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Fit fürs Chaos

Dr. Stefan Fourier

12.11.2015 ·  Multitasking, straffe Tagespläne und durchgetaktete Freizeit strengen an. Sie führen zunächst zu mehr Leistung – eventuell – und später zu Verschleiß. Keine gute Kombination! Stattdessen können wir unsere Fähigkeiten zur Gestaltung der sozialen Systeme und zur Nutzung all der darin schlummernden Möglichkeiten entwickeln. Dann schonen wir unsere persönlichen Ressourcen und erreichen gemeinsam höhere Leistungen. Dazu benötigen wir fünf wichtige persönliche Eigenschaften: wach – mutig – schnell – diszipliniert – unerschütterlich.

Dr. Stefan Fourier

Dr. Stefan Fourier ist Unternehmer, Autor, Business Consultant und Mentor. Er entwickelte praxistaugliche Modelle zum Umgang mit Komplexität, die Organisationen und Menschen erfolgreich und das (Arbeits-)Leben entspannter machen. Die Wirkung seiner Modelle beruht auf solidem Wissen und persönlichen Erfahrungen aus vielen Lebensbereichen. In seinen Büchern pflegt Stefan Fourier einen lockeren Erzählstil, der seine Souveränität bei Problemlösungen unterstreicht. » http://www.fourier.de

Zunächst müssen wir uns klar darüber werden, was wir mit Chaosfitness eigentlich genau meinen. Chaosfitness heißt nicht, dass wir noch belastbarer, teamfähiger, lernfähiger, fachlich versierter und so weiter werden. Damit würden wir nur weiter an unsere Grenzen gehen. Das endet in Perfektionismus. Zur Erinnerung: Perfektion gibt es nicht, weil es immer noch besser geht. Und Perfektionismus ist zwanghaft und tut am Ende weh. Wir können mit diesen Fähigkeiten zwar vielleicht besser und schneller auf den wachsenden Druck reagieren, aber es bleibt beim Reagieren, wie immer. Wir versuchen uns nur noch weiter, dem Zustand »perfekt« zu nähern. Und damit wird es anstrengender.

Ich muss dabei immer an den Mann denken, der versucht, mit roher körperlicher Gewalt durch eine Mauer zu kommen. Er rennt immer und immer wieder dagegen an, mobilisiert alle Energie. Sein Kraftaufwand wird immer größer, und auch die Schmerzen, die er dabei erleidet. Er verbeißt sich immer mehr in seine Anstrengungen. Es gibt für ihn nur noch eins: Er muss da durch. Und bei all diesem Anrennen übersieht er den kleinen Jungen, der ein Stück daneben eine Leiter anlehnt und fröhlich über die Mauer klettert.

An dieser Stelle könnten Sie leicht auf die Idee kommen, dass ich für eine neue Methode aus dem Bereich Zeit- und Selbstmanagement plädiere. Tue ich aber nicht. Da ist im Übrigen auch schon alles erfunden. Ich finde die meisten dieser Methoden auch gut und hilfreich. Ich kenne viele Leute, die damit arbeiten und sich ganz gut organisieren. Trotzdem stehen sie unter Druck und manche von ihnen halten ihn schier nicht mehr aus. Ihnen würde auch die nächste Selbstorganisationsmethode nichts bringen, denn sie bietet ja keinen grundsätzlich neuen Ansatz. Nur wieder eine neue Variante des Alten, die vielleicht ein bisschen besser funktioniert. Aber: Mehr vom Alten macht noch lange nichts Neues!

Wenn wir verbissen weiter an den Fähigkeiten arbeiten, mit denen wir uns seit eh und je schon beschäftigt haben, dann machen wir es wie der Mann an der Mauer. Wir entwickeln unsere Perfektion in den alten, bekannten und bereits bis an ihre Wirkungsgrenze eingesetzten Fähigkeiten, ohne wirklich grundsätzlich neue auszuprägen. Und wir laufen Gefahr, in Perfektionismus zu verfallen, die zwanghafte Versteifung auf eine ganz bestimmte Sache. Also sollten wir es doch eher wie der kleine Junge machen. Suchen wir doch lieber einen anderen Weg.

