreten. Sie verkörpern das Gegenteil von dem, was Frauen zugeschrieben wird: Sensibilität, Toleranz, Empathie, Geduld, Nachsicht, Ausdauer. Frauen sind Helferin und Fürsorgerin, haben Milde und Liebe. Sie sind intuitiv und gefühlig, kooperativ und kommunikativ. Frauen leben Beziehungen. Menschen führen heißt Beziehungen zu haben. Und das ist der wichtigste Faktor für zufriedene Mitarbeiter: eine gute Beziehung zur direkten Führungskraft zu haben. Frauen sind deshalb prädestiniert für Führungspositionen.

Vermeintlicher Schutz schwächt Frauen

Nach einer Umfrage sehen Spitzenmanager in Führung mit weiblichen Eigenschaften keinen Mehrwert für Unternehmen. Die alten Wirtschaftskapitäne träumen auf ihren Vorstandsbrücken von alten Zeiten. Nichts soll sich verändern, keine Ausländer in Topjobs, keine neue Energiegewinnung, keine Entflechtung der Deutschland-AG, keine Frauen in Vorständen. Ginge es nach ihnen, gäbe es, obwohl (mit) in Deutschland erfunden, kein Fax und keinen Computer. Ihre Mitarbeiter sehen das ganz anders. Sie versprechen sich von Frauen eine bessere Führung. „Frauen in Führung“ soll nicht nur Karrieretrittbrett für wenige Frauen sein, sondern die Kultur in den Betrieben mit weiblichen Eigenschaften verändern, also einen Mehrwert für alle bringen. Und das tut echte weibliche Führung nach allen Untersuchungen auch.  

Ja, Frauen haben es immer noch schwerer, Karriere zu machen. Und ja, es ist für Mütter ein Spagat, Kind und Karriere gerecht zu werden. Was tun?  Deutsche sind gründlich. Dafür haben sie ein Instrument: Gesetze. Also muss eine Frauenquote her. Quoten sind für Schwache, die sich selbst nicht helfen können und eines Schutzes bedürfen, wie Wale, Robben oder Wild im Wald vor Jägern. Quoten schützen Minderheiten in Auswahlverfahren, die mit der Quote nicht mehr offen sind. Die Angehörigen der Quote werden sich immer dem Vorwurf ausgesetzt sehen, es nur wegen der Quote geschafft zu haben. Das Leben ist ungerecht, ob für Kinder aus nicht akademischen Haushalten in unserem Bildungswesen oder für nichtmännliche Arbeitnehmer in der Wirtschaft. Kinder bedürfen Hilfe, sie können ihr Leben noch nicht selbst für sich richten. Frauen sollten das alleine schaffen. Ohne Quote. Sie sollten sich nicht als schwache, also schützenswerte Minderheit sehen. Stellt die typisch deutsche, weil unerbittlich, unendlich und unnütze Diskussion um die Quote ein.

Frauen sind am besten Frauen

Frauen sollten sich auf ihre weiblichen Eigenschaften besinnen. Die hat so kein Mann. Sie sollten zu ihrer Weiblichkeit stehen und sie zeigen, äußerlich wie im Verhalten. Die Öffentliche Diskussion, bessere Infrastruktur bei den Kindergartenplätzen, unser Bildungssystem und der Arbeitsmarkt - die Förderung von Frauen ist heute größer den je. Männer sind ungeduldig, Frauen sind ausdauernd. Sie sollten die Flinten ins Korn werfen und weibliche Stärken einsetzen. Stärken bringen Erfolg. 

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