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Einfach schlagfertig - Das Spiel mit der Sprache

Petra Schächtele-Philipp, Peter Kensok

18.02.2016 ·  Eine Inspiration für die elegante Schlagfertigkeit sind die Mehrdeutigkeiten in unserer Sprache. Wer sich eine Aussage bildhaft vorstellen kann, ist dabei eindeutig im Vorteil: Der Begriff ›Wanderbaustelle‹ in den Verkehrsnachrichten verführt zu Bildern mit Wanderschuhen und Rucksäcken. Von dort aus sind weitere Assoziationen möglich. Auch der Begriff ›Flugananas‹ löst bei den meisten Lesern zunächst einmal Bilder aus.

Petra Schächtele-Philipp, Peter Kensok

Petra Schächtele-Philipp ist Deutschlands »Expertin für die elegante Schlagfertigkeit«. Wie Schlagfertigkeit einfach geht, vermittelt sie in Trainings, Vorträgen und als Bloggerin. Die studierte Informatikerin, Rhetorikerin, Soziologin und Autorin lebt in Stuttgart. Peter Kensok ist Kommunikationstrainer und Coach. Er entwickelte unter anderem ein Verfahren zum Werte-Management für Einzelpersonen und Unternehmen, das er international unterrichtet. Der gelernte Journalist lebt in Stuttgart. http://www.kensok.de/ » http://www.mindspots.de/

Mehrdeutigkeiten werden auch Ambiguitäten genannt. Sie werfen uns aus unseren Denkrinnen hinaus, machen Spaß, lenken meist auf humorvolle Weise vom Ernst der Lage ab und helfen uns nach einem Lächeln wieder auf die Sachebene zurück.

»Steh nicht so Cognac, äh, Rum, nein rum.« (Heinz Erhardt (1909–1979), deutscher Komiker)

Vielleicht ist unser Gegenüber gerade nur schlecht darin, Komplimente zu machen und verfehlt deshalb den richtigen Ton. Dann kann eine gute Antwort trotzdem sein: »Danke für das Kompliment. Dann bin ich ja ein echter Experte.« Befolgen Sie also eine alte rhetorische Regel und verstehen Sie nur das, was Sie verstehen wollen und was davon zu einer Entschärfung der Situation beiträgt: Der Empfänger bestimmt immer, was und wie er eine Botschaft annehmen mag.

»Wie fanden Sie das Schnitzel?« – »Zufällig – unterm Salat.«
»Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten.«
»Du bist eine falsche Schlange!«
»Lieber eine falsche Schlange als eine echte.«

Schauen Sie ab sofort die Mehrdeutigkeiten unsere Sprache genauer an – und haben Sie Spaß dabei. Die Werbung beispielsweise lebt davon, und manchmal finden Sie auch Beispiele in den Überschriften der Zeitung:

Motto des Schützenvereins: »Schießen lernen, Freunde treffen!«

Auch bei zusammengesetzten Substantiven verändern wir häufig den Bezug. Denken Sie nur an Hundekuchen und Erdbeerkuchen. Oder: Hellseher und Schwarzseher. Manche Wörter sind von vornherein mehrdeutig: Note, Geldschein, Ton, Zensur, persönliche Eigenart. Sie werden schon bald Spaß daran haben, dass Niedertracht kein Dirndl aus Niederbayern ist, ja nicht einmal der Unterrock dazu. Neandertaler sind keine Währung, Pizzablitze schlagen selten ein, mit Spalt-Tabletten säen Sie keine Zwietracht. – Und es gibt keine alten Frauen, sondern nur solche, die etwas länger jung sind.

Achten Sie bei Ihren Wortspielereien darauf, dass sie weder überholt noch gar zu dämlich sind, sonst geht der Schuss nach hinten los:

»Wissen Sie, wo’s zum Bahnhof geht?« – »Ja.«
»Wann fährt der Bus?« – »Ungefähr nachdem er angekommen ist.«

Mehrdeutigkeiten sind originell und immer noch lustig. Jedem Menschen ständig das Wort im Mund umzudrehen ist dagegen lästig.

Umdeuten

Sezieren Sie wie ein Chirurg Wort für Wort Angriffe oder Einwände, mit denen Sie es zu tun bekommen. Hören Sie genau hin, und forschen Sie nach einem mehrdeutigen Aspekt, der sich ganz bescheiden hinter dem Offensichtlichen verbirgt. Das gibt es meistens, denn jede Eigenschaft ist in irgendeinem Umfeld nützlich. Manchmal wurde das passende Umfeld nur noch nicht entdeckt, und Sie könnten der Erste sein, dem das gelingt. Jedes Ding hat mindestens zwei Seiten: eine wissenschaftliche und eine vernünftige. Die dritte wäre nach Karl Valentin die Komische. Aber das haben Sie sich hoffentlich schon von weiter oben gemerkt.