Wie man fit für die Gestaltung der sozialen Systeme wird

In den vorangegangenen Kapiteln habe ich gezeigt, was wir tun können, um entspannter an die Lösung unserer Aufgaben heranzugehen. Wir können die Möglichkeiten nutzen, die unsere Umgebung bietet, die sozialen Systeme, in denen wir leben und arbeiten. Wenn wir dort aktiv und vorausschauend gestalten, anstatt zu reagieren, dann erreichen wir mehr. Wir erhöhen die Chancen, dem Druck besser zu begegnen, der aus der wachsenden Komplexität immer stärker auf uns drückt. Indem wir die echten Erfolgsfaktoren in unseren Unternehmen, Arbeitsbereichen, in den Familien und in unseren Freizeitorganisationen aktivieren, die Regeln und Bedingungen unseres Zusammenlebens und -arbeitens verbessern, im Kommunikationsfeld mitschwimmen und es dadurch steuern, wenn wir Rollenbewusstsein entwickeln und unsere Rollen souveräner spielen, wenn wir Menschen motivieren und sie zur engagierten Mitarbeit an unseren Vorhaben begeistern, dann gestalten wir unseren Alltag so, dass wir tatsächlich mit 80 Prozent unserer persönlichen Ressourcen die gewünschte Leistung erzeugen.

Die Schlüsselfähigkeit heißt also Gestalten! Gestalten unseres Arbeitsumfelds, unserer persönlichen Kontakte und Netzwerke, unseres Familienlebens und unserer vielen sonstigen Aktivitäten. Das ist die Chaosfitness, die ich meine. Wenn wir diese verbessern, müssen wir nicht mehr mit riesiger Kraftanstrengung durch Wände brechen, sondern wir finden Wege, die es uns erleichtern, mit den Herausforderungen fertig zu werden. Dabei stoßen wir natürlich an Grenzen – ich verspreche nicht das Paradies auf Erden. Selbstverständlich ist es schwierig, in einem Unternehmen mit starren Hierarchien oder unter einem sehr selbstbewussten Chef neue Regeln einzuführen. Es ist manchmal auch fast unmöglich, anderen Menschen den Sinn bestimmter Vorgaben zu vermitteln. Und trotz pausenlosen Dialogs mit seinen Kollegen werden immer noch Informationen durchrutschen und die Flut nicht abnehmen. Aber das ist doch klar: Perfekt wird es nie! Perfekt gibt es nicht! Aber es kann besser werden!

Ich beobachte immer wieder, dass Menschen zu früh aufgeben. Nach einigen Enttäuschungen stellt sich der Satz »Hat ja doch keinen Zweck« fast wie von selbst ein. Diese Menschen stecken bereits in der Perfektionismusfalle. Sie geben auf, weil sie glauben, es oder sie müssten perfekt sein. Dabei übersehen sie, dass es schon ein Stück besser ist als vorher, bevor sie mit ihrem Bemühen begannen. Anstatt sich nicht unterkriegen zu lassen und einfach weiter zu machen, geben sie auf. Dabei geht es immer noch etwas besser. Und wenn es auch nur ein bisschen besser wird, hat es sich schon gelohnt.

Mitunter reicht unsere Gestaltungskraft nicht aus, das jeweilige konkrete Problem zufriedenstellend zu lösen. Manchmal stoßen wir an objektive Grenzen, manchmal sind andere Interessen einfach stärker. Aber manchmal liegt es tatsächlich daran, dass unsere Gestaltungsfähigkeit zu gering ist. Diese zu stärken ist das Ziel unseres Chaosfitness-Programms.

Die fünf Schwerpunkte für Chaosfitness

  • Um die Chaosfitness, die Fähigkeit des Gestaltens, zu entwickeln, setze ich fünf Schwerpunkte:
  • Seien Sie wach, um die Möglichkeiten zu erkennen!
  • Seien Sie mutig, um die Möglichkeiten zu nutzen!
  • Seien Sie schnell, um die Probleme zu lösen, bevor sie dringend werden!
  • Seien Sie diszipliniert, um das zu tun, was nötig ist!
  • Seien Sie unerschütterlich, um sich nie vom Weg abbringen zu lassen!

Wenn wir uns in diesen fünf persönlichen Eigenschaften verbessern, wird es uns leichter fallen, die Möglichkeiten der sozialen Systeme zu nutzen. Dadurch gewinnen wir Gestaltungsfähigkeit. Das ist gar nicht so schwer, denn es geht auch hierbei nicht um Perfektion, sondern darum, besser zu werden.

Die gute Nachricht ist: Jeder verfügt bereits über diese Eigenschaften, die eine mehr, die andere weniger. Es sollte uns also leicht fallen, sie zu verbessern. Und wenn wir dann unsere Aufmerksamkeit auf die Gestaltung der sozialen Systeme richten – wach, mutig, schnell, diszipliniert und unerschütterlich – haben wir reale Chancen, mit dem Druck besser zurechtzukommen. Wir schaffen Entlastung.

Wenn Sie jetzt befürchten, ich traktiere Sie mit einem neuen Ausbildungsprogramm, dann kann ich Sie beruhigen. Wir werden uns bei der Entwicklung dieser Eigenschaften, die unsere Gestaltungsfähigkeit verbessern, auf ein uraltes Prinzip stützen: Die Energie folgt der Aufmerksamkeit!

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