Formulieren Sie unangenehme Fragen so, dass sie angenehm werden! Wird jemand beleidigend, nehmen Sie das beleidigende Wort auf und finden Sie etwas Positives daran. Ihr Gesprächspartner wird höchst erstaunt sein, wenn er merkt, dass er Ihnen gerade ungewollt ein Kompliment gemacht hat:

»Nun werden Sie mal nicht weinerlich, Frau Schubert.«
»Wenn Sie mir damit Einfühlungsvermögen und hohe soziale Kompetenz bestätigen, dann freue ich mich über Ihre Wertschätzung.«

Hinzusetzen könnte Frau Schubert jetzt noch: »Auf den ersten Blick mag Einfühlungsvermögen überflüssig sein. Auf den zweiten sehen Sie besser, dass es Ihre Beziehung zu anderen Menschen stärkt.« – Doch dieser Nachsatz von Frau Schubert wäre gar nicht mehr nötig.

Fragen Sie sich also immer: Was bedeutet das Gesagte außer dem offensichtlich Gemeinten? Suchen Sie nach weiteren Deutungsmöglichkeiten zu den Aussagen. Diese Technik fällt am Anfang leichter, wenn Sie sie mit ›Besser … als …‹ verknüpfen:

»Besser ungenau richtig, als exakt falsch.«
»Besser langsam und genau, als schnell und voller Fehler.«

Greifen Sie einen Begriff auf, deuten Sie ihn um und geben Sie ihn dann zurück.

»Sie sind überhaupt nicht schlagfertig!«
»Ich bin schon lange fertig mit meinem Schlag – und Sie haben es nicht einmal gemerkt!«
»Du bist viel zu schnell fertig. Da kann ja nichts dran sein.«
»Du meinst also, ich bin gut organisiert und arbeite zügig?«

Diese Technik hilft auch bei Pannen in Präsentationen. Wenn unerwartet das Licht ausgeht, können Sie sagen: »Naja, ganz so schwarz wollte ich unsere Situation nun auch wieder nicht malen.«

Wenn Ihnen das Mikrofon oder die Fernbedienung aus der Hand fällt: »Die Gesetze der Schwerkraft sind bei Ihnen aber sehr streng.«

Bei einem Versprecher: »Immerhin habe ich Sie jetzt zum Lachen gebracht.«

Werden Sie beim Umdeuten nie persönlich, weitschweifig oder respektlos:

»Ich bin ziemlich sauer.«
»Siehst du: Zu viele Zitronen essen tut nicht gut.«

Eleganter ist im letzten Beispiel der Fokus auf ›ziemlich‹: »Heißt ›ziemlich‹, dass wir noch alles wieder gerade rücken können?«

»Glaubst du, ich bin blöd?«
»Nein, aber begriffsstutzig bist du gerade schon.«

Die Antwort im letzten Beispiel ist immer noch freundlicher als diese hier: »Mit all den Brettern vor dem Kopf würdest du bei Olympia die Plätze eins bis drei gleichzeitig schaffen.«

Definieren

Auch eine eigene Definition kann manchmal Wunder wirken. Wir können alles aus mehreren Perspektiven sehen – positiv wie negativ. Spricht ein Mitarbeiter von Fortbildung, hört der Chef nur, dass der Mitarbeiter fort sein wird. Der Mitarbeiter meint jedoch Bildung mit der Absicht, seine Arbeit noch besser zu machen.

»Haben Sie nichts zu tun? Ihr Schreibtisch ist so leer.«
»Ich bin gut organisiert.«

Tipp: Zu einem durchtrainierten Pessimisten gehört, dass er Gutes sehr schlecht und Schlechtes sehr gut hört. Machen Sie es sich zur Angewohnheit, die positiven Dinge zu erkennen, sie in Ihre Aussagen einzupflegen und angemessen darauf zu antworten.

Höheres Ziel

Der amerikanische Soziologe Erving Goffman stellte fest: Wer ein Projekt in einen neuen Rahmen stellt, zum Beispiel von der Forschung und Entwicklung in die Produktion, hebt seinen eigenen Status und senkt den derjenigen, die weiter auf die alte Zuordnung des Projektes pochen. In der eleganten Schlagfertigkeit hat jedoch die Nase vorn, wer für ein bestehendes Projekt einen noch besseren Ort benennen kann:

»Sie wollen Ihre Verluste auf dem Rücken der kleinen Leute austragen!«
»Nein, es geht nicht nur um niedrigere Gehälter. Es geht vielmehr darum, die Arbeitsplätze überhaupt zu erhalten.«

Absichtliches Missverständnis

Täuschen Sie vor, etwas falsch verstanden zu haben. Legen Sie Dinge anders aus, als sie gemeint waren. Etwa so:

»Wie lange hält der Zug?« – »Bei guter Pflege dreißig Jahre.«

»Na, beißen die Fische?« – »Nein, du kannst sie ruhig streicheln.«

Abteilungsleiter zum Angestellten: »Sie waren in dieser Woche immer pünktlich. Haben Sie einen bestimmten Wunsch?«

»Wie viele Anschläge schaffen Sie in der Minute?«
»Brauchen Sie eine Sekretärin oder einen Terroristen?«

»Wie viele Inseln gibt es im Indischen Ozean, und wie heißen sie?«
»Es gibt viele Inseln, und ich heiße Meier.«

Oder machen Sie es wie der Komiker Karl Valentin. Der antwortete auf die Frage: »Sind Sie denn von Sinnen?« – »Nein, ich bin von hier.«

Tipp: Legen Sie bei all dem ab und zu auch eine pointenfreie Zone fest. Nicht immer ist eine Umdeutung oder ein schneller Witz angebracht. Zum Üben ist es jedoch äußerst wirkungsvoll.

 

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